Neues in Ubuntu 10.10 “Maverick Meerkat”

Aus LinuxUser 12/2010

Neues in Ubuntu 10.10 “Maverick Meerkat”

© Chris Fourie, 123rf.com

Wildes Erdmännchen

Die neueste Ubuntu-Version trägt den Codenamen “Maverick Meerkat” und soll nach dem Willen von Canonical die “Perfect Ten” sein. Lohnen die neuen Features von Ubuntu 10.10 ein Update?

Canonical hat sich für die Veröffentlichung von Ubuntu 10.10 ein ganz besonderes Datum ausgesucht: den 10.10.10. Wer schon einmal per Anhalter durch die Galaxis gefahren ist und ein wenig Binärcode versteht, wird sogleich bemerken, dass dies die Antwort auf die wichtigste Frage gibt. Dieser Artikel hat nicht ganz so hohe Ansprüche und beantwortet lediglich die Frage, was Ubuntu 10.10 an Neuem mitbringt.

Ubuntu 10.10 Sixpack

Das Sahnehäubchen dieser Ausgabe stellt zweifelsohne das LinuxUser Ubuntu 10.10 Sixpack dar, das Sie auf der zweiten Heft-DVD finden. Es enthält alle derzeit verfügbaren Ubuntu-Variationen, zusammengefasst in einem Bootmenü: Ubuntu, Kubuntu (KDE), Xubuntu (XFCE), Lubuntu (LXDE), Mythbuntu (MythTV) sowie die Alternate-Version. Auf der DVD-Vorderseite finden Sie die 32-Bit-Versionen, auf der Rückseite die 64-Bit-Ausgaben.

Verbesserter Installer

Ubuntu [1] gilt als einsteigerfreundlichste Linux-Distribution. Mit Version 10.10 zeigt Canonical einmal mehr, dass es nicht daran denkt, sich auf den bisherigen Lorbeeren auszuruhen, und hat zahlreiche Systemkomponenten hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit überarbeitet.

Deutliche Verbesserungen erfuhr das Installationsprogramm (Abbildung 1), mit dem sich das System jetzt in drei Mausklicks einrichten lässt . Hier gibt es im ersten Dialog eine Checkbox zur Installation von nicht freien Komponenten, danach folgt bereits die Partitionierung, bei der die meisten Benutzer nur noch auf Jetzt installieren klicken müssen. Die zusätzlichen Angaben zur Zeitzone, Tastaturlayout und zur eigenen Person nimmt man während der Paketinstallation vor, dadurch läuft der komplette Vorgang noch einmal einen Tick schneller und bequemer ab.

Abbildung 1: Das Installationsprogramm überprüft, ob genügend freier Platz vorhanden, das Netzteil angeschlossen und eine Internetverbindung vorhanden ist.

Abbildung 1: Das Installationsprogramm überprüft, ob genügend freier Platz vorhanden, das Netzteil angeschlossen und eine Internetverbindung vorhanden ist.

Schöner Desktop

Wer die Optik von Ubuntu 10.04 mag, dem gefällt der Desktop von “Maverick Meerkat” wohl noch besser (Abbildung 2). Canonicals Design-Team hat die Fensterdekoration leicht überarbeitet und der Farbe Orange wieder etwas mehr Stellenwert eingeräumt. So erscheinen sowohl markierte Menüeinträge als auch der Button zum Schließen eines Fensters (weiterhin auf der linken Seite) in einem angenehmen Orange.

Abbildung 2: Der Gnome-Desktop von Ubuntu 10.10 macht einen sehr aufgeräumten und professionellen Eindruck.

Abbildung 2: Der Gnome-Desktop von Ubuntu 10.10 macht einen sehr aufgeräumten und professionellen Eindruck.

Sehr viel zum verbesserten Aussehen von Ubuntu 10.10 trägt auch die neue Schrift “Ubuntu” bei. Die meisten Gnome-Programme (vorinstalliert ist Gnome 2.32.0) kooperieren sehr gut mit dem neuen Font zusammenarbeiten, ein paar negative Ausnahmen gibt es aber auch. So unterstreicht beispielsweise Firefox die Hotkeys weiterhin, und auch bei Chromium und diversen KDE-Programmen treten Schönheitsfehler auf.

Wie in mehreren Blog-Einträgen angekündigt [2], hat Canonical mit den Miniprogrammen im Systemabschnitt des Panels aufgeräumt und hier das einheitliche Konzept der Indikatoren weiter ausgebaut. So zeigt nun zum Beispiel Rhythmbox die abgespielten Stücke bei einem Klick auf das Lautstärkesymbol an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Konzept der Indikatoren hat Canonical mit Ubuntu 10.10 deutlich ausgebaut.

Abbildung 3: Das Konzept der Indikatoren hat Canonical mit Ubuntu 10.10 deutlich ausgebaut.

Anwendungen

Wie üblich bringt Ubuntu 10.10 die neuesten Versionen vieler Anwendungen mit. Als Desktop dient Gnome 2.32.0, unter der Haube arbeitet Kernel 2.6.35. Nicht in “Maverick” geschafft hat es hingegen das neue Dateisystem Btrfs, Ext4 fungiert weiterhin als Standard. Bei OpenOffice setzt Canonical auf die Oracle-Variante in Version 3.2.1. Weitere zentrale Komponenten führt die Tabelle “Versionsnummern” auf.

Versionsnummern

Komponente Programm
Kernel Linux 2.6.35
Desktop Gnome 2.32
Compiler GCC 4.4.4
Webbrowser Firefox 3.6.10
Mailclient Evolution 2.30.3
Bürosuite OpenOffice 3.2.1
Chat-Client Empathy 2.32
Twitter-Client Gwibber 2.32
Torrent-Client Transmission 2.04
Brennprogramm Brasero 2.32
Bildbetrachter Shotwell 0.7.2
Musikplayer Rhythmbox 0.13.1
Videoplayer Totem 2.32
Videoschnitt PiTiVi 0.13.5

Über eine deutlich verbesserte Evolution-Version dürfen sich die Anhänger des Gnome-Mailprogramms freuen. Während Evolution 2.28 in Sachen Performance deutlich hinter Thunderbird oder Kontact zurückblieb, brachten die Entwickler mit Evolution 2.30 eine sehr flotte Version zustande. Auch beim Cloud-Dienst Ubuntu One gibt es einige Verbesserungen. So kann man jetzt einen neuen Account gleich im Ubuntu-One-Client anlegen und muss dazu nicht mehr auf die Ubuntu-One-Homepage wechseln.

Canonical hat zum Launch von Ubuntu 10.10 auch die Dienstleistungen des Cloud-Services ausgebaut und die Preise leicht angepasst. So gibt es nun neben den weiterhin frei verfügbaren 2 GByte Speicherplatz Pakete zu je 20 GByte zum Dazukaufen. Sie kosten 3 US-Dollar pro Monat und lassen sich bei größerem Speicherbedarf auch kombinieren. Zugleich startete Canonical auch den neuen Dienst Ubuntu One Mobile, der die Kontakte des Android-Handys oder iPhones mit dem lokalen Adressbuch abgleicht und Musik in der Ubuntu-One-Wolke auf das Smartphone streamt [3] (zurzeit nur für Android und iOS).

Software-Center

Das Software-Warenhaus von Canonical zeigt sich im gleichen Outfit wie unter Ubuntu 10.04, hat jedoch ein paar Detailverbesserungen erfahren. Neu ist der Eintrag Zum Kauf, hinter dem sich kommerzielle Software verbirgt. Aktuell steht allein der DVD-Player von Fluendo zum Kauf bereit (25 US-Dollar), es dürften sich später aber auch ein paar Spiele unter den Angeboten befinden.

Ebenfalls neu: die History-Funktion. Über einen Klick auf Verlauf sortiert das Software-Center die verfügbaren Programme wahlweise nach dem Datum der Installation, eines Updates oder des Löschtermins. Damit lassen sich kürzlich installierte Programme leichter aufspüren und zum Beispiel einfacher löschen.

Fazit

Wer jetzt mit Ubuntu den Linux-Einstieg wagen will oder einfach wieder einmal ein Ubuntu ausprobieren möchte, der wird an Maverick Meerkat Gefallen finden. Der Gnome-Desktop zeigt sich von seiner schönsten Seite, auch wenn Canonical in einigen Punkten etwas vom Mainstream abweicht. Wer bereits 10.04 nutzt, erlebt mit 10.10 keine großen Überraschungen, das Update lohnt sich hier also nur in wenigen Fällen. Mit Unity [4] zeigt Canonical eine interessante Desktop-Alternative für Netbooks auf, die allerdings an vielen Stellen noch unausgereift wirkt. 

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