Auf absehbare Zeit wird es keine großen Unterschiede geben, aber erste neue Features in der aktuellen Betaversion von Libre Office deuten es bereits an: Die beiden Office-Pakete gehen unwiderruflich getrennte Wege. Nach eigenen Angaben auf der OOKfWV hat der Libre-Office-Zweig aber auch ohne Hilfe Oracles und IBMs eine gute Chance.
Thomas Krumbein, Vorstandsvorsitzender des Vereins OpenOffice.org, und Andre Schnabel, Gründungsmitglied der Document Foundation, hegen keine Befürchtungen, dass Libre Office die Kapazitäten für einen eigenen Zweig der Office Suite fehlen könnten. Im Gegenteil sind sie sich sicher: Mittlerweile habe der Fork, der nach Übernahme des bisherigen wichtigsten bisherigen Unterstützers Sun entstanden ist, so viele Entwickler rekrutieren könnne, wie dessen neuer Eigentümer Oracle für Open Office beschäftigt. Man habe 60 bis 70 neue Kontributoren gewonnen, gaben beide auf dem Open Office Kongress für Wirtschaft und Verwaltung bekannt, der dieser Tage in München stattfindet. Auch namhafte Firmen hättens schon ihre Unterstützung zugesagt, darunter Canonical, Google, Red Hat und Novell.
Weitere Vorkehrungen wurden getroffen, berichteten die Referenten. Die Libre Office Foundation soll künftig als Dachorganisation nationaler Unterorganisationen wie des Open Office.org Deutschland e.V. fungieren und die Besitzstände des freien Office wie die Namens- und Markenrechte, Code und Copyright unabhängig verwalten. Das soll sicherstellen, dass sich eine Entwicklung wie die gegenwärtige nicht wiederholen kann, in der Oracle und ein Teil der Community in Widerspruch geraten waren. Derzeit prüfe man rechtlich, ob der Sitz der Stiftung am zweckmäßigsten in Deutschland , England oder Frankreich gelegen ist.
Von Libre Office, das derzeit als Beta 3 vorliegt, soll es künftig einen stabilen Zweig mit jährlichen Releasewechseln und einen Developer-Zweig mit halbjährlichem Zyklus geben. Von Open Office werde man alle sinnvoll erscheinden Neuerungen übernehmen, solange dessen Code quelloffen bleibe, sagten die Referenten. Eine erste finale Version von Libre Office soll sich daher genauso leicht einsetzen lassen wie ein Open Office-Update. Eine erste finale Versionwäre auch Voraussetzung, um für die Installation im Behördenbereich zugelassen zu werden, wo derzeit nur Open Office zertifiziert ist.





