Was macht eigentlich Abiword? Die Textverarbeitung, die sich zur schlanken Alternative mausert, steht kurz vor dem Sprung auf Version 1.0.
Abiword ist eine unter der GPL stehende Textverarbeitung, die für verschiedene Betriebssysteme verfügbar ist. Es gibt neben der Linux-Variante inzwischen Versionen für Windows, BeOS, QNX und MacOS X. In einer speziell an den GNOME-Desktop angepassten Ausgabe ist Abiword Bestandteil von GNOME-Office.
Einen Überblick über die verschiedenen Programmversionen gibt die Abiword-Homepage [1], von der Sie auch stets die aktuellen Pakete downloaden können. Da das Abiword-Team gerade mit Hochdruck in Richtung Version 1.0 arbeitet, stehen die Chancen gut, dass es schon eine neuere Ausgabe als die zum Redaktionsschluss aktuelle 0.9.2 gibt, wenn Sie diesen LinuxUser in der Hand halten.
Kasten 1: Installation
Auf der Abiword-Homepage [1] wie auch auf der Heft-CD finden Sie das Programm als Quelltext und als fertiges Binärpaket für Red Hat, SuSE u. a. rpm-basierte Distributionen sowie Debian.
Je nach Distribution installieren Sie das rpm-Paket abiword-gtk-0.9.x-1.i386.rpm als root mit dem Befehl
rpm -Uvh abiword-gtk-0.9.x-1.i386.rpm
oder das Debian-Paket abiword_0.9.2_i386.deb mit dem Kommando
dpkg -i abiword_0.9.x_i386.deb
Wer das speziell an GNOME angepasste Abiword benutzen möchte, installiert das Paket abiword-gnome-0.9.x-1.i386.rpm mit dem Befehl
rpm -Uvh abiword-gnome-0.9.x-1.i386.rpm
. Diese Version unterscheidet sich von der GTK-Version dadurch, dass die Menüs und Symbole an den GNOME-Standard angepasst sind.
Wenn Sie Abiword selbst übersetzen möchten, benötigen Sie das Archiv abiword-0.9.2.tar.gz, das Sie auf der Heft-CD oder unter http://prdownloads.sourceforge.net/abiword/abiword-0.9.2.tar.gz bekommen. Achtung: diese Datei ist knapp 15 MB groß. Eine Anleitung, wie Sie Abiword übersetzen und welche Bibliotheken Sie dafür benötigen, finden Sie unter folgender URL: http://www.abisource.com/dev_build.phtml.
Als Testsystem für diesen Artikel diente ein AMD Duron mit 750 MHz und Red Hat 7.1.
Die Installation geht mit den für verschiedene Distributionen ausgelegten Paketen leicht von der Hand. Falls es doch einmal Schwierigkeiten geben sollte, finden Sie im Kasten 2 Hilfestellung.
Kasten 2: Wenn Abiword nicht starten will
Unter Red Hat Linux kann es vorkommen, dass Abiword nach erfolgreicher Installation mit der Fehlermeldung
"AbiWord could not load the following font or fontset from the X Window System display server, [-*-Times New Roman-regular-r-*-*-*-0-*-*-*-*-*-*]"
die Arbeit verweigert. Der Hintergrund ist der, dass Abiword zum Funktionieren eine Reihe von Schriften, unter anderem Times New Roman, benötigt, die zwar installiert sind, aber vom Programm nicht gefunden werden.
Um Abiword zur Mitarbeit zu bewegen, geben Sie als root auf der Kommandozeile folgenden Befehl ein:
/usr/sbin/chkfontpath -q -a /usr/share/abisuite/fonts
Jetzt kann das Programm die Schriften finden und wird problemlos starten.
Fertigkeiten
Bereits beim Starten einer aktuellen Abiword-Version fällt auf, dass das Programm sehr viel schneller ist als früher. Zudem wurden die Menüs und Dialoge in der letzten Zeit überarbeitet, so dass sich das Programm einfacher bedienen lässt. Leider sind immer noch nicht alle Menü- und Dialogbeschriftungen übersetzt, so dass Dialoge gelegentlich in englischer Sprache erscheinen.
Abiword beherrscht die wichtigsten Textverarbeitungsfunktionen wie Seiten-, Absatz- und Zeichenformatierung. Kopf- und Fußzeilen oder auch automatische Seitennummerierung stehen nunmehr ebenso selbstverständlich zur Verfügung. Dokumente können aus mehreren Abschnitten mit unterschiedlicher Spaltenzahl bestehen, so dass es möglich ist, ein einfaches zeitungsähnliches Layout mit Abiword zu gestalten (Abbildung 1). Leider beherrscht das Programm keine Silbentrennung, was dazu führt, dass im Blocksatz gesetzter Text zuweilen etwas löchrig wirkt.
Grafiken lassen sich in verschiedenen Formaten in den Text einzufügen. Zu den Errungenschaften der letzten Zeit zählen Listen (nummeriert oder nicht nummeriert) und Aufzählungen sowie Tabulatoren mit Füllzeichen und Felder für verschiedene Variablen. Einige dieser neuen Formatierungsmöglichkeiten zeigt Abbildung 2.
Wie jedes Textverarbeitungsprogramm, das etwas auf sich hält, verfügt Abiword über eine automatische Rechtschreibkontrolle, die jedes unbekannte Wort mit einer roten Kringellinie unterstreicht. Das Programm wird mit einem amerikanischen Wörterbuch ausgeliefert. Auf CD oder unter [2] erhalten Sie eine 20 MB große Sammlung von Wörterbüchern in 22 Sprachen, darunter auch Deutsch.
Hilfe!
Neu ist ein umfangreiches, auf HTML-Seiten basierendes Hilfesystem, das in einem auf dem System der Benutzerin installierten Browser angezeigt wird (Abbildung 3). Die Hilfeseiten behandeln alle Aspekte der Programmbenutzung und bieten einen Lehrgang zum Kennenlernen der Software an.
Ausgetauscht
Abiword verfügt über eine große Zahl von Im- und Exportfiltern, um Texte mit anderen Textverarbeitungen austauschen zu können. Die wichtigsten Filter sind Importfilter für RTF, MS-Word, DocBook und ApplixWord, auch wird eine größere Anzahl von Textverarbeitungsformaten von Palm und Psion unterstützt. Daten können unter anderem als RTF, HTML, DocBook, LaTeX und reiner Text gespeichert werden. Für die Zukunft ist die Unterstützung des KWord- und OpenWord-Formates geplant.
Die Qualität der Filter ist sehr unterschiedlich. Der MS-Word Importfilter funktioniert sehr gut, Dokumente, die mit MS-Word der Versionen 6, 95 und 97 erstellt wurden, werden sicher eingelesen. Auch der RTF-Filter liefert gute Ergebnisse. Die Filter für die anderen Formate sind noch nicht so ausgereift und unterstützen nur einen Teil der Formatierungsmöglichkeiten des Fremdformates.
Der Countdown läuft
Wie bei fast allen Open-Source-Projekten kann für die Freigabe der Version 1.0 kein Datum genannt werden. Die Entwickler möchten das Programm möglichst fehlerfrei ausliefern, so dass bis zur Fertigstellung noch eine gewisse Zeit vergehen kann. Die Vorabversionen mit den Nummern ab 0.9.0 enthalten schon die gesamte für das endgültige Programm vorgesehene Funktionalität, im Vordergrund steht zur Zeit das Beseitigen von Fehlern. Allerdings erscheinen die Vorabversionen in sehr kurzen Abständen, so dass es sich lohnt, häufiger auf der Abiword-Homepage vorbei zu schauen.
In der jetzigen Form ist das Programm für kürzere Texte wie Briefe oder Memos gut zu gebrauchen. Auch kleinere Beschreibungen oder Artikel lassen sich mit ihm bearbeiten.
Für längere und wissenschaftliche Texte fehlen nach wie vor Funktionen wie automatisch erzeugte Inhaltsverzeichnisse und Indizes. Das k.O.-Kriterium für Viele dürfte allerdings die fehlende Unterstützung für Tabellen, Fuß- oder Endnoten sein. Beides wird auch Version 1.0 voraussichtlich noch vermissen lassen.
Immerhin legt Abiword von Version zu Version an Stabilität zu. Wenn es denn doch abstürzt, versucht das Programm stets, den aktuell bearbeiteten Text zu speichern und so Datenverlust vorzubeugen. Diese Notsicherung funktioniert sehr zuverlässig.
Interessenten sei die Abiword-Entwickler-Mailingliste [3] empfohlen. Dort werden die neuesten Ideen vorgestellt, und man erfährt, wie es mit der Entwicklung des Programms vorangeht.
Glossar
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DocBook
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DocBook ist ein Textformat, das auf XML basiert und insbesondere für technische Dokumentationen verwendet wird.
Infos
[1] Abiword-Homepage: http://www.abisource.com/
[2] Wörterbücher: http://prdownloads.sourceforge.net/abiword/abispell-0.9.0.tar.gz
[3] Archiv der Abiword-Entwickler-Mailingliste: http://www.abisource.com/devel/archive/





