Open-Source-Software lebt vom Mit- und Selbermachen. Auch wenn nicht aus jedem gleich ein Linus Torvalds wird, helfen moderne Programmierwerkzeuge dabei, den langweiligen Anteil bei der Programmiererei gering zu halten, während sie Effizienz und Spaß am Entwickeln fördern.
Zum Programmieren – sei es beruflich oder als Hobby – braucht man erst einmal nicht viel: Ein Texteditor sowie – je nach Programmiersprache – einen Compiler oder Interpreter, das war’s bereits. Doch je komplexer die Projekte werden, desto mehr große und kleine Hilfswerkzeuge kommen hinzu: vom allgegenwärtigen make angefangen, für das wiederum verschiedene Tools die Vorlagen, die Makefiles, zusammenbauen, bis hin zu kompletten Entwicklungsumgebungen.
Auch wenn erstaunlich viele gute Linux/Unix-Programmierer(innen) einen mächtigen Texteditor wie den Emacs als Entwicklungsumgebung vorziehen, braucht mittlerweile niemand mehr neidisch auf die schönen bunten IDEs (“Integrated Development Environments”) unter Windows zu schielen – obwohl eingefleischte Windowsprogrammierer(innen) bei den ab Seite 34 vorgestellten Entwicklungsumgebungen für C, C++ und Object Pascal vielleicht nicht immer den gewohnten Komfort finden.
Ein einfaches C- oder C++-Programm für die Kommandozeile lässt sich noch problemlos mit den Mitteln der Standardbibliotheken zusammenstricken. Doch spätestens, wenn das anvisierte Programm eine grafische Benutzeroberfläche bekommen soll, wird es ohne ein GUI-Toolkit wie GTK+, Qt oder Tk mühsam. Für die “visuelle Programmierung” stehen GUI-Builder zur Verfügung, die es nach WYSIWYG-Manier erlauben, Programmfenster zusammenzubauen. Mit Glade (ab Seite 26) und Qt Designer (Seite 30 ff.) stellen wir zwei weit verbreitete Tools dieser Kategorie eingehender vor.
Was Tools nicht leisten
Einen Nachteil haben all diese Programme – ob GUI-Builder oder IDE – allerdings gemeinsam: Auch wenn sie es teilweise suggerieren, machen sie aus bisherigen Nicht-Programmierer(inne)n nicht über Nacht neue Sterne am Entwickler(innen)himmel. Trial and error mit Texteditor und Compiler, das Nachvollziehen kommentierter Beispiele, das Lesen (hoffentlich vorhandener) Dokumentation und mit Fehlersuche um die Ohren geschlagene Nächte (Tage oder Wochenenden) gehören zum Programmieren(lernen) einfach dazu. Denn soviele Tools es auch gibt – oft sparen sie erst denjenigen wirklich Zeit, die auch ohne sie auskämen.
Ist aus dem Projekt erst einmal eine noch rudimentäre, aber lauffähige Version geworden, stellt sich eventuell die Frage nach Feedback aus der Community. Entwicklerplattformen im Netz können dann zum Kommunikations- und Entwicklungszentrum werden. Beispielhaft stellen wir ab Seite 39 SourceForge vor.
Und die Skript-Sprachen?
Für viele Aufgaben ist der Aufwand einer kompilierten Programmiersprache wie C oder C++ viel zu hoch. Stellvertretend für die ganze Bandbreite der interpretierten Skript-Sprachen, denen ein eigener Schwerpunkt angemessen wäre, widmen wir der Shell-Programmierung mit der Bash einen auf Seite 42 beginnenden Artikel. Dieser bildet den Abschluss des im Heft 12/2000 gestarteten Programmierkurses für die Linux-Standard-Shell.




