Von 1.0.6 direkt auf 2.0.0 – der große Versionssprung bei der Textverarbeitung Abiword lässt auf einen kräftigen Funktionszuwachs hoffen. Wir schauten uns das aktuelle Release an, um zu sehen, ob die neue Versionsnummer gerechtfertigt ist.
Freundlicher und moderner dank überarbeiteten Icons und Menüs – so präsentiert sich die neue stabile Abiword-Version 2.0, die das Projekt-Team nach einer kurzen Beta-Phase freigegeben hat. Interessierte Anwenderinnen finden den Quellcode wie auch das fertig übersetzte Programm unter [1]; bei der Suche nach distributionsspezifischen Paketen hilft eine Suchmaschine wie rpmseek.com[2] weiter.
Noch immer orientiert sich Abiword im Aufbau der Menüs am großen Vorbild MS Word, so dass Umsteigerinnen sich rasch zurecht finden. Leider weist dadurch auch die neue Version weiterhin einige Merkwürdigkeiten in der Menüstruktur auf. Beispielsweise formatiert man eine Seite über einen Menüpunkt im Menü Datei und nicht – wie anzunehmen – unter Format. Die deutsche Übersetzung von Menüs und Dialogbeschriftungen ist noch nicht vollständig; immer wieder tauchen englische Texte zwischen den deutschen auf.
Tabellarisches für Serientäter
Endlich beherrscht Abiword das Arbeiten mit Tabellen (Abbildung 1). Allerdings sind die dabei zur Verfügung stehenden Formatierungsoptionen noch nicht besonders umfangreich. Die Auswahl von Rahmen- und Hintergrundfarbe klappt nicht zuverlässig, häufig stürzt das Programm beim Ändern der Tabelleneigenschaften einfach ab. Die Höhe von Tabellenzeilen lässt sich nicht manuell einstellen, lediglich die Spaltenbreite darf die Benutzerin verändern. Für einfache Anwendungen wie Rechnungsformulare reicht das aus, aufwändige Layouts lassen sich so nicht gestalten.
Für das Erstellen von Mailings und anderen Massensendungen übernimmt Abiword über die Bibliothek GNOME-DB Adressen oder andere Datensätze aus einer Datenbank in ein Dokument. Die Datenbankdateien müssen im CSV– oder in einem speziellen XML-Format vorliegen, wenn kein Datenbankserver die Datensätze liefert. Über einen Dialog fügen Sie einzelne Felder an beliebiger Stelle in den Text ein (Abbildung 2).
Vermischtes
Schüler und Studenten, die Referate und Hausarbeiten mit Abiword schreiben, werden sich freuen, dass das Programm jetzt auch Fuß- und Endnoten beherrscht (Abbildung 3).
Die Anmerkungen lassen sich beliebig formatieren, es stehen zahlreiche Zahlenformate zur Verfügung. Leider fehlen immer noch wichtige Funktionen wie automatische Inhalts- und Stichwortverzeichnisse, die Abiword erst für wissenschaftliche Werke tauglich machten.
Das Arbeiten im Team erleichtert die neue Versionskontrolle. Auf dem Bildschirm zeigt Abiword jede neu begonnene Variante des Textes in einer anderen Farbe an.
Reif für den Einsatz?
Leider trüben einige Fehler und zahlreiche Abstürze das anfangs positive Bild. Die unvollständige Übersetzung und die fehlerbehafteten neuen Funktionen hätten sich durch eine längere Beta-Phase sicherlich vermeiden lassen. So bleibt als Fazit nur der Rat, Abiword 2.0 noch nicht für die tägliche Arbeit einzusetzen und auf das nächste fehlerbereinigte Release zu warten.
Eine gute Nachricht gibt es für alle, die Texte mit anderen austauschen: Abiword trennt sich demnächst – wie KOffice – von seinem eigenen Dateiformat und steigt auf das OpenOffice-Format um, so dass die Zusammenarbeit mit OpenOffice Writer und KWord wesentlich einfacher wird.
Glossar
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CSV
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“Character” oder “Comma Separated Values”. Datenbankdateien im Textformat, in denen Kommata oder ein anderes Zeichen die einzelnen Felder voneinander trennen. In jeder Zeile steht ein Datensatz.





