Auf der Heft-CD finden Sie die neueste Version der “KDE GNU/Linux Live-CD” – das ist eine von Knoppix abgeleitete Mini-Distribution, über deren wichtigste Features dieser Artikel informiert.
Zur CeBIT 2003 wurde die erste Version dieser CD fertig gestellt. Sie soll vor allem die Leistungsfähigkeit von KDE als Desktop-System demonstrieren. Eine normale Knoppix-CD würde zu diesem Zweck eigentlich ausreichen, allerdings verwendet diese den Entwicklungszweig der Debian-Distribution, der auch “unstable” genannt wird.
Warum sollte man nicht eine stabile Distribution verwenden, um dieses System zu erstellen, für die es dann auch Security Updates gibt? Genau das bietet Debian 3.0 (Woody) in Kombination mit aktueller Desktop-Software, die von uns auf dieses System zurückportiert wurde – unserer Meinung nach eine ideale Kombination für ein solides KDE-System.

Abbildung 1: Die KDE Live-CD bietet auf der Basis einer stabilen Debian-Distribution einen Überblick über neue Software
Nach diesem Plan wurde die CD von der Firma Credativ entwickelt, wobei Kurt Pfeifle von Linuxprinting.org (CUPS) sein Know-how einbrachte, um das System auf optimale Druckfähigkeit zu trimmen. Die Heft-CD ist eine aktualisierte Version, die die neuesten stabilen Paketversionen enthält.
Im Folgenden nennen wir einige Verwendungshinweise, um Problemen und Unklarheiten möglichst vorzubeugen. Das Live-System kann auch im Produktionseinsatz verwendet werden, die Live-CD ist jedoch nicht als Installations-CD gedacht und kann als solche auch nicht verwendet werden.
Zum Zweiten kann es auf einigen Rechnern trotz einer guten Hardware-Erkennung (Kudzu) zu Problemen mit dem einen oder anderen Gerät kommen. Um die CD mit speziellen Parametern zu starten, drücken Sie beim Booten des Systems die Taste [F2]. Darauf hin erscheint ein Hilfetext, der die möglichen Boot-Optionen erklärt. Diese können Sie dann an dem Prompt boot: eingeben.
Mit diesen Kurzanweisungen sollten eigentlich für die meisten Benutzer die Fragen rund um die CD beantwortet sein, so dass im Folgenden auf die Frage “Was kann ich damit machen” eingegangen wird.
Software-Umfang
Die wichtigsten Pakete auf der Live-CD sind:
- Debian 3.0 Woody
- XFree86 4.3
- KDE 3.1.2
- KOffice 1.2.1
- KDevelop 2.1.5
- KDevelop 3.0 (Entwicklerversion)
- die meisten derzeit für KDE 3 zur Verfügung stehenden Drittprogramme
- OpenOffice 1.0.3
- Mozilla 1.3
- ein Easteregg (ein so genanntes Überraschungsei von uns :)
Die CD enthält zu 100 % freie Software, d. h., nur solche Software, die im Quelltext frei verfügbar, redistributierbar sowie frei veränderbar ist. Damit erfüllt diese CD auch den Zweck zu zeigen, was mit freier Software allein möglich ist.
Systemverwaltung
Da das KDE-Linux-System über alle Dienste verfügt, die auf einem installierten System vorhanden sind, können Sie hier sehr gut den Einstieg in die Systemverwaltung üben. Dazu brauchen Sie natürlich die Passwörter für die beiden vorkonfigurierten Benutzer root und credativ.
Bevor Sie richtig einsteigen, empfehlen wir, dass Sie den auf dem Desktop liegenden Link Enter new UNIX password: das Passwort des Benutzers root setzen können. Wiederholen Sie die Eingabe nochmals an der Eingabeaufforderung Retype new password:.
Danach können Sie in der KDE-Konsole jederzeit zum Administrator-Account wechseln, indem Sie su, gefolgt vom neuen Administrator-Passwort, eingeben. Das Passwort des normalen Benutzers credativ setzen Sie, indem Sie in einer Konsole als Benutzer root eingeben: passwd credativ.
Um weitere Systemdienste negen den nach dem Start laufenden KDM (KDE Display Manager) und CUPSys (CUPS Drucker Server) zu starten oder anzuhalten, rufen Sie als root die entsprechenden Init-Skripte mit /etc/init.d/[dienstname] start bzw. stop auf.
Zugriff auf Dateien, die auf Ihrer Festplatte liegen, ist natürlich auch möglich. So können Sie beispielsweise ein OpenOffice-Dokument bearbeiten, das auf Ihrem Rechner im Home-Verzeichnis liegt.
Dazu hängen Sie einfach die Partition, auf der die Dateien liegen, in das laufende System ein, indem Sie auf das zugehörige Desktop-Icon klicken. Die Partition wird dann gemountet, und Sie können auf alle Dateien zugreifen.
Wenn es allerdings um das Schreiben oder Speichern von Dateien geht, sollten Sie beachten, dass dies unter Umständen nur geht, wenn Ihr Benutzer-Account, dem ja das Originaldokument auf der Festplatte gehört, die gleiche User-ID wie der Benutzer hat, als der Sie auf dem Live-System angemeldet sind.
Viele Linux-Systeme, darunter SuSE, vergeben für die normalen Anwender Benutzer-IDs von 500 an aufwärts. Debian Linux beginnt mit den Benutzer-Accounts bei 1000. Da die “KDE-Linux”-CD Debian-basiert ist, vertragen sich diese unterschiedlichen Konventionen nicht gut; speichern Sie daher am besten Ihre Dateien in einen für Sie schreibbaren Bereich, beispielsweise auf eine Windows-Partition (FAT32).
Tipps und Tricks
Zum Abschluss noch ein paar kleine Tipps, Tricks und Hinweise, was Sie alles machen können: Da wäre zum Einen die Möglichkeit, mit dieser CD eine NTFS-formatierte Windows-XP/NT-Partition zu verkleinern, um anschließend ein reguläres Debian Linux zu installieren. Das lässt sich erreichen, indem Sie zuerst unter NT/XP das entsprechende Laufwerk defragmentieren und dann unter dem Live-System das Programm “Qtparted” aufrufen – Voraussetzung ist ein gesetztes Administrator-Passwort.
Kile, der KDE-LaTeX-Editor, ist ebenfalls in der neuesten Version 1.5 enthalten. Es sind auch alle übrigen Tools vorhanden, die Sie benötigen, um mit Kile und LaTeX zu arbeiten. Als Alternative für alle, die es gerne etwas grafischer mögen, ist LyX 1.3.1 in der Qt-Version ebenfalls enthalten (Abbildung 1).
Für Software-Entwickler gibt es ebenfalls ein paar Bonbons: Qt und das noch in der Entwicklung befindliche Qt Script for Applications (QSA) wurden inklusive Beispiele und Entwicklungs-Tools so integriert, dass sich auch Anfänger schnell zurechtfinden werden. Dazu empfehlen wir, die Beispiel- und Tutorial-Programme einfach unter dem Livesystem zu kompilieren und sich dann unter Kdevelop oder dem Qt-Assistant in die zugehörige Dokumentation einzulesen.
Beispielprogramme
Die Qt-Beispiele verwenden Sie, indem Sie eine Konsole öffnen und dort folgende Befehlszeile eingeben:
tar zxvf /usr/share/doc/qt3-examples/qt3-examples.tar.gz
Danach wechseln Sie mit cd qt3-examples in das Source-Verzeichnis der Beispielprogramme. Hier rufen Sie das Skript ./build-examples auf. Um QSA auszuprobieren, entpacken Sie die zugehörigen Beispielprogramme mit dem folgenden Befehl in Ihr Home-Verzeichnis:
tar zxvf /usr/share/doc/qsa-designer/qsa-examples.tar.gz
Wechseln Sie dann wie bei den Qt-Beispielen mit cd qsa-examples in das Source-Verzeichnis. Dort finden Sie wieder ein Compile-Skript, das Sie mit ./build-examples ausführen. Um die Programme auszuprobieren, wechseln Sie in die jeweiligen Unterverzeichnisse.

Abbildung 2: Mit vielen Beispielprogrammen können sich auch Entwickler einen Überblick über KDE verschaffen
Weiterhin wurde die kommende Version 3.0 der Entwicklungsumgebung Kdevelop als Preview integriert. Damit können Sie sich schon mal einen ersten Überblick verschaffen, woran die KDE-Entwickler seit einiger Zeit arbeiten (Abbildung 2), und die neue Umgebung einem ersten Test unterziehen – denn noch haben Sie die Möglichkeit zu helfen, die kommende Version noch besser zu machen. In diesem Sinne viel Spaß mit der CD – und auch bei der Suche nach dem Easteregg.


