Software nachinstallieren

Aus EasyLinux 04/2010

Software nachinstallieren

© Franz Pfluegl, fotolia.com

"Das gibts im Repository"

Software installieren Sie unter Linux nicht mit einer “Setup.exe”-Datei, sondern über die Paketverwaltung. Wenn Sie dort die benötigten Programme nicht finden, ergänzen Sie weitere Paketquellen: die Repositories.

Noch vor ein paar Jahren begannen viele Beschreibungen eines Programmes ungefähr so: “Laden Sie sich das Quelltextarchiv von der Projekt-Homepage herunter, entpacken Sie es, wechseln Sie in der Shell in das neu erzeugte Unterverzeichnis und kompilieren Sie die Quellen mit Root-Rechten und dem üblichen Dreisatz aus configure, make und make install.” Das ist immer noch möglich, aber nicht mehr nötig – zum Glück: Neue Programme spielen Sie heute bequem über die Paketverwaltung Ihrer Linux-Distribution ein. Dabei nutzen Sie so genannte Paket-Repositories: Auf Deutsch bedeutet “Repository” schlicht Depot, Lager oder Ablage; speziell unter Linux spricht man auch von “Paketquellen”, das englische Wort klingt aber spannender und technischer. Letzten Endes handelt es sich aber nur um eine (wenn auch intelligente) Ablage: In einem Repository finden Sie eine Sammlung von Software-Paketen, welche genau für Ihre Distributionsversion erstellt wurden. Anwender von OpenSuse 11.3 benötigen also andere Repositories als OpenSuse-11.2-Benutzer und erst recht andere als Nutzer einer Ubuntu-Version.

Alle Repositories, egal für welche Linux-Variante, teilen sich aber eine Eigenschaft: Sie enthalten nicht nur die Programmpakete, sondern auch Informationen über die Abhängigkeiten, welche zwischen den Paketen bestehen. So kann oft ein bestimmtes Programm nur installiert werden, wenn sich zusätzlich verschiedene Bibliotheken auf dem Rechner befinden, die in separaten Paketen lagern. Wenn Sie nun versuchen, aus dem Repository das Programmpaket zu installieren, erkennt Ihre Paketverwaltung automatisch, dass noch andere Pakete nötig sind, und installiert diese gleich mit.

Nun gibt es für jedes Linux ein paar Standard-Repositories. Wenn Sie z. B. OpenSuse von DVD installieren, finden Sie darauf die Software, die es auch im Online-Repository des OpenSuse-Projekts gibt. Viele interessante Programme gehören aber nicht zum Standardumfang und tauchen darum auch nicht im Standard-Repository auf. Darum gibt es eine Reihe von zusätzlichen Paketquellen, die Sie zunächst manuell in das System einbinden müssen. Danach stehen dann in der Paketverwaltung weitere Anwendungen zur Installation bereit.

Multimedia

Vor allem für den Multimedia-Bereich sind Zusatz-Repositories sehr wichtig: Die Standardpakete mit MP3- und Video-Playern enthalten wegen unklarer Patent- und Rechtslage beschränkte Versionen der Programme. Im Ergebnis kann dann der MP3-Player keine MP3-Dateien (sondern nur welche, die mit dem alternativen Ogg-Vorbis-Codec kodiert wurden) abspielen, und die DVD-Player-Anwendung spielt keine DVDs ab (es sei denn, Sie haben eine von den seltenen Kauf-DVDs erwischt, die auf den Abspielschutz CSS verzichten). “Aufgebohrte” Programmpakete, welche die ursprüngliche (volle) Funktionalität wiederherstellen, beziehen Sie über die Repositories in Form eines Paket-Updates.

OpenSuse: Einfache Repo-Einrichtung

Besonders leicht integrieren Sie unter OpenSuse neue Repositories: YaST bietet dafür ein eigenes Verwaltungsmodul. Starten Sie YaST und rufen Sie darin den Punkt Software / Software-Repositories auf. Sie sehen dann eine Liste aller bereits eingerichteten Paketquellen. Klicken Sie links unten auf Hinzufügen, wählen Sie aus der Liste der Möglichkeiten die Option Community/Gemeinschafts-Repositories und klicken Sie auf Weiter.

Es erscheint eine Liste mit verfügbaren Repositories. Die wichtigsten Quellen für vollwertige Multimedia-Anwendungen sind das Packman Repository, das VideoLan Repository und das Main Repository (Contrib). Kreuzen Sie die Paketquellen an, die Sie aktivieren wollen, und bestätigen Sie mit OK (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die OpenSuse-Paketquellen "Packman", "Videolan" und "Main Repository (Contrib)" sollten Sie aktivieren, wenn Sie aktuelle Multimedia-Software suchen.

Abbildung 1: Die OpenSuse-Paketquellen “Packman”, “Videolan” und “Main Repository (Contrib)” sollten Sie aktivieren, wenn Sie aktuelle Multimedia-Software suchen.

Es erscheinen dann einige Fenster, die Sie auffordern, GPG-Schlüssel für die Quellen zu akzeptieren. Bestätigen Sie jeweils mit Importieren: Damit werden ab sofort Pakete aus diesen Quellen ohne weitere Rückfragen akzeptiert.

Ubuntu: Repos in /etc/apt/sources.list

Ubuntu-Anwender haben es nicht ganz so leicht: Sie müssen die Konfigurationsdatei /etc/apt/sources.list mit dem Texteditor bearbeiten, um neue Repositories einzutragen. Deren Aufbau ist aber sehr übersichtlich, und die meisten Repos geben auf ihrer Homepage an, welche Zeile hier zu ergänzen ist. Nach dem Anpassen der Datei ist noch ein Aufruf von sudo apt-get update nötig, um die Repo-Beschreibungen neu einzulesen; das aktualisiert auch alle schon vorher vorhandenen Paketquellen.

Der Paketmanager KPackageKit bietet eine etwas komfortablere Möglichkeit, diese Datei zu bearbeiten. Unter Kubuntu starten Sie das Programm über den Eintrag Rechner / KPackageKit im Startmenü. Wechseln Sie dann links zum Reiter Einstellungen und klicken Sie dort auf Softwarequellen bearbeiten. Nach Eingabe Ihres Passworts öffnet sich ein neues Fenster. Hier wechseln Sie zum Reiter Andere Software und haben die Möglichkeit, einige weitere Paketquellen zu aktivieren – aus der Liste sind Nicht unterstützte Aktualisierungen und karmic partner interessant (Abbildung 2).

Abbildung 2: Weitere Repositories richten Kubuntu-Anwender mit KPackageKit ein.

Abbildung 2: Weitere Repositories richten Kubuntu-Anwender mit KPackageKit ein.

Haben Sie im Internet ein interessantes Repository gefunden, können Sie es hier auch ergänzen: Dazu klicken Sie auf Hinzufügen und geben die Adresse der Paketquelle in der Form deb http://archive.ubuntu.com/ubuntu lucid main ein.

Relativ neu in Ubuntu (seit Version 9.10) sind die “Personal Package Archives” (PPAs). Sie lassen sich auf gleiche Weise wie normale Repositories hinzufügen, die einzugebende Zeile hat nur einen anderen Aufbau, z. B. ppa:kubuntu-ppa/ppa. Ein Beispiel dafür ist das Repository mit Wacom-Treibern, das der Artikel ab Seite 62 erwähnt, es verwendet die Bezeichnung ppa:doctormo/wacom-plus.

Multimediales für Ubuntu-Anwender gibt es beim Medibuntu-Projekt [1], das gleich mehrere Repos anbietet, welche sich über die Eingabe eines länglichen Befehls einrichten lassen – dieses Kommando übernehmen Sie am besten direkt von der Projekt-Webseite, um keine Tippfehler einzubauen.

Software jenseits der Repos

Trotz aller Vielfalt, welche die zahlreichen Repositories bieten, findet sich nicht jede Anwendung in einer solchen Paketquelle. Es kann also vorkommen, dass Sie im Internet oder in einer Zeitschrift von einer interessanten Anwendung lesen und dann feststellen, dass Ihr Paketmanager sie nicht kennt. Dann erleben Sie einen kleinen Rückfall in frühere Zeiten und müssen ein wenig Recherche betreiben.

  • Vielleicht bietet das Entwickler-Team auf der Projekt-Homepage vorkompilierte Programme für Ihre Linux-Distribution an – achten Sie in diesem Fall darauf, dass Sie ein Paket für Ihre Version herunterladen: Pakete für OpenSuse 11.2 laufen meist nicht unter OpenSuse 11.3, Ubuntu-10.4-Versionen passen nicht zu Ubuntu 10.10. Manchmal gibt es auch RPM- oder Debian-Pakete, die versprechen, auf jeder halbwegs aktuellen Linux-Version (die entweder RPM- oder Debian-Pakete verarbeiten kann) lauffähig zu sein. Probieren Sie es dann ruhig aus. Ein auf diese Weise herunter geladenes Paket mit Dateiendung .rpm (OpenSuse, Mandriva) oder .dev (Ubuntu, Debian, Knoppix) installieren Sie per Rechtsklick auf das Datei-Icon und Auswahl einer Option, die Installieren mit … heißt. Alternativ bemühen Sie die Kommandozeile, werden in der mit [Alt]+[F2] gestarteten Shell über das Kommando sudo su zum Administrator und geben dann rpm -i Paketname (RPM-Paket) bzw. dpkg -i Paketname (Debian-Paket) ein.
  • Gibt es auf der Homepage vom Projekt nur die Quelltexte in Form eines tar.gz– oder tar.bz2-Archivs, wird es anspruchsvoll. Software direkt aus den Quellen zu installieren, ist – aus EasyLinux-Sicht – eine schwierige Aufgabe. Wenn Sie sich daran wagen möchten, empfehlen wir als Einführung einen älteren Artikel [2].

Infos

[1] Medibuntu: http://www.medibuntu.org/

[2] Software aus den Quellen installieren: Andrea Müller, “Handarbeit”, EasyLinux 09/2006, S. 82 ff., http://www.easylinux.de/2006/09/082-sourcen/

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