Wie jede KDE-Version bringt auch KDE 3.2 neue Funktionen, Fehlerkorrekturen und Verbesserungen an Bekanntem mit. Doch so manche Arbeitserleichterung findet nur, wer ganz genau hinschaut.
Transparenz für die Werkzeugleiste, Cursor mit Schattenwurf, Bildschirmauflösung per Mausdruck umschalten – viele Neuerungen in KDE 3.2 übersieht man auf den ersten Blick leicht. Doch weil sie das Leben auf dem Desktop und die tägliche Arbeit erleichtern oder zumindest verschönern, lohnt es sich, nicht darauf zu warten, bis man ihnen zufällig über den Weg läuft.
Schriftartlegende Wollmilchsau
So zum Beispiel dem Beitrag des KDE-Teams zum Thema “Schriften nachinstallieren” – bekanntermaßen ein Alptraum für den gemeinen Linux-Benutzer, gilt es doch, in den Tiefen des X-Servers zunächst das richtige Verzeichnis ausfindig zu machen, die Dateien dorthin zu kopieren und dann noch diverse Skripte über einige Verzeichnisse laufen zu lassen. Doch KDE 3.2 macht dies erstaunlich einfach.
Hierbei kommt – für KDE-Kenner fast zwangsläufig – ein spezieller KIO-Slave zum Einsatz, und zwar direkt aus dem Konqueror heraus. In der Adresszeile gibt man einfach fonts:/ ein, und schon erscheinen zwei Ordner, System für rechnerweit installierte Schriften und Persönlich für solche, die man nur als der Benutzer zu verwenden gedenkt, als der man gerade eingeloggt ist. Will man neue TrueType-Fonts installieren, etwa von einer alten Corel-Draw-CD, zieht man die .ttf-Dateien einfach vom Datenträger in den passenden Ordner. Wer sich für System entscheidet, sollte das root-Passwort parat haben.
Zeigerwelten
Sie beneiden Ihren Windows-Kollegen um dessen bunten, schattierten oder gar animierten Cursor? Dann ist es an der Zeit, den Spieß umzudrehen, denn KDE 3.2 macht das Installieren neuer Mauszeiger im Zusammenspiel mit einem aktuellen X-Server (z. B. XFree86 in der Version 4.3.x) zum Kinderspiel. X-Cursor dürfen im Gegensatz zu ihren Windows-Pendants mehr als 256 Farben enthalten und bieten dabei gleichzeitig Alpha-Transparenz und Schattenwurf.
Wie bunt es im Einzelnen wird, entscheidet jeder selbst, und zwar im Kontrollzentrum unter Angeschlossene GeräteMaus. Der dortige, neue Reiter Zeiger-Design enthält bereits einige Cursor-Themes zur Auswahl (Abbildung 1); weitere Designs finden Sie auf KDE-Look (http://www.kde-look.org/). Es bedarf allerdings eines Neustarts des X-Servers (also in jedem Fall ein Ab- und Wiederanmelden), damit das neue Design aktiv wird.
Umschalten
Ganz ohne Neuanmeldung lässt sich dagegen die Bildschirmauflösung im laufenden Betrieb ändern, auch dies im Kontrollzentrum unter Angeschlossene GeräteAnzeige. Im Feld Ausrichtung rotiert oder spiegelt man den Bildschirm in 90-Grad-Schritten, was insbesondere für Präsentationen sinnvoll sein kann.
Wer seine Auflösungen häufig wechselt, legt sich im K-Menü unter SystemBildschirmgröße und -ausrichtung ändern einen Schnellumschalter ins Panel (ein Feature, das in den Suse-9.0-Paketen zu Redaktionsschluss allerdings noch nicht enthalten war).
Durchsichtig
Der grauen KDE-Kontrollleiste, Kicker genannt, wirft so mancher vor, sie sei hässlich und nehme zu viel Platz weg. Nachdem sie sich seit KDE 3.1 schon zu weniger horizontalem Platzhunger überreden lässt, kommt in KDE 3.2 der nächste Schritt hinzu: Transparenz.
Um Kicker durchsichtig zu machen, klickt man mit der rechten Maustaste auf eine freie Fläche in der Leiste und wählt Kontrollleiste einrichten…Erscheinungsbild. Ein Kreuzchen vor Transparenz aktivieren führt zum Ziel.
Brieftasche
Fleißige Websurfer haben es schwer: Viele Websites verlangen Passwörter, und leider liegt deren Wahl nicht immer im Ermessen des Benutzers. Wer sich die nicht alle merken kann oder will, verwahrt sie in KDE 3.2 an einem sicheren Ort, in der digitalen Brieftasche KWallet. Durch ein Masterpasswort geschützt lassen sich dort nicht nur Website-Passwörter via Konqueror speichern; auch andere Applikationen wie der neue Instant-Messenger Kopete verwenden KWallet zum Speichern von Kennwörtern.
KWallet legt die Daten mit Hilfe eines symmetrischen Verschlüsselungsverfahrens im Home-Verzeichnis ab. Achten Sie aber auf jeden Fall auf ein sorgfältig gewähltes Masterpasswort, das aus mindestens acht Zeichen besteht, nicht in Wörterbüchern steht und am besten auch Zahlen enthält.

Abbildung 2: Ein Klick mit der rechten Maustaste fördert auch bei den Brieftaschenicons ein Kontextmenü hervor.
Von Zeit zu Zeit mal in seine Brieftasche zu schauen, lohnt sich u. a. deshalb, weil man Passwörter dort auch händisch abspeichern kann. Die Passwortverwaltung befindet sich im K-Menü unter EinstellungenVerwaltung für digitale Brieftasche. Daraufhin zeigt Kicker ein Icon an, über das sich alle verfügbaren Brieftaschen einsehen lassen.
Die Standard-Börse heißt kdewallet; sie untergliedert sich wie alle anderen in einen Ordner für Formular-Daten (z. B. für Browser), einen für Passwörter und einen für applikationsspezifische Einträge. Wer mag, legt eigene Ordner für persönliche Zwecke an, um dort sonstige geheimzuhaltende Daten zu speichern.
Die Wallets im Verwaltungsfenster lassen sich auch explizit schließen – selbst wenn das Fenster mit den darin enthaltenen Ordnern offen ist: Einfach das entsprechende Brieftaschensymbol auswählen und Schließen aus dem Kontext-Menü der rechten Maustaste (Abbildung 2) wählen.
Virtuelles für Viel-Mailer
Wer im täglichen Leben jeden Tag mit einer großen Menge von Mails zu tun hat, hat sicher automatische Filter im Einsatz, die die Spreu vom Weizen trennen. Doch was ist, wenn man die Nachrichten z. B. nach Projekten sortiert, die Mail-Kommunikation mit einer Person jedoch projektübergreifend verfolgen möchte? Dann bleibt klassischerweise nur, alle Ordner zu durchsuchen – eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit.
Mit KDE 3.2 führt KMail sogenannte Suchordner ein, die genau diese Angelegenheit beschleunigen. Hierzu führt man zunächst eine ganz normale Suche durch, z. B. “Feld im Vorspann” “enthält” “max@mustermann.de“. Doch nun folgt der Trick: Gibt man im Feld Suchordner einen eigenen Namen an, so erscheint das Suchergebnis im gleichnamigen Ordner unter Suchergebnisse in KMails Ordneransicht (Abbildung 3). Kommen neue Mails hinzu, auf die dieses Kriterium zutrifft, werden sie automatisch hinzugefügt. Der Ordner bleibt dabei rein virtuell – löscht man ihn, verschwindet keine der dort einsortierten Nachrichten aus der Mailbox.

Abbildung 3: KMails Suchordner nehmen keinen Extraplatz auf der Festplatte ein.
Glossar
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KIO-Slave
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KDE-Bestandteil, der für Ein- und/oder Ausgabe von Daten sorgt. “KDE Input/Output Slaves” können in URL-Form angesprochen werden, zum Beispiel über die Präfixe http://, ftp:// oder file:/. Innerhalb eines Programms wie dem Datei- und Webbrowser Konqueror zeigen sie ihre Daten in einer für Benutzer verständlichen Form an. Sie lassen sich auch zur (virtuellen) Anzeige von Audio-CD-Inhalten (audiocd:/) oder der Systemeinstellungen (settings:/) verwenden.
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Alpha-Transparenz
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Transparente Bilder oder Icons besitzen für jeden Bildpunkt (Pixel) neben den Werten für Rot, Grün und Blau einen sogenannten Alpha-Wert (auch als Alpha-Kanal bezeichnet). Er bestimmt, wie sehr der Hintergrund durchscheinen soll.



