Das Acer Aspire 7540G hat den neuen Turion II X2 und bietet ordentlich Ausstattung fürs Geld.
Ausstattung
Obwohl das 3,2 Kilogramm schwere und 41,1 x 27,4 x 4-4,5 cm große Aspire 7540G [1] mit einem Preis ab 700 Euro für 17-Zoll-Laptops neue Maßstäbe setzt, spart Acer bei unserer getesteten 604G64BN-Konfiguration nicht an der Austattung: Satte vier GByte RAM, Bluetooth, Bluray/DVD/CD-Combo-Laufwerk und eine 640-GByte-Festplatte sind ganz klar Ausstattungsniveau der Oberklasse. Auch der Radeon HD 4570 Grafikchip mit 512 MByte VRAM ist mehr als ordentlich, lediglich einen eSATA-Port vermissen wir. Anschluss findet das Aspire 7540G über Ethernet, WLAN, SD/MMC/xD/MS-Cardreader, HDMI, VGA, 4x USB 2.0, 3x Audio-Klinke (Kopfhörer/Mikro/Line-in, kombiniert mit digitalem SP/DIF) und Modem. Die inzwischen obligatorische Webcam rundet das Gesamtpaket ab. Kernstück ist AMDs Oberklasse bei Mobil-CPUs, der 2,4 GHz Turion II X2 M600 Ultra mit 2 MByte L2-Cache. Dies ist die Top-Konfiguration des 7540G, Acer bietet das Gerät auch in verschiedenen günstigeren Konfigurationen an.
Design und Verarbeitung
Die Verarbeitung ist ordentlich, das Design gefällt. Die matt-blaue stark glänzende Oberseite (Abbildung 1) erweist sich jedoch als extremer Fingerabdruck-Magnet. Dass das 600 x 900 Pixel auflösende Widescreen-Display spiegelt, ist nicht jedermanns Sache, aber unverständlicherweise inzwischen fast schon Standard. Acer verzichtet auf einen Verschlussmechanismus, der Laptop lässt sich aber dennoch mit einer Hand öffnen. Die Tastatur tippt sich sehr angenehm, der separate Nummernblock ist ein netter Bonus. Nur das Trackpad und die Trackpad-Knöpfe überzeugen uns nicht: Der Scrollbereich ist der Steg selbst, welcher vermeintlich das Trackpad vom Scrollbereich trennt. Der Mauspfeil springt bei der Bedienung gelegentlich, und die beiden Trackpad-Knöpfe hat Acer zu einem großen wippen-ähnlichen Knopf ohne Mittelsteg verschmolzen. Das schafft nicht nur Unsicherheit beim Anwender, ob er denn nun noch links oder schon rechts klickt. Es macht auch einen per gleichzeitigem links/rechts-Klick simulierten Mitteltasten-Klick, der unter Linux üblich ist, um Text zu kopieren, etwas umständlich.
Linux-Installation
Das mit Windows 7 ausgelieferte Gerät beweist hohe Linux-Kompatibilität: Unter Ubuntu 9.10 Karmic Koala funktioniert alles direkt nach der Installation: Ethernet, Kartenleser, Bluray-Combo-Laufwerk, WLAN, Multimediatasten, Bluetooth, Webcam, Sound (sogar als virtuelles 5.1-Surround-System). Nur für beschleunigte Grafik müssen wir über Einstellungen / Hardwareassistent den entsprechenden Treiber von ATI laden und installieren. Sogar der Suspend-to-RAM-Modus geht nun mit installiertem ATI-Treiber, was bei Laptops oftmals ein Problem darstellt. Acer verbaut neben das Trackpad einen kleinen Knopf, um dieses zu deaktivieren. Dies funktioniert auch, nur ist das Trackpad danach nicht mehr zum Leben zu erwecken, weswegen man diesen Knopf lieber meiden sollte.
Momentan ist die Bluray-Funktion des Combo-Laufwerks unter Linux noch relativ nutzlos, es lassen sich damit an blauen Scheiben nur selbstgebrannte BD-ROMs lesen. Der Linux-Codec-Spezialist Fluendo [2] arbeitet jedoch am ersten Bluray-Player für Linux. Damit stünde Bluray-HD-Filmgenuss auf dem Aspire 7450G unter Linux nichts mehr im Wege.
OpenSuse 11.2 verhält sich fast genauso kompatibel wie Ubuntu 9.10, lediglich auf virtuellen 5.1-Surround-Sound muss man verzichten, Stereo funktioniert jedoch sofort. Mit dem Webcam-Programm Cheese liefert auch die eingebaute Kamera Bilder, der simple Webcam-Viewer luvcview verweigert unter OpenSuse allerdings seinen Dienst. Auch in Suspend-to-RAM-Schlaf lässt sich das Aspire versetzen – allerdings nur mit installiertem ATI-Treiber, ohne ATI-Treiber geht nur der Suspend-to-Disk-Modus. Zum Testzeitpunkt war der fglrx-Treiber über das ATI-Repository des YaST-Software-Installers (auswählbar unter Konfiguration / Repositories / Hinzufügen / Community/Gemeinschafts-Repositories) nicht installierbar. ATI hatte gerade Version 10.2 ihrer Treiber herausgebracht und OpenSuse auf Kernel 2.6.31-15 aktualisiert, was dazu führte, dass die Installation mit einem Prüfsummenfehler fehlschlug. Wir mussten den Treiber umständlich von http://ati.com herunterladen und ein Kernelmodul für 2.6.31-15 kompilieren. Wenn Sie diese Zeilen lesen, sollte dieses Problem allerdings Geschichte und der Treiber wieder wie üblich ohne Fehlermeldung über YaST einspielbar sein.
Leistung
AMDs neue Turion-II-X2-Chips können überzeugen; anstatt eine CPU mit gleicher Leistung, aber geringerem Stromverbrauch zu produzieren, entschieden sich die AMD-Entwickler, dem Turion II X2 lieber mehr Takt und damit mehr Rechenpower zu verpassen. Bei 9 % mehr Takt bringt der neue Chip 40 % mehr Leistung als der Vorgänger Turion X2 und liegt sogar leicht vor einem HP-Notebook mit Intel Core 2 Duo 2,1 GHz.
Als sehr flott erweisen sich auch die Festplatte (76 MByte/s) und das USB 2.0 im Aspire 7540G: Mit dem RS880M-Chipsatz behebt AMD nun endlich die Probleme des 780-Vorgängers beim USB-Durchsatz. Statt 16 MByte/s messen wir nun das Doppelte: 32 MByte/s – genauso schnell wie Intels neuere Chipsätze, die bisher in Sachen USB-Geschwindigkeit die Referenz waren.
Die Grafikleistung ist ausgesprochen gut. Der ATI Radeon HD 4570 liefert überzeugende Pixelkraft in allen Disziplinen und kann sich im oberen Segment der Notebook-Grafikchips positionieren.
Stromverbrauch
Im Leerlauf verbraucht das Aspire 30 Watt, unter 100 % CPU-Last auf allen Kernen 54 Watt. Der Sechs-Zellen-Akku, den Acer dem Gerät spendiert, ist mit 48 Wattstunden arg unterdimensioniert, Acer hat auch einen deutlich leistungsfähigeren 71-Wattstunden-Akku mit acht Zellen im Programm. Deswegen und dank der großzügigen Ausstattung erreicht das 7450G-604G64BN gerade einmal 2:08 Stunden im Leerlauf (WLAN und Bluetooth an, Bildschirmhelligkeit reduziert) beziehungsweise eine Stunde unter voller CPU-Last. Zum Vergleich: Die moderatere, günstigere 524G50MN-Konfiguration ohne Bluetooth, mit 71-Wh-Akku, 2 GByte RAM und Turion II X2 M520 2,3 GHz erreicht unter Ubuntu 9.10 fast sechs Stunden im Leerlauf und 1:25 unter Last.
Fazit
Das Aspire 7540G kann durch seinen günstigen Preis, gute Ausstattung und hohe Linux-Kompatibilität überzeugen. Mit Ubuntu 9.10 und OpenSuse 11.2 nutzt das Laptop all seine Hardware völlig ohne Handanlegen. Der neue Turion II ist zwar keine Revolution, liefert aber dennoch deutlich mehr Leistung als sein Vorgänger. Einzige Wermutstropfen an Acers 17-Zoll-Schnäppchen sind der insbesondere für die üppige Ausstattung schwache Akku und das etwas unergonomische Trackpad.
Infos
[1] Acers neue AMD-Laptops: http://tinyurl.com/lc-acer-amd
[2] Fluendo-Homepage: http://www.fluendo.com


