Vor allem öffentliche Fernsehstationen bieten viele ihrer Produktionen als Streams im Internet an. Mit den richtigen Tools verwandeln Sie Ihren PC im Handumdrehen in einen Fernseher mit Programm on demand.
Während die öffentlichen Fernsehstationen bis vor Kurzem kaum Sendungen via Internet bereitstellten, geht das aktuelle Angebot, das mittlererweile mehrere tausend Sendungen umfasst, vor allem Verlagen zu weit. Sie als Benutzer profitieren jedenfalls vom breiten Online-Angebot – solange es noch existiert.
Wir stellen Ihnen Werkzeuge vor, mit denen Sie unter anderem die Streams der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands und anderer Länder ohne Webbrowser abgrasen und so das Optimum aus den jeweiligen Webangeboten herausholen. Maßgeblich daran beteiligt ist das Programm Mediathek, das eine einheitliche Oberfläche zum Verwalten der Webangebote vieler deutschsprachiger Sender zur Verfügung stellt. Darüber hinaus untersuchen wir die Tauglichkeit von Webseiten verschiedener Fernsehsender zur Benutzung auf Linux-Systemen.
Die Mediathek
Mediathek [1] ist ein Java-Programm, das die Online-Archive mit Sendungsaufzeichnungen von ARD, ZDF, vielen dritten Programmen sowie ORF und SF durchsucht und die gefundenen Inhalte in einer Liste vorhält. Die eher schmucklose Oberfläche vereinigt viele praktische Funktionen. Sie erlaubt es, aus der Liste der verfügbaren Online-Aufzeichnungen der einzelnen Sender Aufnahmen zu wählen und diese herunterzuladen. Wer regelmäßig die neuen Streams einer bestimmten Sendung sehen möchte, kann diese per Abo bestellen und sie automatisch beim Erscheinen kopieren. Dazu zeichnet Mediathek die Streams, die es von den Servern der Rundfunkanstalten bekommt, mit MPlayer auf. Der Nachteil: Das Aufzeichnen dauert genauso lange wie die Sendungen. Allerdings haben die Mediathek-Entwickler vorgesorgt und eine Funktion eingebaut, die den zeitgesteuerten Download, beispielsweise nachts, erlaubt.
Voraussetzungen
Um die Mediathek zu nutzen, gilt es, einige Vorkehrungen treffen. Das Programm greift zum Anzeigen oder Aufnehmen von Videos im Hintergrund wahlweise auf VLC oder MPlayer zu. Nicht alle Features stehen mit beiden Playern zur Verfügung. Um Videos aufzuzeichnen, brauchen Sie zwingend den MPlayer. Installieren Sie daher zunächst VLC [2] sowie MPlayer [3] mit den erforderlichen Codecs:
- Um MPlayer unter OpenSuse einzurichten, öffnen Sie die Drittanbieterseite http://packman.links2linux.de/package/mplayer im Konqueror und klicken dann auf den Button One-Click Installation.
- Draufhin startet YaST und fragt Sie, ob Sie das neue Paket-Repository (Packman [4]) zur Liste der Repositories auf Ihrem System hinzufügen möchten. Klicken Sie auf Ok und installieren Sie eventuell fehlende GnuPG-Schlüssel, die YaST abfragt.
- Der Paketmanager führt im Anschluss die Installation des Pakets MPlayer durch und löst eventuelle Abhängigkeiten automatisch auf. Es ist deswegen möglich, dass er Ihnen mehr als ein Paket zur Installation vorschlägt.
- Der Aufruf von mplayer im Terminal sollte Ihnen anschließend die Versionsübersicht von MPlayer anzeigen.
- Installieren Sie danach das Paket rtpmdump für Flash-Aufnahmen von der Seite http://packman.links2linux.de/package/rtmpdump. Gehen Sie dabei wie bei MPlayer beschrieben vor.
Unter Kubuntu gestaltet sich die Installation von MPlayer und den nötigen Codecs etwas komplizierter:
- Drücken Sie [Alt]+[F2] und geben Sie im Schnellstartfenster
konsoleein. Mit dem Befehlkdesudo kate /etc/apt/sources.list.d/medibuntuöffnen Sie eine neue Datei im Texteditor Kate mit Root-Rechten. Geben Sie bei Aufforderung Ihr Passwort ein. - Fügen Sie in diese Datei die Zeile
deb http://packages.medibuntu.org/ karmic free non-freeein und schließen Sie Kate danach. - Aktualisieren Sie mit dem Paketmanager die Paketlisten, suchen Sie danach nach dem Paket w32codecs und installieren Sie es zusammen mit dem mplayer. Daneben benötigen Sie noch den flvstreamer, um Streams im Flash-Format zu speichern.
- Installieren Sie außerdem den Mediaplayer VLC als Alternative zu MPlayer.
Mediathek installieren
Das Programm Mediathek halten die von EasyLinux unterstützten Distributionen nicht in ihren Repositories vor. Deswegen gilt es, eine Drittquelle einzubinden, die es anbietet. Unter OpenSuse haben Sie das schon mit der Installation von MPlayer erledigt, da Packman auch diese Software bereitstellt. Es genügt entsprechend, danach im Paketmanager von YaST danach zu suchen.
Für Ubuntu stellen auch Drittanbieter das Programm nicht zur Verfügung, weswegen Sie die Software direkt von der Projektseite herunterladen. Als angenehmer Nebeneffekt dieser Vorgehensweise erweist sich, dass Sie stets die neueste Version erhalten und nicht darauf warten müssen, dass Drittanbieter ein aktualisiertes Paket in ihren Repositories zur Verfügung stellen. Die folgende Anleitung zur manuellen Installation gilt auch für alle anderen Distributionen:
- Laden Sie die Software von der Webseite http://sourceforge.net/projects/zdfmediathk/files/ herunter, und entpacken Sie das ZIP-Paket anschließend im Ordner mediathek in Ihrem persönlichen Verzeichnis.
- Öffnen Sie mit [Alt]+[F2] den Schnellstarter und tippen Sie darin
konsole, um ein Terminal zu erhalten. Mittelscd mediathekwechseln Sie in den Ordner mit den gerade entpackten Dateien. Um die Mediathek zu Testzwecken zu starten, tippen Sie in der Konsolejava -jar Mediathek.jar. - Damit Sie das Programm ab jetzt per Aufruf von
mediathekstarten können, geben Sie im Terminalfenster kdesudo kate /usr/local/bin/mediathek ein. Fügen Sie im Editor den Inhalt vom Kasten Mediathek-Start in die Datei ein und speichern Sie diese. - Führen Sie abschließend den Befehl
chmod +x /usr/local/bin/mediathekaus, um das gerade erstellte Script ausführbar zu machen. - Geben Sie danach auf der Kommandozeile den Befehl
mediathekein. Haben Sie alles richtig gemacht, sehen Sie nun die Mediathek. - Um das Programm mit einem Mausklick zu starten, legen Sie nun noch einen Shortcut für die Mediathek auf Ihrem Desktop an. Der Pfad zum Programm lautet jetzt
/usr/local/bin/mediathek.
Mediathek-Start
#!/bin/bash $(cd $HOME/mediathek/ && java -jar Mediathek.jar)
Arbeiten mit der Mediathek
Nach dem ersten Start präsentiert sich die Mediathek eher karg. Das ändern Sie, indem Sie auf den Button Filme laden (Website) klicken. Damit holt das Programm eine Liste aller verfügbaren Clips aus den Online-Angeboten verschiedenster Sender. Optional gestattet es das Tool, bestimmte Sendungen automatisch herunterzuladen, also “aufzuzeichnen”. Klicken Sie dazu in der Mediathek auf Einstellungen und dort auf Abos aktivieren (Abbildung 1).
Um einzelne Sendungen anzusehen, klicken Sie im Hauptfenster (Abbildung 2) auf den Reiter Filme. Über der Liste der zur Verfügung stehenden Streams sehen Sie zwei Drop-Down-Menüs. Über diese stellen Sie ein, welche Themen von welchem Sender die Auswahlliste anzeigt. Ohne diesen Filter erscheinen alle verfügbaren Streams, einige tausend.
Wählen Sie die gewünschte Sendung aus der Liste aus und klicken danach auf den Button Abspielen Vlc am unteren Fensterrand. Es öffnet sich dann ein VLC-Fenster, das die gewünschte Sendung abspielt. Das kann jedoch einige Sekunden dauern, da der Player zunächst den Puffer füllt.
Zum Aufzeichnen von Sendungen wählen Sie die gewünschten Einträge und klicken danach auf Aufzeichnen mplayer mit Pfad. Ersetzen sie den wenig intuitiven Dateinamensvorschlag von MPlayer durch einen nachvollziehbaren Dateinamen. Eine gute Idee ist es meistens, die Dateien Name-der-Sendung_Datum.Format zu benennen. Als Standard-Download-Verzeichnis verwendet die Mediathek Ihr Heimatverzeichnis.
Abos anlegen und verwalten
Ein Abo sorgt dafür, dass Sie Sendungen zu einem bestimmten Thema oder mit einem bestimmten Titel automatisch herunterladen. Um ein solches anzulegen, rechtsklicken Sie auf einen Eintrag der Auswahlliste und wählen aus dem Kontextmenü Abo mit Sender und Thema anlegen aus. Im nun offenen Dialog legen Sie die Details Ihres Abos fest. Name und Thema sollten dabei tatsächlich zu der Sendung passen, die Sie abonnieren möchten; den Zielpfad können Sie für mehrere Abos gleichzeitig verwenden. Alle Episoden der österreichischen Nachrichten Zeit im Bild könnten Sie zum Beispiel mit dem Zielpfad ZiB versehen, so haben Sie die Dateien jeweils an einem Ort zusammengefasst. Wählen Sie als Programmgruppe Linux (Abbildung 3) aus und klicken Sie abschließend auf Ok.
Mediathek lädt in der Grundeinstellung abonnierte Sendungen ins Verzeichnis /tmp herunter. Dessen Inhalt löschen jedoch viele Linux-Distributionen beim Systemstart. Damit Ihre Aufnahmen einen Reboot überleben, ändern Sie den Speicherort für Videos. Klicken Sie dazu im Mediathek-Hauptfenster auf Abonnements und danach auf Einstellungen. Wählen Sie aus der Liste links Programmgruppe Linux aus. Unten sehen Sie das Feld Programmgruppe und darin den Zielpfad (Abbildung 4). An dieser Stelle ersetzen Sie /tmp durch den Pfad zu einem Verzeichnis Ihrer Wahl und klicken auf Ok.
Streams privater Sender
Mediathek ist auf das Betrachten und Herunterladen von Streams öffentlich-rechtlicher deutschsprachiger Sender zugeschnitten. Sobald Sie allerdings nach Sendungen in anderen Sprachen oder von deutschen privaten Sendern suchen, lässt Mediathek Sie im Stich. Dabei bieten auch die Privaten diverse Inhalte in Form von Videos auf ihren Webseiten an. Funktionieren die Angebote mit dem freien Betriebssystem? Als Testobjekt wählen wir das Online-Angebot von RTL [5].
An dieser Stelle kommt also der Webbrowser als Pseudo-Videoplayer zum Einsatz. Es macht Ihr Leben ungleich leichter, wenn Sie diese Aufgabe nicht den internen Playern überlassen, die Firefox als Plug-in laden kann, sondern stattdessen das VLC-Plug-in für Firefox verwenden. Dieses ruft im Hintergrund VLC auf, das schließlich das Video wiedergibt.
Damit das funktioniert, müssen Sie das Plug-in vlc-mozillaplugin (OpenSuse) oder mozilla-plugin-vlc (Kubuntu) über den Paketmanager Ihrer Distribution nachinstallieren. Sollte der Browser geöffnet sein, beenden Sie ihn vor dem Einrichten. Danach erscheint in der Add-on-Übersicht (about:plugins) das VLC-Plug-in (Abbildung 5). Beachten Sie, dass bei beiden Distributionen Ihr VLC-Plug-in nur dann alle gängigen Formate abspielt, wenn Sie auch die Codec-Pakete (Ubuntu) oder den MPlayer (OpenSuse) wie oben beschrieben installieren.
Die Website von RTL setzt durchgängig auf Flash-Videos (Abbildung 6) und bietet Zugriff auf viele Sendungen der letzten Tage. Zum Einsatz kommt eine speziell für RTL entwickelte Player-Software, die startet, wenn der Browser Flash unterstützt. Im Gegensatz zum normalen Programm von RTL im Fernsehen fehlen bei den Online-Videos die Werbeeinblendungen. Weil jede Distribution zwischenzeitlich eine ordentliche Integration von aktuellen Flash-Versionen im Browser hat, ist es kein Problem, Videos von RTL unter Linux ansehen. RTLs Player hat einzig mit dem Fullscreen-Mode Probleme: Zwar gibt es prinzipiell die Möglichkeit, Videos bildschirmfüllend darzustellen, allerdings blieben im Test bei einer Auflösung von 1600 x 1200 Pixeln an allen Seiten hässliche Ränder. Darüber hinaus sind die Streams, wie auch die vom Mediaplayer bereitgestellten, drastisch herunterskaliert. Das fällt vor allem in der Vollbild-Darstellung auf. Den Download der Videos ermöglicht RTL nicht.
Ähnlich verhält es sich mit der Seite von Sat.1 [6]: Auch hier ist ein Flash-Player das einzige Werkzeug, das Sie benötigen, um auf der Homepage Videos anzusehen. Das “Sat.1 Videocenter” hält Sendungen der letzten Tage bereit. Zwar bietet der Player einen Vollbildmodus, allerdings vergrößert der das Browserfenster lediglich auf die maximale Breite des Bildschirms und zeigt das Video darin skaliert an. Auch hier kommt es zu erheblichen Qualitätseinbussen.
Grundsätzlich fällt auf: Alle großen Sendeanstalten setzen zwischenzeitlich auf Flash-Videos. Diesen Trend dürfte YouTube ausgelöst haben, das als erste große Website umfassend dieses Format nutzte. Für Linux-Anwender bedeutet das im Vergleich zur Situation vor zwei Jahren eine enorme Erleichterung, da das Plug-in wie beschrieben schon zur Grundausstattung der meisten Distributionen gehört.
Old style Streams
Vor allem die Online-Angebote der öffentlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten setzen auf klassische Streaming-Formate und meiden Flash. Die Tagesschau [7] (Abbildung 7) bietet auf ihrer Homepage mittlerweile sogar alle Videos zum Download im MP4-Format an. Linux-Anwender profitieren davon, denn mit dem Plug-in für die Integration von VLC in Firefox merken Sie kaum mehr, dass Ihr System eigentlich keine WMV-Videos unterstützt.
Fazit: Viel getan, viel zu tun
Der Vergleich aktueller Streaming-Angebote fällt im Gegensatz zum Test vor einigen Jahren erfreulich positiv aus. Mediathek bietet eine gute und intuitive Oberfläche für den Zugriff auf die Inhalte der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Wer den Browser bevorzugt, kann sich mit Firefox und dem Mozilla-VLC-Plug-in auf den Seiten der Sender die passenden Sendungen selbst zusammensuchen.
Die Privaten setzen fast ausschließlich auf Flash-Videos. Das ist für Nutzer einerseits schön, da es kaum mehr zu Problemen bei der Wiedergabe kommt. Anders als bei den WMV-, QuickTime- oder MP4-Streams der öffentlichen Sender haben Sie bei den genannten Kanälen jedoch nicht die Möglichkeit, die Sendungen herunterzuladen.
Die Qualität der angebotenen Streams ist bei praktisch allen Sendern deutlich schlechter als das angebotene Fernsehbild, was vor allem bei der Vollbildansicht zum Tragen kommt. An der Stelle gibt es viel zu tun: Qualitativ hochwertige Codecs existieren und würden es erlauben, Videos in deutlich besserer Qualität zu streamen.
Infos
[1] Mediathek: http://zdfmediathk.sourceforge.net
[2] VLC: http://www.videolan.org/vlc/
[3] MPlayer: http://www.mplayerhq.hu
[4] Packman: http://packman.links2linux.de
[5] RTL: http://www.rtl.de
[6] SAT.1: http://www.sat1.de
[7] Tagesschau: http://www.tagesschau.de
