Nachruf auf Wau Holland

Nachruf auf Wau Holland

(von Lutz Donnerhacke, lutz@iks-jena.de)

Ein ständiger Denkanstoß

Wau war stets von Grund auf anders als die ihn umgebende Welt, da sein freier Geist sich nicht in konforme Bahnen lenken lassen wollte. Die Gesellschaft hat sich seinen Vorstellungen oft gebeugt, anderenfalls hat es ihn nicht gestört. Wer Anstoß an seinen Eigenheiten nahm, den hat er nicht weiter belästigt. Scheinbar ziellos aber doch immer zielstrebig ist Wau seinen eigenem Weg gefolgt. Versuche, ihm zu einem gut bürgerlichen Leben zu verhelfen, prallten lange Zeit an ihm ab. Er war noch nicht soweit, sich fest an einen Ort zu binden.

Sein Engagement galt der Wissensvermittlung für Mitdenker: Wer ihm zuhörte konnte stets neue Einsichten gewinnen. Seine prägnaten Merksätze wie “Suchanfragen mit mehr als 23 Treffern sind zu allgemein” fanden über seine unmittelbare Umgebung hinaus Eingang in die Ausbildung. Oft verblüffte er mit abwegig erscheinendem Material, seien es Bilder von Zuses Rechenmaschinen, Telefone mit abschließbarem Hörer und ohne Wählscheibe oder einfach nur Dinge aus “anderen” Zeiten. Seine Arbeit mit Jugendlichen führte ihn an dieser Stelle oft in Konflikte mit der schnellebigen Konsumgesellschaft, deren typische Vertreter seiner Erscheinung nichts entgegenzusetzen hatten.

Wau beherrschte die Kunst, einen stets neuen Standpunkt einzunehmen und so Schranken niederzureißen. Voreingenommenheit und Engstirnigkeit zerschellten an seiner Argumentation. Seine Vorträge – oft Monologe der Erinnerung – wurden weithin geschätzt. Ein echtes Feindbild, eine persönliche Schublade war ihm fremd. Er vertrat konsequent die Freiheit der Meinungsäußerung, nicht nur die Meinungsfreiheit. So richtig übelnehmen konnte man ihm nie etwas. Seine ruhige Art wirkte wie ein Ölfilm auf rauher See.

Waus privates Chaos war von Lebens- und Experimentierfreude durchtränkt. Zahnstocherige Aldi-Gurkenkakteen in roter Grütze mit Weintrauben und Käse gespickt sind eben nicht alltäglich. Ob er eine giftgrüne Soße kredenzte oder ein eigenwillig zusammengebautes Telefon anschloß, stets verschwamm die Grenze zwischen Gefahr und Spaß. Er hat es verstanden, eine kindliche Neugierde und den dazugehörigen Spieltrieb sein ganzes Leben lang zu bewahren.

Kurzfristige Umplanungen, selbstgewählte Verpflichtungen ließen ihm selten die Chance, sich an einem Punkt fest zu binden. Er wählte unbewußt stets das Neue, Unbekannte. So schlug er sichere Anstellungen aus: Sie entsprachen nicht seinem Naturell.

Egal, was passierte, Waus bedingungsloser Glauben an die positive Natur der Dinge übertrug sich auf seine Umgebung. “Think positive” war einer seiner Leitsprüche. Wie oft hat er kurzfristig eine persönliche Finanzlage zu klären verstanden? Wie oft hat er in letzter Sekunde doch noch einen Unterschlupf gesucht? Er war sicher nicht stets und überall willkommen, aber er hat immer einen Platz zum Leben und Schlafen gefunden.

In diesem Sommer sollte seine Wanderung ein Ende finden. Das Haus in Berlin war bezugsfertig. Wenige Tage vor der Einzugsfeier mußte er seine Planung ändern. Nach Wochen komatöser Bewegungslosigkeit geht sein Weg nun weiter in Gebiete, in die ihm alle folgen müssen. Sein ruheloser Geist wird unsere Gedanken hoffentlich noch oft aufrütteln.

“Ich bin nur ein genetisches Experiment.” (Wau über Wau) Es ist schön, solange daran teilhaben zu dürfen.

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Anonymous User
24 Jahre her

…Wau niemals kennengelernt haben zu dürfen. Die Anteilnahme des CCC, das virtuelle Kondolenzbuch. All das haben einen sehr intensiven Eindruck von einem Pionier hinterlassen den ich nie kannte. Und dieser Eindruck ist tiefer als von so manchem noch lebenden Konsumknecht.
Wau, auch wenn du mich nicht kennst, ich wünsche Dir dort wo du nun bist alles Gute!

Nightfall

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