KDE-Tipps

Aus EasyLinux 01/2010

KDE-Tipps

Besser arbeiten mit KDE

Obwohl sich selbst Linux-Neulinge meistens auf Anhieb auf dem KDE-Desktop zurechtfinden, gibt es doch ein paar Kniffe, die sich nicht auf den ersten Blick offenbaren. Mit unseren Tipps zünden Sie den Komfort-Turbo für KDE.

Tipp: Anderes Verzeichnis für die Ordneransicht

KDE zeigt standardmäßig nicht nur den nackten Desktop, sondern öffnet die Ordneransicht mit dem Inhalt des Verzeichnisses Desktop in Ihrem Home-Verzeichnis. Dort hinterlegen die Distributoren Verknüpfungen zu wichtigen Anwendungen, Hilfedateien und Ordnern.

Welches Verzeichnis in der Ordneransicht dargestellt werden soll, können Sie frei anpassen und sich so beispielsweise das Verzeichnis mit Ihren selbst erstellten Dokumenten anzeigen lassen. Fahren Sie dazu mit dem Mauszeiger über die Ordneransicht, damit an der Seite ihr Menü herausklappt. Den Einstellungsdialog öffnen Sie mit einem Klick auf das Schraubenschlüsselsymbol. Im folgenden Dialog setzen Sie unter Ort ein Häkchen vor die Option Ordner auswählen. Ein Klick auf das Icon hinter der Eingabezeile öffnet einen Dateiauswahldialog, in dem Sie das gewünschte Verzeichnis markieren. Nach zweimaligem Bestätigen mit OK zeigt die Ordneransicht den Inhalt des zuvor ausgewählten Verzeichnisses an (Abbildung 1).

Tipp: Ordneransicht filtern

Haben Sie für die Ordneransicht auf dem Desktop ein Verzeichnis ausgewählt, in dem Sie nicht alle Dateien, sondern nur einige ausgewählte (etwa alle Bilder im JPEG-Format) sehen wollen, können Sie die übrigen Dateien ausblenden.

Öffnen Sie dazu über das Schraubenschlüssel-Icon der Ordneransicht ihren Einstellungsdialog und wechseln Sie in der linken Leiste zum Bereich Filter. In der ersten Drop-down-Box stellen Sie Passende Dateien anzeigen ein. Alternativ können Sie auch Dateien von der Anzeige ausschließen. In der Eingabezeile definieren Sie nun optional einen Filter für den Dateinamen. Voreingestellt ist *, ein Platzhalter, der für beliebig viele Zeichen steht und alle Dateien erfasst. Soll die Ordneransicht nur Dokumente anzeigen, in deren Dateiname die Zeichenkette 2009 vorkommt, wäre *2009* der richtige Filter.

Im Auswahlfeld unten im Filterdialog entfernen Sie schließlich die Häkchen vor allen Dateitypen, welche die Ordneransicht nicht anzeigen soll. Standardmäßig sind alle Dateitypen ausgewählt. Möchten Sie nur die JPEG-Dateien sehen, stellen Sie das am schnellsten ein, indem Sie auf Nichts auswählen klicken und danach ein Häkchen vor JPEG-Bild setzen.

Tipp: Vorschau in der Ordneransicht

In der Voreinstellung zeigt die Ordneransicht auf dem Desktop nur für einige wenige Grafikformate eine Vorschau an. Über den Einrichtungsdialog, den Sie per Klick auf das Schraubenschlüssel-Icon erreichen, können Sie die Vorschau für weitere Dateiformate, etwa HTML-, Text- und PDF-Dateien sowie Videos aktivieren.

Wechseln Sie dazu im Einstellungsdialog zum Abschnitt Anzeige und klicken Sie hinter Vorschau anzeigen auf den Button Erweiterte Einstellungen. In der sich öffnenden Listenansicht setzen Sie vor alle Dateien, für die Sie eine Vorschau sehen möchten, ein Häkchen.

Tipp: Titel der Ordneransicht ändern

Als Titelzeile blendet die Ordneransicht den Namen des ausgewählten Ordners ein. Den Text passen Sie ebenfalls über das Einrichtungsmenü der Ordneransicht an. Öffnen Sie es per Klick auf das Schraubenschlüsselsymbol und markieren Sie links im Fenster den Abschnitt Anzeige. Hinter Beschriftung können Sie nun einen eigenen Text für die Titelzeile eingeben, etwa Lieblingsbilder (Abbildung 2).

Tipp: Bilderrahmen per Drag & Drop

KDE 4 bringt das Miniprogramm Bilderrahmen mit, in das Sie Fotos laden kann, so dass Sie schöne Urlaubserinnerungen oder Familienangehörige immer in Sichtweite haben. Normalerweise starten Sie den Bilderrahmen über den Eintrag Miniprogramme hinzufügen im Kontextmenü des Desktops und befüllen ihn dann über den Einrichtungsdialog mit einem Foto nach Wahl.

Das geht auch einfacher: Befinden Sie sich im Dateimanager Dolphin und stoßen dort auf ein schönes Foto, reicht es aus, dieses per Drag & Drop auf die Arbeitsfläche zu verfrachten. Sobald Sie die linke Maustaste loslassen, erscheint ein Menü. Wählen Sie dort die Option Bilderrahmen, und schon liegt das Foto auf dem Desktop.

Das schnelle Anlegen der Bilderrahmen funktioniert übrigens nicht nur aus Dolphin heraus, sondern auch aus anderen KDE-4-Programmen wie Konqueror und dem Bildbetrachter Gwenview.

Tipp: Dateivorschau immer griffbereit

Ein besonders praktisches Miniprogramm ist die Dateivorschau, die für alle Formate zur Verfügung steht, für die auch Dolphin eine Vorschau anbietet. Sie starten die Desktop-Erweiterung über den Eintrag Miniprogramme hinzufügen im Kontextmenü der Arbeitsoberfläche. Wählen Sie im erscheinenden Fenster den Eintrag Vorschau aus und klicken Sie auf Miniprogramm hinzufügen.

Das recht unscheinbare schmale Applet können Sie nun per Drag & Drop aus Dolphin oder Konqueror mit Dateien – auch mehreren auf einmal – bestücken. In der linken Spalte zeigt es die Dateien an. Sobald Sie den Mauszeiger über eines der Icons bewegen, blendet das Tool rechts eine Miniaturvorschau ein (Abbildung 3).

Klicken Sie in der linken Spalte auf ein Datei-Icon, öffnet das Programm ein Vorschaufenster, in dem Sie die Größe der Vorschau anpassen können. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste in die Vorschau und wählen Vergrößern oder Verkleinern.

Tipp: Vorschau mit der Lizenz zum Löschen

Wenn Sie, wie im vorigen Tipp beschrieben, das Vorschau-Miniprogramm nutzen, müssen Sie nicht mehr extra einen Dateimanager starten, um nicht länger benötigte Dateien zu löschen, denn das kann die Vorschau auch. Klicken Sie dazu eine Datei in der linken Leiste an, um sie in ein separates Fenster zu laden. Dort finden Sie links neben dem Schließen-Button ein Mülleimer-Symbol. Ein Klick darauf befördert die Datei direkt in den Papierkorb.

Tipp: Diashow aus Dolphin starten

Um mehrere Fotos zu präsentieren, bietet sich die Diashow-Funktion des Bildbetrachters Gwenview an. Sie zeigt alle Fotos eines Ordners im Vollbildmodus. Diesen Präsentationsmodus erreichen Sie auch bequem aus dem Dateimanager Dolphin heraus: Klicken Sie einen Ordner mit der rechten Maustaste an und wählen Sie Aktionen / Diaschau starten aus dem Kontextmenü. Dann startet automatisch Gwenview im Präsentationsmodus. Sie können die Funktion auch dann verwenden, wenn sich in einem Verzeichnis neben Bildern noch andere Dateien wie Office-Dokumente befinden – Gwenview ignoriert sie einfach.

Tipp: Konsole im richtigen Verzeichnis öffnen

Obwohl Linux-Anwender inzwischen die meisten Aufgaben mit grafischen Tools erledigen können, benötigen sie doch hin und wieder die Shell. Sei es, um manuell einen Treiber zu installieren oder weil man beim Lesen unserer Shell-Tipps auf den Geschmack gekommen ist und weiß, dass viele Dinge auf der Kommandozeile fixer gehen.

Den Befehl cd zum Wechsel in verschachtelte Unterverzeichnisse können Sie sich mit dem Dateimanager Dolphin sparen: Über Extras / Terminal öffnen aus dem Menü oder die Tastenkombination [Umschalt]+[F4] öffnen Sie aus Dolphin heraus ein Konsolenfenster im aktuellen Verzeichnis.

Tipp: Pfad in Dolphin per Tastatur eingeben

Mit KDE 4 hat beim Dateimanager die sogenannte Breadcrumb-Navigation (Brotkrumen-Navigation) Einzug gehalten, die es beim Gnome-Desktop schon länger gibt. Dabei zeigt der Dateimanager keine Eingabezeile mit dem kompletten Pfad des aktuellen Verzeichnisses an, sondern einen Button für jedes Unterverzeichnis. Befinden Sie sich im Ordner /usr/share/wallpapers, zeigt Dolphin über dem Inhalt des Verzeichnisses je einen Knopf für den Basisordner (das Wurzelverzeichnis /), usr, share und wallpapers an, und Sie können sich per Maus durch die Verzeichnishierarchie klicken.

Bevorzugen Sie es dagegen, den Pfad per Tastatur einzugeben, ist auch das kein Problem: Klicken Sie einfach hinter die letzte “Brotkrume”, im obigen Beispiel hinter wallpapers, damit Dolphin eine klassische Adresszeile öffnet. Möchten Sie die Adresszeile wieder ausblenden und zurück zur Breadcrumb-Navigation wechseln, erreichen Sie das entsprechend per Klick auf das Häkchen hinter der Adresszeile.

Tipp: Wechsel von Einfach- auf Doppelklick

Dolphin arbeitet in der Voreinstellung mit dem Einfachklick. Einige Distributionen, unter anderem Mandriva, stellen stattdessen den Doppelklick ein, die meisten halten sich aber an die Vorgabe. Dabei passiert es oft, dass man versehentlich eine Datei öffnet, die man eigentlich nur zum Kopieren markieren will; besonders lästig, wenn es sich um ein OpenOffice-Dokument handelt und man erst den langsamen Start des Büropakets abwarten muss.

Haben Sie sich darüber auch schon geärgert, stellen Sie Dolphin einfach so ein, dass Sie zum Öffnen von Dateien und Betreten von Verzeichnissen einen Doppelklick ausführen müssen: Öffnen Sie dazu über Einstellungen / Dolphin einrichten den Konfigurationsdialog des Dateimanagers und wechseln Sie zum Bereich Navigation. Setzen Sie dort unter Maus ein Häkchen vor die Option Doppelklick zum Öffnen von Dateien und Ordnern und klicken Sie auf OK (Abbildung 4).

Tipp: Kontextmenü von Dolphin entrümpeln

Abhängig vom Dateityp zeigt Dolphin unter dem Menüpunkt Aktionen des Kontextmenüs eine Reihe von Optionen an. So erscheint bei ISO-Images der Eintrag Abbild mit K3b brennen, bei gepackten Archiven erhalten Sie einen Menüpunkt zum Entpacken ins aktuelle oder ein anderes Verzeichnis, und aus Audio-Dateien können Sie über deren Kontextmenü eine Audio-CD erstellen oder sie in die Amarok-Warteschlange befördern.

Zusätzlich gibt es noch Aktionen, die für jede Datei und jeden Ordner erscheinen, etwa eine Option zum Erstellen eines komprimierten Archivs. Ist Ihnen das Aktionsmenü zu vollgepackt mit Optionen, die Sie sowieso nie benötigen, dünnen Sie es über den Konfigurationsdialog des Dateimanagers unter Einstellungen / Dolphin einrichten aus: Im Abschnitt Dienste finden Sie eine Liste aller Aktionen, die Dolphin kennt (Abbildung 5). Entfernen Sie einfach das Häkchen vor denen, die Sie nicht nutzen, und bestätigen Sie die Änderung mit einem Klick auf OK.

Tipp: Dolphin-Ansicht “on the fly” ändern

Über das Ansicht-Menü können Sie die Verzeichnisansicht in Dolphin vergrößern und verkleinern. Alternativ nutzen Sie die aus Browsern bekannten Tastenkombinationen [Strg]+[+] und [Strg]+[]. Bevorzugen Sie die Maus, geht das Vergrößern und Verkleinern am schnellsten über den Schieberegler in der Statusleiste unten im Fenster (Abbildung 6). Befindet sich der Mauszeiger über diesem Regler, können Sie die Größe bequem durch Drehen des Mausrads anpassen.

Zeigt Dolphin den Regler bei Ihnen nicht an, aktivieren Sie ihn über Einstellungen / Dolphin einrichten. Wechseln Sie dort zum Abschnitt Allgemein und klicken Sie auf den Tab Statusleiste. Setzen Sie ein Häkchen vor Größenregler anzeigen und übernehmen Sie die Änderung mit einem Klick auf OK.

Tipp: Mülleimer automatisch leeren

Dateien und Verzeichnisse, die Sie durch Drücken der Entfernen-Taste entsorgen, landen im KDE-Mülleimer, aus dem Sie gelöschte Objekte wiederherstellen können. Bei heutigen Festplattengrößen verursacht ein gut gefüllter Papierkorb zwar keine Probleme mehr, aber trotzdem will man auch dort hin und wieder Ordnung schaffen. Bei gelöschten Dateien und Ordnern, die Sie mehrere Monate nicht vermisst haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie diese wirklich nicht mehr benötigen.

Auf Wunsch können Sie Dolphin anweisen, Dateien nach einer bestimmten Zeit automatisch aus dem Mülleimer zu löschen. Das Verfallsdatum für den Dateimüll legen Sie unter Einstellungen / Dolphin einrichten fest: Wechseln Sie in der Seitenleiste links im Fenster zum Mülleimer und aktivieren Sie in der rechten Fensterhälfte die Option Dateien löschen, die älter sind als:. In das Feld dahinter geben Sie die gewünschte Zeit in Tagen an.

Beachten Sie, dass Dolphin die Dateien nach Ablauf dieses Zeitraums unwiderruflich löscht. Sie sollten die Option nur dann aktivieren, wenn Sie sich absolut sicher sind, keine Dateien nach der eingestellten Zeit wiederherstellen zu müssen.

Tipp: Informationsansicht schnell ausblenden

Standardmäßig zeigt Dolphin rechts im Fenster die Informationsleiste an. Dort erhalten Sie zusätzliche Informationen zu den gerade markierten Dateien und Verzeichnissen, etwa eine Vorschau und Angaben zu Dateigröße und Änderungsdatum. Markieren Sie mehrere Dateien und Ordner, rechnet Dolphin Ihnen die Größe der markierten Objekte aus und blendet sie in der Informationsleiste ein.

Möchten Sie die Leiste aus Platzgründen kurz ausblenden, müssen Sie nicht durch das Ansicht-Menü navigieren: Mit einem Druck auf [F11] entfernen Sie die Leiste. Ein erneuter Druck auf [F11] bringt sie wieder zum Vorschein.

Tipp: Kontrollleiste automatisch ausblenden

Nimmt Ihnen die KDE-Kontrollleiste am unteren Bildschirmrand zu viel Platz weg, können Sie diese so einrichten, dass sie automatisch ausgeblendet wird und nur erscheint, wenn Sie sich mit dem Mauszeiger am unteren Bildschirmrand befinden.

Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf einen freien Punkt der Kontrollleiste und wählen Sie Kontrollleisten-Einstellungen aus dem Kontextmenü. Im aufklappenden Einrichtungsdialog klicken Sie nun auf Weitere Einstellungen / Automatisch ausblenden. Die Änderungen werden sofort wirksam, ohne dass Sie sich neu anmelden müssen.

Tipp: Straßenkarte in Marble anzeigen

Der Desktop-Globus Marble hat mehr zu bieten als eine Geographiestunde für Klein und Groß. Besteht eine Internet-Verbindung, können Sie die Straßenkarten des OpenStreetMap-Projekts [1] über den Globus legen. Bei dem freien Projekt erstellen Mitglieder die Karten und ergänzen sie laufend.

Der Vorteil: Da OpenStreetMap unter einer freien Lizenz steht, dürfen Sie die Karten frei verwenden, etwa für eine Anfahrtsbeschreibung auf Ihrer Homepage. Der Nachteil ist, dass noch nicht alle Gegenden komplett kartographiert wurden. Gerade bei größeren Städten stehen die Chancen aber gut, mit OpenStreetMap-Karten vollständige Informationen zum Straßenverlauf zu erhalten. Dort bietet OpenStreetMap sogar mehr als klassisches Kartenmaterial, da die Community auch Standorte von Briefkästen, Bushaltestellen, Wertstoff-Containern und vieles mehr erfasst – selbst versteckte Trampelpfade in der Pampa erscheinen in den Karten.

Die OpenStreetMap-Ansicht in Marble zu aktivieren, ist schnell erledigt: Klicken Sie in der linken Leiste auf den Reiter Kartenansicht und wählen Sie in der Liste unter Design den Eintrag OpenStreetMap. Nun können Sie im Reiter Navigation den gewünschten Ort suchen und im Hauptfenster in seine Straßenkarte hineinzoomen (Abbildung 8). Eine Route von einem Ort zum anderen kann Marble allerdings noch nicht berechnen. Um den aktuellen Kartenausschnitt in einer Grafik zu speichern, rufen Sie den Menüpunkt Datei / Karte exportieren auf. Möchten Sie die Karte mit einer Wegbeschreibung versehen, müssen Sie in einer Bildbearbeitung wie Gimp selbst Hand anlegen. (hge)

Tipp: Schneller verschieben und Kopieren in Dolphin

Wenn man in Dolphin viele Dateien per Drag & Drop verschiebt oder kopiert, öffnet man dazu in der Regel ein neues Dateimanager-Fenster. Viel schneller und unkomplizierter geht es, indem man das Ordnerfenster teilt. Das erledigen Sie entweder mit einem Klick auf Teilen in der Symbolleiste oder über einen Druck auf [F3]. Nun erscheinen zwei Verzeichnisansichten mit jeweils eigener Adressleiste nebeneinander, und Sie können Dateien bequem von links nach rechts kopieren oder verschieben.

Infos

[1] Open Street Map: http://www.openstreetmap.org/

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