Wer sich die aktuellen Netbook-Modelle anschaut, findet mehrheitlich glänzende Produkte, die ein besonderes Lifestyle-Erlebnis vermitteln sollen. Das Latitude 2100 von Dell hebt sich hier positiv von der Konkurrenz ab.
Das Latitude 2100 von Dell sieht zwar nicht so chic aus wie die Konkurrenz, hat das aber auch nicht nötig. Denn im Gegensatz zu den spiegelnden Geräten von Asus & Co. ist das Netbook in erster Linie für Schüler gedacht.
Die Hardware
Beim Latitude 2100 handelt es sich um ein typisches Netbook mit einem 10,1-Zoll-Display (1024 x 576 Bildpunkte), einem Atom-N270-Prozessor von Intel und maximal 2 GByte Hauptspeicher. Das Gerät verfügt über einen SD-/MMC-Kartenleser, drei USB-2.0-Anschlüsse, Audio-Ein- und Ausgänge sowie einen VGA-Anschluss für einen externen Monitor. 512 MByte Hauptspeicher sind fest im Gerät verbaut, ein Slot steht für Erweiterungen frei. Wie bei den meisten Dell-Modellen üblich lässt sich auch das Latitude 2100 relativ frei konfigurieren: Zur Auswahl stehen verschiedene Festplattengrößen (aber keine Solid State Disk), eine integrierte Webcam, ein Drei- oder Sechszellen-Akku sowie ein Touchscreen. Schließlich gibt es den Rechner neben der schwarzen Standardausführung auch in den Farben Rot, Grün, Gelb und Blau.
Obwohl das Latitude auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Netbook aussieht, hat sich Dell für das 2100 einige Besonderheiten ausgedacht: Durch die gummierte Oberfläche liegt der Rechner sehr gut und rutschfest in der Hand, Schmutzflecken sind auf dem Gerät auch nach intensivem Gebrauch kaum zu sehen. Dank seiner robusten Bauweise eignet es sich zudem gut für den Outdoor-Einsatz. Dell hat das Gerät in erster Linie als Schüler-Netbook entwickelt und dazu ein paar Besonderheiten eingebaut: Auf der Außenseite des Netbook-Deckels befindet sich eine Lampe, die automatisch angeht, wenn Sie über [Fn]+[F6] das WLAN einschalten. So können Lehrer verhindern, dass Schüler während der Stunde über WLAN surfen statt dem Unterricht zu folgen. Damit in einer größeren Klasse jeder Schüler sein Netbook direkt findet, hat der Akku zudem eine transparente Abdeckung, hinter die zum Beispiel ein Namensschild passt. Ein geeigneter Kartonstreifen befand sich allerdings bei unserem Testgerät nicht in der Verpackung.
Für die Kommunikation mit der Außenwelt verfügt das Latitude 2100 wahlweise über ein Dell-WLAN-Modul nach 802.11b/g oder ein Dell- bzw. Intel-Modul nach 802.11a/b/g/n. Auf der rechten Gehäuseseite gibt es zudem eine Fast-Ethernet-Schnittstelle.
Die Software
Dell bietet den Rechner wahlweise mit Ubuntu 8.10 oder Windows XP (mit Gratis-Upgrade auf Windows 7) an. Der deutsche Shop listet fälschlicherweise die nicht existierende Ubuntu-Version 8.12 als Linux-System, vorinstalliert ist Ubuntu 8.10. Im Unterschied zu den Inspiron-Mini-Notebooks setzt Dell beim Latitude 2100 nicht auf den speziell von Dell entwickelten Schnellstarter mit hübsch animierten Effekten, sondern bringt ein ganz normales Ubuntu mit Gnome als Desktop.
Auch bei der Programmauswahl gibt sich der Dell-Rechner konservativ: Es sind keine speziellen Programme für die Schule vorinstalliert, lediglich ein Tool für die Kalibrierung des Touchscreens gehört zu den Ausnahmeerscheinungen. Immerhin gibt es neben den Standard-Repositories auch noch einen Zusatzeintrag von Dell, der auf das PPA-Repository des Dell-Teams [2] verweist. Es enthält neben dem Dell-Paketsignierungsschlüssel und einem Softmodem-Treiber das Dell-Recovery-Tool und einen Treiber für die Sondertasten des Netbooks. Das Wiederherstellungstool von Dell (Abbildung 1) steht nach der Installation als Icon auf dem Desktop bereit. Sie erstellen damit über wenige Mausklicks ein Wiederherstellungsabbild auf DVD oder einem USB-Stick, der mindestens 2 GByte groß ist.

Abbildung 1: Das Recovery-Tool von Dell speichert den aktuellen Zustand des Rechners auf einem USB-Stick oder als ISO-Abbild.
Praxistest
Das Latitude 2100 eignet sich trotz des 10-Zoll-Displays relativ gut für die tägliche Arbeit. Die Tastatur hat einen sehr guten Anschlag, lediglich die Eingabetaste könnte etwas breiter sein, damit man nicht aus Versehen die Rautetaste erwischt. Der Kartenleser verschluckt SD-Speicherkarten komplett. Das hat Vorteile, wenn man den Rechner oft mit eingelegter Karte transportiert, allerdings gestaltet sich das Herausnehmen manchmal als Geduldsprobe.
Sehr gut gefielen uns auch das matte Display und der Touchscreen. Auch wenn sich die Nützlichkeit des berührungsempfindlichen Displays auf den ersten Blick nicht erschließt (anders als den Classmate-PC von Intel kann man das Latitude 2100 nicht in einen Tablet-PC verwandeln), lohnen sich die rund 40 Euro Aufpreis für den Touchscreen, da man damit zum Beispiel Spiele wie Mahjongg und Same Gnome deutlich intuitiver bedienen kann. Kindern (und Erwachsenen) fällt zudem die Bedienung deutlich leichter als über das Touchpad. In den Praxistests zeigte sich zudem, welche Vorteile die massive Bauweise und der schwere Akku als Standfuß mit sich bringt: Das Gerät kippt nicht nach hinten und bleibt auch bei der Bedienung über den Touchscreen problemlos stehen (Abbildung 2).
Auch beim Powermanagement bekommt das Latitude 2100 gute Noten. Zwar versetzt sich der Rechner beim Schließen des Displaydeckels nicht automatisch in den Schlafzustand, Suspend-to-RAM funktioniert aber über die [Fn]+[F2] einwandfrei, und beim Aufklappen des Deckels erwacht das Gerät automatisch aus dem Schlafzustand.
Die Akkulaufzeit betrug in den Tests mit gemischter LAN- und WLAN-Nutzung zwischen vier und fünf Stunden. Setzen Sie auch die Webcam ein und nutzen das WLAN-Modul permanent, liegt sie leicht unter vier Stunden. Mit dem kleineren Dreizellen-Akku können Sie daher mit Laufzeiten um zwei Stunden rechnen.
Ab 350 Euro
Bei den Preisen ist etwas Vorsicht angebracht. Das Latitude 2100 findet sich nur unter den Produkten, die für Firmenkunden bestimmt sind. Der auf der Webseite genannte Einstiegspreis von 279 Euro enthält deshalb noch keine Mehrwertsteuer. Zudem enthält die Grundausstattung mit Ubuntu den kleinen Drei-Zellen-Akku, eine 80-GByte-Festplatte, keine Webcam und kein Bluetooth-Modul. Unser Testsystem mit Sechs-Zellen-Akku, 1 GByte Ram, Touchscreen und Webcam kostet inklusive Mehrwertsteuer rund 450 Euro (zuzüglich 30 Euro Versandkosten bei Internetbestellung). Der Netto-Einstiegspreis für die Windows-Variante mit 160 GByte-Festplatte und Bluetooth-Modul ist 349 Euro. Im Unterschied zur Windows-Variante kann man die Linux-Version auch mit einer 250-GByte-Festplatte bestellen, die Windows-Version gibt es nur mit einer 160-GByte-Harddisk.
Fazit
Im direkten Vergleich mit diversen Netbooks macht das Latitude 2100 den mit Abstand solidesten Eindruck. Man kann das Gerät auch in die Hand von kleineren Kindern geben, ohne Angst um den Rechner haben zu müssen oder gleich das komplette Gerät anschließend von Flecken befreien zu müssen. Mit dem matten Display eignet sich der kleine Dell-Rechner zudem auch für den Außeneinsatz. Die Ubuntu-Installation von Dell hält keine Überraschungen bereit, arbeitet aber solide. Den Preis von rund 400 Euro ist der Minirechner in jedem Fall wert.
Infos
[1] Produktseite: http://www1.euro.dell.com/de/de/unternehmen/Notebooks/latitude/ct.aspx?refid=latit&s=bsd&cs=debsdt1
[2] Dell-PPA-Repo: http://ppa.launchpad.net/dell-team/ubuntu

