Beinahe jedem sind aus den verschiedensten Gründen schon wichtige Daten abhanden gekommen – in den meisten Fällen hätte ein Backup geholfen, einen solchen Verlust zu verhindern.
Die Festplatte ist das fehleranfälligste Bauteil eines Rechner und zugleich sein wichtigstes. Enthält sie doch alle Daten, die Sie mit dem PC erzeugen, verarbeiten oder vorhalten. Festplatten reagieren mehr oder weniger empfindlich auf thermische oder mechanische Belastungen, unter ungünstigen Umständen genügt ein Stoß gegen den Rechner, um sie zu beschädigen.
Diesen Aspekten gilt es Rechnung zu tragen und die wichtigen Daten in regelmäßigen Abständen zu sichern. Allerdings ist die Empfindlichkeit von Festplatten nicht das einzige Argument für eine Datensicherung. Mindestens genauso häufig wie durch defekte Festplatten sorgen kaputte Dateisysteme, Schädlingsbefall der Windows-Partition oder versehentliches Löschen dafür, dass Daten im Nirvana verschwinden. Mit einfachen Mitteln sorgen Sie für Abhilfe.
Speichermedien
Generell eignet sich jeder Datenträger, der das nötige Fassungsvermögen mitbringt, als Backup-Medium. Der wohl unkomplizierteste Weg ist es, dem Rechner eine zweite Festplatte zu spendieren und die relevanten Daten in regelmäßigen Abständen von der einen auf die andere Platte zu kopieren. Geht eine davon kaputt, sind immer noch alle Daten auf der anderen vorhanden. Wem das Kopieren der Dateien auf Dauer zu umständlich ist, der bildet aus den Platten einen RAID-1-Verbund. Die Installationsroutinen von Distributionen wie OpenSuse enthalten bereits die notwendigen grafischen Konfigurationselemente, um das einfach zu bewerkstelligen.
Das System schreibt dann die Daten jeweils auf beide Platten gleichzeitig. Fällt eine aus, müssen Sie diese lediglich durch eine neue ersetzen und sie in den RAID-Verbund aufnehmen. Diese Methode hat jedoch mehrere Nachteile: Ereignisse, die den Rechner beschädigen oder zerstören, etwa Überspannung durch Blitzeinschläge, ziehen unter Umständen beide Platten in Mitleidenschaft. Des Weiteren hilft RAID-1 lediglich gegen Festplattenausfälle. Fehler im Dateisystem oder das versehentliche Löschen von Dateien fängt diese Methode der redundanten Datenspeicherung nicht ab. Des weiteren sinkt die Performance der Platten speziell beim Einsatz im Soft-RAID unter Umständen um 30- oder mehr Prozent.
Diese potentiellen Gefahrenquellen für Ihre Daten umgehen Sie mit dem Einsatz einer externen Festplatte, die Sie ausschließlich zum Zweck der Datensicherung an den Rechner anstecken und nach dem Backup wieder in den Schrank legen. Speziell für kleinere Datenmengen gilt als alternative Speichermethode inzwischen der deutlich robustere USB-Stick. Je nach Hersteller liegt der GByte-Preis zwischenzeitlich bei etwa 1,50 bis 3 Euro. Sie gibt es in den Größen von 1 bis 256 GByte. Beim reinen Einsatz als Backup-Medium fällt die limitierte Anzahl der Schreibzyklen je Speicherzelle nicht ins Gewicht. Allerdings müssen Sie gegenüber den Festplatten eine deutlich niedrigere Transferrate in Kauf nehmen.
Als weitere Backup-Medien wurden in der Vergangenheit oft CDs und DVDs eingesetzt. Das war jedoch zu einer Zeit, als noch keine brauchbaren Erkenntnisse über die Haltbarkeit der Medien vorlagen. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass es bereits nach drei bis fünf Jahren zu Datenverlusten auf gebrannten Rohlingen kommen kann. Bei wiederbeschreibbaren DVDs liegt die Haltbartkeit unter Umständen noch deutlich darunter. Deswegen eignet sich diese Art der Datensicherung nur für einen relativ kurzen Zeitraum. Sie sollten darüber hinaus die Medien mit dem Erstellungsdatum versehen und alle zwei bis drei Jahre umkopieren.
Übermorgen
Ein Thema, das seit Jahren eng mit dem der Datensicherung verwoben ist und das bei den Anwendern immer wieder für Verunsicherung sorgt, ist die Haltbarkeit von Speichermedien. Wie erwähnt eignen sich optische Datenträger wie CDs und DVDs nur für einen relativ begrenzten Zeitraum zum Sichern von Daten. Geht es darum, diese zehn Jahre oder länger zu verwahren, wird die Luft schon dünn. Mangels Langzeiterfahrung kann man derzeit über die Haltbarkeit von USB-Sticks nur spekulieren. Erste Prognosen deuten jedoch darauf hin, dass sie sich sehr gut zum längerfristigen Speichern von Daten eignen. Eine immer größere Rolle spielen in diesem Zusammenhang auch die Solid State Drives, die zwischenzeitlich schon zu einem GByte-Preis von 1,50 Euro erhältlich sind.
Als relativ haltbares Speichermedium gilt die Festplatte, beim Einsatz für Backups deutlich länger als zehn Jahre hält. Allerdings kommen bei längeren Lagerzeiten Unwägbarkeiten ins Spiel, nämlich der rasante Wandel der IT und damit verbunden der Wechsel von Standards. Galt beispielsweise vor wenigen Jahren die IDE-Schnittstelle als der Standard schlechthin, hat ihn heute SATA weitgehend abgelöst. Hauptplatinen der nächsten und übernächsten Generation werden eine IDE-Schnittstelle vermutlich schon nicht mehr enthalten. Ähnlich sieht es bei Dateiformaten aus. So wechseln Kamerahersteller nicht selten bei jedem Modellwechsel auch das verwendete RAW-Format, was dazu führen kann, dass es in zehn Jahren keine Software mehr gibt, welche die Bilder anzeigt. Abhilfe schafft in diesem Fall das Konvertieren der Bilder in Adobes Standard-Format DNG [1]. Für langfristig aufzubewahrende Textdokumente empfiehlt sich das Konvertieren ins PDF- oder RTF-Format, die aller Voraussicht auch in zehn Jahren noch Bestand haben werden.
Eine alternative Speichermethode bietet das Online-Backup. Dank der zwischenzeitlich beinahe flächendeckend erhältlichen Breitbandanschlüsse ans Internet ist es heute kein Problem mehr, auch mehrere GByte große Daten zu transferieren. Anbieter, die Online-Storage für wenig Geld anbieten, gibt es inzwischen genügend. Allerdings ist auch dieses Verfahren nicht frei von Gefahren, da Sie zum einen Ihre Daten aus der Hand geben müssen und es zum anderen keine Gewähr dafür gibt, dass die Firma in zehn Jahren noch existiert. Sie sollten Online-Backups immer verschlüsseln, um sie vor Fremdzugriffen zu schützen.
Der Königsweg bei der digitalen Datensicherung ist gerade für die Langzeitarchivierung die Bandsicherung, die nach wie vor die meisten Firmen nutzen. Wegen der hohen Anschaffungskosten und der umständlichen Rekonstruktion der Daten spielt diese Art des Backups im privaten Umfeld nur selten eine Rolle.
Private Datensicherung
Der Anspruch bei des Privatanwenders an die Datensicherung unterscheidet sich von dem von Unternehmen. Hier stehen niedrige Anschaffungs- und Betriebskosten sowie eine möglichst einfache Handhabung im Vordergrund. Das betrifft sowohl das Erstellen der Backups als auch das Wiederherstellen verloren gegangener Daten. Zunächst gilt es jedoch, festzulegen, welche Daten in welchem Turnus zu sichern sind. So lohnt es beispielsweise nicht, von der mehr oder weniger statischen Musiksammlung alle drei Tage ein Backup zu erstellen, während bei den Dokumenten oder dem E-Mail-Postfach unter Umständen sogar eine mehrfache tägliche Sicherung angebracht ist.
Generell sollten Sie externe Backup-Medien nicht unmittelbar beim PC aufbewahren. Viele Firmen verwahren einen Teil ihrer Datensicherung sogar im Banktresor, um beispielsweise bei einem Brand nicht alle Daten zu verlieren. Das ist für Privatanwender kaum praktikabel, jedoch sollten Sie zumindest die Jahressicherung im Keller oder einem anderen Raum aufbewahren.
Es erbibt auch wenig Sinn, den Rechner vor dem Zugriff Fremder abzusichern, während das Backup-Medium jedem, der es möchte, Einsicht in die persönlichen Daten gewährt. Deswegen sollten Sie diese Daten entsprechend schützen. Das gilt in besonderem Maße, wenn planen, die Daten bei einem Online-Storage-Dienstleister wie Humyo [2] zu speichern. Den sichersten Schutz vor dem Zugriff Fremder verbunden mit einer einfachen Bedienung bieten Truecrypt-Container, die sich im eingehängten Zustand wie ein normales Laufwerk verhalten. Nähere Informationen zum Thema finden Sie unter [3] und [4]. Alternativ packen Sie Ihre gesicherten Daten mit einem Programm wie Zip und ersehen Sie es mit einem Passwort. Zip ist in diesem Fall deswegen das Mittel der Wahl, weil Standard-Unix-Packer wie Tar, Gz, oder Bz es nicht ermöglichen, das Archiv mit einem Passwort zu versehen. Das ginge nur über den Umweg GPG.
Ein Sonderfall der Datensicherung ist das Erstellen von Festplatten- oder Partitions-Images. In der Open-Source-Welt hat sich dafür das Programm Clonezilla [5] etabliert, das der LinuxUser-Artikel “Jurassic Park” im Detail bespricht. Sie finden diesen auf der Heft-DVD, ebenso die Live-Distribution PartedMagic 4.4 (Abbildung 1), die das Programm enthält.

Abbildung 1: Das in die Live-Distribution integrierte PartedMagic erlaubt es Ihnen, Images von Partitionen und Festplatten zu erstellen.
Diese Methode eignet sich aber nur bedingt zur Datensicherung, sondern dient in erster Linie zum Wiederherstellen und Duplizieren von Systemen. Liegt Ihr Home-Verzeichnis aber auf einer eigenen Partition, stellt Clonezilla aber eine durchaus brauchbare Alternative dar, wenngleich es nicht in der Lage ist, einzelne Dateien wiederherzustellen. Auch das Erstellen inkrementeller oder differenzieller Backups erlaubt es nicht (siehe Kasten Sicherungsmethoden). Dafür ermöglicht es Ihnen, das Image nicht nur auf einem lokalen Datenträger, sondern auch in einem NFS- oder SSH-Verzeichnis im Netz zu speichern. Mit welchen Programmen Sie Ihre Daten effizient zu sichern, erklärt der Grundlagenrtikel in dieser Ausgabe.
Sicherungsmethoden
Die klassische Datensicherung unterscheidet zwischen drei verschiedenen Verfahren (Abbildung 2):
- Full Dump (Volldatensicherung): Diese Methode berücksichtigt alle zum Sichern vorgesehenen Dateien. Sie bietet den Vorteil, dass sich alle Dateien auf einem Medium befinden und damit einfach zu rekonstruieren sind. Der Nachteil liegt im unter Umständen enormen Datenvolumen, das auch große Speichermedien schnell an ihre Grenzen bringen kann.
- Differenziell: Die differenzielle Datensicherung berücksichtigt nur Dateien, die sich seit der letzten Vollsicherung geändert haben oder neu dazukamen. Sie erlaubt im Schadensfall eine schnelle Wiederherstellung der Daten, benötigt aber durch die Redundanzen ebenfalls ein sehr großes Backup-Medium
- Inkrementell: Dies Backup-Strategie sichert lediglich die Dateien, die sich seit dem letzten inkrementellen Backup verändert haben oder neu hinzukamen. Anders als die differenzielle Datensicherung enthält sie keine doppelten Daten. Ein Wiederherstellen erfordert aber immer alle Backup-Sätze seit der letzten Vollsicherung. Dafür benötigt diese Methode mit Abstand am wenigsten Speicherplatz.
Glossar
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RAID
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Diese Abkürzung steht für “Redundant Array of Independend Disks”. Gemeint ist damit das Zusammenfassen mehrerer Festplatten zu einer logischen Einheit, die sich im System wie ein einziges Laufwerk verhält.
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Soft-RAID
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Während beim Hard-RAID ein externer Controller die Verwaltung des RAIDs übernimmt, fällt diese Aufgabe beim Soft-RAID dem Betriebssystem und der CPU zu.
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Solid State Drive
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Das Solid State Drive, kurz SSD, ist ein nichtflüchtiges Speichermedium, ähnlich einem USB-Stick. Aufgrund seines auf Speicherbauteilen basierenden Konzepts enthält es keinerlei mechanische Bauteile und ist damit wesentlich unempfindlicher gegenüber mechanischen Belastungen als Festplatten.
Infos
[1] DNG: http://www.adobe.com/de/products/dng/
[2] Online-Storage Humyo: http://humyo.de
[3] Truecrypt-Artikel: Thomas Leichtenstern, “Innere Werte”, LinuxUser 12/2006, S. 65, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/12/065-truecrypt/
[4] Truecrypt-Artikel: Tim Schürmann “Verriegelt und verrammelt ” LinuxUser 08/2007, S 50, https://www.linux-community.de/Artikel/12971
[5] Clonezilla: http://clonezilla.org


