Kaum etwas beeinflusst die Qualität von Fotos mehr als der Wechsel von Licht und Schatten und die Brillanz der Farben. Darktable behebt Fehlbelichtungen, kaschiert ungünstige Lichtverhältnisse und sorgt für Farbharmonie.
Darktable ist keine einfach zu bedienende Software. Auch bleibt ihr Funktionsumfang auf das Nachbearbeiten von Licht und Schatten sowie der Farben beschränkt. Künstlerische Effekte wie in Gimp oder Photoshop fehlen. Doch für das Veredeln gelungener und nicht ganz gelungener Fotos gibt es keine bessere Software – kommerzielle Anwendungen wie Adobe Lightroom eingeschlossen.
Anders als Bildbearbeitungsprogramme der ersten Generation arbeitet Darktable [1] nach dem nichtlinearen Prinzip: Eine sogenannte Effekt-Pipeline ersetzt dabei die schrittweise Undo-Funktion. Dies können Sie sich so vorstellen: Die Dialoge aller Effekte bleiben durchgängig geöffnet, sodass sich die entsprechenden Parameter jederzeit nachregeln lassen. Die in Abbildung 1 rot markierten Buttons schalten den jeweiligen Effekt ein und aus – entweder temporär zum Ausprobieren oder permanent.

Abbildung 1: Beim nichtlinearen Bildbearbeitungsprogramm Darktable bleiben die Einstellungen aller je angewandten Effekte (1-6) unabhängig voneinander veränderbar. Das lässt viel mehr Raum für Experimente als eine klassische Undo-Funktion.
Die gesamte Effekt-Pipeline, also die Liste aller angewandten Effekte und deren Einstellungen, bleibt bis zur nächsten Änderung erhalten und überlebt sogar einen Neustart: Die Software sichert sie in gesonderten Dateien mit der Endung .xmp und außerdem in einer internen Datenbank.
Datensicherheit
Einen Speichern-Button braucht Darktable nicht: Jeder Arbeitsschritt landet sofort auf der Festplatte. Da es sich nur um eine Textdatei mit Effektnamen und Parametern handelt, geht dies im Hintergrund ohne nennenswerte Rechnerlast über die Bühne. Versehentliche Änderungen nehmen Sie in der Liste Verlauf zurück.
Die Ausgangsdatei tastet die Software grundsätzlich nicht an, was einem professionellen Workflow entgegenkommt: Es ist gar nicht möglich, das Original versehentlich zu überschreiben. Das Anlegen von Duplikaten eines Bilds kostet nur einige KByte Plattenplatz. Auch dem Einsatz einer Versionsverwaltung wie Git oder SVN spielt Darktable mit der geringen anfallenden Datenmenge in die Hände.
Sie sehen das Ergebnis Ihrer Bearbeitung zunächst nur in Darktable selbst. Benutzen Sie also zum Durchblättern der bearbeiteten Fotos keinen gewöhnlichen Dateibrowser, sondern den Leuchttisch-Modus von Darktable (Abbildung 2), in dem die Software startet. Per Doppelklick auf ein Bild öffnen Sie dieses im Bearbeitungsmodus (Dunkelkammer). Erst nach Abschluss des Bearbeitens exportieren Sie das Bild über den Exportieren-Button im Leuchttisch als neue Bilddatei.

Abbildung 2: Darktable bringt neben seinen Bildbearbeitungsfunktionen eine komplette Fotoverwaltung mit, die den Einsatz von Drittprogrammen wie Digikam überflüssig macht.
Das nichtlineare Arbeitsprinzip fordert allerdings die CPU: Der Rechner muss bei jeder Änderung die gesamte Pipeline vom Original her durchrechnen. So dauert es je nach Anzahl der aktiven Effekte ein paar Sekunden, bis sich Veränderungen der Schieberegler in der Anzeige auswirken. Doch zumindest die kleine Vorschau links oben im Darktable-Fenster (Abbildung 3, Punkt 7) reagiert praktisch sofort. Auch nutzt die Software via OpenCL [2] die für diese Aufgabe viel schnelleren Rechenkerne von ATI- und Nvidia-Grafikkarten ab 1 GByte Videospeicher. Bei funktionierender 3D-Beschleunigung schaltet Darktable die Hardware-Unterstützung dann automatisch zu. Auch ohne sie bleiben die Rechenzeiten im Bereich weniger Sekunden.

Abbildung 3: Dank Karteireiter-Prinzip (1) und auf- und zuklappbaren Paletten (2) bleibt die GUI von Darktable übersichtlich, obwohl die Einstellungsdialoge aller verfügbaren Effekte quasi immer offenstehen.
Eingedämmtes Chaos
Dialoge, die sich bloß zum Anwenden eines Effekts öffnen, beißen sich mit dem nichtlinearen Arbeitsprinzip. Daher gehört in Darktable zu jeder Funktion eine eigene Palette, die Sie zwar zum Platzsparen einklappen dürfen, aber nie wegklicken können. Trotzdem passt das Programm anders als viele Adobe-Anwendungen gut auf einen normalgroßen Monitor.
Das Kernelement der Bedienung von Darktable stellen die Karteireiter dar (Abbildung 3, Punkt 1), die die Effekte in Kategorien gruppieren. Von links nach rechts sind das die aktiven Effekte, die Favoriten, die Basisgruppe, die Helligkeitsgruppe, die Farbgruppe, die Korrekturgruppe und die Effektgruppe.
Im Listenfeld weitere Module treffen Sie eine Vorauswahl für die Module, die in den angesprochenen Reitern sichtbar sein sollen. Klicken Sie noch einmal auf einen bereits aktiven Eintrag, dann erhält dieser Favoriten-Status und taucht außer in seiner angestammten Kategorie zusätzlich auch im Reiter Favoriten auf. Prüfen Sie immer, ob ein gesuchter Effekt deaktiviert ist, falls Sie ihn nicht wie hier geschildert finden. Der Reiter links außen bündelt alle Effekte, die Sie per Klick auf das Schaltersymbol links im Palettenkopf aktiviert haben.
Zum Zurückschalten in den Überblicksmodus benutzen Sie den Ansichtenumschalter (Abbildung 3, Punkt 8). Im rechten Unterfenster des Leuchttischs, eventuell erst nach Herunterscrollen sichtbar, liegt die Exportfunktion, die das fertige Bild schließlich als neue TIFF-, OpenEXR, PNG- oder JPEG-Datei rendert und so für andere Programme verfügbar macht.
Schattig
Abbildung 4 zeigt ein ungünstig belichtetes Foto einer reifen Weintraube. Beim Fotografieren sabotierte offensichtlich der widrige Sonnenstand die Aufnahmequalität. An diesem Bild kann Darktable seine Qualitäten beweisen.
Sie können es für eigene Versuche kostenlos bei Freeimages.com herunterladen [3]. Kopieren Sie außerdem die Datei Trauben/1165235_12142700.jpg.xmp von der Heft-DVD in dasselbe Verzeichnis. Importieren Sie nun dieses Bild in der Leuchttisch-Ansicht (links oben: Bild | Importieren). Im Verlauf des per Doppelklick geöffneten Bilds (links, Mitte) sehen Sie fünf Arbeitsschritte.
Die ersten beiden, Drehung und Belichtung, legt das Programm selbstständig beim Öffnen neuer Dateien an: Es dreht das Bild falls nötig gemäß Exif-Tag. Bei Raw-Bildern wählt der Schritt Belichtung einen darstellbaren und druckbaren Ausschnitt aus dem Helligkeitsspektrum von der Kamera. Beides ist für das Beispiel-JPEG nicht relevant.
Klicken Sie zuerst auf 0 – Original in der Liste Verlauf, um das unkorrigierte Ausgangsbild zu sehen. Wählen Sie dann 3 – Schatten und Spitzlichter. Diese Funktion, die ausufernde Schatten aufhellt und allzu strahlende Glanzlichter dämpft, ist wie geschaffen für unser Foto: Abbildung 5 zeigt das schon wesentlich gefälligere Ergebnis zusammen mit den Einstellungen in der Palette Schatten und Spitzlichter (Kategorie Basisgruppe).

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Schatten und Spitzlichter macht hier in erster Linie den störenden Schlagschatten den Garaus (oberer Pfeil). Ein Zurücknehmen der Farbanpassung (unterer Pfeil) entfernt den übertriebenen Widerschein des Weinlaubs an den hellen Stellen der Trauben.Die Schattenreduktion haben wir vom neutralen Wert 50% auf etwa 80% erhöht. Dadurch wirken nun zunächst manche der aufgehellten dunklen Bereiche grünspanig (Abbildung 5, Kreis): Darktable verstärkt die Farben beim Aufhellen proportional zur Helligkeit – ganz wie in der Natur bei stärkerer Beleuchtung. Hier kommt jedoch das von den Blättern durchgelassene grüne Licht zu stark zum Vorschein. Abhilfe schafft es, die Farbanpassung der Schatten zu reduzieren, und zwar bis nahe null, denn die dunklen Teile der Traube erscheinen auch in der Realität in fast farblosem Grau.
Der Radius der Weichzeichnung regelt die Härte der Hell-Dunkel-Übergänge und wurde gegenüber dem Standardwert nach Augenmaß reduziert. Den Standardwert eines Schiebers rufen Sie übrigens per Doppelklick zurück.
Nicht recht grün
Auch Teile der weißen Wand erstrahlen nach dem Aufhellen in leuchtendem Grün und lenken vom Kernmotiv, der Traube, ab. Hier hilft die komplexe Funktion Farbbereiche (Kategorie Farbgruppe), die selektiv Helligkeit, Sättigung und Tönung eines Farbbereichs beeinflusst. Wir nutzen sie, um die gelbgrünen Töne im Bild abzudunkeln, zu entsättigen und wärmer (also roter) zu färben.
Den wichtigsten Beitrag leistet die Sättigungskurve im gleichnamigen Reiter (Abbildung 6), die das zu üppige Grün in dezentes Neutralgrau verwandelt. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Farbkarte, symbolisiert Darktable anhand eines Kreises und weiß hinterlegten Kurvensegments vorab den Ausschnitt, den ein Ziehen mit der Maus erfasst. Die Größe des formenden Kreises variieren Sie per Mausrad. So gehen entweder glatte oder fein abgestufte Eingriffe von der Hand.

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Abbildung 6: Mit dem WerkzeugFarbbereiche werden Sie den störenden grünen Farbstich unter dem Blätterdach los.Auch die Helligkeit der Grüntöne reduzieren Sie im gleichen Farbbereich. Die angedeutet übertragene Kurve aus dem Reiter Sättigung zeigt dabei den Ausschnitt des Spektrums an, der schon bei der Entsättigung zum Einsatz kam.
Etwas schwieriger zu verstehen ist die Wirkung des dritten Reiters Farbton: Ein Verschieben der Kontrollpunkte bewirkt eine Farbtransformation vom Farbquadrat, an dem die Verschiebung startet, zum Farbquadrat hin, an dem sie endet (Abbildung 6, rechtes Inset). Ziehen Sie also einen Kontrollpunkt von Tiefgrün nach oben in Richtung Orange, wie in der Abbildung, dann modifizieren Sie damit die grünen Töne im Bild entsprechend.
Wie so oft in der Bildbearbeitung ergeben sich die Details beim Ausprobieren – und wie immer in Darktable setzt ein Doppelklick die Kurve zurück.
Kontraste
Nun wirkt das Bild zwar einerseits ausgewogener belichtet, doch andererseits flach und kontrastarm. Beim Aufpeppen solcher Fotos, wie sie oft an trüben Tagen entstehen, hilft das Werkzeug Zonensystem (Abbildung 7) aus dem Reiter Helligkeitsgruppe. Es teilt das Helligkeitsspektrum in neun Zonen ein, die der Graukeil symbolisiert. Halten Sie den Mauszeiger über eine Zone, dann leuchten im Thumbnail darüber die Bildbereiche dieser Helligkeit gelb auf.
Wenn Sie die Maus an den unteren Rand einer der Zonengrenzen bewegen, erscheint ein Schieberegler. Damit verschieben Sie den Rand des Graufelds und heben die Helligkeit der entsprechenden Bildbereiche an (Ziehen nach rechts) oder senken sie ab (Ziehen nach links). So verteilen Sie Licht und Schatten neu.
Ein Ausweiten der dunklen Bereiche und Glanzlichter steigert den Kontrast und fügt manch trübem Regenbild einen Hauch von Sonnenschein hinzu. In unserem Bild stellt es die Lichtverhältnisse wieder her, die zur fotografierten sonnigen Szene passen. Abbildung 7 zeigt das Ergebnis und wie die Helligkeitszonen dazu zu verschieben sind.

Abbildung 7: Die Sonne scheint: Das Zonensystem beeinflusst fein abgestuft Licht und Schatten im Bild – hier passend zur sonnigen Umgebung.
Farbenspiel
Das Foto aus dem Aufmacher dieses Artikels [4] erfordert kein Nachbessern bei der Belichtung. Da es hier keine technischen Unzulänglichkeiten auszugleichen gilt, wollen wir stattdessen dem Spieltrieb freien Lauf lassen: Abbildung 8 zeigt eine bunt eingefärbte Variante. Sie entsteht durch Anwenden von Farbfiltern auf Teilbereiche des Fotos.

Abbildung 8: Die Farbwerkzeuge von Darktable taugen durchaus für sanfte, realitätsnahe Eingriffe. Doch zur spielerischen Demonstration treiben sie es hier richtig bunt.
Anders als in Gimp spielen in Darktable zwei Auswahltechniken von Bildausschnitten Hand in Hand: Die Formauswahl, bei der Sie Bereiche grob per Pinsel ausschneiden, und die sogenannte parametrische Auswahl, bei der das Programm innerhalb dieser Vorauswahl noch einmal bestimmte Farb- oder Helligkeitsbereiche abtrennt. So genügt es, wie in Abbildung 9 zu sehen, eine Tomate mit großzügigem Randüberstand per Maskenpinsel zu übermalen. Entscheidend ist nur, dass die Auswahl kein weiteres rotes Objekt mit erfasst, was zum Glück nicht viel Feinmotorik erfordert.

Abbildung 9: Die Pinselauswahl (also alles innerhalb der gestrichelten Linie) geht etwas über den gewünschten Bildausschnitt hinaus. Wegen der nachfolgenden Auswahl auf Basis der Farbe macht das nichts.
Schalten Sie zuerst den Filter Farbkontrast aus der Gruppe Farbgruppe links oben im Palettenkopf ein. Mit seiner Hilfe wollen wir die vorderste Tomate purpur färben. Damit der Filter sich nicht auf das ganze Bild auswirkt, erstellen Sie zunächst eine Maske, für die in Darktable das etwas irreführend benannte Listenfeld Überblenden zuständig ist.
Wählen Sie dort gezeichnet & parametrisch für eine mit dem Pinsel vorgenommene Grobauswahl, die eine Farbauswahl weiter eingrenzt. Zunächst erstellen Sie die Pinselvorauswahl. Klicken Sie dazu auf das Stift-Symbol unter gezeichnete Maske. Dann erscheint ein grauer Pinsel unter dem Cursor, dessen Größe Sie mit dem Mausrad steuern. Übermalen Sie dann mit gehaltener Maustaste großzügig die ganze Tomate.
Zitterfrei
Die Feinauswahl ist wie erwähnt Sache der parametrischen Maske, deren Steuerelement ganz unten in der Palette liegt. Sie benötigen den Reiter h (“hue”, englisch: Farbton). Ziehen Sie die beiden rechten Keile im Farbbalken für Eingabe nach links bis an die Grenze der Rottöne (Abbildung 10, unten). Dann brauchen Sie nur noch den Farbkontrast einzustellen: Ziehen Sie den Regler Grün/Magenta nach rechts und den Regler Blau/Gelb nach links: Schon erstrahlt die Tomate in leuchtendem Purpur.

Abbildung 10: Die parametrische Auswahl filtert aus der Vorauswahl mit dem Pinsel die roten Farbtöne heraus.
Parametrische und gezeichnete Masken stehen für fast alle Filter in Darktable zur Verfügung. Der ausgefüllte Keilregler in den Farbbalken steuert den Wert, an dem die Maske vollständig endet. Mithilfe des hohlen Keils stellen Sie einen fließenden Übergang ein. Hinter dem Farbbalken sehen Sie ein Plus-Icon: Es schaltet zwischen dem inklusiven und exklusiven Modus der Auswahl um.
Außer nach der Farbe wählt die parametrische Maske Bildbereiche auch per Helligkeit (Reiter L, “luminance”) und Farbsättigung ( C, “chrominance”). Die Reiter a und b stehen für die beiden Farbkanäle Grün/Magenta und Blau/Gelb des Lab-Farbmodells [5], das die Farbwahrnehmung des Menschen besser abbildet als das RGB-Modell.
Die beiden anderen eingefärbten Tomaten in Abbildung 8 entstehen mit dem schon bekannten Farbbereiche-Werkzeug. Um verschiedene Farben zu erzeugen, benötigen Sie mehrere Instanzen des Werkzeugs, was Darktable erst seit einigen Versionen unterstützt: Wählen Sie dazu nach einem Klick auf das Clipboard-Icon rechts im Kopf der Farbkorrekturpalette die Option neue Instanz.
Wieder folgt eine Grobauswahl mit dem Maskenpinsel. Die parametrische Maske, die das Rot der Tomate beim ersten Färbebeispiel vom umgebenden Grün trennte, darf hier aber wegfallen: Das Farbbereiche-Werkzeug selbst arbeitet ja schon farbselektiv. Es genügt also, im Listenfeld Überblenden den Punkt gezeichnete Maske auszuwählen und wie gehabt die Grobauswahl mit dem Maskenpinsel vorzunehmen.
Zeichnen statt Malen
Oft gelingt mit grobmotorischer Vorauswahl plus Auswahl der Farbe das passgenaue Ausschneiden eines Objekts im Bild ganz leicht. Doch bei der rot zu färbenden Chilischote funktioniert dieses Prinzip nicht: Sie grenzt direkt an weitere gleich gefärbte Objekte an.
Für solche Fälle gibt es auch in Darktable die Auswahl per Bézier-Kurve, wie sie in den meisten professionell freigestellten Bildern zum Einsatz kommt: Klicken Sie nach dem Auswählen von gezeichnete Maske dafür nicht wie bisher auf das Stift-Icon, sondern auf das zweite Symbol von links (Pfad hinzufügen). Abbildung 11 zeigt die mit dem Vektorwerkzeug erstellte Maske für die Auswahl der rot eingefärbten Schote inklusive ihrer Kontrollpunkte. Außerdem sehen Sie hier die Einstellung des Einfärben-Werkzeugs, das die rote Farbe beisteuert.

Abbildung 11: Auch die aus der Vektorgrafik bekannten Bézier-Kurven stehen zur Bereichsauswahl zur Verfügung. Sie sind mühsam zu zeichnen, bilden dafür aber selbst komplexe Formen genau ab.
Nach einem Klick auf das Bild erscheint ein geschlossener Pfad, dem Sie mit jedem Klick einen neuen Kontrollpunkt hinzufügen. Haben Sie Übung mit Inkscape, dann kennen Sie das Prinzip der Bézier-Kurven; im Detail fällt die Bedienung in Darktable etwas anders aus.
Ein Rechtsklick beendet den Zeichenmodus und löst die Maus von der Kurve. Dann lassen sich bestehende Kontrollpunkte verschieben. Ein aktiver Kontrollpunkt zeigt wie in Inkscape eine Kontrolltangente, die Verlauf und Stärke der Krümmung regelt. Neue Kontrollpunkte entstehen per [Strg]+Mausklick, ein Rechtsklick löscht einen Kontrollpunkt. [Strg]+Linksklick auf einen bestehenden Punkt verwandelt diesen in eine Ecke ohne eigene Krümmung.
Das Mausrad skaliert die ganze Maske, solange sich der Zeiger innerhalb des Pfads befindet. Dann erscheint außerdem eine dünnere, gestrichelte Linie, bis zu der hin Darktable die Maske fließend abblendet. Platzieren Sie den Mauszeiger über dieser Linie, dann verändert das Mausrad die Breite dieses Überblendungsbereichs.
Auch die Pinselauswahlen verwandelt Darktable übrigens nach Loslassen der Maustaste in Vektorkurven, deren Kontrollpunkte sich genau wie bei mit dem Vektorwerkzeug erstellten Kurven verschieben lassen. Dies erlaubt kleinere nachträgliche Korrekturen. Mehr Kontrolle bietet das Vektorwerkzeug, mit dem Sie die Kontrollpunkte gezielt per Hand setzen.
Bescheidener Anfang
Dieser Workshop hat gerade einmal 5 der über 45 Filtermodule in Darktable genutzt. Teilweise wirkten die Filter auf das ganze Bild, teilweise haben wir die leistungsfähigen Maskierungsfunktionen des Programms genutzt. Einen kleinen weiteren Vorgeschmack gibt eine zusätzliche Fassung des farbverfremdeten Gemüse-Stilllebens (Abbildung 12), diesmal mit weichgezeichneten Rändern. Künstliches Filmkorn zeigt den weißen Tisch konturierter; der nach einem Farbfilmtyp benannte Velvia-Filter hat auch die Tönung der nicht per Hand gefärbten Bildteile leicht überzeichnet.

Abbildung 12: Wenn schon die Farben der Tomaten purer Phantasie entspringen, schaden ein paar weitere verfremdende Effekte (Weichzeichner, Velvia-Farben, künstliches Filmkorn) auch nicht mehr.
Besonders beeindruckt hat uns im Test der Filter Farbtransfer, der die dominierenden Farben eines Fotos einer anderen Aufnahme aufprägt. Ein naheliegendes Einsatzgebiet stellen Designs mit mehreren Bildern dar: Der Farbtransfer-Filter sorgt dann für eine einheitliche Farbstimmung. Vielleicht möchten Sie aber auch einfach die romantischen Farbtöne eines Sonnenuntergangs aus einem anderen Bild übernehmen.
Alle weiteren Filter erläutert das für die aktuelle Version 1.6 aktualisierte Darktable-Handbuch [6] ausführlich genug, um sie anhand eigener Experimente schnell zu verstehen. Kommen Sie mit englischsprachigen Benutzeroberflächen klar, setzen Sie in der Datei ~/.config/darktable/darktablerc am besten den Wert für ui_last/gui_language auf C; vermeiden Sie dabei Leerzeichen vor und nach dem C. Dann müssen Sie nicht rätseln, welche deutsche Übersetzung dem gesuchten englischen Filternamen in der Dokumentation entspricht.
Wie haben ausschließlich mit JPEG-Vorlagen in 8 Bit Farbtiefe gearbeitet, was Darktables riesige interne Farbtiefe von viermal 32 Bit Fließkomma nicht annähernd ausschöpft – eher schlägt diese bei RAW-Vorlagen zu Buche. Beim RAW-Support stützt sich das Programm auf die Bibliothek Libraw [7], bringt aber zusätzlich für eine Reihe gängiger Spiegelreflexkameras optimierte Helligkeitskurven und Farbtabellen mit [8].
Den Bildbetrachter (Leuchttisch) haben wir hier nur flüchtig gestreift, obwohl er mit Verschlagwortung, Geotagging inklusive Kartenprojektion und einer Suchfunktion eine eigenständige Verwaltungssoftware wie Digikam überflüssig macht. Das aktuelle Darktable 1.6 fügt noch eine Diashow-Funktion hinzu. Außerdem funktioniert das Programm nun besser auf den bei Fotografen beliebten hochauflösenden Monitoren, liest und schreibt TIFFs auch in 32-Bit-Fließkomma-Farbtiefe und soll insgesamt zügiger arbeiten.
Neu hinzugekommen sind ein Farbsaum-Entfernungsfilter, der Abbildungsfehler der Objektive (chromatische Aberration) ausbügelt, ein automatischer Modus der Belichtungskorrektur (Werte-Filter) und eine verbesserte Schlaglicht-Rekonstruktion.
Fazit
Kein kommerzieller Hersteller hat es bislang geschafft, ein besseres Fotonachbearbeitungsprogramm auf die Beine zu stellen als das freie Darktable. Die Software ist für Linux und Mac OS X verfügbar und bündelt zahlreiche Effekte unter einer dennoch übersichtlichen Benutzeroberfläche. Sie nutzt sogar die Grafikkarte als Rechenhilfe – das war bisher nur bei viel CPU-intensiveren 3D-Renderings üblich. Darktable enttäuscht daher nur eine Benutzergruppe: jene, die erwarten, dass mit ein paar Mausklicks alles erledigt ist.
Infos
[1] Darktable: http://www.darktable.org
[2] OpenCL: https://de.wikipedia.org/wiki/OpenCL
[3] Trauben-Foto: http://www.freeimages.com/photo/1165235
[4] Chilli-Stillleben: http://www.freeimages.com/photo/594698
[5] Lab-Farbmodell: https://de.wikipedia.org/wiki/Lab-Farbraum
[6] Handbuch: http://www.darktable.org/usermanual/
[7] Libraw: http://www.libraw.org
[8] “Cameras with enhanced support”: http://www.darktable.org/resources/





