Herzlich willkommen im malerischen Thimbleweed Park. Hier benötigen Sie neben starken Lachmuskeln auch einen kühlen Kopf. Denn die nette Leiche im Fluss wird nur Ihr kleinstes Problem sein – das garantieren gleich zwei altbekannte Spieleentwickler in ihrem neuen Point-and-Click-Adventure.
Das amerikanische Städtchen Thimbleweed Park liegt weit abgelegen auf dem Land. Es besitzt einen kleinen Radiosender, eine eigene Zeitung, einen modernen Quickie-Pal-Supermarkt und eine männliche Leiche in einem Fluss (Abbildung 1). Wer den netten Herrn ermordet und in das Gewässer geschleift hat, sollen zwei FBI-Agenten klären. Deren Ermittlungen verlaufen jedoch schon zu Beginn äußerst holperig.

Abbildung 1: Thimbleweed Park spielt im Jahr 1987, in dem Mobiltelefone noch einer Hantel ähnelten. In ihren Notizbüchern merken sich Ray und Reyes zudem die anstehenden Aufgaben.
Fünf Freunde
So scheint der örtliche Polizeichef an der Klärung des Falls nicht sonderlich interessiert zu sein. Obendrein sieht er dem Gerichtsmediziner verblüffend ähnlich. Auch die übrigen Bewohner von Thimbleweed Park verhalten sich etwas merkwürdig. Während die beiden Klempnerinnen grundsätzlich in Taubenkostümen arbeiten, verkauft Madame Morena in ihrem Laden zahlreiche Flüche, Beschwörungen, Heiltränke und Glücksbringer. Den Schnellimbiss betreibt ein junges Pärchen, das ganz offensichtlich keine Angst vor dem Gesundheitsamt hat. Und warum benötigen die Toiletten in Thimbleweed Park alte Radioröhren zum Betrieb?
Während Agentin Ray und ihr Juniorpartner Reyes den Mordfall untersuchen, kehrt Delores Edmund aus der Großstadt zurück, um den Nachlass ihres Onkels Chuck zu regeln. Der hat einst mit der Produktion von Kissen ein Vermögen verdient und so zum Aufschwung von Thimbleweed Park beigetragen. Vor einigen Jahren brannte jedoch die Kissenfabrik aus niemals vollständig geklärten Gründen ab (Abbildung 2). Seitdem beschäftigte sich Chuck mit dem Bau intelligenter Roboter und merkwürdiger Automaten – bis er vor ein paar Tagen verstarb.

Abbildung 2: In Rückblenden erzählt das Spiel die Vorgeschichte einiger Charaktere. Hier versucht Franklin, sich hinter dem Rücken seines Bruders mit Investoren zu treffen.
Clown Ransome wiederum hat vollkommen andere Sorgen. Einst unterhielt er das Publikum bei “Wetten, dass”, besaß ein Haus im Urlaubsort Aspen und eine hübsche Geliebte – bis er bei einem Gastspiel seines Zirkus ausgerechnet Madame Morena beleidigte. Die Folgen ihres Fluchs waren ein finanzieller Absturz und ein nicht mehr abwaschbares Make-up. Auf dem heruntergekommenen Zirkusgelände lebend muss sich der griesgrämige Clown dringend nach neuen Geldquellen umsehen. Vielleicht liegt in den Resten der Kissenfabrik noch der Prototyp seiner alten Clownpuppe, die Chucks Bruder Franklin fertigen lassen wollte.
Klassiker
Im Adventure Thimbleweed Park steuert der Spieler abwechselnd die Geschicke von Ray, Reyes, Delores, Ransome und Franklin. Bis auf einige Ausnahmen kann der Spieler jederzeit selbst entscheiden, mit welchem Helden er weiterspielen möchte. Jeder der fünf Charaktere besitzt einige Macken und Eigenheiten: So ist etwa Ransome (Abbildung 3) äußerst unbeliebt bei den Bewohnern, während ausschließlich Delores das alte Landhaus der Edmunds betreten darf.

Abbildung 3: Ransome lebt aus Geldmangel auf dem heruntergekommenen Zirkusgelände mit seinem Hamster “Little *Beeper*”.
Wie in den klassischen Point-and-Click-Adventures aus den 90er Jahren blendet das Spiel am unteren Rand mehrere Verben ein. Um einem der Protagonisten einen Befehl zu erteilen, klicken Sie erst eines der Verben und dann einen Gegenstand in der Umgebung an. Aufgelesene Objekte landen im Inventar des jeweiligen Helden, das rechts unten auf dem Bildschirm erscheint. Auf diese Weise gilt es, zahlreiche Rätsel zu lösen und so wiederum die Hintergrundgeschichte voranzutreiben: Beispielsweise muss Delores das Farbband eines alten Druckers mit schwarzer Tinte auffrischen, um ein dringend benötigtes Dokument ausdrucken zu können.
Wertvolle Hinweise liefern die Einwohner von Thimbleweed Park, mit denen man Gespräche im Multiple-Choice-Verfahren führt. Spieler können zudem zu Beginn zwischen zwei Schwierigkeitsgraden wählen, die sich allerdings nur in der Anzahl der Rätsel voneinander unterscheiden. So findet Delores im leichten Modus einfach das benötigte Tintenfläschchen, während sie die Tinte im schwierigen Modus aus verschiedenen Zutaten selbst brauen muss.
Gute alte Zeit?
Thimbleweed Park entstammt der Feder von Ron Gilbert und Gary Winnick. Die Beiden waren Ende der 80er Jahre Schöpfer legendärer Adventures wie Maniac Mansion und The Secret of Monkey Island. Vor rund drei Jahren beschlossen sie aus einer Laune heraus, noch einmal gemeinsam ein Adventure im klassischen Stil zu entwickeln – mit Pixelgrafik und der bekannten Bedienung über Verben. Das für die Produktion nötige Geld sammelten sie über die Plattform Kickstarter ein. Dort spendeten Ende 2014 rund 15?000 Fans über 600?000 US-Dollar [4]. Je nach Höhe ihres Beitrags erhielten die Spender verschiedene Belohnungen, so durften sich besonders großzügige Fans im Telefonbuch von Thimbleweed Park verewigen oder sich einen Gegenstand wünschen, der im fertigen Spiel auftaucht.

Abbildung 4: Die Bücher in der Bibliothek lassen sich tatsächlich lesen. Ihre Inhalte stammen bis auf einige Ausnahmen von den Fans und Unterstützern des Spiels.
Den kompletten Entwicklungsprozess hat Ron Gilbert in einem Blog dokumentiert [5], die dort abgegebenen Kommentare der Fans wirkten sich sogar auf das Spiel aus. Kuriose Folgen hatte etwa das Bild einer im Adventure enthaltenen Toilette: Immer wieder keimte die Diskussion auf, ob die Klopapierrolle an der Wand richtig herum hing. Dieser “Toilettenpapierskandal” führte schließlich dazu, dass man im fertigen Spiel die Abrollrichtung der Toilettenpapierrollen festlegen kann [6]. Wer mit den alten Adventures aus den 80er Jahren groß geworden ist, darf zudem in den Einstellungen noch einige “blöde Insiderwitze” zuschalten: Unter anderem verteilt dann Delores einen bissigen Seitenhieb auf die alten Sierra-Adventures, in denen Spieler gerne unvermittelt den Tod fanden.
Nach rund zwei Jahren Entwicklungszeit ist Thimbleweed Park schließlich im März 2017 für knapp 20 Euro auf Steam [2] und bei Gog.com [3] erschienen. Im letztgenannten Online-Shop erhalten Sie eine kopierschutzfreie Fassung. Bedingt durch einige Flüche von Ransome besitzt das Spiel eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren. Zwar erscheinen alle Bildschirmtexte komplett in Deutsch, die Sprachausgabe gibt es jedoch nur auf Englisch.
Installationshilfe
Wenn Sie Thimbleweed Park bei Gog.com erwerben, erhalten Sie eine Datei mit der Endung .sh. Um das Spiel zu installieren, verfahren Sie wie folgt:
- Laden Sie die Datei mit der Endung
.shauf Ihren Rechner herunter. - Klicken Sie die Datei mit der rechten Maustaste an, wählen Sie aus dem erscheinenden Menü Eigenschaften, und wechseln Sie auf das Register Berechtigungen. Stellen Sie sicher, dass das Kästchen neben Ausführbar blau ausgefüllt und somit aktiviert ist. Schließen Sie das Fenster mit OK.
- Klicken Sie die Datei mit der Endung
.shan und lassen Sie das Programm ausführen. Es erscheint jetzt ein Installationsassistent, in dem Sie immer auf Weiter klicken. Akzeptieren Sie die Lizenz über Ja oder Yes und gehen Sie so lange einen Schritt weiter, bis der Assistent das Spiel installiert. Wenn er seine Arbeit erledigt hat, klicken Sie auf Fertig stellen. - Das Spiel starten Sie jetzt entweder mit einem Klick auf das Symbol auf dem Desktop oder über das Startmenü. In letzterem finden Sie es in der Gruppe Spiele.

Abbildung 5: In Thimbleweed Park sind nicht nur die meisten Geschäfte geschlossen, der defekte Hydrant versperrt auch noch den Weg in die “A Street”. Vielleicht kann man den Klempnern irgendwie helfen.
Fazit
Thimbleweed Park erzählt eine spannende Geschichte, besitzt ausschließlich logische Rätsel, ist bis an den Rand mit Humor vollgestopft und bietet einige kuriose Charaktere. Insbesondere Clown Ransome bleibt mit seinen teils unglaublichen Flüchen im Gedächtnis hängen. Die Synchronsprecher haben hervorragende Arbeit geleistet und passen stimmlich perfekt zu ihren jeweiligen Charakteren. Mit seiner charmanten Pixelgrafik und dem klassischen Bedienkonzept wirkt Thimbleweed Park zudem wie ein bislang unentdecktes Abenteuerspiel aus den 90ern.
Die überraschende Wendung am Ende regt ein wenig zum Nachdenken an, dürfte aber auch viele Spieler etwas verwirrt zurücklassen. Obendrein enthält Thimbleweed Park zahlreiche Anspielungen auf die 80er Jahre, die vorwiegend nur das Komikzentrum der älteren Generationen treffen dürften – wer erinnert sich beispielsweise noch an Laserdiscs, Telefonzellen und Betamax-Videorekorder? Sämtliche Rätsel lassen sich aber auch ohne “Geschichtskenntnisse” lösen. Unter dem Strich ist Thimbleweed Park genau das, was es sein möchte: eine liebevolle Hommage an die alten Adventures, die vor allem für Genre-Freunde einen Pflichtkauf darstellt. (hge)
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Entwickler |
Terrible Toybox, Inc. |
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Lizenz |
kommerziell |
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Preis |
19,99 Euro (Steam und Gog.com) |
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Voraussetzungen |
aktuelle Linux-Distribution, Intel-/AMD-CPU ab 2 GHz, 4 GByte Hauptspeicher, Grafikkarte der Klasse Intel HD 3000 oder besser, 1 GByte freier Plattenplatz |
Infos
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Thimbleweed Park: https://thimbleweedpark.com/
-
Steam: http://store.steampowered.com/app/569860/Thimbleweed_Park/
-
Kickstarter: https://www.kickstarter.com/projects/thimbleweedpark/thimbleweed-park-a-new-classic-point-and-click-adv
-
Thimbleweed Park Blog: https://blog.thimbleweedpark.com/
-
Thimbleweed Park Developers Give In To Public Pressure In Toilet Paper Scandal: https://blog.thimbleweedpark.com/tp_under_over

