Fremde Länder im Strategiespiel “The Curious Expedition” erkunden

Aus EasyLinux 04/2017

Fremde Länder im Strategiespiel “The Curious Expedition” erkunden

Entdeckungsreise

Sie wollten schon immer mit Charles Darwin, Marie Curie oder einem anderen bekannten Forscher im tiefsten Urwald auf Entdeckungsreise gehen? In einem pfiffigen Spiel des Berliner Entwicklerstudios Maschinen-Mensch bekommen Sie dazu endlich die Gelegenheit.

Das komplette Expeditionsteam rennt. Vielleicht hätte man doch nicht den heiligen Tempel plündern und somit entweihen sollen. Aber die glitzernden Juwelen und die goldene Statue waren einfach zur verführerisch: Versprechen sie doch zusätzlichen Ruhm gegenüber den konkurrierenden Expeditionen. Dummerweise hat der Diebstahl einen fiesen Vulkanausbruch ausgelöst, der wiederum gerade im umliegenden Urwald einen Großbrand verursacht.

Die Flucht vor dem Feuer wäre zudem weniger beschwerlich, wenn man noch ein paar freie Taschen hätte. Der mitgeführte Esel muss aber nicht nur den Proviant für mehrere Tage tragen, sondern auch noch den Schnapsvorrat für den alkoholsüchtigen britischen Soldaten. Erhält dieser nicht regelmäßig einen Schluck, sinkt seine Loyalität zum leitenden Forscher – im schlimmsten Fall verlässt er wütend das Team. Dabei braucht man ihn dringend im Kampf mit den überall im Dschungel lauernden Wölfen.

Glücklicherweise liegt in unmittelbarer Nähe das kleine Dorf einiger Eingeborenen. Mit gutem Zureden kann man dort vielleicht die Nacht verbringen und sich damit auch gleichzeitig mental wieder auffrischen. Das kostet jedoch einen Tag Zeit, was wiederum den anderen Expeditionen auf der Suche nach der sagenumwobenen goldenen Pyramide einen Vorsprung verschafft.

Ruhmreiche Berühmtheiten

Dieser Reisebericht stammt nicht aus einem Roman, sondern schildert eine Situation aus dem Spiel “The Curious Expedition”. Dort möchte ein elitärer Forscherclub seinem besten Mitglied ein Denkmal errichten; die Ehrung erhält allerdings nur, wer den meisten Ruhm einheimsen kann. Gleich fünf Forscherteams nehmen die Herausforderung an, eines davon steuern Sie.

Abbildung 1: Zu Beginn der Reise kann man zusätzliche Aufträge annehmen, die Geld oder andere Boni versprechen. Bei besonders ruhmreichen Entdeckern bewerben sich zudem neue Crew-Mitglieder.

Abbildung 1: Zu Beginn der Reise kann man zusätzliche Aufträge annehmen, die Geld oder andere Boni versprechen. Bei besonders ruhmreichen Entdeckern bewerben sich zudem neue Crew-Mitglieder.

Sie wählen zu Beginn des Abenteuers zunächst ein Alter Ego in Form eines bekannten Forschers oder Entdeckers. Zur Auswahl stehen unter anderem Charles Darwin und Richard Francis Burton. Jede Berühmtheit besitzt ihre eigenen Vor- und Nachteile. So ist beispielsweise Burton ein Sprachgenie, was ihm vor allem in den Dörfern der Ureinwohner kostenlose Übernachtungen ermöglicht.

Ergänzend stehen jedem Entdecker zwei Helfer zur Seite. Darwin folgen beispielsweise ein schottischer Soldat und ein persischer Übersetzer. Des Weiteren besitzt jeder Forscher eine individuelle Erstausrüstung. So kann sich etwa Darwin gegen Angreifer mit einer Flinte zur Wehr setzen. Burton hingegen besitzt zwar nur ein Schwert, kann aber mit seiner Fackel gefahrlos dunkle Höhlen erkunden. Vor dem Aufbruch locken Zusatzaufträge, die Sie annehmen können (Abbildung 1).

Unbekannte Gefilde

Haben Sie sich für einen Helden entschieden, bringt ein Schiff die Entdecker in eine unbekannte Region. Die zunächst noch in weiten Teilen verhüllte Landschaft ist dabei in Hexfelder unterteilt (Abbildung 2). Mit gezielten Mausklicks geben Sie eine Route vor, welche Ihr Team dann umgehend abschreitet. Nach und nach erkunden Sie so die Umgebung und decken weitere Teile der Karte auf. Ziel ist eine besonders prestigeträchtige goldene Pyramide, deren Standort die Abenteurer jedoch erst einmal finden müssen. Die komplette Landschaft generiert das Spiel zudem stets nach dem Zufallsprinzip. Somit ändert sich nicht nur der Standort der Pyramide, jede Forschungsreise läuft auch komplett anders ab.

Abbildung 2: Nach der Ankunft geht es vom Schiff aus zum nächsten interessanten Punkt auf der Karte. Hier lockt eine hölzerne Skulptur, die sieben Reisetage und acht Punkte geistige Gesundheit kostet. Die verdeckten Gebiete sieht man erst, wenn sie in die Sichtweite des Teams geraten.

Abbildung 2: Nach der Ankunft geht es vom Schiff aus zum nächsten interessanten Punkt auf der Karte. Hier lockt eine hölzerne Skulptur, die sieben Reisetage und acht Punkte geistige Gesundheit kostet. Die verdeckten Gebiete sieht man erst, wenn sie in die Sichtweite des Teams geraten.

Mit etwas Glück stößt man im Urwald auf fliegende Händler, bei denen man Waren und Ausrüstungsgegenstände tauschen kann. Mysteriöse Höhlen, heilige Statuen und verlassene Lager gescheiterter Expeditionen bergen weitere interessante Objekte. Dazu zählen insbesondere Artefakte und Juwelen, die als lukrative Tauschobjekte dienen oder später in der Heimat in einer Versteigerung landen. Die Erlöse fließen dann in neue Ausrüstungsgegenstände für die nächste Expedition. Alternativ verschenkt man die Artefakte an ein Museum, was wiederum den eigenen Ruhm deutlich steigert.

Nervenzusammenbruch

An einigen Stellen im Dschungel kommt man nur mit speziellen Gegenständen weiter. So erreicht man beispielsweise einen Tempel auf einer Bergkuppe nur mit Seil und Haken, während eine Wanderung durch eine Wüste mehrere gut gefüllte Wasserflaschen erfordert. Mutige Abenteurer können in einigen Fällen auf Hilfsmittel verzichten: So lässt sich etwa eine dunkle Höhle (Abbildung 3) auch ohne Fackel erforschen. Dann besteht allerdings die Gefahr, dass man nichts findet oder sogar ein Teammitglied in der Dunkelheit für immer verliert. Letzteres gilt insbesondere für klaustrophobisch veranlagte Abenteurer. Vorsicht ist auch bei heiligen Stätten geboten: Wer Juwelen aus einem Tempel stiehlt, löst meist eine Naturkatastrophe aus. Dazu gehören neben Vulkanausbrüchen auch Sandstürme und sich auftürmende Gebirge, um die man dann langwierig herumlaufen muss.

Abbildung 3: Eine dunkle Höhle kann man mit einer Fackel erforschen oder alternativ auf gutes Sehvermögen der Expeditionsteilnehmer hoffen.

Abbildung 3: Eine dunkle Höhle kann man mit einer Fackel erforschen oder alternativ auf gutes Sehvermögen der Expeditionsteilnehmer hoffen.

Jeder Schritt und jede Aktion kosten einen oder mehrere Reisetage. Zwar gibt es kein Zeitlimit – wer von den konkurrierenden Forscherteams jedoch zuerst eine goldene Pyramide findet, darf sich über einen zusätzlichen Batzen Ruhm freuen. Mit jedem Zug reduziert sich zudem die geistige Gesundheit des Teams. Ist sie irgendwann aufgebraucht, verwandeln sich die durchgedrehten Abenteurer gerne einmal in Kannibalen oder verhungern. Rafft es auch den Leiter der Expedition dahin, ist das Spiel beendet. Auffrischen lässt sich die geistige Gesundheit mit hoffentlich ausreichend mitgeführten Nahrungsmitteln, Spirituosen und merkwürdigen Pflanzen. Alternativ verordnet man allen eine Mütze voll Schlaf. Das stellt zwar besonders viel geistige Gesundheit wieder her, kostet aber auch einen kompletten Reisetag. Ein Nachtlager mitten in der Pampa könnte zudem wilde Tiere anlocken.

Glücksspiele im Urwald

Begegnungen mit Gorillas, Wölfen und Co. führen unweigerlich zu einem Kampf, der in Form eines Würfelspiels abläuft: Der Spieler wirft per Mausklicks mehrere Würfel, aus deren Motiven er dann eine oder mehrere Angriffskombinationen zusammensetzt (Abbildung 4). Hat man beispielsweise eine Hand und einen Fuß gewürfelt, ergibt das ein Tritt gegen den hungrigen Wolf. Welche Kombinationen welche Effekte auslösen, muss man allerdings erst nach und nach selbst herausfinden. Hat man alle Würfel eingesetzt bzw. kombiniert, ist der Gegner an der Reihe.

Abbildung 4: Aus den Würfeln baut man sich einen Angriff zusammen: Hier wurde der Schwertwürfel mit einem Speer aus dem Inventar kombiniert. Damit würde einer der Helden einen Speerangriff ausführen, der dem Gegner vier Gesundheitspunkte abzieht.

Abbildung 4: Aus den Würfeln baut man sich einen Angriff zusammen: Hier wurde der Schwertwürfel mit einem Speer aus dem Inventar kombiniert. Damit würde einer der Helden einen Speerangriff ausführen, der dem Gegner vier Gesundheitspunkte abzieht.

Jeder Treffer zieht einen oder mehrere Gesundheitspunkte ab. Sind diese Punkte aufgebraucht, stirbt der Gegner – oder der Expeditionsteilnehmer. Sollte sich ein Gorilla als zu stark erweisen, können die Abenteurer auch fliehen. Dabei büßen sie allerdings nicht nur geistige Gesundheit ein, das Tier läuft nach einer kurzen Pause auch wieder frei auf der Karte herum. Verwundete Teammitglieder sollte man schnellstmöglich mit einem hoffentlich irgendwann zuvor erworbenen Sanitätsköfferchen heilen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich die Verletzung weiter entzündet und der Abenteurer irgendwann an der Infektion stirbt.

Gemeinerweise kann jeder Expeditionsteilnehmer nur eine vorgegebene Anzahl Gegenstände tragen. Wer aus Versehen einen Kleptomanen angeheuert hat, sollte sich möglichst noch ein Lastentier anschaffen, das besonders viele Objekte transportiert. Zwar darf man auch mehr Gegenstände mitnehmen, als eigentlich in die Taschen passen, jeder Schritt durch den Urwald kostet dann aber deutlich mehr geistige Gesundheit. Folglich muss man genau abwägen, ob man den Wasservorrat ablegt und stattdessen lieber die Perlen einsteckt. Als Zwischenlager eignet sich das Schiff, zu dem man aber erst zurücklaufen muss, was meist wieder mehrere Tage Fußmarsch bedeutet. In dieser Zeit könnte die Konkurrenz einer goldenen Pyramide schon deutlich näher gekommen sein.

Handel

Im Urwald stößt man immer wieder auf kleinere Dörfer, in denen man übernachten und mit seinen erbeuteten Waren handeln kann (Abbildung 5). Das gelingt allerdings nur, wenn man einen guten Ruf unter den Eingeborenen genießt. Den Ruf erhöht man durch Geschenke und ruiniert ihn durch das Plündern von Heiligtümern und Opfergaben. Konnte man sich einen guten Ruf erarbeiten, darf man im Dorf sogar einen Einheimischen als zusätzliches Teammitglied rekrutieren.

Abbildung 5: In Dörfern kann man nicht nur übernachten, sondern auch Gegenstände tauschen. Bietet man wie hier mehr an, als man von den Eingeborenen nimmt, verbessert sich der Ruf. Dadurch könnten Dorfbewohner geneigt sein, sich dem Forscherteam anzuschließen.

Abbildung 5: In Dörfern kann man nicht nur übernachten, sondern auch Gegenstände tauschen. Bietet man wie hier mehr an, als man von den Eingeborenen nimmt, verbessert sich der Ruf. Dadurch könnten Dorfbewohner geneigt sein, sich dem Forscherteam anzuschließen.

Hat man die goldene Pyramide gefunden oder vorzeitig die Heimreise angetreten, rechnet der Forscherclub den bis dahin gesammelten Ruhm zusammen. Gleichzeitig darf man sich eine von drei möglichen Belohnungen aussuchen, die dann bei der der nächsten Expedition einen kleinen Vorteil verschafft. Erst nach insgesamt sechs Forschungsreisen darf sich der Entdecker mit dem meisten Ruhm über seine eigene Statue freuen.

Entwickelt haben The Curious Expedition die beiden Berliner Riad Djemili und Johannes Kristmann mit ihrer Firma Maschinen-Mensch. Eine Vorabversion konnten wagemutige Spieler bereits seit Anfang 2015 auf Steam erwerben, offiziell ist das Spiel schließlich im September 2016 erschienen. Bereits die Vorabversion wurde für verschiedene Preise nominiert, zudem gewann sie 2015 den Deutschen Entwicklerpreis als bestes “Indie-Spiel” [5].

Erhältlich ist The Curious Expedition derzeit für rund 15 Euro bei Steam und im Humble Store sowie für knapp 14 Euro bei Gog.com [2, 3, 4]. Bei den beiden letztgenannten Online-Shops erhält man eine kopierschutzfreie Version. Wer im Humble Store kauft, kann das Spiel zudem auch auf Steam freischalten. Hilfe bei der Einrichtung gibt der Kasten Installation. Darüber hinaus verkaufen die beiden Entwickler auf ihrer Homepage noch spezielle Editionen, bei denen man sogar selbst Teil des Spiels werden kann [1].

Abbildung 6: Schenkt man die gefundene Statue dem Museum, bringt das 70 zusätzliche Ruhmespunkte, womit man endlich am Konkurrenten Nikola Tesla vorbeiziehen kann. Andererseits bringt eine Auktion Geld für zusätzliche Ausrüstung.

Abbildung 6: Schenkt man die gefundene Statue dem Museum, bringt das 70 zusätzliche Ruhmespunkte, womit man endlich am Konkurrenten Nikola Tesla vorbeiziehen kann. Andererseits bringt eine Auktion Geld für zusätzliche Ausrüstung.

Installation

Haben Sie das Spiel bei Gog.com gekauft, klicken Sie die heruntergeladene Datei mit der rechten Maustaste an, wählen Eigenschaften und stellen mit einem Mausklick sicher, dass unter Berechtigungen das Kästchen vor Ausführbar blau ausgefüllt ist. Schließen Sie das Fenster mit OK. Klicken Sie die heruntergeladene Datei an und wählen Sie Ausführen. Im Installationsassistenten klicken Sie einfach immer auf Weiter, die EULA nicken Sie mit Ja bzw. Yes ab. Gehen Sie wieder solange einen Schritt weiter, bis die Installation startet. Schließen Sie das Fenster via Fertig stellen. Das Spiel finden Sie im Startmenü in der Gruppe Spiele.

Wenn Sie das Spiel im Humble Store erworben haben, laden Sie sich das 64-Bit-Paket für Linux herunter. Klicken Sie das so erhaltene ZIP-Archiv mit der rechten Maustaste an und wählen Sie Entpacken / Archiv hierher entpacken, Unterordner selbstständig ermitteln. Wechseln Sie in das neu entstandene Verzeichnis, klicken Sie die Datei electron mit der rechten Maustaste an, wählen Sie die Eigenschaften und stellen Sie mit einem Mausklick sicher, dass unter Berechtigungen das Kästchen vor Ausführbar blau ausgefüllt ist. Schließen Sie das Fenster mit OK. Um das Spiel zu starten, klicken Sie auf die Datei electron.

Im Startbildschirm schalten Sie auf die deutschen Bildschirmtexte um, indem Sie links oben in der Ecke auf das Zahnradsymbol und dann mit der Maus auf English klicken (wodurch dort Deutsch erscheint). Beenden Sie das Spiel via Quit Game und starten Sie es neu.

Fazit

Hat man sich einmal in den Dschungel gestürzt, legt man die Maus nicht so schnell wieder aus der Hand. Die einzelnen Expeditionen sind recht spannend inszeniert, ständig steht man vor Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen. Soll man etwa geldgierig die Juwelen aus dem Tempel stehlen und sich damit den Ruf bei den Einheimischen ruinieren? Dank der zufallsgenerierten Landschaften spielt sich zudem jede Expedition anders.

Die liebevoll gezeichnete Pixelgrafik versetzt den Spieler zurück in die Zeit um 1900. Die Atmosphäre zerstören jedoch hin und wieder unnötige Fantasy-Elemente, wie etwa Dinosaurier oder mutierte Riesenkrabben. Zudem steigt der Schwierigkeitsgrad nicht nur schnell an, man kann die eigenen Fortschritte auch nicht speichern. Scheitert die dritte Expedition, muss man somit zwangsweise wieder von vorne beginnen. Einsteiger sollten daher den leichtesten Schwierigkeitsgrad wählen und mehrere Anläufe einkalkulieren. Des Weiteren verlaufen die Expeditionen stets nach dem gleichen Muster: Alle mit Fragezeichen markierten Orte abklappern, Artefakte einsammeln und die goldene Pyramide finden.

Dennoch weckt The Curious Expedition durch die zahlreichen verschiedenen Orte, Artefakte und kuriosen Gegenstände geschickt den Entdecker- und Sammlertrieb. Da die einzelnen Expeditionen zudem nur rund eine halbe Stunde dauern, ist das Spiel genau das Richtige, um immer mal wieder einen regnerischen Nachmittag zu überbrücken.

Entwickler

Maschinen-Mensch

Lizenz

Kommerziell

Preis

Steam und Humble Store: 15 Euro; Gog.com: 14 Euro

Voraussetzungen

Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3-D-Grafik, Prozessor mit 2 GHz oder besser, mindestens 1 GByte Hauptspeicher und eine zu OpenGL 2.0 kompatible Grafikkarte (dies sollten alle halbwegs aktuellen Grafikkarten erfüllen). Zudem setzt das Spiel eine Bildschirmauflösung von mindestens 1280 x 720 Pixeln voraus.

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