Von einem der auszog Dual Boot zu installieren.

Windows 7 Sünden
Windows 7 Sünden
09.04.2012 15:06

In einem meiner Blogbeiträgen hier in der LC gab ich eine Antwort auf einen Heise Artikel, warum ich unter anderem auch Linux PC verkaufe. Meiner Meinung nach gibt es schon lange keine technischen Probleme mehr, um von geschlossenen Systemen zu freier Software zu wechseln. Deswegen werden in der Zwischenzeit andere „Schlachtfelder“ (sic!) eröffnet.

Für einen Kunden, der als „Roadwarrior“ und mittels VPN unterwegs ist, sollte ich ein Dualboot (Win7©/Linux) Laptop einrichten. Das Gerät ist ein aktuelles Subnotebook „von der Stange“ in der 1k Euro Preisklasse. Und es kommt mit einem „vorinstallierten“ Win7© per Postbote. Schon beim Auspacken fällt auf, dass es keine Recovery-CD und keine Treiber CD oder ähnliches mehr gibt. Was der Natur auf der einen Seite zu gute kommt, spart auf der anderen Seite sogar noch Geld ein. Aber was macht der Benutzer, wenn er sein Betriebssystem neu installieren will und die Recovery Partition funktioniert nicht mehr?! OK, das Netz ist voll von gutem Rat. Und der ist auch nicht immer gleich teuer. In dem von mir hier verlinkten Artikel steht auch wie man, mittels Nachinstallieren eines „frischen“ Systems, den ganzen Werbemüll los wird,g der beim Einrichten ständig nervt.

Kein Platz mehr für Linux.

Win7© benutzt die gesamte installierte Festplatte für sich. Das von mir eingerichtete Subnotebook gibt es in einer HD oder SSD Ausführung. Ich hatte also erst einmal eine 300GB Festplatte voll mit Win7©. Diese müssen verkleinert werden. Grob erklärt: M$ liefert die HD/SSD vorpartitioniert aus. Rund 1/4 der Platte ist Boot. Dann kommen 2/4 des berühmten Laufwerk: C:\ Und dann nochmal 1/4 als sogenannte Schattenkopie. Diese Partition beinhaltet also die ehemalige Recovery CD. Auf so einem System ist es nicht ganz einfach Dualboot einzurichten. Aber auch hier hilft das Netz weiter. Einfach mal „Win7“ und „shrink“ suchen.

Der absolute Distro Renner (laut Distrowatch) ist zur Zeit Linux Mint. Basierend auf UBUNTU, die gleiche Vielfalt an Desktops und eine ebenso aktive Community. Also auch für Einsteiger oder Umsteiger zu verwenden. Nach dem Verkleinern (shrinken) der Win7© Partition, kann man den neu gewonnenen Plattenplatz gleich mittels Gparted für Linux einrichten oder dies mittels der Linux Distribution LiveCD/DVD während der Installation machen. Und weil Linux Mint zur großen „UBUNTU Familie“ zählt, kann man Ein- und Umsteiger auch immer wieder gerne in das UBUNTU-User Wiki lotsen. Das UU Wiki hat sich für Einsteiger in die *.deb Welt schon fast als „Standardwerk“ positioniert.

LM12 mit ACID Theme

First Contact

Bei ersten Start von Win7© muss man sich erst einmal beim Großen Bruder melden. Und kaum ist die Bedienoberfläche aufgebaut, popt es auch schon hoch: „Kaufen Sie jetzt...“Also wird erst mal der ganze Werbemüll de-installiert und Firefox, Thunderbird sowie Libreoffice nachinstalliert. OpenVPN muss installiert werden, dank eines *.exe Paket aber kein Problem. OpenVPN fügt sich dann auch recht einfach in das Win7 Desktop ein. Am einfachsten ist es, dem Benutzer ein Icon auf das Desktop zu legen. Denn es ist zwingend notwendig OpenVPN unter Win9X als Administrator auszuführen. Nur der Admin darf „route add“ machen. Ein freier PDF Reader rundet das Ganze fürs Erste ab. Nach gut 2-3 Stunden ist dann Win7 so was ähnliches wie einsatzbereit. Inklusive einer Sicherung der neuen Festplatte

Mit eingerechnet der Neu-Partitionierung ist da schon mal ein ganzer Arbeitstag weg bis so ein Win9X System fertig ist. Linux macht es einem da wesentlich leichter. Die LM LiveCD findet den freien Plattenplatz und bietet dann auch eine Formatierung an. Grub wird installiert und an erster Stelle kommt natürlich Linux als Standard Boot System. Win7© erscheint etwas weiter unten, aber startet immer noch klaglos. Die Bootoptionen lassen sich aber auch nachträglich bei LM noch problemlos ändern. Mittels Synaptic installiere ich jetzt jede gebrauchte Software in einem Rutsch. Bei mehreren Maschinen ließe sich so etwas auch mittels Paketlisten automatisieren. Der Netzwerkmanager bietet eine komfortable Import Funktion für VPN Einstellungen an. Einfach die *.conf datei ausgewählt und die Einstellungen werden übernommen. Selbst das automatische Backup geht wesentlich schneller einzurichten und bietet mir sogar noch die Möglichkeit die Win-Partitionen gleich mit zusichern. ;)

On the Road“

Jetzt müssen aber noch die Benutzerdaten auf die Maschine Unter Win7 werden einfach alle persönlichen Daten kopiert. Spezialprogramme müssen evtl. nachinstalliert werden. Eine wahre Copy & Paste Orgie. LM mountet etwas später aber klaglos alle Win9x Partitionen, dort sind ja alle persönlichen Daten. Thunderbird und Firefox werden so angepasst, dass der Benutzer mit beiden Systemen auf seine Daten zugreifen kann. Hierzu kann die Win9X Partition automatisch beim Linux Systemstart eingebunden werden. (fstab)

Eine weitere Hürde ist das Einbinden der Systeme in eine sogenannte „NT-Domain“. Hierzu lohnt sich ein Blick in eventuell vorhandene Netzwerkdokumentationen. Auf jedem Fall habe ich „gelernt“, dass „NT Domain Server“ auch als erster DNS-Server im Win Client eingetragen werden „muss“ - damit eine Anmeldung und Authentifizierung funktioniert. Aha? Und genau in diesem Moment sieht man die Schwächen von Win9X Programmen. Sie stammen alle aus einer Welt, wo ein Benutzer einen PC genutzt hat. Netzwerkfähigkeit bedeutet zusätzlicher Aufwand unter Win9X und damit einhergehende Performance Verluste. Schon alleine der Netzwerktraffic in NT Netzwerken ist gewaltig. Der Win7© (64bit) Renner verwandelt sich also vor den Augen des Kunden in einen gemütlichen Netzwerk 'Diesel'. Und wenn man dann passende Treiber oder Software sucht, sollte man tunlichst darauf achten, auch die richtige Architektur (32bit oder 64bit) einzusetzen.

Obwohl der Netzwerktraffic gewaltig ist, gibt es kaum verlässliche Informationen wie man Linux am bequemsten an einer NT Domain teilnehmen lässt. Da hilft meist nur Ausprobieren und Logfiles lesen. Zuerst müssen mal die Netzwerk Infos her. Der Linux geschulte Admin nimmt für so etwas gerne mal Wireshark und/oder NMAP/Zenmap zur Hilfe. Grundlegendes und betriebssystemübergreifendes Know How zur Anbindung an eine „NT-Domain“ bietet ein etwas älterer aber sehr guter Artikel bei Tec Channel (DE, Titel: „Betriebssystemgrenzen überwinden“)

Zu guter Letzt fehlt nur noch, dass „mein Lieblings Win9X Power Programm“ auf das der Benutzer nicht unter Linux verzichten will. Ich sehe hier zwei Lösungsansätze. Entweder das Win9X Programm funktioniert mittels WINE oder ähnlichen Emulatoren. Oder es gibt die Möglichkeit einer freien Alternative. Ich persönlich präferiere natürlich letzteres. Bei der Entscheidung hilft meistens auch die freundliche Linux Community.

Wenn nun so eine Art wie „Waffengleichheit“ hergestellt wurde, lässt man den Benutzer einfach selbst entscheiden, mit welchem System Er/Sie arbeiten möchte. Ich habe beobachtet, dass es nicht lange dauert und der Benutzer startet kaum noch die Win- Partition.

Mehr Infos auf einer Extra Webseite


Kommentare
garnicht so leicht getan wie gesagt
GoaSkin , Mittwoch, 25. April 2012 11:54:37
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Vor einiger Zeit habe ich einmal einen All-In-One PC aufgesetzt, der ohne optisches Laufwerk ausgeliefert wurde.

Es war auf dem System Windows vorinstalliert samt Recovery-Partition. Da aber prinzipiell kaum etwas von der Festplattenkapazität benötigt wurde, verkleinerte ich die Windows-Partition, um Platz für Linux zu schaffen.

So weit so gut - das Dual-Boot System lief zunächst fehlerfrei - <B>bis es notwendig wurde, die Windows-Installation zu erneuern</B>.

Nachdem ich das Windows-Recovery gestartet habe, weigerte dies sich rigoros mit einer scheinheiligen Fehlermeldung, die Windows-Installation auf die gewünschte Partition wieder herzustellen.

Ich habe mich dann beim Hersteller des Systems informiert, wo man mir dann an der Hotline sagte, dass ein Recovery nicht mehr ginge, wenn man etwas an der Partitionierung verändert und dies auch so gewollt sei. Nachdem ich gezielt gefragt hatte sagte man mir es wörtlich: "Wer partitioniert, verschenkt seine Windows-Lizenz".


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Was bedeutet in diesem Artikel "Win9X"?
man-draker (unangemeldet), Donnerstag, 12. April 2012 22:04:46
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Ich denke, es soll ein Win7-System betrieben werden.


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Re: Was bedeutet in diesem Artikel "Win9X"?
Michael (Majestyx) Kappes, Sonntag, 22. April 2012 10:04:38
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Win9X oder auch Win9 "Variable" soll aussagen das sich seit Win95 nichts an der Grundsätzlichen Struktur von MS Systemen geändert hat.

Es ist und bleibt ein Einzelplatz System dem man die Netzwerkfähigkeiten beibringen muss. (Ich kenne noch Zeiten da musste bei der Win9X Installation das TCP/IP Protokoll nachinstalliert werden!) Und mit jeder Netzwerk Funktion wird Win9X immer "zäher"

Wenn du dir mal, bspw. mittels NMAP, den Netzwerkverkehr auf einem NT-Netzwerk anschaust wirst du staunen. NetBIOS und IPX (Drucker Protokolle) sind da als Dinosaurier unterwegs. Und die Windows Benutzer beschweren sich das Ihr Netzwerk so lahm ist.?! Nach meinen Messungen sind das in einigen Unternehmensnetzwerken zwischen 30% und 50% der Netzwerklast. Die Leute kaufen dann neue (schnellere) Hardware und spielen die "alten" Protokolle ein. Und wundern sich das die schöne neue Win7 Power Maschine genauso Lahm ist wie der olle XP PC beim Kollegen nebenan. ;)


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komplex
henner (unangemeldet), Donnerstag, 12. April 2012 12:37:26
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ich hätte bei diesem partitionssalat wahrscheinlich win7 neu installiert.
siehe: http://www.chip.de/artikel/...-kostenlosem-ISO_46353107.html

um dann mint daneben zu pflanzen.

aber du hast recht, es ist ein elender zeitfresser so ein dual-booter neu zu machen (und zwar wegen M$)

schöner artikel.

gruß
henner


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Re: komplex
Michael (Majestyx) Kappes, Sonntag, 22. April 2012 10:04:56
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DANKE!


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Infos zum Autor

Michael a/k/a majestyx

Michael (Majestyx) Kappes

Inhaber einer kleinen IT Firma, arbeitet seit über 10 Jahren mit Freier Software.
(http://glx-consult.com)

Aktives Mitglied der FSFE Berlin (Fellow)
(http://blogs.fsfe.org/majestyx/)

Die meisten Wege legt er zu Fuß, per Rad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Sein Interesse gilt ins besonders der gegenseitigen Beeinflussung von Sozialen und gesellschaftspolitischen Bereichen auf und von Freier Software.

Zum Blog von Michael (Majestyx) Kappes →