Warum ich FLOSS PC verkaufe. Und, unter andrem auch Linux.

Ethernet Killer (By: Sysadminday.ch)
Ethernet Killer (By: Sysadminday.ch)
25.02.2012 11:34

In einem Beitrag auf Heise Open Source schreibt ein Herr Leemhuis warum er keine Linux PC verkaufen würde. Er bringt aber in seinem Artikel einiges durcheinander. Privatkunden mit Unternehmen, und auch mit den Distributionen geht er nicht zimperlich um. Da Distributionen heutzutage, genauso wie die Support Modelle, auch auf die diversen Benutzergruppen fein abgestimmt sind. Das sorgte natürlich für Gesprächsstoff in der Open Source Community. Und deswegen antworte ich ihm doch mal öffentlich mit einem eigenen Beitrag.

Da schreibt Herr Leemhuis gleich am Anfang, dass er aus der Hardware Redaktion die kuriosesten Probleme kennt. Also beginnen wir doch gleich mal mit dem technischen Support. Beim Riesenkonzern Microsoft gibt es da grob vereinfacht nur ein Support Modell: „ Zahle und bekomme Informationen.“ Als Hardware Händler (oder auch als Großkunde) würde ich mir also einen MCSE oder MCSA in Haus holen. Dieser muss seine Qualifikation mittels eines Tests nachweisen. Immer bezogen auf die jeweils aktuelle Versionsnummer. Ein MCSE für Win7 muss also eine zusätzliche Schulung und Test machen, um dann auch Win8 Systeme zu administrieren. Die Informationen zum Beheben von Softwareproblemen hat aber nicht der Kunde/Händler oder sein MCSE sondern das sogenannte TechNet von Microsoft. Der Zugang zum „Inner Circle“ des TechNet kostet nach meinen, nicht mehr aktuellen Informationen,rund 1.000 Euro pro Jahr.

Blick in ein Typisches RZ

Allgemeine Schutzverletzung an Modul....“

Der geplagte Windows Benutzer kennt ja sicher diese Meldung. Der MCSE oder MCSA schreibt sich diesen Error Code quasi ab und schlägt im TechNet nach was zu tun ist. Selbständiges Handeln sieht meiner Meinung nach anders aus. Und hier nochmal der Hinweis, dass Herr Leemuis zwei Gruppen von Nutzern in einen Topf wirft. Das haben beide nicht verdient. Im Amerikanischen unterscheidet man zwischen Customer und Consumer. Also mal wieder grob in: Unternehmen und Privatkunde. Beim Privatkunden hat Herr Leemhius ja ganz richtig bemerkt, dass die gepeinigten Windows User entweder jemanden in der Nachbarschaft haben, der das Problem vielleicht lösen kann. Oder er muss zum Kiosk und sich eine Fachzeitschrift besorgen. Viellicht sogar die c´t ?! ;) Das kann man aber in der Zwischenzeit auch schon bei einigen Linux Distributionen.

Man kann aber auch als Privatkunde einen kostenpflichtigen Microsoft Support in Anspruch nehmen. Ich bekam mal ein solches Angebot für nur 50 Euro und nur E-Mail-Support unterbreitet. Ausdrücklich ohne Erfolgsgarantie. Ein kleiner Schwank am Rande aus dem Alltag: Eine ältere Dame kauft sich einen neuen PC und steigt somit um, von WinXP auf Win7. Alles schön bis auf, dass der „alte“ Drucker sich weigert unter dem neuen System zu arbeiten. Also wird ein PC Notfalldienst angerufen, der dann mit einem schicken bunten Auto vor fährt und nach einer (Arbeits-) Stunde feststellt, dass es keine Druckertreiber für diesen „ollen Drucker“ unter dem neuen schicken System gibt. Nach dem der Notfalldienst abgefahren ist, hat die alte Dame einen neuen Drucker. Und der funktioniert natürlich tadellos am neuen System.

I will not fix your Windows Problems“

Wenn man nun den Linux Support gegenüber stellt, aus Gründen der Übersicht, lasse ich mal die „UNIX Like“ und BSD Support Modelle und viele andere außen vor, die hier zu kurz gekommenen mögen es mir verzeihen, trennen wir wieder den Enterprise und den Community Support Der geneigte Leser wird sich denken können, dass Enterprise das Unternehmensmodell ist. Hier geht es, wieder grob skizziert darum, dass der Benutzer meist direkt beim Hersteller oder Distributor wie beispielsweise Red Hat Hilfe einkauft. Als Hardware Händler sitzt man hier als Vermittler dazwischen.Aber auch das ist für mich kein Problem sondern, genau in diesem Dazwischen sehe ich eine der Chancen für Linux PC Händler.Denn es lohnt sich immer für ein Unternehmen, das Know How im eigenen Unternehmen zu belassen. Dies kann der „Linux Hardware Händler“ dann auch gewährleisten.

Community Support findet bei Linux primär im Internet statt. Jedoch gibt es auch eine Menge Möglichkeiten lebende Menschen zu treffen. UBUNTU wieder nur stellvertretend für viele, bietet regionale Stammtische und Benutzergruppen, die sich auch explizit an Ein- oder Umsteiger wenden. Es gibt aber auch im Open Source Bereich Verlage die Tipps und Tricks im Print-Format vermarkten. Vom Linux Kernel Problem bis zur Bedienung eines CMS auf Open Source Basis ist die Themenpalette genauso unerschöpflich wie bei den geschlossenen Systemen. Lesen bildet, das wussten schon unsere Vorfahren, lange vor dem Internet.

Distributions Dschungel

Kommen wir aber zurück zu Herrn Leemhuis und der Auswahl der geeigneten Distribution. Ich kann nicht nachvollziehen, warum ein Privat-oder Geschäftskunde ein System Upgrade mitmachen sollte wenn nicht aus Sicherheitsgründen. Solange das Gerät „lebt“, kann ich das mit ein und der selben Distribution oder Version machen. Wenn die Anschaffung von neuer Peripherie ansteht, muss der Linux Benutzer eben wissen, dass er zuerst nachsehen muss, ob das neue Gerät von seinem System unterstützt wird. Oder der Hardware Verkäufer macht sich das „Dell-Prinzip“ zu nutze und bietet dem Kunden an geeignete Geräte zu nennen oder zu suchen und anzubieten. Wer seinen Arbeitsspeicher für den Dell PC bei Dell kauft, wird auch keine Probleme haben. Das muss ja nicht kostenlos sein. Bei Unternehmen fließt dann der Zeitpunkt des Hardware-Kaufs und gegebenenfalls die Umstellung der Hardware, mit in den Projektablauf mit ein. Damit kann man im Rahmen der AfA auch die vollen 3 oder 5 Jahresfristen nutzen. Und als Hardware Händler für FLOSS habe ich natürlich auf diese Zeiträume zurecht geschnittene Support Pakete. Weiterhin sollten für die langen Zeiten zwischen den LTS Versionen mehrstufige Modelle, bspw. mit „rollenden Distributionen“ angeboten werden.

Hardware wiederverwerten !!

MMX?! … Macht nix !“

Das Problem mit den proprietären Treibern, beispielsweise für Flash und Fedora oder CentOS hinkt auch, weil auch hier wieder alle (End) Anwender in eine Topf geworfen werden. Fedora kennt RPM Fusion. Das gibt es auch für CentOS. Aber CentOS ist ein Community Driven Enterprise System. Ich kenne genügend Unternehmensnetzwerke unter Windows wo Youtube und Co. gar nichts verloren haben. Also auch keine Flash Treiber benötigen. Wenn Unternehmen solche Software einsetzen wollen oder müssen, wissen diese in der Regel dann auch ganz genau wo es beispielsweise freie Flashplayer im Angebot gibt. Und noch ein Beispiel, der Kunde benötigt Truecrypt. Ich kann das Paket oder eventuell auch seine Quelle, vor ab installieren. Beim ersten Start der Software bekommt der Benutzer einen Lizenzhinweis. Opera ist hier auch beispielhaft.

In einem Punkt gebe ich Herrn Leemhuis recht: Die Produktzyklen, Änderungen an der Hardware und so weiter kommen ja sogar innerhalb einer Modellreihe vor. Unterschiedliche Grafikkarten oder Netzwerkkarten, ich könnte ein Lied davon singen. Aber wem nützt das Gejammer? Neben den ganzen Kompatibilität-Checks, immer und immer wieder, muss man eben noch so viel Kraft aufwenden können um das grundsätzliche Problem angehen zu können. Das der Open Hardware!

Ja, alles nicht ganz so einfach. Aber einfach macht man es sich dann durch Routinen, die jeder Linux PC Händler selber finden muss. Oder im Laufe seines Unternehmerlebens wandeln sich die Präferenzen. Was ja auch ganz interessant sein kann. Ähnlich einem Wechsel von der Hardware in die Open Source Redaktion. Ich bin kein Journalist, ich schreibe diesen Beitrag aus der Sicht eines Consulters und „Techie“ aus, der sein Brot, und das Katzenfutter für seine 2 Katzen, mit FLOSS und seinem drumherum verdient. Ich bedanke mich hiermit ausdrücklich für den Artikel und die Anregungen beim Verlag und Autor.

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Kommentare
In einem Beitrag auf Heise Open Source schreibt ein Herr Leemhuis...
micro maus, Mittwoch, 29. Februar 2012 19:41:35
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Lies den Beitrag bitte noch einmal ganz in Ruhe durch. Und betrachte alles aus der Sicht einer Person, die ernsthaft darüber nachdenkt, Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Linux-Rechnern zu verdienen. Schau auf die Realitäten und schiebe dein Wunschdenken - wir müssten endlich Microsoft & Co. besiegen !!! - weit weg. Und lasse jede Belehrung darüber, was Microsoft alles so falsch macht, weil...Es hilft nicht!!!


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Re: In einem Beitrag auf Heise Open Source schreibt ein Herr Leemhuis...
Michael (Majestyx) Kappes, Sonntag, 15. Juli 2012 12:51:17
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Hallo Pseudonym !

Das mit dem Beitrag in aller Ruhe durchlesen hast du aber selbst auch nicht beherzigt. Den, wo steht in meinem Beitrag: "wir müssen M$ besiegen". Ich vermeide es in Militärischen Strukturen (Denkschienen) zu "denken".

"der Olle Karl" sagt/schrieb mal: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Es zeugt nicht gerade von Medienkompetenz wenn du hier nur das "kommentierst" was du lesen (interpretieren) willst .

Ich verdiene mir meinen Lebensunterhalt (und das Katzenfutter) *ohne* M$. Ich muss aber täglich damit umgehen das M$ alles andere als Kompatibel oder gar offen (im Sinne von Standards) ist.

http://www.noooxml.org/

Es geht einfach darum den "Werbesprüchen" der M$ Marketingabteilung nicht zu trauen. Also das was jeder Sysadmin von heterogenen (schön wär´ s ! ) Netzwerken erleben muss.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=13806

Von (noch) einem der es eher "in der Hölle gefrieren lässt", als bei/für M$ zu arbeiten. ;)




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Re: In einem Beitrag auf Heise Open Source schreibt ein Herr Leemhuis...
micro maus, Montag, 06. August 2012 19:58:03
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Ups! Da landet hier tatsächlich noch nach langer Zeit ein Contra .-),
1. Medienkompetenz, was für ein Argument! Nein die habe ich nicht. Meinetwegen; Es ist nämlich leider kein Problem von Medienkompetenz, sondern ein Sender-Empfänger-Problem. Schon mal gehört? Schon mal daran gedacht, dass ... nun habe ich sooo viel geschrieben und alles sooo gut erklärt. Und nun kommt da doch noch einer, der was ganz anderes verstanden hat! Woran liegt das bloß? Da will jemand etwas kommentieren, was der "lesen (interpretieren) will". jaha, so ist es, Militärisches hatte ich dabei allerdings nicht im Sinn. Aber bitte, wieviel Eulen wollen die "Erleuchter" denn nun noch in die Welt tragen? Das Wort Standard kann ich z.B. nicht mehr hören und den ganzen Quatsch von institutionell abgesegneten Standards, die den Markt herzlich wenig interessieren, erst recht nicht. Microsoft geht eben davon aus, dass Marktmacht gleich Standard sein müsste. So ist das. Da müssen wir aber alle aufklären? :-) Bitte nein!!! Ich kenne das schon!!! Und auf Werbung - egal von wem- falle ich auch nicht mehr rein, seitdem ich älter als 17 bin. Ehrlich! Papa und Mama! :-)
2. Irgendwann - siehe oben - trug jemand seine gedanklichen (Zwischen)ergebnisse nach draußen, warum er sich nicht getrauen würde, auf den Verkauf von LINUX-PC seinen Lebensunterhalt zu stützen. Das ganze erschien mir für einen Einsteiger in dieses Marktsegment plausibel.
3. Ich bleibe dabei, man muss das nicht alles zerfleddern und nebenbei noch schnell die Dienstleistungsinkompetenz von Microsoft beleuchten.Weil das einfach am Kern des Problems vorbeiläuft. Abgesehen davon, dass gerade die Programmierer von Microsoft zu den hoch angesehenen Fachleuten weltweit zählen und das trotz vieler Windows ME - Witze. Meine Güte, und die Kernerkenntnis, dass es sich mit MS-verseuchten Rechnern leichter Geld verdienen lässt als mit Linux-Rechnern ist doch nun keine Erkenntnis allein bei Mediamarkt oder Saturn.
3. Für meine mangelnde emotional angehauchte Medienkompetenz bitte ich alle, die hier noch zufällig hineinlesen sollten, ehrlich um Entschuldigung.




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Infos zum Autor

Michael a/k/a majestyx

Michael (Majestyx) Kappes

Inhaber einer kleinen IT Firma, arbeitet seit über 10 Jahren mit Freier Software.
(http://glx-consult.com)

Aktives Mitglied der FSFE Berlin (Fellow)
(http://blogs.fsfe.org/majestyx/)

Die meisten Wege legt er zu Fuß, per Rad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Sein Interesse gilt ins besonders der gegenseitigen Beeinflussung von Sozialen und gesellschaftspolitischen Bereichen auf und von Freier Software.

Zum Blog von Michael (Majestyx) Kappes →