Flyer mit Scribus und GIMP druckereigerecht erstellen
Nach langer Blogabstinenz versuche ich mich heute mal an einem Tutorial:
Bitte erst den ganzen Artikel lesen und verstehen, ich bin nicht verantwortlich für mißlungene Drucksachen!
Das Wichtigste zuerst: Bei Scribus sollte man trotz des verlockenderen Äußeren und der höheren Versionsnummer noch nicht Scribus 1.3.5.x (oder 1.3.6.x) benutzen. Es gibt immer mal wieder Funktionen, die noch (oder in dieser Version) nicht funktionieren. Ich dachte mir am Anfang Scribus-NG (NG für Next Generation) wäre einfach schon weiter und das alte Scribus-Paket wäre nur aus Kompatibilitätsgründen in den Repositorys. Weit gefehlt, NG ist Beta! Also Finger weg, wenn es um produktive Arbeiten geht. In der aktuellen Version für Ubuntu 9.10 funktioniert z.B. die von vielen Druckereien geforderte Umwandlung von Text in Pfade nicht.
Nun aber zur eigentlichen Anleitung. Scribus verwendet hauptsächlich RGB-Farben, die Druckereien nicht ohne Weiteres verarbeiten, man sollte also jede Farbe, die benutzt werden soll in CMYK anlegen (in der Farbverwaltung (Bearbeiten → Farben) von Scribus leicht erkennbar an dem Vier-Farb-Symbol). Auch die Bilder, die man normalerweise auf dem Rechner hat sind im Farbraum der RGB-Farben, sodass man diese ebenfalls umwandeln muss. Doch dazu später. Erstmal müssen die erforderlichen Farbprofile heruntergeladen werden.
Das Paket für die Standardprofile von Adobe gibt es leider nur als RPM-Pakte (http://www.scribus.net/?q=node/109), das sich allerdings mit Alien bzw. rpm2targz ohne Weiteres zu einem DEB- oder TGZ-Paket umwandeln lässt.
Nach der Installation des Pakets kann man nach Bedarf noch weitere Farbprofile unter http://www.eci.org herunterladen. Einige Druckereien verlangen beispielsweise das Profil ISO Coated v2 300% (ECI), welches im dort heruntergeladen werden kann. Diese Profile werden einfach in /usr/share/color/icc/ (zumindest unter Ubuntu und OpenSUSE (danke MarKre)) entpackt.
Nun kann es erstmal losgehen. Dem Design und der Textanordnung sind keine Grenzen gesetzt, nur sollte man peinlich genau darauf achten, lediglich CMYK-Farben zu verwenden (Schwarz und Weiß sind glücklicherweise direkt als CMYK-Farben angelegt).
Bilder einzubetten ist nicht schwer, nur sollte auch hier auf den Farbraum geachtet werden. Die meisten Bilddateien kommen allerdings in RGB, sodass hier eine Umwandlung geschehen muss.
GIMP hat einige Schwierigkeiten mit CMYK-Farben umzugehen, deshalb muss man einen kleinen Umweg gehen. In den Repositorys findet sich ein Paket namens gimp-plugin-registry in dem das Plugin Seperate+ enthalten ist. Damit kann man Bilder in CMYK umwandeln und dann als CMYK-TIFF exportieren.
Separate+ nistet sich ganz unten im Bild-Menü ein. Der erste Schritt ist das Dialogfenster, das sich nach der Auswahl von Separate öffnet. Hier wählt man das Quellprofil (falls vorhanden) und das Zielprofil aus und setzt den Haken bei „Make CMYK preudo-composite“. Nun reicht ein einzelner Klick auf OK, um das Bild in die vier Farben Cyan Magenta Yellow und Black aufzuspalten. Im Ebenendialog sieht man nun die vier Farben. Damit ist das Bild allerdings noch kein Bild mit CMYK-Farben, sondern weiterhin ein RGB-Bild mit 4 Ebenen. Zum Abspeichern als CMYK wählt man im Separate-Untermenü „Save“ und kann nun sein fertiges CMYK-TIFF abspeichern. Vorsicht, das TIFF-Format produziert recht große Bilder.
Nachdem alle Bilder und direkt eingebundenen Farben zu CMYK-Farben geworden sind, geht es nun an das Druckfertige Exportieren in PDF/X3. Dazu muss in den Scribuseinstellungen, vor allem aber in den Dokumenteneinstellungen das Farbmanagement aktiviert werden. Nun
kann beim Exportieren in PDF bei der PDF-Version auch PDF/X3 ausgewählt werden. Es erscheint im Export-Dialog ein weiterer Reiter mit spezifischen X3-Einstellungen. Hier wählt man das von der Druckerei geforderte Farbprofil aus. Zwingen zum Standard PDF/X3 gehört auch der Infotext, der mindestens aus einem Buchstaben bestehen muss und beliebig gewählt werden kann. Zusätzlich verlangen manche Druckereien, dass Schriften nicht nur eingebettet, sondern in Vektoren (Kurven, Umrisse) umgewandelt werden. Das erledigt man recht bequem im Reiter „Schriftarten“.
Durch die Umwandlung von Bildern in TIFFs und der darauf resultierenden Größe hat Scribus beim Öffnen von Dateien mit eingebundenen Bildern zunehmend zu tun. Bei komplexen Dateien sollte man also auch nach ein paar Sekunden ohne Antwort nicht gleich von einem Absturz von Scribus ausgehen.
Mit dieser Methode habe ich einen Flyer für die Offene Bibel gestaltet und druckfertig exportiert.Das Ergebnis war ein echt guter und vor allem farbechter Flyer.Vielleicht mach ich das nächste Tutorial zu Farbprofilen von Monitoren (damit kann man die Druckfarben auf dem Monitor simulieren).
Noch ein Tipp: Der professionelle Datencheck der Druckerei hat mir wirklich weiter geholfen. Beim ersten Mal Drucken bei einer Druckerei würde ich immer lieber etwas mehr bezahlen und dafür auf Fehler hingewiesen werden. Nun aber viel Spaß beim designen und drucken lassen
Anregungen, Berichtigungen und Kommentare sind hoch willkommen!

