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Pardus Linux am Ende?

Pardus 2011 abgekündigt, künftig nur noch Corporate-Version

29.01.2012 Der Community-Zweig des türkischen Staats-Linux Pardus wird eingestellt, in Zukunft gibt es die Distribution nur noch in einer Version für Behörden und Unternehmen. Die enttäuschte Anwendergemeinde reagiert mit Plänen zu einem Fork.

Pardus Linux steht unter der Ägide des Wissenschafts- und Forschungsrats der Türkei (TÜBITAK) und wird seit 2005 von Nationalen Forschungsinstitut für Elektronik und Kryptologie (UEKAE) entwickelt. Neben einer Corporate-Version, die sich unter anderm bei Behörden und dem Militär im Einsatz befindet, existierte bislang auch eine zügig weiterentwickelte Variante für Privatanwender. Dank deren hoher Benutzerfreundlichkeit und ausgefeilten eigenen Verwaltungswerkzeugen eroberte sich Pardus rasch einen internationalen Anwenderstamm. Die Distribution erschien zwei- bis drei Mal jährlich in frischen Ausgaben, die jeweils die aktuellsten Techniken aus dem Linux-Umfeld integrierten. Zuletzt legte das Projekt im September 2011 das Release 2011.2 vor.

Bereits Ende Dezember 2011 begannen sich jedoch Gerüchte zu verdichten, dass TÜBITAK/UEKAE im Zuge einer Reorganisation den Community-Zweig von Pardus möglicherweise einstellen werde. Genaueres war jedoch nicht zu erfahren, da die Behörden gleichzeitig einen Maulkorb-Erlass für die Entwickler verfügen. Jetzt hat TÜBITAK offiziell die letzten erschienenen Versionen abgekündigt, es gibt also keine weiteren Patches und Updates mehr. Gleichzeitig sickerte aus Projektkreisen durch, dass es keine weiteren Community-Versionen mehr geben wird und man Pardus künftig ausschließlich für die Bedürfnisse von Behörden und Unternehmen weiterentwickelt. Außerdem scheinen eine ganze Reihe von Entwicklern das Projekt verlassen zu haben.

Die entsprechende Corporate-Version zeichnet sich durch eine extrem konservative Software-Auswahl aus, die sie für Privatanwender praktisch uninteressant macht. Entsprechend enttäuscht zeigt sich die internationale, auch in Deutschland recht starke Anwendergemeinde und peilt bereits einen möglichen Fork an. Schon jetzt mit an Bord sind eine ganze Reihe früherer Pardus-Kontributoren aus Deutschland, den Niederlanden, Polen, Russland, Spanien, der Türkei und den USA. Auch einige frühere Pardus-Entwickler scheinen sich beteiligen zu wollen. (jlu)

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Kommentare
One goes, one comes
Alaska@pardususer.de (unangemeldet), Sonntag, 29. Januar 2012 17:02:27
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Leider sieht es wirklich so aus wie im Artikel beschrieben. Aber zumindest bei uns in der deutschen Community gibt es einige sehr gute Packager, die evtl. bereit wären, Pakete die in der Corporate Edition von Pardus fehlen, im pardususer.de Repo bereitzustellen.

Aber wie es wirklich wird, können wir nicht sagen. Warten wir mal ab wie sich alles in der Türkei entwickelt.

Im allerschlimmsten Fall muss man sich halt wieder eine Distribution suchen die einem liegt - das sind die Vor- und Nachteile von Linux und OpenSource.


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Re: One goes, one comes
linuxkumpel (unangemeldet), Montag, 06. Februar 2012 20:40:27
Ein/Ausklappen

Zum Glück gibt es am Endes das Fragezeichen. Das wird uns wohl noch einige Zeit begleiten. Wenn, dann ist es wohl ein Aus für den Neuanfang, d.h. es wird weitergehen, bloß anders. Und da ist es wieder das Fragezeichen. Warten wir es ab, ein Pardususer.


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Infos zum Autor

Jörg Luther

Jörg Luther

Jörg Luther arbeitet seit 1995 als IT-Journalist. Seine Vorliebe für das freie Betriebssystem lebt er privat in der LUG Erding und beruflich seit 2004 als Chefredakteur des LinuxUser aus.

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