Elektronische Quellen und Referenzen verwalten

Aus LinuxUser 11/2015

Elektronische Quellen und Referenzen verwalten

© Anawat Sudchanham, 123RF

Verknüpft und verwoben

Quellen und Referenzen sauber und nachhaltig zu verwalten, macht viel Arbeit, ist allerdings für solides wissenschaftliches Arbeiten unabdingbar. Wir stellen die wichtigsten Open-Source-Werkzeuge vor, die Sie dabei unterstützen.

Zu den Regeln, denen Autoren unterliegen, zählt insbesondere der saubere Umgang mit den herangezogenen Quellen. Als essenziell gilt dabei das korrekte Nennen und Kennzeichnen fremder Inhalte. Entsprechende Angaben umfassen dabei eine Reihe festgelegter Metadaten – in der Regel den Autor, den Titel des referenzierten Werks sowie Verlag, Ort und Zeitpunkt der Veröffentlichung. Bei Onlinematerial gehört auch der Zeitpunkt des letzten Zugriffs zu diesen Angaben.

Die dabei genutzte konkrete Form der Zitate und Referenzierung hängt wiederum vom Fachgebiet, dem Verlag sowie den adaptierten Gepflogenheiten ab [1]. Über den richtigen Umgang damit stolperte in den vergangenen Jahren schon der eine oder andere inzwischen nicht mehr ganz so prominente Titelträger [2]. Fachwissen, Talent, Exaktheit, Forscherdrang und Begeisterung müssen für ein Werk zusammenspielen – Zusammenkopieren genügt in der Regel nicht.

Konzepte und Varianten

Die Art der Datenablage korrespondiert häufig mit dem aktuellen Arbeitsort (am Schreibtisch oder mobil), der Verfügbarkeit der Daten und dem persönlichen Arbeitsstil. Die Benutzerverwaltung und die Zugriffsrechte spielen für den Einzelautor eine eher untergeordnete Rolle. Die Komplexität steigt, sobald mehrere Autoren miteinander kooperieren, Daten untereinander austauschen und gemeinsam auf den gleichen Text- oder Quellenbestand zugreifen: Hier spielen offene Datenformate und Versionskontrolle ihre Stärken aus.

Die nachfolgend vorgestellten Modelle haben alle jeweils eigene Verfechter und Gegner; sie lassen sich zunächst grob in die Kategorien lokale und zentrale Speicherung einsortieren. Anhand ausgewählter Programme beleuchten wir das lokale Speichern als Text, grafische Programme für den Desktop sowie die Ablage als Lesezeichen über den Webbrowser. Für eine zentrale, cloudbasierte Ablage unterscheiden wir zwischen dem Zugriff über einen speziellen Desktop-Client oder den Webbrowser.

TIPP

Linux-tauglichen Notiz-Apps widmete sich LinuxUser bereits in den Ausgaben 04/2012 [3] und 10/2014 [4].

Alles Text

Die einfachste Variante stellt eine reine Textdatei mit Aufzählungspunkten dar. Die Vorteile der Minimallösung: Zum Bearbeiten der Daten benötigen Sie lediglich einen einfachen Editor, Standardwerkzeuge zum Durchsuchen der Nutzerdaten binden Ihre Notizen ohne Probleme ein und mithilfe von Versionskontrollsystemen wie SVN oder Git bekommen Sie alte Datenbestände schnell wiederhergestellt. Idealerweise sortieren Sie Ihre Liste thematisch und alphabetisch gemäß Titel oder Autor. Das erleichtert die Verwaltung und spätere Recherche.

Verwenden Sie in Ihrer Textdatei zur Strukturierung die Markdown-Notation [5], bleibt der Text für Sie und andere jederzeit leicht lesbar (Listing 1). Zudem verarbeiten Sie ihn so ohne viel Aufwand weiter oder übertragen ihn bei Bedarf in ein Wiki oder Etherpad [6] zum gemeinsamen Bearbeiten mit Co-Autoren.

Markdown als vereinfachte Auszeichnungssprache ähnelt der Schreibweise von E-Mails und zielt darauf ab, den Inhalt ohne weiteres Umwandeln mit einem einfachen Anzeigeprogramm – Texteditor oder Webbrowser – lesen zu können. Benötigen Sie die Daten später in Form eines HTML-, PDF- oder EPUB-Dokuments, wandeln Sie sie mittels AsciiDoc oder Pandoc [7] ins benötigte Zielformat um. Abbildung 1 zeigt den Inhalt aus Listing 1 als HTML nach dem Umwandeln mithilfe des Befehls aus Listing 2.

Listing 1

== Auszeichnungssprachen und Werkzeuge ==
* AsciiDoc, Text-basierte Dokumenten-Generierung, http://www.methods.co.nz/asciidoc/
== Paketverwaltung mit APT und Aptitude ==
* Axel Beckert: Aptitude. Pakete komfortabel im Text-Modus verwalten, Vortrag im Rahmen des Linuxday Dornbirn, November 2013, http://fileshare.lugv.at/public/vortraege2013/linuxday/aptitude-linuxday.html
* Axel Beckert, Frank Hofmann: Dynamisches Duo. Apt-get und Aptitude (Teil 1), LinuxUser 04/2013, S. 90ff., https://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Print-Artikel/LinuxUser/2013/04/Apt-get-und-Aptitude-Teil-1
== Paketverwaltung mit RPM ==
* Edward C. Bailey: Maximum RPM. Taking the Red Hat Package Manager to the Limit, Red Hat Inc., 2000, ISBN 1-888172-78-9, http://www.rpm.org/max-rpm/

Listing 2

$ asciidoc -a toc quellen.txt
Abbildung 1: Die mithilfe von AsciiDoc aus einem Markdown-Dokument erzeugte Literaturliste auf der Basis von Listing 1.

Abbildung 1: Die mithilfe von AsciiDoc aus einem Markdown-Dokument erzeugte Literaturliste auf der Basis von Listing 1.

Etwas mehr Aufwand machen die beiden Textformate BibTeX [8] (LaTeX) und DocBook (XML) [9]. BibTeX ordnet jedem Eintrag einen Veröffentlichungstyp zu und unterscheidet so zwischen Artikeln, Büchern, Berichten in Büchern, Sammelwerken, Broschüren, Handbüchern, wissenschaftlichen Abschlussarbeiten und Konferenzbänden. Je nach Veröffentlichungstyp sind unterschiedliche Felder für den Eintrag verpflichtend [10]. Listing 3 zeigt beispielhaft den Eintrag für Edward C. Baileys Buch “Maximum RPM” aus dem ersten Listing, wobei Sie für diesen Veröffentlichungstyp stets die Felder author oder editor, title, publisher und year benötigen. Der optionale Eintrag ISBN erscheint, sobald Sie als BibTeX-Stil biblatex anstatt des Standardstils verwenden [11]. Abbildung 2 zeigt das Ergebnis nach der Überführung von Listing 3 mittels Pdflatex und Bibtex nach PDF.

Listing 3

@book{ BaileyRPM,
  author    = {Bailey, Edward C.},
  title     = {Maximum RPM. Taking the Red Hat Package Manager to the Limit},
  publisher = {Red Hat Inc.},
  year      = {2000},
  ISBN      = {1-888172-78-9}
}
Abbildung 2: Der mit BibTeX erzeugte Verweis auf eine Quelle in einem LaTeX-Dokument.

Abbildung 2: Der mit BibTeX erzeugte Verweis auf eine Quelle in einem LaTeX-Dokument.

Die XML-Schreibweise von DocBook bläht jeden Eintrag weiter auf und fordert ein noch tiefergehendes Strukturieren. Den Vorteil dieser kleinen Einstiegshürde spielen Sie aus, sobald Sie aus Ihrem Text weitere Formate für verschiedene Ausgabemedien mittels DocBook, XSLT oder XSL-FO in Kombination mit Cascading Stylesheets (CSS) erzeugen und die Daten in einem Versionskontrollsystem wie SVN oder Git verwalten. Listing 4 zeigt beispielhaft einen Eintrag mit zwei Autoren aus Listing 1.

Listing 4

<biblioentry>
  <abbrev>BeckertHofmannApt</abbrev>
  <biblioset relation="article">
    <title>Dynamisches Duo</title>
    <subtitle>Apt-get und Aptitude (Teil 1)</subtitle>
    <authorgroup>
      <author>
        <firstname>Axel</firstname>
        <surname>Beckert</surname>
      </author>
      <author>
        <firstname>Frank</firstname>
        <surname>Hofmann</surname>
      </author>
    </authorgroup>
    <artpagenums>90ff.</artpagenums>
  </biblioset>
  <biblioset relation="journal">
    <title>Linux-User</title>
    <pubdate>2013</pubdate>
    <issuenum>04</issuenum>
  </biblioset>
  <copyright>
    <year>2013</year>
    <holder>LinuxNewMedia AG, München</holder>
  </copyright>
  <issn>1615-4444</issn>
</biblioentry>

Grafische Programme

Grafische Programme zur Quellenverwaltung streiften wir bereits in früheren Ausgaben von LinuxUser, beispielsweise mit der Vorstellung von Alexandria [12]. Mit dieser Anwendung verwalten Sie nicht nur Ihren Buchbestand, sondern – in gewissen Grenzen – auch Ihre Materialien anhand der standardisierten Bibliotheksdatensätze. Speziell für E-Books ist hingegen das Werkzeug Calibre [13] ausgelegt. Während seit 2012 Aktualisierungen für Alexandria ausbleiben, entwickelt sich Calibre stetig weiter. Eine Integration anhand standardisierter Metadaten fehlt beiden Programme jedoch bislang – Grund genug, sich nach Alternativen umzuschauen.

JabRef

Die Java-Applikation JabRef [14] zur Pflege und Verwaltung von BibTeX-Referenzen steht für die Plattformen Linux, Mac OS X und Windows zur Verfügung. Über die ausgefeilte Bedienoberfläche bearbeiten Sie nicht nur BibTeX-Einträge (Abbildung 3), sondern stöbern bei Bedarf in verschiedenen wissenschaftlichen Onlinedatenbanken. Dazu zählen neben CiteSeer [15] auch die digitalen Archive der Standardisierungsorganisation IEEE [16] und der Association for Computing Machinery [17].

Abbildung 3: Mit JabRef lässt sich auch eine größere Sammlung mit Quellen unterschiedlicher Art sehr komfortabel verwalten.

Abbildung 3: Mit JabRef lässt sich auch eine größere Sammlung mit Quellen unterschiedlicher Art sehr komfortabel verwalten.

JabRef interagiert mit diversen Programmen und Formaten. Dies umfasst neben dem Im- und Export auf der Basis von SQL unter anderem auch DocBook/XML, Tabellenblätter aus OpenOffice Calc und CSV-Daten. Zudem steht über die Projektseite ein Plugin namens Jabref-plugin-oo [18] bereit, das eine direkte Schnittstelle zwischen JabRef und Open/LibreOffice darstellt. Darüber gelingt das direkte Nutzen der von JabRef erfassten Datensätze im freien Office-Paket.

Docear

Docear [19] spielt in einer ähnlichen Liga wie JabRef, versucht jedoch einen deutlich umfassenderen Ansatz zum Verwalten der Recherchedaten (Abbildung 4). Es kombiniert eine Dokumentenverwaltung mit einer Indexdatenbank sowie einem Zeichenwerkzeug für Mindmaps. Auf bereits installierte Werkzeuge zum Darstellen von PDF-Dokumenten und anderen Formaten greift es direkt zurück. In der Summe handelt es sich bei Docear um eine recht komplexe Software, für die Sie einen großen Bildschirm und reichlich Einarbeitungszeit einplanen sollten. Die projektbezogene Arbeitsweise zahlt sich mit der Zeit aus und sorgt stets für einen Überblick über den Recherchestand des Projekts.

Abbildung 4: Die Referenzenverwaltung mittels Docear und dem JabRef-Plugin bietet viele Möglichkeiten, braucht aber einiges an Einarbeitungszeit.

Abbildung 4: Die Referenzenverwaltung mittels Docear und dem JabRef-Plugin bietet viele Möglichkeiten, braucht aber einiges an Einarbeitungszeit.

Die unter der GPL stehende Software basiert wie JabRef auf Java und ist von der Projektwebseite für Linux, Mac OS X und Windows verfügbar. Den Ausgangspunkt der Entwicklung stellt die Mindmap- und Wissensorganisierer-Software Freeplane [20] dar, die durch die direkte Integration von JabRef aufgepeppt wurde. Docear profitiert dabei auch von der direkten Unterstützung seitens der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und der University of California in Berkeley.

KBibTeX

Hinter KBibTeX [21] verbirgt sich das BibTeX-Werkzeug mit grafischer Oberfläche unter der Ägide des KDE-Teams. Damit modifizieren Sie BibTeX-Ressourcen, fügen neue hinzu, löschen bestehende Einträge oder sortieren sie um (Abbildung 5). Der Einarbeitungsaufwand in die Bedienoberfläche bleibt im Vergleich zu Docear überschaubar. In der Praxis fällt die Vorschau der Übersetzung (Preview) in der linken, unteren Ecke des Bearbeitungsfensters als praktische Funktion auf. Damit bekommen Sie schnell eine Vorstellung, wie Ihre Referenz im Zieldokument erscheint – sofern Sie den entsprechenden Stil im LaTeX-Dokument benutzen.

Abbildung 5: Mit KBibTeX modifizieren Sie direkt Ihre BibTeX-Ressourcen und bauen diese in Ihr LaTeX-Dokument ein.

Abbildung 5: Mit KBibTeX modifizieren Sie direkt Ihre BibTeX-Ressourcen und bauen diese in Ihr LaTeX-Dokument ein.

Zotero

Einen ganz anderen Weg schlägt Zotero [22] ein, entwickelt vom Center for History and New Media der George Mason University. Es verwaltet Referenzen als gesonderte Lesezeichen, die Sie über den Webbrowser beziehen. Es existieren zwei Varianten – eine unter dem Namen Zotero for Firefox als Firefox-Addon, eine zweite als separate, browserunabhängige Applikation unter dem Namen Zotero Standalone. Beide greifen auf den gleichen Datenbestand zu. Unsere Tests erfolgten auf Basis der Version *4.0.22-1~bpo70+1 aus dem Debian-Backports-Archiv, da die stabil klassifizierte Version mit Firefox 31.3 haderte.

Zotero stöbert nach bibliografischen Metainformationen in Webseiten wie zum Beispiel COinS (siehe Kasten “Automatisiertes Erfassen von Quellen”). Findet es diese, blendet Zotero ein zusätzliches Buch-Symbol neben dem Adressfeld ein. Nach einem Klick darauf extrahiert Zotero die in der Webseite eingebetteten Metainformationen und fügt sie der lokalen Datenbank für Ressourcen hinzu (Abbildung 6).

Abbildung 6: Das Browser-Plugin von Zotero extrahiert die in vielen Webseiten eingebetteten Metainformationen und fügt sie der Quellensammlung hinzu.

Abbildung 6: Das Browser-Plugin von Zotero extrahiert die in vielen Webseiten eingebetteten Metainformationen und fügt sie der Quellensammlung hinzu.

Um aus den gespeicherten Metainformationen wissenschaftlich korrekte und vor allem vollständige Referenzen zu erzeugen, öffnen Sie das Programm Zotero Standalone. In der dreispaltigen Darstellung finden Sie links Ihre Sammlungen, in der Mitte die zugehörigen Referenzen und rechts die Detailinformationen zur jeweils ausgewählten Referenz. Abbildung 7 zeigt den Dialog zur Auswahl des Formats, in das Zotero die gespeicherten Metainformationen umwandeln kann. Zu dieser Auswahl gelangen Sie, indem Sie einen oder mehrere Einträge aus der Liste auswählen, über das Kontextmenü den Menüpunkt Ausgewählten Eintrag exportieren antippen und dort dann das gewünschte Format auswählen. Für das Format BibTeX erhalten Sie eine Ausgabe wie in Abbildung 8.

Abbildung 7: Die gesammelten Referenzinformationen lassen sich bei Bedarf aus Zotero heraus in unterschiedliche Formate exportieren.

Abbildung 7: Die gesammelten Referenzinformationen lassen sich bei Bedarf aus Zotero heraus in unterschiedliche Formate exportieren.

Abbildung 8: Das Beispiel zeigt die als BibTeX exportierten Referenzinformationen zum Wikipedia-Eintrag zur Stadt Besançon.

Abbildung 8: Das Beispiel zeigt die als BibTeX exportierten Referenzinformationen zum Wikipedia-Eintrag zur Stadt Besançon.

Automatisiertes Erfassen von Quellen

ContextObjects in Spans (COinS) – deutsch: Kontextobjekte in Span-Elementen – bezeichnet das Einbinden von bibliografischen Metadaten in Webseiten [33]. Diese Festlegung erfolgte im Rahmen der Definition zu OpenURL 1.0. COinS sind in <span>-Elementen des HTML-Codes hinterlegt und beeinflussen die Darstellung der Webseite im Browser nicht. Listing 5 zeigt die Festlegung als Klasse Z3988 mit der ISSN 1056-4438 zur Kennzeichnung der entsprechenden Zeitschrift oder Schriftenreihe.

Mithilfe von Browser-Plugins wie Zotero (für Firefox) oder Citavi Picker [34] (für Firefox, IE und Chrome) lesen Sie diese Informationen aus und übertragen sie in Ihre Quellensammlung. Eine Reihe von Internetangeboten unterstützen bereits COinS, darunter neben der deutsch- und englischsprachigen Wikipedia verschiedene Bibliothekskataloge und Kollaborationsplattformen wie Citebase [35], WorldCat [36], Mendeley und ResearchGATE [37]. Für WordPress gibt es mehrere Plugins, sodass Sie Ihre Veröffentlichungen um dieses Feature ergänzen und beispielsweise mit Zotero kombinieren können [38].

Digital Object Identifier (DOI) stehen für Objektbezeichner, mit denen sich physische, digitale oder abstrakte Objekte eindeutig und vor allem dauerhaft identifizieren lassen. Ähnlichkeiten bestehen etwa zur ISBN und ISSN, DOIs integrieren jedoch noch eine Funktion zur Lokalisierung. Das bisherige Einsatzgebiet liegt bei Onlineartikeln von wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Verschiedene Werkzeuge wie JabRef, Zotero, Refeus und der Citavi Picker unterstützen DOIs bereits.

Web- und cloudbasierte Lösungen

Mehrere Hersteller bieten kommerzielle Lösungen zur Erfassung und Pflege von Referenzen in einer integrierten Plattform an. Als Lockmittel fungieren dabei neben einem zentralen Datenspeicher eine Dokumentenverwaltung, eine komplette Textverarbeitung sowie Werkzeuge zur Wissensorganisation sowie Termin- und Aufgabenplanung. Je nach Version, Plattform und Lizenz lassen sich kollaborative Funktionen zum gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten freischalten.

Zu den Platzhirschen an den Forschungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum gehören Citavi [23] und Mendeley [24]. Als Newcomer schickt sich Refeus [25] an, den beiden zunehmend Konkurrenz zu machen. Citavi basiert auf dem .NET-Framework und steht somit nur für Windows nativ zur Verfügung.

Mendeley

Mendeley versteht sich hingegen als Literaturverwaltung mit Anbindung an ein akademisches Social Network, über das sich die Benutzer miteinander austauschen und auf neueste Forschungsergebnisse aufmerksam machen. Die dafür nötige Software Mendeley Desktop steht unter anderem als DEB-Paket (32 und 64 Bit) auf der Projektwebseite bereit, wo man sich vor der Nutzung auch registrieren muss.

Die Benutzeroberfläche ähnelt jener von JabRef. Der Screenshot in Abbildung 9 zeigt die Liste der kürzlich zum lokalen Bestand hinzugefügten Dokumente und deren Referenzinformationen. Diese Daten lassen sich dann zum Beispiel in das BibTeX-Format oder als XML für EndNote [26] exportieren. Den mobilen Zugriff erleichtert Droideley [27], eine freie App für Android-Smartphones.

Abbildung 9: Die Mendeley-Desktop-App mit ausführlichen Detailinformationen zu einem erst kürzlich zur Literaturliste hinzugefügten Dokument.

Abbildung 9: Die Mendeley-Desktop-App mit ausführlichen Detailinformationen zu einem erst kürzlich zur Literaturliste hinzugefügten Dokument.

Refeus

Refeus entstammt einem Brandenburger Startup und sieht sich selbst als Werkzeug, das den gesamten Arbeitsprozess vom Sammeln und Verwalten von Inhalten und Quellen bis hin zum Schreiben und Veröffentlichen wissenschaftlicher Dokumente und Veröffentlichungen unterstützen möchte. Daher kombiniert Refeus unter einer einheitlichen grafischen Bedienoberfläche eine an Open/LibreOffice angelehnte Textverarbeitung mit einer Dokumenten- und Quellenverwaltung. Refeus unterscheidet zwischen einer kostenfreien Basisversion (“Basic”) und der kostenpflichtige Vollversion (“Plus”). Softwarepakete stehen für Ubuntu 12.04 und 14.04 sowie Mac OS X und Windows zur Verfügung.

Die Datenspeicherung erfolgt mithilfe der freien, objektbasierten Datenbank ODABA [28]. Zwei Leckerlis runden das Gesamtpaket ab: Eine App für Smartphones und ein Plugin für den Webbrowser. Die App hört auf den Namen Refeus Mobile und erleichtert das automatisierte mobile Erfassen von Quellen. Das Plugin Refeus WebCollect erinnert an Zotero und bindet die erfassten Daten direkt in den bereits zusammengetragenen Bestand ein.

Fazit

Die vorgestellten Werkzeuge vermitteln einen Überblick, welche freien Programme zum Erfassen und Pflegen von Literaturbeständen der Open-Source-Markt hergibt. Jede der vorgestellten Anwendungen orientiert sich an unterschiedlichen Arbeitswegen und Gewohnheiten. Die technische Umsetzung variiert zwischen variablen, modularen Einzelbausteinen und komplexen Gesamtlösungen.

Positiv fällt auf, dass alle vorgestellten Werkzeuge auf bestehenden, etablierten Datenformaten aufsetzen und einen entsprechenden Im- oder Export anbieten. Damit sperren die Anwendungen Sie nicht in ein proprietäres Format ein und die Rechercheergebnisse bleiben stets zugänglich, auch wenn Sie das Werkzeug einmal wechseln sollten.

Sagen Ihnen die hier vorgestellten Werkzeuge nicht zu, hilft vielleicht ein Blick auf Bibus [29], TextCite [30], RefBase [31] oder CiteULike [32] weiter. Diese Werkzeuge zeigen ebenfalls vielversprechende Ansätze, sprengen aber den hier verfügbaren Rahmen.

Autoreninfo

Frank Hofmann arbeitet in Berlin im Büro 2.0, einem Open-Source-Experten-Netzwerk, als Dienstleister mit Spezialisierung auf Druck und Satz. Er ist Mitgründer des Schulungsunternehmens Wizards of FOSS. Seit 2008 koordiniert er das Regionaltreffen der LUGs aus der Region Berlin-Brandenburg.

Infos

[1] Zitate: http://de.wikipedia.org/wiki/Zitat

[2] Vroniplag: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Home

[3] Notizverwaltungen für Linux: Hartmut Noack, “Zettelkasten 2.0”, LU 04/2012, S. 54: http://linux-community.de/25449

[4] Leo Editor: Andreas Reitmaier, “Merken, planen, programmieren”, LU 10/2014, S. 68: http://linux-community.de/33058

[5] Markdown, Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Markdown

[6] Etherpad, Projektseite: http://etherpad.org

[7] Texte konvertieren mit Pandoc: Andreas Bohle, “Flott durchgereicht”, LU 12/2010, S. 66: http://linux-community.de/21327

[8] BibTeX, Projektseite: http://www.bibtex.org

[9] DocBook, Projektseite: http://docbook.org

[10] Ingo Klöckl: “LaTeX. Tipps & Tricks”, 2. Auflage, dpunkt Verlag, Heidelberg 2002, S. 180ff, ISBN 3-89864-145-7

[11] “BibTeX – Show ISBN number?”: http://tex.stackexchange.com/questions/52040/bibtex-show-isbn-number

[12] Bücherbestände verwalten mit Alexandria: Erik Bärwaldt, “Bibliothekar”, LU 06/2012, S. 54: http://linux-community.de/21327

[13] Calibre: http://calibre-ebook.com

[14] JabRef: http://jabref.sourceforge.net

[15] CiteSeer: http://citeseer.ist.psu.edu

[16] IEEE Xplore Digital Library: http://ieeexplore.ieee.org/Xplore/home.jsp

[17] Digital Library of the ACM: http://dl.acm.org

[18] Open/LibreOffice-Integration für JabRef: http://jabref.sourceforge.net/OOPlugin-jabref.php

[19] Docear: http://www.docear.org/

[20] Freeplane: http://www.freeplane.org/wiki/index.php/Main_Page

[21] KBibTeX: http://home.gna.org/kbibtex

[22] Zotero: https://www.zotero.org

[23] Citavi: http://www.citavi.com

[24] Mendeley: http://www.mendeley.com

[25] Refeus: https://refeus.de

[26] EndNote: http://www.endnote.com/

[27] Droideley: https://github.com/petrvolny/Droideley

[28] ODABA: http://odaba.com/

[29] Bibus: http://sourceforge.net/projects/bibus-biblio/

[30] TextCite: http://textcite.sourceforge.net/

[31] RefBase: http://www.refbase.net/

[32] CiteULike: http://www.citeulike.org/

[33] COinS bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/COinS

[34] Citavi Picker: http://www.citavi.com/sub/manual4/de/installing_the_pickers.html

[35] Citebase: http://www.citebase.org/

[36] WorldCat: http://www.worldcat.org/

[37] ResearchGATE: http://www.researchgate.net/

[38] WordPress-Plugin für COinS (Zotero): https://www.zotero.org/support/plugins

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