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© Anawat Sudchanham, 123RF

Elektronische Quellen und Referenzen verwalten

Verknüpft und verwoben

Quellen und Referenzen sauber und nachhaltig zu verwalten, macht viel Arbeit, ist allerdings für solides wissenschaftliches Arbeiten unabdingbar. Wir stellen die wichtigsten Open-Source-Werkzeuge vor, die Sie dabei unterstützen.

Zu den Regeln, denen Autoren unterliegen, zählt insbesondere der saubere Umgang mit den herangezogenen Quellen. Als essenziell gilt dabei das korrekte Nennen und Kennzeichnen fremder Inhalte. Entsprechende Angaben umfassen dabei eine Reihe festgelegter Metadaten – in der Regel den Autor, den Titel des referenzierten Werks sowie Verlag, Ort und Zeitpunkt der Veröffentlichung. Bei Onlinematerial gehört auch der Zeitpunkt des letzten Zugriffs zu diesen Angaben.

Die dabei genutzte konkrete Form der Zitate und Referenzierung hängt wiederum vom Fachgebiet, dem Verlag sowie den adaptierten Gepflogenheiten ab [1]. Über den richtigen Umgang damit stolperte in den vergangenen Jahren schon der eine oder andere inzwischen nicht mehr ganz so prominente Titelträger [2]. Fachwissen, Talent, Exaktheit, Forscherdrang und Begeisterung müssen für ein Werk zusammenspielen – Zusammenkopieren genügt in der Regel nicht.

Konzepte und Varianten

Die Art der Datenablage korrespondiert häufig mit dem aktuellen Arbeitsort (am Schreibtisch oder mobil), der Verfügbarkeit der Daten und dem persönlichen Arbeitsstil. Die Benutzerverwaltung und die Zugriffsrechte spielen für den Einzelautor eine eher untergeordnete Rolle. Die Komplexität steigt, sobald mehrere Autoren miteinander kooperieren, Daten untereinander austauschen und gemeinsam auf den gleichen Text- oder Quellenbestand zugreifen: Hier spielen offene Datenformate und Versionskontrolle ihre Stärken aus.

Die nachfolgend vorgestellten Modelle haben alle jeweils eigene Verfechter und Gegner; sie lassen sich zunächst grob in die Kategorien lokale und zentrale Speicherung einsortieren. Anhand ausgewählter Programme beleuchten wir das lokale Speichern als Text, grafische Programme für den Desktop sowie die Ablage als Lesezeichen über den Webbrowser. Für eine zentrale, cloudbasierte Ablage unterscheiden wir zwischen dem Zugriff über einen speziellen Desktop-Client oder den Webbrowser.

TIPP

Linux-tauglichen Notiz-Apps widmete sich LinuxUser bereits in den Ausgaben 04/2012 [3] und 10/2014 [4].

Alles Text

Die einfachste Variante stellt eine reine Textdatei mit Aufzählungspunkten dar. Die Vorteile der Minimallösung: Zum Bearbeiten der Daten benötigen Sie lediglich einen einfachen Editor, Standardwerkzeuge zum Durchsuchen der Nutzerdaten binden Ihre Notizen ohne Probleme ein und mithilfe von Versionskontrollsystemen wie SVN oder Git bekommen Sie alte Datenbestände schnell wiederhergestellt. Idealerweise sortieren Sie Ihre Liste thematisch und alphabetisch gemäß Titel oder Autor. Das erleichtert die Verwaltung und spätere Recherche.

Verwenden Sie in Ihrer Textdatei zur Strukturierung die Markdown-Notation [5], bleibt der Text für Sie und andere jederzeit leicht lesbar (Listing 1). Zudem verarbeiten Sie ihn so ohne viel Aufwand weiter oder übertragen ihn bei Bedarf in ein Wiki oder Etherpad [6] zum gemeinsamen Bearbeiten mit Co-Autoren.

Markdown als vereinfachte Auszeichnungssprache ähnelt der Schreibweise von E-Mails und zielt darauf ab, den Inhalt ohne weiteres Umwandeln mit einem einfachen Anzeigeprogramm – Texteditor oder Webbrowser – lesen zu können. Benötigen Sie die Daten später in Form eines HTML-, PDF- oder EPUB-Dokuments, wandeln Sie sie mittels AsciiDoc oder Pandoc [7] ins benötigte Zielformat um. Abbildung 1 zeigt den Inhalt aus Listing 1 als HTML nach dem Umwandeln mithilfe des Befehls aus Listing 2.

Listing 1

== Auszeichnungssprachen und Werkzeuge ==
* AsciiDoc, Text-basierte Dokumenten-Generierung, http://www.methods.co.nz/asciidoc/
== Paketverwaltung mit APT und Aptitude ==
* Axel Beckert: Aptitude. Pakete komfortabel im Text-Modus verwalten, Vortrag im Rahmen des Linuxday Dornbirn, November 2013, http://fileshare.lugv.at/public/vortraege2013/linuxday/aptitude-linuxday.html
* Axel Beckert, Frank Hofmann: Dynamisches Duo. Apt-get und Aptitude (Teil 1), LinuxUser 04/2013, S. 90ff., http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Print-Artikel/LinuxUser/2013/04/Apt-get-und-Aptitude-Teil-1
== Paketverwaltung mit RPM ==
* Edward C. Bailey: Maximum RPM. Taking the Red Hat Package Manager to the Limit, Red Hat Inc., 2000, ISBN 1-888172-78-9, http://www.rpm.org/max-rpm/

Listing 2

$ asciidoc -a toc quellen.txt
Abbildung 1: Die mithilfe von AsciiDoc aus einem Markdown-Dokument erzeugte Literaturliste auf der Basis von Listing 1.

Etwas mehr Aufwand machen die beiden Textformate BibTeX [8] (LaTeX) und DocBook (XML) [9]. BibTeX ordnet jedem Eintrag einen Veröffentlichungstyp zu und unterscheidet so zwischen Artikeln, Büchern, Berichten in Büchern, Sammelwerken, Broschüren, Handbüchern, wissenschaftlichen Abschlussarbeiten und Konferenzbänden. Je nach Veröffentlichungstyp sind unterschiedliche Felder für den Eintrag verpflichtend [10]. Listing 3 zeigt beispielhaft den Eintrag für Edward C. Baileys Buch "Maximum RPM" aus dem ersten Listing, wobei Sie für diesen Veröffentlichungstyp stets die Felder author oder editor, title, publisher und year benötigen. Der optionale Eintrag ISBN erscheint, sobald Sie als BibTeX-Stil biblatex anstatt des Standardstils verwenden [11]. Abbildung 2 zeigt das Ergebnis nach der Überführung von Listing 3 mittels Pdflatex und Bibtex nach PDF.

Listing 3

@book{ BaileyRPM,
  author    = {Bailey, Edward C.},
  title     = {Maximum RPM. Taking the Red Hat Package Manager to the Limit},
  publisher = {Red Hat Inc.},
  year      = {2000},
  ISBN      = {1-888172-78-9}
}
Abbildung 2: Der mit BibTeX erzeugte Verweis auf eine Quelle in einem LaTeX-Dokument.

Die XML-Schreibweise von DocBook bläht jeden Eintrag weiter auf und fordert ein noch tiefergehendes Strukturieren. Den Vorteil dieser kleinen Einstiegshürde spielen Sie aus, sobald Sie aus Ihrem Text weitere Formate für verschiedene Ausgabemedien mittels DocBook, XSLT oder XSL-FO in Kombination mit Cascading Stylesheets (CSS) erzeugen und die Daten in einem Versionskontrollsystem wie SVN oder Git verwalten. Listing 4 zeigt beispielhaft einen Eintrag mit zwei Autoren aus Listing 1.

Listing 4

<biblioentry>
  <abbrev>BeckertHofmannApt</abbrev>
  <biblioset relation="article">
    <title>Dynamisches Duo</title>
    <subtitle>Apt-get und Aptitude (Teil 1)</subtitle>
    <authorgroup>
      <author>
        <firstname>Axel</firstname>
        <surname>Beckert</surname>
      </author>
      <author>
        <firstname>Frank</firstname>
        <surname>Hofmann</surname>
      </author>
    </authorgroup>
    <artpagenums>90ff.</artpagenums>
  </biblioset>
  <biblioset relation="journal">
    <title>Linux-User</title>
    <pubdate>2013</pubdate>
    <issuenum>04</issuenum>
  </biblioset>
  <copyright>
    <year>2013</year>
    <holder>LinuxNewMedia AG, München</holder>
  </copyright>
  <issn>1615-4444</issn>
</biblioentry>

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