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© belchonock, 123RF

Anspruchsvolle PDF-Dokumente mit MuPDF anzeigen

PDF auf Steroiden

PDFs mit vielen hundert Seiten und ebenso vielen Bildern zwingen PDF-Betrachter wie Okular oder Evince schnell in die Knie. MuPDF dagegen bringt selbst die dicksten digitalen Wälzer pfeilschnell auf den Bildschirm.

Eventuell kennen Sie die Situation: Sie möchten ein PDF-Dokument betrachten, aber bereits beim Laden oder schon nach den ersten Seiten auf dem nicht mehr ganz taufrischen Rechner geht der PDF-Betrachter des Vertrauens in die Knie. Selbst ein wenig Scrollen im Dokument überfordert das System. Meist geschieht dies bei PDF-Dokumenten mit sehr vielen Seiten und zahlreichen Grafiken und Bildern. Hier stoßen die mit den Distributionen üblicherweise ausgelieferten PDF-Betrachter wie Evince oder Okular an ihre Grenzen. In solchen Fällen schlägt die Stunde von MuPDF [1]. Der schlanke und leistungsfähige Dokumentenbetrachter zeigt neben dem PDF-Format noch XPS-, OpenXPS- und CBZ-Dateien an.

Die Kontrahenten

Die Optik von MuPDF kommt zwar eher spartanisch daher, allerdings bringt selbst die Darstellung umfangreicher PDF-Dateien das Programm nicht aus dem Tritt (Abbildung 1). MuPDF scrollt nicht nur rasend schnell durch aufwendig darzustellende Dokumente, sondern zeigt die Inhalte zudem noch klarer an als die Konkurrenz. Als Versuchsobjekt diente uns im Test das Kunst-E-Book "Radiant Identities" des amerikanischen Fotografen Jock Sturge [2]. Wir verwendeten unter Debian und Fedora neben MuPDF die PDF-Betrachter Okular, Evince, Xpdf und Qpdf. Als Hardware kamen eine gut ausgestattete Workstation und zum Vergleich ein Notebook von HP aus dem unteren Marktsegment zum Einsatz.

Abbildung 1: MuPDF verzichtet auf eine aufwendige Oberfläche.

Die meisten PDF-Betrachter verwenden unter Linux die Bibliothek Poppler [3] zum Rendern von PDF-Dokumenten. Als dynamische Bibliothek ist Poppler darauf ausgelegt, die Möglichkeiten moderner Desktop-Systeme auszuloten. Sein Nachteil liegt in der unzureichenden Verarbeitungsgeschwindigkeit bei großen und grafisch anspruchsvollen PDFs. Geben Sie daher MuPDF eine Chance – die meisten Linux-Distributionen führen die Anwendung in den Paketquellen, sodass sich die Installation in der Regel bequem via Paketmanager abwickeln lässt.

Stand der Dinge

In Sachen Geschwindigkeit punktet MuPDF, das einen eigenen Renderer namens Pdfdraw-mupdf sowie – unter der Bezeichnung Fitz – eine eigene Grafikbibliothek mitbringt. Das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung dieser Libraries lag primär auf Geschwindigkeit und Präzision: Fitz berechnet das Anti-Aliasing bis in die Subpixel-Ebene, wo andere auf Pixelebene halt machen. Das sorgt für gestochen scharfe Darstellung bei gleichzeitig hoher Geschwindigkeit.

MuPDF bedient den aktuellen PDF-Standard 1.7 und unterstützt über einkompilierte Module Suche, Transparenz, Verschlüsselung, Hyperlinks und Kommentare. Seit Version 1.2 erlaubt MuPDF das Ausfüllen von Formularen und das Ausführen von Javascript. Die verfügbaren MuPDF-Betrachter für Linux, Mac OS X, Windows sowie die Apps für Android und iOS [4] stellen lediglich Beispiele dar, was MuPDF zu leisten vermag. Der modulare Aufbau und die Portabilität des Codes erlauben die Integration von MuPDF in andere Anwendungen. So basieren beispielsweise die Programme Sumatra-PDF für Windows [5] oder Zathura [6] für Linux auf MuPDF.

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