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© Martin Malchev, 123RF

MakuluLinux MCDE 2.0 und Makulu 7.1 XFCE

Neues aus Afrika

Zwei Desktop-Umgebungen, zwei verschiedene Distributionen als Unterbau und ein Nashorn als Maskottchen geben bei MakuluLinux den Einstand.

Denkt man bei Linux an Afrika, so kommt einem gemeinhin als Erstes Mark Shuttleworth in den Sinn, der Gründer von Ubuntu. Doch knapp vor dem Kap der Guten Hoffnung gedeihen weitere Linux-Früchte: Der exotisch klingenden Distribution MakuluLinux [1] verleiht ein sambischer Berg ihren Namen. Makulu, das in der Sprache der Zulu "groß" bedeutet, wird von Hauptentwickler Jacque Raymer mit den Desktop-Umgebungen KDE, XFCE, Mate und Cinnamon zu unterschiedlichen Terminen veröffentlicht.

Bisher basierte Makulu stets auf Debian "Testing". Während der Release-Vorbereitungen für Debian 8 "Jessie" ist das Repository von Testing eingefroren. Da bei Debian daher aktuell wenig passiert, kam Raymer einem Anwenderwunsch nach und veröffentlichte auf der Grundlage von Ubuntu einen Ableger von Makulu mit der Desktop-Umgebung XFCE. Weitere Releases auf dieser Basis sollen laut Aussagen des Entwicklers folgen, jedoch steht auch die Rückkehr zu Debian "Testing" auf dem Plan.

MakuluLinux Cinnamon 2.0

Zuerst werfen wir allerdings erst einmal einen Blick auf das im Januar 2015 veröffentlichte MakuluLinux Cinnamon Desktop Edition 2.0 oder kurz Makulu MCDE [2]. Waren die Veröffentlichungen von MakuluLinux bisher immer etwas überladen und kamen auf rund 2 GByte Umfang, so hat sich der Entwickler diesmal zurückgenommen. Aufgrund deutlich weniger vorinstallierter Anwendungen begnügt sich das ISO-Abbild von MCDE mit 1,2 GByte Speicherplatz. Trotzdem dürfte die Software-Auswahl die meisten Anwendungsfälle abdecken (Abbildung 1).

Abbildung 1: Trotz der Reduktion auf das Wesentliche offenbart das Anwendungsmenü von MakuluLinux Cinnamon 2.0 eine große Fülle an Software.

Als Anmeldemanager kommt GDM3 zum Einsatz. Spiele-Fans finden im System zusätzlich zu den üblichen Programmen des täglichen Bedarfs eine speziell fürs Gaming mit D3D und CSMT gepatchte Version von Wine [4] mitsamt WineTricks sowie PlayOnLinux [3] und Steam [5].

MakuluLinux kommt als Hybrid-ISO für DVD oder USB-Stick in Form eines Live-Mediums mit Installer. Die Distribution gibt es derzeit allerdings nur in einer 32-Bit-Version. Der Live-Modus startet in einen Anmeldebildschirm, in dem Sie das Passwort makulu auf den aufgeräumten Desktop führt. Die von dort aufrufbare Installationsroutine übernimmt die Lokalisation von Tastaturlayout und Uhrzeit. Dies war bei MCDE 1.1 noch nicht der Fall, ein entsprechender Bugreport brachte hier erfreulicherweise schnell Abhilfe. Im Bereich Sprachunterstützung scheint der Entwickler insgesamt sehr ambitioniert, integriert er in Makulu doch herkunftsspezifisch viele Berbersprachen sowie etliche Dialekte und ethnische Idiome aus aller Welt.

Der von Sparky Linux entlehnt Installationsassistent bietet drei Modi zur Auswahl (Abbildung 2): Grafisch, grafisch mit Terminal und ein erweiterter Installer, der im Terminal läuft und zusätzlich über Dialogboxen Informationen abfragt. In diesem Modus lassen sich beispielsweise für eine deutsche Installation viele Sprachen und Dialekte deaktivieren, die sonst bei Aktualisierungen der Sprachdaten und Übersetzungen unnütz viel Zeit in Anspruch nehmen und Festplattenplatz belegen. Auch an dieser Stelle erfuhr Makulu im Vergleich zur Version 1.1 Verbesserungen. In allen drei Modi gelingt die Partitionierung nun einwandfrei (Abbildung 3), der Installation steht nichts im Weg.

Abbildung 2: Der Installationsassistent der auf Debian basierenden Cinnamon-Edition von MakuluLinux bietet gleich drei verschiedene Installationsroutinen an.
Abbildung 3: Die Partitionierung der Festplatte erfolgt während der Installation von MakuluLinux MCDE entweder grafisch mit GParted oder im Terminal mittels Cfdisk.

Auf unserem Testsystem lief die Installation in rund fünf Minuten durch. Ein Neustart ins frisch aufgesetzte System zeigte ebenso wenig Auffälligkeiten wie die anschließend vorgenommene Systemaktualisierung (Abbildung 4). Die deutsche Tastaturbelegung funktionierte, die vorinstallierten Anwendungen mochten jedoch noch nicht Deutsch sprechen. Ein Blick in die Einstellungen zu Region and Language des Makulu Control Center (Abbildung 5) zeigte zwar Deutsch als Voreinstellung, die entsprechenden Dateien fehlten jedoch und ließen sich auch nicht installieren.

Abbildung 4: In einer übersichtlichen Maske geben Sie im X2go-Client die Verbindungseinstellungen ein.
Abbildung 5: Nach dem initialen Setup melden Sie sich am grafischen Display von X2go an.

Erst nach mehreren Versuchen gelang der Download der Sprachdateien – möglicherweise nahm sich während des Tests gerade ein Makulu-Mirror eine kurze Auszeit. Nach einem Neustart erschienen die meisten Menüs und Bedienelemente der Applikationen in deutscher Sprache, jedoch fehlten an verschiedenen Stellen Übersetzungen. Um der erzwungenen Zweisprachigkeit zu entgehen, macht es bei ausreichenden Englischkenntnissen durchaus Sinn, die Installation (abgesehen von den Tastatureinstellungen) in Englisch zu belassen.

Alles wird gut

MakuluLinux verwendet einen PAE-aktivierten Kernel [6] in Version 3.16.7 sowie Systemd. Das System startet in einer VirtualBox in guten 6,5 Sekunden und fühlt sich sehr agil an. Die Quellenliste enthält neben den offiziellen Debian-Quellen für den "Testing"-Zweig auch die Quellen für Debian-Multimedia, Skype, Opera und mehrere Google-Dienste. Dazu gesellt sich noch ein Makulu-Repository mit eigenen Programmen des Entwicklers.

Die Software-Auswahl legt viel Wert auf Multimedia-Apps und entsprechende Codecs, aber auch Software für andere Anwendungsgebiete fehlt nicht. Im Bereich Büro kommt WPS-Office (das frühere Kingsoft Office) [7] zum Einsatz. Es glänzt zwar mit sehr guter Kompatibilität zu den Microsoft-Formaten, das Open-Document-Format von Libre/OpenOffice beherrscht es jedoch nicht. Immerhin gibt es eine WPS-App für Android. Bevorzugen Sie eher LibreOffice, dann spielen Sie es, wie zigtausende andere Anwendungen auch, über die Paketverwaltung ein. Als grafisches Frontend für Letztere dient Synaptic.

Auch beim Dokumentenbetrachter setzt Makulu mit dem FoxitReader lieber auf Freeware anstatt auf freie Software. Für den Zugriff auf das Internet ist Google Chrome an Bord, als Mailclient dient Thunderbird, Pidgin steht zum Chatten bereit. Die Anwendungsmenüs Zubehör, Einstellungen und Systemverwaltung präsentieren sich prall gefüllt mit Apps wie dem Adobe Flashplayer, dem Wallpaper-Wechsler Variety, dem Texteditor Leafpad, dem Paketinstaller Gdebi und vielen weiteren sinnvoll ausgewählten Programmen und Werkzeugen. Neben dem konfigurierbaren Hauptmenü am linken Rand des Panels liegt am rechten Rand der Slingshot-Programmstarter als Menüoption, die auch auf Tablets mit Touchscreen gut funktioniert [8].

Durch die von Haus aus eingebundenen Quellen lassen sich proprietäre Anwendungen wie der Opera-Browser oder Skype ebenso einfach installieren wie der Google Musicmanager, das Talk-Plugin für Google Hangouts oder Google Earth. Da es aktuelle Opera-Versionen nur noch für 64-Bit-Systeme gibt, kommt Opera in Version 12.16 auf den Rechner. Dies dürfte Fans des originalen Opera-Browsers erfreuen, da Opera in dieser Version noch den eingebauten Mail-Client mitbringt und auf der hauseigenen Presto-Engine basiert. Seit Opera 15 setzt der norwegische Browser auf Googles Render-Engine Blink und den Quellcode von Chromium auf. Da Opera allerdings nur für die aktuelle Ausgabe des Browsers Sicherheitsupdates veröffentlicht, sollten Sie eher einen Blick auf den Opera nacheifernden Browser Vivaldi werfen [9].

Abbildung 6: Frisch nach der Installation belegt Makulu auf der Festplatte etwas weniger als sechs GByte Speicherplatz.

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