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© Tap78, freeimages.com

Lernstick erleichtert die Administration an Schulen

Klug eingestielt

Die kostenlose Distribution Lernstick bietet eine einheitliche und mobile Umgebung für Schüler und Lehrer. Ob zu Hause oder im Klassenzimmer – so stehen immer die gleichen Programme bereit.

Aufgrund leerer Kassen sind Schulen nur selten in der Lage, den Schülern Computer bereitzustellen. Statt Fördervereine auf Betteltour zu schicken, könnten die Schüler – falls vorhanden – Notebooks mit in den Unterricht bringen. Das birgt nebenbei den Vorteil, dass die Kinder daheim mit demselben Rechner weiterarbeiten.

Allerdings läuft nicht auf jedem Gerät dasselbe Betriebssystem und die gleichen Anwendungen. Abhilfe schafft unter anderem die Beratungsstelle für digitale Medien in Schule und Unterricht der Fachhochschule Nordwestschweiz, kurz Imedias. Deren spezielle Distribution namens Lernstick [1] stellt allen Lernenden eine einheitliche Arbeitsumgebung als Live-System bereit.

Zum Betrieb von Lernstick benötigt man lediglich einen USB-Stick, eine mobile Festplatte oder eine SD-Karte. Das Betriebssystem auf der Festplatte des Rechners bleibt unangetastet. Die erarbeiteten Ergebnisse beziehungsweise erstellten Dokumente landen in einer separaten Partition auf dem Datenträger mit dem Live-System.

Alte Bekannte

Die Grundlage für das System bildet derzeit ein leicht modifiziertes Debian 7. In ihm haben die Entwickler bereits zahlreiche Programme installiert, darunter den 3D-Globus Marble, das Rechenprogramm Tuxmath, den Vokabeltrainer Parley und das Notensatzprogramm Reunion (Abbildung 1). Die Anwendungen richten sich an unterschiedliche Altersklassen; Imedias empfiehlt den Einsatz von der Primär- bis zur Oberstufe.

Abbildung 1: Der Lernstick bringt zahlreiche bekannte Programme aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen mit, unter anderem die Notensatzsoftware Reunion.

Neben den Lernprogrammen enthält Lernstick klassische Bürosoftware wie Gimp, Iceweasel und LibreOffice. Zusätzlich liegt das Programm Italc [2] bei, über das Sie die Arbeit in Klassen organisieren und Zugriff auf die Computer der Schüler erhalten. Daneben besteht die Möglichkeit, beliebige Pakete aus den Debian-Repositories zu installieren.

Laut den Entwicklern setzt der Lernstick lediglich einen Rechner mit x86-Prozessor sowie 250 MByte Hauptspeicher voraus. Diese Angabe erweist sich jedoch in den meisten Fällen als unrealistisch: Schon LibreOffice benötigt zum flüssigen Arbeiten rund 1 GByte Hauptspeicher.

Neben dem regulären System existiert eine spezielle Variante für Prüfungen. Sie blockiert den Zugriff auf das Netzwerk und Geräte zum drahtlosen Übertragen von Daten sowie Speichermedien. Das erschwert es Schülern, während eines Tests aus dem Internet abzuschreiben. Es besteht jedoch die Möglichkeit, einzelne Webseiten über eine Whitelist freizugeben. Darüber hinaus legt der Lehrer fest, welche Programme die Schüler nutzen dürfen.

Starthilfe

Imedias stellt die Distribution kostenlos als ISO-Images bereit. Die normale Variante umfasst knapp 4,3 GByte, die für Prüfungen kommt mit 2 GByte Platz aus. Das Image brennen Sie zuerst auf eine DVD und starten das System. Der Transfer auf einen USB-Stick erfolgt mit speziellen Werkzeugen innerhalb des Live-Systems.

Wer sich das Einrichten nicht zutraut, ordert bei Imedias vorkonfigurierte USB-Sticks [3]. Allerdings berechnet der Dienstleister für einen 16-GByte-Stick mit System satte 80 Schweizer Franken beim Versand ins Ausland – das entspricht rund 65 Euro.

Nach dem Start der DVD erscheint ein Menü (Abbildung 2), das Sie über die Pfeiltasten bedienen; mit [Eingabe] bestätigen Sie die Auswahl. Steuern Sie den Punkt Sprache an. Dort legen Sie neben der Sprache der Benutzeroberfläche gleichzeitig das Layout der Tastatur fest. Der Lernstick geht dabei von einer Standard-PC-Tastatur aus, die Tastenbelegung eines Macbooks richten Sie später im Live-System ein.

Abbildung 2: Drücken Sie nicht innerhalb von zehn Sekunden eine Taste, startet automatisch das Live-System mit den Standardeinstellungen. Die sind nicht immer die beste Wahl.

Neben Deutsch kennt der Lernstick amerikanisches Englisch, Französisch, schweizerisches Italienisch, Spanisch, brasilianisches Portugiesisch, Albanisch und Russisch. Nicht alle vorinstallierten Programme sind jedoch komplett übersetzt, einige sprechen eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Immerhin stehen weitere Sprachpakete im Repository bereit.

Standardmäßig startet das System in eine KDE-Umgebung. Die erleichtert vor allem Windows-Anwendern den Umstieg. Eine andere Oberfläche aktivieren Sie hinter dem Punkt Desktop. Zur Wahl stehen Gnome 3, die besonders ressourcenschonenden XFCE und LXDE, eine reine Textkonsole sowie die für Kinder optimierte Benutzeroberfläche Sugar [4].

Letztgenannte stellt einfach ein paar vorgegebene Programme zur Auswahl, darunter ein IRC-Programm und einen Browser. Mit diesen dürfen Schüler an beliebigen Chats teilnehmen und sämtliche Webseiten aufrufen. Lehrer sollten daher den Stick gegebenenfalls vor dem Einsatz anpassen.

Es startet grundsätzlich ein 32-Bit-Kernel in der Version 3.12.0. Er läuft zwar selbst auf älteren Rechnern, nutzt im Gegenzug aber maximal 4 GByte Hauptspeicher. Steckt mehr RAM im System, sollten Sie unter Weitere Einstellungen den Punkt mehr als 4 GB RAM aktivieren. Dann kommt ein Kernel mit PAE zum Zug, der den Hauptspeicher voll ausnutzt.

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