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© Miroslaw Dobrzanski, 123RF

Den Dateimanager Thunar mit individuellen Aktionen erweitern

Schlankes Werkzeug

Dank individueller Aktionen und vielen Plugins bauen Sie den Dateimanager Thunar im Handumdrehen zu einem maßgeschneiderten Werkzeug für alle Aufgaben im Dateisystem aus.

Erst mit XFCE Version 4.4 erblickte der Dateimanager Thunar [1] mit dem nordisch klingenden Namen und dem Symbol mit dem Hammer das Licht der Welt. Bis dahin versah XFFM diesen Dienst, wich aber in seinen Verhaltensweisen deutlich von dem ab, was sich entweder als Explorer oder als Commander in die Landschaft der Dateischieber einordnen ließe. Seit XFCE 4.4 gehörte XFFM nicht mehr zum Projekt, lebt aber unter dem Namen Rodent [2] weiter.

Thunar zählt auf den ersten Blick zu jenen gesichtslosen Werkzeuge, wie man sie häufig in den Repositories findet (Abbildung 1). Dolphin, Nautilus, PCManFM – wie auch immer die Mitbewerber heißen, Thunar hält sowohl optisch wie in Bezug auf die grundlegenden Funktionen locker mit, ragt aber auch nicht über die Konkurrenz hinaus.

Abbildung 1: Thunar, eine graue Maus unter vielen – aber im Alltag zählen Verlässlichkeit und Stabilität, nicht nur Optik.

Selbstverständlich beherrscht Thunar die einfachen Übungen, wie Dateien verschieben, kopieren, löschen oder öffnen. Doch die eigentlich interessanten Features birgt das Programm eher unter der Haube.

Massenhafter Namenswechsel

Ein Tool zum gesteuerten Umbenennen mehrerer Dateien oder auch ganzer Ordnerhierarchien gehört bereits zum Basispaket. Wollen Sie es ohne den kompletten Dateimanager nutzen, finden es im Startmenü unter Bulk-Rename oder rufen es in einer Befehlszeile mit thunar --bulk-rename auf.

Sie fügen die Dateien, die Sie umbenennen möchten, über das Plus-Symbol links oben hinzu oder ziehen sie mit der Maus aus einem Dateimanager in den zunächst leeren weißen Bereich. Im unteren Bereich finden Sie einige ausklappbare Menüs, in denen Sie die gewünschte Aktion auswählen. So ermöglicht die Software das Suchen und Ersetzen bestimmter Bestandteile oder das einfache Nummerieren von Dateien.

Bei Audio-Dateien dürfen Sie beim Umbenennen auf die enthaltenen Metatags zurückgreifen (Abbildung 2). Damit reparieren Sie auf elegante Weise die von CD-Ausleseprogrammen erzeugten Dateinamen.

Abbildung 2: Das Werkzeug zum Umbenennen von Dateinamen bringt Ordnung ins Dateisystem.

Eingestöpselt

Wie es sich für eine ordentliche Software gehört, bringt Thunar eine Plugin-Schnittstelle mit, doch glänzt er nicht mit einer Vielzahl von Erweiterungen, wie es sie zum Beispiel für Nautilus gibt. Neben dem unabdingbaren Modul zum Verwalten von Datenträgern und einigen anderen Tools, die vom Projekt selbst kommen, gibt es eine kleine, aber feine Auswahl an Plugins von externen Programmierern.

Das thunar-archive-plugin [3] ist an sich nichts Besonderes, denn der Umgang mit Archiven gehört zu den Brot-und-Butter-Aufgaben eines Dateimanagers. Fehlt die Funktion jedoch, fällt das sofort unangenehm auf. Bemerkenswert ist, dass Thunar über diese Brücke nicht nur den hauseigenen Xarchiver, sondern auch den Archivmanager von Gnome und selbst das KDE-Packprogramm Ark einbindet.

Entwickeln Sie selbst Programme oder verwenden aus anderen Gründen Versionsverwaltungen wie Git oder SVN, dann bietet sich der Einsatz von thunar-vcs-plugin [4]. Das Plugin versteht sich ausschließlich auf die beiden erwähnten Systeme, Revisionierer wie Bazaar oder Mercurial bleiben außen vor. Git und SVN dürften allerdings viele Anwendungsfälle abdecken.

Das Kontextmenü einer Datei bildet praktisch das ganze Portfolio der möglichen Befehle ab (Abbildung 3), erscheint aber selbst dann, wenn die markierte Datei gar nicht unter Versionverwaltung steht. Eine Unterscheidung versionierter und gewöhnlicher Dateien unterstützt das Addon offensichtlich nicht. Wenn Sie das nicht stört, erspart das Plugin das Auswendiglernen zahlloser Optionen von Git- oder SVN-Befehlen. Gelegentlich sind die einzelnen Aktionen allerdings etwas unglücklich ins Deutsche übersetzt.

Abbildung 3: Ein Plugin verbindet verbindet Thunar direkt mit den Versionsverwaltungssystemen Git und Subversion.

Hin und wieder hilft eine Prüfsumme dabei, die Integrität von Dateien zu prüfen oder einen Hash-Wert zu erstellen. Thunar macht diese Arbeit mit Hilfe des Plugins gtkhash-thunar so komfortabel wie möglich. Es ist ein Teil des originalen Gtkhash [5] und fügt sich so nahtlos in Thunar ein, als wäre es tatsächlich ein Teil davon.

Nach der Installation des Plugins und einem Neustart von Thunar finden Sie im Dialog zu den Eigenschaften einer Datei (sie erreichen ihn via Kontextmenü) den neuen Reiter Digests. Eine Vielzahl von Formaten für Prüfsummen steht hier bereit (Abbildung 4). Benötigen Sie oft Prüfsummen in verschiedenen Formaten, erweist sich dieses kleine Tool als unabdingbarer Begleiter.

Abbildung 4: Mit dem Gtkhash-Plugin erstellen Sie per Mausklick eine Prüfsumme in verschiedenen Formaten für eine gewünschte Datei.

Schließlich versorgt Sie thunarx-python mit einer Schnittstelle zu der beliebten Skriptsprache. Derzeit verwendet allerdings lediglich RabbitVCS [6] dieses Framework.

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