Lernsystem Doudou Linux für Kinder im Vorschulalter

Spiel mit Grenzen

Nicht nur bei der Auswahl der Programme, sondern auch über eine besondere Oberfläche möchte Doudou Linux kleine Kinder mit dem Computer vertraut machen.

Kinder haben in den seltensten Fällen Berührungsängste gegenüber dem Computer. Doch weil das Angebot an adäquater Software sehr überschaubar bleibt, dient der heimische Personal Computer oft lediglich als Spielzeug oder zum Surfen im Internet. Das aus Frankreich stammende Doudou Linux [1] möchte dies ändern und ist daher konsequent auf die Bedürfnisse von Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren zugeschnitten.

Das Anfang Juli in Version 1.2 erschienene Doudou Linux mit dem Release-Namen "Gondwana" basiert auf Debian "Squeeze" und steht in Gestalt eines rund 680 MByte großen ISO-Images auf der Projekt-Website zum Download [2]. Dabei gibt es Images in vielen unterschiedlichen Sprachen, die manuelle Installation von Sprachpaketen ist nicht vorgesehen. Alternativ stehen auf der gleichen Seite auch Images zur Konfiguration des Systems auf einem USB-Stick bereit.

Die von den Entwicklern genannten Voraussetzungen an das System umfassen einen Prozessor mit mindestens 800 MHz Taktfrequenz, 256 MByte Arbeitsspeicher und einer Grafikauflösung von 800 x 600 Punkten. Diese sehr moderaten Anforderungen gestatten, mit Doudou Linux auch einem ausrangierten älteren Rechner zu einem zweiten Frühling zu verhelfen.

Um Ressourcen zu schonen, griffen die Entwickler auf den schlanken Fenstermanager Openbox zurück und kombinierten diesen mit dem ebenso flinken LXDE-Desktop. Dabei modifizierten sie die Oberfläche aber sehr stark, um gerade kleinere Kinder nicht zu überfordern.

Da Doudou Linux für den Live-Betrieb ohne sofortige Installation auf der Festplatte gedacht ist, bietet das System die Möglichkeit für einen ausgiebigen Test vor der eventuellen Installation auf einem USB-Medium.

Erster Start

Im Test lief die Distribution auf einem älteren Desktop-Rechner mit 512 MByte RAM und einer internen Intel-Grafikkarte im Live-Betrieb. Dabei fiel sofort die von Debian herrührende exzellente Hardware-Erkennung positiv auf: Das System erkannte die oft störrische Intel-Grafikkarte tadellos und band sie korrekt ein.

Das System bootet relativ zügig in einen ungewöhnlichen Startbildschirm: So zeigt es zwar einen nett gestalteten Login-Screen an, den jedoch ein großes Auswahlfenster ergänzt. Aus diesem heraus rufen Sie direkt ohne Login einzelne Programme auf, wie Tuxpaint, Gcompris oder Childsplay.

Ein Klick auf die Auswahl Alles von DoudouLinux verzweigt in einen stark modifizierten LXDE-Desktop, der durch ein unkonventionelles, aber für kleine Kinder leicht zu verstehendes Konzept auffällt: Am oberen Bildschirmrand befinden sich in einer horizontalen Panelleiste die fünf Gruppen Lernen, Arbeit, Genießen, Multimedia und Einstellen, die bei Anklicken auf dem Desktop jeweils große, den kindlichen Bedürfnissen entsprechende Starter anzeigen. Untermenüs suchen Sie ebenso vergeblich wie die bei LXDE übliche Panelleiste mit minimierten Einträgen am unteren Rand.

Für ganz Kleine

Für Kinder im Vorschulalter, die noch keine oder kaum Erfahrungen im Umgang mit dem Computer haben, bietet die französische Distribution zusätzlich aus dem Login-Bildschirm heraus die Option, den Eintrag Mini DoudouLinux auszuwählen, der zu einer ebenfalls sehr reduzierten Oberfläche leitet. Hier finden sich lediglich die Gruppen Lernen und Einstellen.

Die Auswahl an Programmen orientiert sich dabei an Kindern im Vorschulalter und den ersten Grundschuljahren: So integriert Doudou Linux für die Entwicklung feinmotorischer Fähigkeiten die Programme Pysycache, Gamine, Potato Guy und Tuxpaint, während es für das Erlernen von Buchstaben und Zahlen in kleinen Zahlenräumen Klettres, Childsplay und die Lernsuite Gcompris gibt. Alle Programme liegen weitgehend in deutscher Sprache lokalisiert vor, was insbesondere bei Gcompris aufgrund der gesprochenen Spielanleitungen für kleine Kinder wichtig erscheint, die noch nicht lesen können.

In der Gruppe Einstellen finden sich nur rudimentäre Tools zum Konfigurieren: Einen komfortablen grafischen Paketmanager suchen Sie ebenso vergebens wie Oberflächen zum Systemmanagement à la YaST. Die vier hier vorhandenen Einträge gestatten lediglich das Einrichten und Warten des Druckers sowie das Einstellen der Maus- und Audio-Parameter.

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