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© Leonid Yastremskiy, 123RF

Große Schneiderei

Videoschnitt mit Kdenlive

26.06.2012
Das Videoschnittprogramm Kdenlive richtet sich vor allem an semiprofessionelle Anwender. Die frisch erschienene Version 0.9 bringt einige interessante Neuerungen mit.

Mit jeder neuen Version erhält Kdenlive [1] zahlreiche weitere Funktionen und Effekte. Mittlerweile nähert sich das Videoschnittprogramm sogar langsam professionellen Platzhirschen wie Adobe Premiere an. Auch wenn die Entwickler in der kurz vor Redaktionsschluss freigegebenen Version 0.9 die Bedienung an vielen kleinen Stellen verbessert haben, erschlägt die Benutzeroberfläche jeden Einsteiger mit ihren vielen Schaltern und Symbolen. Wer zum ersten Mal ein Video nachbearbeitet und möglichst schnell Ergebnisse erzielen möchte, der sollte eventuell besser einen Blick auf OpenShot werfen [2]. Andererseits bietet Kdenlive weitaus mehr Gestaltungsmöglichkeiten: Das Einarbeiten könnte sich folglich lohnen.

Tückischer Paketdienst

Die größte Hürde auf dem Weg zu einem geschnittenen Video mit Kdenlive wartet gleich zu Beginn. Einige Distributionen wie etwa OpenSuse ignorieren Kdenlive komplett, bei anderen liegt nur eine inzwischen überholte Version in den Repositories. So offeriert Ubuntu 12.04 nur das fast ein Jahr alte Kdenlive 0.8.2.1. Glücklicherweise bieten die Entwickler fertige Pakete für alle gängigen Distributionen an [3]. Der Kasten "Frisch geliefert" zeigt die Installation anhand der Beispiele Ubuntu 12.04 und OpenSuse 12.1.

Allerdings sollten Sie sich nicht zu früh freuen: Zumindest zu Redaktionsschluss waren die Pakete von gemischter Qualität und teilweise sogar noch veraltet. So mussten Besitzer der 32-Bit-Fassung von OpenSuse 12 weiterhin mit der Version 0.8.2.1 vorlieb nehmen, für die 64-Bit-OpenSuse gab es nur englische Menüs. In solchen Fällen könnten Sie jetzt auf die Idee kommen, das Videoschnittprogramm selbst zu übersetzen. Aufgrund der unzähligen Abhängigkeiten ist das jedoch eine aufwändige und fehlerträchtige Aufgabe für lange Winterabende. Sie sollten daher lieber auf die eine oder andere neue Funktion verzichten und zu den bereitgestellten älteren Paketen greifen.

Auf den Download-Seiten finden Sie übrigens noch eine Live-DVD und VirtualBox-Images, mit denen Interessenten ohne Risiko in Kdenlive hineinschnuppern können. Die Entwickler haben die Pflege jedoch schon 2009 eingestellt, die auf der DVD und in den Images enthaltenen Kdenlive-Versionen sind folglich gnadenlos veraltet. Wenn Sie sich Kdenlive unverbindlich ansehen möchten, greifen Sie zu AV Linux [4]: Dessen Live-DVD enthält auch das aktuelle Kdenlive 0.9.

Frisch geliefert

Um Kdenlive unter Ubuntu 12.04 zu installieren, starten Sie über das Dash die Aktualisierungsverwaltung (Sie lesen richtig). Dort klicken Sie ganz links unten auf Einstellungen, wechseln im neuen Fenster auf das Register Andere Software, entscheiden sich für Hinzufügen ... und tippen in das Eingabefeld ppa:sunab/kdenlive-release ein. Per Software-Paketquelle hinzufügen und Schließen geht es wieder zurück zur Aktualisierungsverwaltung. Dabei geben Sie auf Nachfrage das Passwort des Systemadministrators preis (in der Regel Ihr eigenes). In der Aktualisierungsverwaltung klicken Sie jetzt auf Prüfen und lassen anschließend alle Aktualisierungen installieren. Danach Schließen Sie die Aktualisierungsverwaltung, öffnen das Software-Center und suchen nach Kdenlive. Lassen Sie es noch nicht Installieren, sondern prüfen Sie erst unter den Informationen, ob die Version tatsächlich mit kdenlive 0.9 ... beginnt.

Als Benutzer von OpenSuse 12.01 starten Sie YaST (beispielsweise über das K-Menü, Rechner | Yast) und entscheiden sich im Bereich Software für die Software-Repositories. Im neuen Fenster klicken Sie am unteren Rand auf Hinzufügen, wählen Community/Gemeinschafts-Repositories, gehen einen Schritt Weiter, haken in der Liste der Repositories den Punkt Packman Repository an und klicken auf OK. Dem GnuPG-Schlüssel können Sie Vertrauen. Schließen Sie das Fenster mit OK und starten Sie dann in YaST das Modul Software installieren oder löschen. Ins Suchfeld tippen Sie Kdenlive, haken rechts daneben das Paket kdenlive ab, klicken rechts unten auf Akzeptieren, nicken die Abhängigkeiten mit Fortfahren ab und warten dann, bis Kdenlive installiert ist.

Einrichtungshaus

Starten Sie Kdenlive zum ersten Mal, meldet sich der kleine Assistent aus Abbildung 1. Das Schnittprogramm überlässt im Hintergrund der Software MLT den Umgang mit den verschiedenen Video- und Audio-Formaten. Nach einem ersten Klick auf Weiter beziehungsweise Next prüft der Assistent, ob alle MLT-Bestandteile ordnungsgemäß verfügbar sind. Haben Sie Kdenlive wie im Kasten Frisch geliefert aus den offiziellen Paketen installiert, sehen Sie hier überall blaue Haken. Das Register Verfügbare Codecs zeigt an, welche Video- und Audio-Formate Kdenlive verarbeitet.

Abbildung 1: Der Assistent hilft beim Einrichten von Kdenlive und prüft auch gleich noch, ob alle benötigten Softwarekomponenten vorliegen.

Einen Schritt Weiter (Next) wählen Sie das Videoformat der Kamera aus (Abbildung 2). Voreingestellt ist das hochauflösende HDV mit 1440 mal 1080 Bildpunkten im Interlaced-Verfahren mit 25 Bildern pro Sekunde. Das Handbuch Ihrer Kamera sollte die hier passenden Daten liefern. Im Zweifelsfall wählen Sie das Format, in dem Sie die Videos später bevorzugt ausgeben möchten – bei einer DVD-Produktion etwa DV/DVD PAL. Kdenlive verwendet diese Auswahl später an verschiedenen Stellen als Grundlage beziehungsweise Vorgabe. Sie können aber natürlich dennoch beliebige Video-Dateien laden, schneiden und auch in verschiedenen Formaten ausgeben – die Vorgabe ist also nicht in Stein gemeißelt.

Abbildung 2: Das hier gewählte Videoformat verwendet Kdenlive ab sofort als Basis für alle weiteren Aktionen.

Während des Schnitts erzeugt Kdenlive verschiedene Dateien, wie etwa eine Schnittliste oder Vorschauen. In welchem Verzeichnis diese Projektdateien standardmäßig landen sollen, teilen Sie dem Assistenten im nächsten Schritt mit (Abbildung 3). Die übrigen Punkte lassen sie abgehakt und klicken auf Weiter. Sofern Sie eine Webcam besitzen, schließen Sie diese jetzt an und klicken auf Überprüfen (Check). Sie können dann später direkt aus Kdenlive heraus Aufnahmen mit ihr machen.

Abbildung 3: Die mit einem Haken versehenen Optionen sorgen unter anderem dafür, dass später in der Zeitleiste kleine Vorschaubilder bei der Orientierung helfen und Kdenlive im Hintergrund das Projekt automatisch sichert.

Nach einem Klick auf Weiter (Next) nennt Kdenlive ein paar optionale Hilfsprogramme, die es für seine Arbeit benötigt. So können Sie beispielsweise nur dann direkt eine fix und fertige DVD erzeugen, wenn auch Dvdauthor und Mkisofs installiert sind. Sie sollten daher möglichst alle Programme mit einem roten Warnsymbol jetzt über den Paketmanager einspielen.

Nach einem Klick auf Fertigstellen beziehungsweise Finish erscheint endlich das Hauptfenster aus Abbildung 4. Ihre erste Amtshandlung besteht darin, es so breit wie möglich aufzuziehen. Wie Sie bei der Arbeit schnell feststellen, kann der Monitor für den bequemen Videoschnitt gar nicht breit genug ausfallen.

Abbildung 4: Hier wurde im Assistenten das Videoformat DV/DVD PAL gewählt, an das Kdenlive jetzt die importierten HD-Videos anpasst – als Folge entstehen schwarze Balken.

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  • Kdenlive 0.9 mit Komfort-Funktionen

    Der freie Video-Editor Kdenlive ist in Version 0.9 mit einigen Neuerungen erhältlich.
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    Die neue Version des non-linearen Videoschnittprogramms enthält gegenüber seinem Vorgänger viele kleinere, aber äußert nützliche Verbesserungen. Fortgeschrittene Filmer dürfen sich beispielsweise über einen Keyframe Editor freuen.
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