Linientreu

Andere Umgebungen kennen zahlreiche Themen, die nicht mehr so streng visuell zwischen Titel und Inhalt der Fenster trennen. In früheren Openbox-Versionen war so etwas nicht ohne Weiteres möglich, denn dort saß stets eine Linie im Fensterrahmen.

Manche Entwickler haben das umgangen, indem sie in ihrem Thema sowohl dem Titel des Fensters als auch dem Rahmen die gleiche Farbe zuwiesen. Das führte allerdings zu Problemen, wenn kein Compositing-Manager lief, der mittels Schatten dem Fenster doch noch zu einem Rahmen verhalf (siehe Kasten "Compositing").

Seit Openbox 3.5.0 können Sie in der Themendefinition die Farbe der Linie unter dem Fenstertitel festlegen (Listing 1, Zeile 13). Der Asterisk * fungiert dabei als Platzhalter für diverse Bezeichnungen wie active oder inactive. Auf diese Weise verschlanken Sie die themerc etwas. Bei Bedarf fügen Sie für die konkreten Zustände individuelle Werte ein, die den aus der Zeile mit dem Platzhalter überschreiben.

Nun stehen alle Wege offen, einen fließenden Übergang von der Titelzeile zum Rest des Fensters zu schaffen (Abbildung 2). Dazu verwenden Sie den Farbwert des Hintergrundes für den Fenstertitel (Listing 1, Zeilen 15 und 16).

Abbildung 2: Schon ganz ansehnlich, aber noch etwas unübersichtlich.

Compositing

Eine eigene Anbindung an die Compositing-Funktionen des X-Servers hat Openbox derzeit nicht an Bord und lädt sich diese Fracht wohl auf lange Sicht auch nicht auf. Dennoch müssen Sie auf Schatten, Animationen und Transparenzen nicht verzichten. Der Weg zum Erfolg führt über die Compositing-Werkzeuge Xcompmgr [8] oder Cairo-compmgr [9]. Dazu fügen Sie den Startprogrammen der Arbeitsumgebung beispielsweise folgenden Befehl hinzu:

xcompmgr -CcfF -I-.015 -O-.03 -D6 -t-1 -l-3 -r4.2 -o.5 &

Die Parameter sorgen für das weiche Einblenden sich öffnender Fenster und ansehnliche Schattierungen. Außerdem sorgt die Zeile dafür, dass VTE-basierte Terminalfenster keinen Schatten erhalten, was ansonsten dazu führt, dass das Fenster beim Verschieben den Schatten wie einen verwaschenen Brautschleier hinter sich her zieht. Das liegt an Inkompatibilitäten mit der Transparenz des Terminals und betrifft zum Beispiel das Gnome-Terminal, jenes von XFCE und zahlreiche weitere.

Cairo-compmgr kommt mit einer ansprechenden grafischen Oberfläche zum Konfigurieren daher und kennt unter anderem Optionen zum Animieren von Menüs. Es nistet sich als Symbol im Benachrichtigungsfeld ein. Von dort rufen Sie es über das Kontextmenü auf.

Weder Cairo-compmgr noch Xcompmgr werden derzeit aktiv weiterentwickelt, beide enthalten etliche Bugs. Seien Sie also darauf gefasst, gelegentlich einen halbtransparenten schwarzen Trauerflor auf dem Bildschirm vorzufinden, wo eigentlich noch nicht einmal ein Fenster liegen sollte, dessen Schatten er sein könnte. Artefakte bereits geschlossener Fenster und Menüs treten ebenfalls gelegentlich auf. Meist verschwinden sie durch einen Wechsel der Arbeitsfläche wieder.

Falls Sie im Eigenbau auf farblich abgesetzte Fenster- und Menürahmen verzichten, erwächst daraus an sich kein Problem. Bedenken Sie aber, dass solch eine Konstellation das entsprechende Thema für Openbox-Fans beinahe nutzlos macht, wenn diese – aus welchen Gründen auch immer – kein Compositing nutzen: Durch den dann fehlenden Rahmen gerät das Unterscheiden mehrerer hintereinander angeordneter Fenster zum Vexierspiel.

Arbeit am Detail

So weit, so gut – nur der Text passt rein gar nicht mehr ins neue Farbschema. Im aktiven Fenster sollte man die Schrift eindeutig lesen können, während das inaktive Fenster einen mehr informativen Zweck hat und der Text ausgegraut sein darf. Die Werte in den Zeilen 15 und 16 von Listing 1 setzen diese Vorgaben um. Nett anzuschauen ist auch eine Schattierung des Titeltexts der aktiven Fenster und der Menütitel (Zeilen 18 und 19).

Die meisten kreativen Möglichkeiten bieten zweifellos die Fensterknöpfe. Dazu nutzen Sie entweder die mit Openbox gelieferten Vorlagen oder definieren bei Bedarf eigene Formen, die als XBM-Datei vorliegen müssen. Für den Anfang sollten Sie sich jedoch auf die Standardformen beschränken.

Openbox kennt keine Option, die Knöpfe der Fenster in verschiedenen Farben darzustellen. Der Schließen-Knopf erscheint als stets genauso in Rot oder Blau wie jener zum Maximieren oder Minimieren. Das verwundert eigentlich, weil andere Fenstermanager verschieden gefärbte Knöpfe seit Langem ermöglichen.

Die derzeit noch blaue Farbe der Knöpfe passt nicht mehr zum Rest des Themas. Eine Möglichkeit wäre, die Grautöne der Menüeinträge auf die Knöpfe abzubilden (Listing 1, Zeilen 24 bis 30). Inaktive Fenster erhalten wieder rein informative, schlichte graue Knöpfe in der Färbung des Titeltexts ohne Umrandung.

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