AA_peas_guguxpress_sxc_847598.jpg

© Guguxpress, sxc.hu

Erbsenzähler

Datenbestände per Mausklick synchronisieren mit Grsync

23.04.2012
Was brauchen Sie, um eine Millionen Dateien zuverlässig zu synchronisieren? Einen Linux-Rechner und Grsync.

Vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser – so ist Rsync [1]: Die einen setzen das Tool zum lokalen Sichern von Dateien ein [2], andere verwalten damit das Backup kompletter Server-Farmen [3], und fast jedes freie Software-Projekt bestückt seine Mirrors unter Zuhilfenahme des Allrounders ([4],[5]).

Wer jedoch nicht gerade auf eine fertige Lösung setzt, der sieht sich mit einer Vielzahl von Optionen, Parametern und Konfigurationsdirektiven konfrontiert, die wohlüberlegt zum Einsatz kommen wollen. Grsync [6] schickt sich an, einen einfachen Pfad durch den Dschungel der Optionen zu weisen.

Einfacher Einstieg

Das Testsystem besteht aus einem aktuellen Ubuntu 11.10 unter Gnome. Grsync steht als fertiges Paket in deutscher Sprache bereit. Sie spielen es einfach per Paketmanager oder mittels sudo apt-get install grsync auf der Kommandozeile ein. Anschließend starten Sie das Tool beispielsweise über das Ubuntu-Dash (Abbildung 1). Auf der Homepage des Projekts finden Sie überdies Versionen für Windows, Mac OS X, Maemo und Solaris.

Abbildung 1: Grsync bindet sich perfekt in das Dash von Ubuntu ein.

Das Programmfenster (Abbildung 2) teilt sich in drei Registerkarten auf: In den Standard-Optionen legen Sie grundsätzliche Einstellungen fest, wie beispielsweise das Quell- und das Zielverzeichnis. Unter Erweiterte Optionen passen Sie das Verhalten von Rsync noch detaillierter an und haben die Möglichkeit, eigene Kommandozeilenparameter anzugeben. Die Zusatzoptionen schließlich ermöglichen beispielsweise die Angabe von Programmen, die Sie vor oder nach der Synchronisation ausführten wollen.

Abbildung 2: Die Programmoberfläche erweist sich einfach gehalten, aber dafür umso übersichtlicher.

Über den Registerkarten befindet sich eine Symbolleiste mit vier Icons sowie eine Dropdown-Box mit dem Inhalt default. Sie dient, wie Sie später noch sehen, zur Auswahl des gewünschten Konfigurationsprofils, in dem Sie häufig genutzte Einstellungen unter einem selbst gewählten Namen hinterlegen.

Die Programmoptionen sowie das Menü von Grsync erscheinen ebenfalls recht übersichtlich. Letzteres dient primär dem Verwalten der Sitzungen und dem Start beziehungsweise der Simulation des Rsync-Laufs.

Auf der sicheren Seite

Im Alltag nützlich ist Grsync unter anderem beim Sichern der persönlichen Daten – eine Aufgabe, die zwar ungemein wichtig, aber meist äußerst lästig fällt, und die die wenigsten Anwendern mit der nötigen Regelmäßigkeit angehen. Zu den beliebten Varianten gehört das manuelle Kopieren von Dateien auf eine externe Festplatte. Das erweist sich in der Praxis aber nicht nur als zeitraubend, sondern auch als fehleranfällig, denn schnell sind dabei wichtige Verzeichnisse übersehen.

Hier erleichtert Grsync die Arbeit: Einfache Backup-Skripte sichern in der Regel stupide alle Inhalte von einem Laufwerk aufs andere, und selbst wenn sich nur wenige Dokumente geändert haben, kopieren diese allzu oft den gesamten Datenbestand. Das kostet Zeit. Mit Grsync gestalten Sie das Backup hingegen intelligent, denn es überträgt nur die Dateien, die sich geändert haben.

Angenommen, Sie möchten das Home-Verzeichnis (~ beziehungsweise /home/Benutzername) auf eine externe Festplatte oder ein Netzlaufwerk sichern, das unter /backup im System eingehängt ist. Dabei wollen Sie jeweils nur die Daten übertragen, die sich geändert haben, und gelöschte Dateien möchten Sie aus dem Backup entfernen.

Die entsprechenden Direktiven richten Sie mit Grsync einfach ein: Zunächst wählen Sie unter Source and Destination (dieser Text war in der Testversion nicht ins Deutsche übersetzt) in der ersten Zeile mittels Öffnen die Quelle, dass heißt, das Home-Verzeichnis und in der zweiten Zeile auf dieselbe Art das Ziel, ergo /backup. Wichtig ist dabei, dass Sie die Verzeichnisse mit abschließendem Schrägstrich (/) schreiben. Die müssen Sie gegebenenfalls nachtragen.

An Optionen wählen Sie zusätzlich zu den standardmäßig aktivierten noch Besitzer erhalten, Rechte erhalten sowie Gruppe erhalten aus. Das sorgt dafür, dass im Backup die Dateiberechtigungen so erhalten bleiben, wie sie im Benutzerverzeichnis gesetzt sind

Das verhindert zum einen, dass unberechtigte Dritte Ihre Daten im Backup lesen, zum anderen hilft es dabei, ein Chaos beim Zurückspielen zu vermeiden. Außerdem setzen Sie einen Haken bei Im Zielverzeichnis löschen, was dafür sorgt, dass im Benutzerverzeichnis gelöschte Dateien aus dem Backup verschwinden.

Aus diesen Parametern konstruiert Grsync die korrekten Parameter für Rsync, die Sie sich über Datei | Rsync command line ansehen (Abbildung 3). Der Aufruf des gezeigten Befehls auf der Kommandozeile hätte denselben Effekt wie der Start aus Grsync mit der aktuellen Konfiguration heraus.

Abbildung 3: Aus den aktivierten Optionen stellt Grsync die korrekte Kommandozeile zusammen.

Bevor Sie das Tool aber auf Ihre kostbaren Dateien loslassen, sollten Sie mittels Datei | Simulation (Abbildung 4) oder über das Symbol mit dem Buchstaben "i" prüfen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Hilfreich ist diese Trockenübung allemal. Ein Exit-Status von 0 und eine entsprechende Anzeige in der oberen Fensterhälfte signalisieren, dass alles geklappt hat. Allerdings fallen dabei nicht alle Fehler auf. Im Test monierte die Software beispielsweise ein fehlende Schreibrecht auf das Backup-Verzeichnis nicht.

Abbildung 4: Feuertaufe bestanden – die Simulation klappt.

Jetzt geht es ans Eingemachte – über Datei | Ausführen oder das Zahnrad-Symbol weisen Sie Grsync an, die Synchronisation zu starten. Überprüfen Sie zur Sicherheit vorab nochmals, ob die Pfade in der richtigen Reihenfolge genannt sind: oben die Quelle, unten das Ziel. Andernfalls synchronisieren Sie das leere Backupverzeichnis in Ihr Benutzerverzeichnis, oder anders ausgedrückt, löschen Letzteres unwiederbringlich.

Stimmt alles, dann starten Sie den Prozess, wobei eine kleine Dialogbox mit Fortschrittsbalken (Abbildung 5) dabei stets über den aktuellen Status informiert.

Abbildung 5: Grsync informiert über den aktuellen Fortschritt der Arbeit.

Treten während des Laufs Probleme auf, beispielsweise aufgrund fehlender Dateizugriffsrechte, dann blendet Grsync das komplette Protokoll ein und hebt Fehler in roter Farbe hervor (Abbildung 6). Beseitigen Sie die genannten Fehler und starten Sie den Lauf erneut, bis er ohne Probleme durchläuft. Das Pausieren der Synchronisation ist ebenfalls möglich.

Abbildung 6: Fehler hebt die Applikation in der Ausgabe rot hervor.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 3 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Grsync stattet Rsync mit GUI aus
    Grsync, eine grafische Oberfläche für das Synchronisationstool Rysnc, ist in Version 1.0.0 auch für Maemo verfügbar.
  • Angetestet
  • Erste Hilfe für Festplatten
    Die Live-Distribution Parted Magic enthält eine ganze Sammlung von Werkzeugen, um Festplatten einzurichten und verloren gegangene Daten wiederherzustellen.
  • Dateien abgleichen mit Rsync
    Mit Rsync synchronisieren Sie Daten – auf dem lokalen Rechner oder über ein Netzwerk auf entfernte Maschinen. Dank guter Zusammenarbeit mit SSH überträgt das Tool die Daten verschlüsselt und arbeitet auch dann noch recht flott, wenn es an Bandbreite mangelt.
  • Synchron schalten
    Mit Rsync synchronisieren Sie Daten entweder auf einem lokalen Rechner oder über ein Netzwerk. Vor dem eigentlichen Abgleich überprüft das Programm, welche Unterschiede es zwischen Quell- und Zieldateien gibt, und überträgt nur die Änderungen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

WLAN-Signalqualität vom Treiber abhängig
GoaSkin , 29.10.2014 14:16, 0 Antworten
Hallo, für einen WLAN-Stick mit Ralink 2870 Chipsatz gibt es einen Treiber von Ralink sowie (m...
Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...