iTunes-Alternativen für Linux

Aus LinuxUser 09/2011

iTunes-Alternativen für Linux

© blink_dg/Cleferson Comarela Barbosa, sxc.hu

Apfel und Pinguin

Mit iTunes bietet Apple zwar ein komfortables Werkzeug zum Verwalten der Musiksammlung für iPod, iPhone und iPad an – aber nur für Mac OS X und Windows. Gut, dass es für Linux freie Alternativen gibt.

Portable Musikplayer speichern nicht nur Musik für mehrere Tage, sondern eignen sich dank WLAN und hochauflösendem Touchscreen sogar zum Surfen im Web und zum Bearbeiten von E-Mails. Ein modisches Gimmick sind sie obendrein – insbesondere Apples Angebote aus dieser Kategorie. Speziell bei iPods, iPhones und iPads allerdings hat der Spaß seinen Preis, denn die Geräte erweisen sich als andere als offen: Nicht nur ihr Betriebssystem, sondern auch das Format [1], in dem die Geräte Musikstücke speichern, ist oft proprietär und an die Software des Herstellers gebunden, die dieser – wie sollte es anders sein – nicht für Linux anbietet.

Doch auch als Linux-Anwender müssen sie nicht auf das neueste Gimmick aus Cupertino verzichten: Findigen Entwicklern gelingt es immer wieder, die Protokolle zu entschlüsseln und dadurch Alternativen zur Herstellersoftware anzubieten. Unser Testsystem besteht aus einem schon etwas betagteren iPod Nano der dritten Generation, dessen Musiksammlung wir auf einem aktuellen Ubuntu 11.04 verwalten wollen – ganz ohne iTunes.

Die richtige Verbindung

Bei der Nutzung der Apple-Geräte unter Linux müssen Sie gleich mehrere Hürden überwinden. iPods, iPhones und iPads) sehen für das freie Betriebssystem im Grunde genommen zunächst einmal aus wie ganz normale Massenspeicher, jedes Lied liegt dabei als eigene Datei im Dateisystem.

Das erste Problem: iPods nutzen je nach Konfiguration nicht das verbreitete und durch Linux von Haus aus unterstützte FAT32-System, sondern greifen auf Apples hauseigenes HFS+ zurück. Das liest der Kernel zwar, vermag es aber standardmäßig nicht zu beschreiben. Um Ihren iPod auch unter Linux mit Musik zu versorgen, müssen Sie dem System daher entweder Schreibsupport für HFS+ beibringen [2] oder aber das Dateisystem des iPods in das FAT32-Format konvertieren ([3], Abbildung 1).

Abbildung 1: Zeigt iTunes das Windows-Format an, ist der iPod als FAT32 formatiert.

Abbildung 1: Zeigt iTunes das Windows-Format an, ist der iPod als FAT32 formatiert.

Doch damit ist es noch nicht getan. Der iPod führt eine Mediendatenbank, die alle Lieder, Wiedergabelisten, Alben und Meta-Informationen enthält. Ohne diese Datenbank gibt er keinen Ton von sich, selbst wenn die Lieder als MP3-Dateien vorhanden sind. Die Herausforderung für die getesteten Programme besteht nun darin, diese interne Datenbank sowohl auszulesen als auch zu beschreiben. Jedoch ändert Apple mit neuen Programm- oder Firmware-Versionen immer wieder das Datenformat, sodass die Arbeit einem Katz-und-Maus-Spiel gleicht. Erfahrungsgemäß unterstützt Linux-Software ältere Modelle von Haus aus problemlos, während Sie bei neueren Varianten noch selbst Hand anlegen müssen – zumindest solange, bis die Systembibliotheken auf den aktuellen Stand gebracht sind [4].

Im Test hatten wir Glück: Da unser iPod ursprünglich unter Windows zum Einsatz kam, war er bereits mit FAT32 vorformatiert. Weil es sich um ein Modell aus dem Jahr 2007 handelt, unterstützen es allen Programme automatisch. Direkt nach dem Einstecken am USB-Port zeigt Ubuntu ein kleines Symbol auf dem Desktop an (Abbildung 2) und bietet mehrere Programme zur Auswahl. So unkompliziert klappt das aber nicht in jedem Fall: Die englischsprachige Ubuntu-Dokumentation enthält mehrere Artikel zum Thema, insbesondere zum Anbinden neuerer Modelle ([5],[6])

Abbildung 2: Glück gehabt: Unser iPod wird automatisch erkannt.

Abbildung 2: Glück gehabt: Unser iPod wird automatisch erkannt.

Medien verwalten

Haben Sie diese Hürde gemeistert, steht im zweiten Schritt die Wahl des gewünschten Medienmanagers an. Wie von Linux gewohnt, haben Sie dabei die Auswahl aus zahlreichen Programmen; bereits in der Standardinstallation offeriert Ubuntu mehrere Möglichkeiten (Abbildung 3).

Abbildung 3: Welches Programm nehme ich bloß?

Abbildung 3: Welches Programm nehme ich bloß?

Auch hier verlangt die bereits erwähnte Datenbank wieder eine spezielle, iPod-kompatible Software. Theoretisch könnte jeder gewöhnliche MP3-fähige Player die Musik direkt vom iPod abspielen – sie liegt, wie schon gesagt, in Form von MP3-Dateien auf dem iPod vor. Starten Sie zum Abspielen aber beispielsweise den VLC-Player, stoßen Sie schnell auf Probleme: Neben den MP3-Stücken liegen auch zahlreiche andere Files auf dem Gerät, unter anderem Konfigurations- und Steuerdateien (Abbildung 4). Zudem gelingt es auf diesem Weg auch nicht, neue Musik aufs Gerät bringen. Um auch auf Wiedergabelisten, Genres und Alben zuzugreifen, muss also eine andere Lösung her.

Abbildung 4: Auf dem iPod tummeln sich zahlreiche Konfigurations- und Steuerdateien.

Abbildung 4: Auf dem iPod tummeln sich zahlreiche Konfigurations- und Steuerdateien.

Klein, aber fein: Gtkpod

Das kleine Tool Gtkpod [7] bietet eine komfortable Möglichkeiten, den iPod zu verwalten (Abbildung 5). Unter Ubuntu installieren Sie das Programm mittels sudo apt-get install gtkpod und starten es anschließend im Gnome-Menü unter Anwendungen | Multimedia | gtkpod iPod Manager.

Das Test-iPod war bereits via iTunes mit einigen Liedern und Wiedergabelisten bestückt, was Gtkpod offenbar nicht gefiel: Beim Programmstart monierte es den fehlenden Zugriff auf bestimmte “erweiterte Funktionen”, ohne dabei jedoch ins Detail zu gehen. Wir ließen uns davon jedoch nicht abschrecken, und siehe da: Gtkpod las die bestehende Datenbank trotz Murrens anstandslos ein und zeigte korrekt Titel, Interpreten und Wiedergabelisten an.

Zum Abspielen der Lieder greift Gtkpod bei Bedarf auf externe Hilfsprogramme zurück. Um den iPod zu befüllen, transferieren Sie problemlos einzelne Dateien oder ganze Ordner voller Musik, die Sie in Wiedergabelisten einsortieren. Diese Wiedergabelisten lassen sich in Dateien speichern und wieder importieren, die einzelnen Metadaten der Stücke bearbeiten Sie in einem komfortablen Editor.

Einen Schönheitsfehler hat die Sache jedoch: Die Cover der einzelnen Alben, die eigentlich in den MP3-Dateien eingebettet sind, zeigte Gtkpod nicht an. Dafür runden weitere Funktionen zum Musikabgleich und der automatischen Erstellung von Wiedergabelisten anhand bestimmter Kriterien das Programm ab. Unangenehm fällt indes die fehlende Statusanzeige auf – einzig ein Blick auf den iPod verrät, ob gerade eine Synchronisation im Gange ist.

Abbildung 5: Den einfachen Einstieg in die iPod-Verwaltung unter Linux schaffen Sie mit Gtkpod.

Abbildung 5: Den einfachen Einstieg in die iPod-Verwaltung unter Linux schaffen Sie mit Gtkpod.

Während unseres Tests stellte sich heraus, dass Gtkpod für bestimmte Funktionen noch eine Bibliothek namens Libmp4v2 benötigt. Unter Ubuntu installieren Sie diese unkompliziert mittels sudo apt-get install libmp4v2-0 nach. Das stellt dann auch die ominöse Fehlermeldung beim Programmstart ab, führt aber dazu, dass Gtkpod jedes Mal nach dem konkreten iPod-Modell fragt – lästig. Alles in allem hinterlässt Gtkpod aber einen guten Eindruck.

Banshee

Als zweiter Kandidat präsentiert sich das bei Ubuntu mitgelieferte Banshee [8], ein kompletter Mediaplayer. Neben der Verwaltung lokaler Medien bietet es auch Unterstützung für die Geräte aus dem Hause Apple. Die Oberfläche des Programms dürfte iTunes-Anwendern relativ vertraut anmuten (Abbildung 6). Auch Banshee unterstützt Wiedergabelisten, bearbeitet Metadaten und offeriert verschiedene Optionen zum Im- und Export der Musiksammlung. In der komfortablen Oberfläche las Banshee die Daten aus dem Test-iPod korrekt aus, erkannte dabei aber genau wie Gtkpod die Alben-Cover nicht.

Abbildung 6: Will nicht immer so wie der Anwender: Banshee.

Abbildung 6: Will nicht immer so wie der Anwender: Banshee.

Dafür punktet Banshee mit einem integrierten Musikplayer, mit dem Sie die gewünschten Stücke direkt abspielen. Dabei verfolgt es ein ähnliches Konzept wie iTunes: Die gewünschten Titel fügen Sie zunächst zur lokalen Medienbibliothek hinzu, aus der Sie dann die Musik für den iPod auswählen und übertragen. Zwar gibt sich die Bedienung mitunter ein wenig umständlich, im Großen und Ganzen jedoch selbsterklärend.

Weniger schön ist hingegen, dass manche Aktionen trotz positiver Statusanzeige einfach nicht funktionierten: So übertrug Banshee im Test einige Lieder erst im zweiten Anlauf, und auch das Umbenennen von Playlists funktionierte nicht immer reibungslos. Einmal entfernte Banshee sogar mehrere Lieder aus einer bereits bestehenden Wiedergabeliste, was wir erst nach der Synchronisation bemerkten. Auch Änderungen anderer Programme konnte es nicht immer verarbeiten: So zeigte es eine neue Wiedergabeliste zwar an, vermochte ihr jedoch keine Musikstücke zuordnen.

Möglicherweise treten diese Probleme jedoch nur dann auf, wenn wie in unserem Test mehrere Programme hintereinander an der Datenbank arbeiten, denn eindeutig reproduzieren ließen sich die Fehler nicht.

Auswerfen nicht vergessen

Ein portabler Musikplayer verhält sich aus Betriebssystemsicht fast immer ein wie jeder andere USB-Massenspeicher. Daher gilt auch hier das selbe wie für jeden anderen USB-Stick: Vergessen Sie nicht, das Gerät vor dem Abziehen auch ordnungsgemäß auszuhängen. Das funktioniert am einfachsten über den entsprechenden Knopf in der Medienverwaltung, klappt aber auch per Rechtsklick auf das Desktopsymbol und anschließender Auswahl von Laufwerk sicher entfernen.

Rhythmus im Blut

Der letzte Kandidat im Test ist Rhythmbox [9], ebenfalls einer der Standard-Medienplayer, die Ubuntu vorinstalliert. Die Oberfläche des Programms unterscheidet sich nicht wesentlich von der anderer Kandidaten (Abbildung 7) und fußt ebenfalls auf dem Konzept der lokalen Medienbibliothek, die auf den mobilen Player synchronisiert wird.

Abbildung 7: Rhythmbox bietet komfortable Such- und Filterfunktionen.

Abbildung 7: Rhythmbox bietet komfortable Such- und Filterfunktionen.

Auch Rhythmbox bringt einen integrierten Player mit, mit dem Sie Musik auch direkt aus der Oberfläche heraus anhören. Allerdings teilt es ein Problem mit allen anderen Playern: Alben-Cover zeigt auch Rhythmbox nicht an, was den Verdacht zulässt, dass es sich hierbei um ein Problem in der entsprechenden Systembibliothek handelt, auf die alle Programme zugreifen.

Die Bedienung von Rhythmbox erscheint, obwohl im Großen und Ganzen intuitiv, stellenweise unnötig kompliziert. Wie bei Banshee fehlt die Möglichkeit, Lieder vom lokalen Dateisystem direkt in eine portable Wiedergabeliste zu kopieren. Der Weg führt hier nur über die lokale Medienbibliothek, die nach Synchronisierung aufs Gerät in Wiedergabelisten unterteilt wird. Obendrein nervt, dass man Metadaten nur in den lokalen Dateien bearbeiten kann, jedoch nicht direkt auf dem Player selbst – die entsprechenden Felder lassen sich schlicht nicht editieren.

Abgesehen davon punktet Rhythmbox mit ähnlichen Features punkten, wie sie auch die anderen Programme mitbringen: Import einzelner Dateien oder ganzer Ordner sowie Im- und Export von Wiedergabelisten. Die Statusanzeige funktioniert zuverlässig und meldet alles, was am iPod gerade passiert. Komfortabel fallen bei Banshee die Such- und Filtermöglichkeiten aus, die Ihnen dabei helfen, der Musikvielfalt Herr zu werden. Mit einem einfachen Klick suchen Sie beispielweise alle Stücke desselben Albums, Interpreten oder Genres heraus.

Viel faules Obst

Neben den vorgestellten Programmen testeten wir noch eine Reihe weiterer Alternativen, die jedoch allesamt nicht überzeugen konnten. Das kleine Tool YamiPod [10] beispielsweise kommt mit den neuen Ubuntu-Systembibliotheken nicht klar und quittiert Startversuche lediglich mit einer Fehlermeldung. Hipo [11] hat es zwar sogar ins Ubuntu-Repository geschafft, weigert sich aber beharrlich zu starten und moniert eine fehlende HAL-Bibliothek – laut den Ubuntu-Mailinglisten ein bekannter Fehler, doch keiner der dort vorgeschlagenen Workarounds führte im Test zum Erfolg.

Songbird [12] hingegen klingt eigentlich sehr verlockend, doch derzeit gibt es weder Songbird noch dessen Fork Nightingale [13] für Linux zum Download. Die von Getdeb.net angebotenen Drittanbieter-Pakete profilierten sich vor allem durch ständige Abstürze, zudem wird das iPod-Addon derzeit nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Puristen sollten indes noch einen Blick auf das kommandozeilenbasierte GNUpod [14] werfen.

KDE-Enthusiasten wundern sich vielleicht über das Fehlen von Amarok in unserer Auflistung. Laut Berichten im Internet [15] sollten iPods auch mit dem KDE-Medienplayer problemlos funktionieren. In unserem Test war das Programm jedoch trotz mehrerer Versuchen nicht dazu zu bewegen, unseren Test-iPod zu erkennen.

Fazit

Im Großen und Ganzen lassen sich die iPods problemlos unter Linux benutzen. Als Anwender haben Sie die Auswahl aus einer ganzen Reihe von Tools, die mitunter verschiedene Ansätze verfolgen. Wie fast immer beim Einsatz proprietärer Systeme unter freier Software macht aktuellste Hard- und Firmware Probleme, doch hinken die Entwickler nicht allzuweit hinterher. Mit unserem schon etwas betagteren Gerät jedenfalls kamen wir auch ohne offizielle Herstellersoftware gut zurecht. 

Infos

[1] Audio- und Video-Codecs: Florian Effenberger, “Wald der Formate”, LU 08/2011, S. 78, https://www.linux-community.de/22953

[2] HFS+ im Kernel freischalten: http://wiki.ubuntuusers.de/IPOD

[3] Konvertierung nach FAT32: http://wiki.ubuntuusers.de/iPod/Konvertieren

[4] Besonderheiten bei iPhone und iPod Touch: http://wiki.ubuntuusers.de/iPod/iPhone_und_iPod_touch

[5] iPod anbinden: https://help.ubuntu.com/community/PortableDevices/iPod

[6] iPhone und iPod Touch anbinden: https://help.ubuntu.com/community/PortableDevices/iPhone

[7] Gtkpod: http://www.gtkpod.org

[8] Banshee: http://banshee.fm

[9] Rhythmbox: http://www.rhythmbox.org

[10] YamiPod: http://www.yamipod.com

[11] Hipo: http://projects.gnome.org/hipo/

[12] Songbird: http://getsongbird.com

[13] Nightingale: http://getnightingale.com

[14] GNUpod: http://www.gnu.org/s/gnupod/

[15] iPod mit Amarok: http://bausparfuchs.wordpress.com/2010/01/04/guide-how-to-get-your-ipod-work-with-amarok-2/

Der Autor

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist Gründungsmitglied und Mitglied des Steering Committee der Document Foundation. Zuvor war er fast sieben Jahre im Projekt OpenOffice.org aktiv, zuletzt als Marketing Project Lead. Zudem schreibt er regelmäßig für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen.

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