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New Sid in Town

Siduction auf Debian-"Unstable"-Basis

12.03.2012 Mit Rolling Releases macht der brandneue Debian-Ableger Siduction das regelmäßige Neuinstallieren überflüssig. Dank einer exzellenten Dokumentation kommen auch Einsteiger mit dem Desktop bestens zurecht.

Debian dient so oft als Basis für neue Distributionen wie wohl kein anderes Linux. Unzählige Derivate basieren auf der Debian-Tochter Ubuntu, viele wählen aber auch Debian direkt als Grundlage. Debian hat sich in den letzten Jahren gewandelt und wurde offener – der Erfolg von Ubuntu trug dazu gewiss seinen Teil bei. Debian hat erkannt, dass Debian "Stable" für Desktop-Nutzer nicht immer zeitgemäß und attraktiv ist. Am Ende eines Release-Zyklus haben die meisten Pakete gut zwei Jahre auf dem Buckel und sind oft von neuen Entwicklungen längst überholt. Das lässt Debian oft altbacken erscheinen, wobei man aber nicht übersehen darf, dass die Bezeichnung "Stable" auch im positiven Sinn bei Debian Programm ist.

Mittlerweile umarmt Debian seine Derivate – das war nicht immer so. Alles, was vom orthodoxen Weg abwich, war lange Zeit nicht gerne gesehen und wurde misstrauisch beäugt. Heute gibt es, dank eines DPL (Debian Project Leader) namens Stefano Zacchiroli, den Debian Derivatives Front Desk [1], wo Debian-Derivate ihre Ressourcen eintragen können und sich hoffentlich ein reger Austausch etabliert, der alle Seiten befruchtet. Außerdem erweist sich mittlerweile das "Unstable"-Repository als recht gut benutzbar – auf ihm fußt auch die Distribution Siduction [2].

Ein langer Weg

Bei Siduction handelt es sich um einen Fork der Vorgängerdistribution Aptosid (ex: Sidux, [3]). Die Distribution wird von einem Team von Entwicklern betreut, die sich zum Teil seit den frühen Knoppix-Zeiten kennen und bereits gemeinsam an Kanotix und Sidux mitgearbeitet haben. Der Name Siduction entstand als Wortspiel aus dem Codenamen für Debian Unstable, "Sid", und dem englischen Wort "seduction", was soviel wie Verführung heißt. Das erste Release von Siduction trägt die Nummer 2011.1 und hört auf den Codenamen "One Step Beyond". Wem dabei jetzt der Hit von Madness im Ohr klingt, der liegt goldrichtig: Siduction benennt seine Releases nach berühmten Songs der Musikgeschichte.

Die Distribution folgt dem Prinzip des Rolling Release, wie es Debian "Unstable" vorgibt. Sie müssen Siduction also nur einmal installieren, pflegen dann das System beständig mit Updates und können auf Versions-Upgrades verzichten. Die Veröffentlichungen dienen bei Siduction lediglich als aktueller Einstiegspunkt für neue Anwender. Sie entstehen vier Mal jährlich als Snapshots des aktuellen Softwarestands. Bei den ISO-Images handelt es sich um hybride Live-Medien samt Installer in Varianten mit den Desktops KDE (Abbildung 1), LXDE und XFCE. Am einfachsten lassen sie sich von einem USB-Stick booten, wohin Sie sie vom ISO-Image mit folgendem Kommando befördern:

$ dd if=/Pfad/zum/ISO/Version.iso of=/dev/sdX

Dabei ersetzen Sie das X in sdX durch die Device-Nummer des fraglichen USB-Sticks, der nicht partitioniert sein darf.

Abbildung 1: Der KDE-Desktop von Siduction mit dem Dateimanager Dolphin.

Die Community mitnehmen

Das Projekt hat sich zwei Dinge auf die Fahnen geschrieben: Siduction will innovativ sein in dem Sinne, dass es sich nicht wie seine Vorgänger strikt auf das "Unstable"-Repository beschränkt, sondern auch selbst interessante Software erstellt, paketiert, pflegt, seinen Nutzern anbietet und gleichzeitig deren Aufnahme in Debian betreibt.

Das zweite Merkmal von Siduction bildet das verstärkte Einbinden der Community: Sie soll bei Siduction mitbestimmen, wo es langgeht, welche Pakete die Distribution beinhalten soll, welche Desktop-Umgebungen angeboten werden oder welche neuen Techniken es einzubinden gilt. Auch der Entwicklerpool soll sich aus der Community heraus durch das Einbinden interessierter Nutzer auffüllen. Gelegenheit zur Mitarbeit gibt es beim Programmieren, Paketieren, beim Support in Foren, IRC-Kanälen oder beim Übersetzen des Handbuchs.

Dabei zielen die Macher keineswegs nur auf ausgewiesene Linux-Experten. Jeder interessierte und lernwillige Nutzer ist willkommen und erhält das notwendige Maß an Förderung. Dazu haben die Entwickler von Siduction ein dichtes Hilfe-Netz gewoben. Im deutsch-englischen Support-Forum [4] gibt es ausführlichen Support. Wer es eilig hat, besucht einen der IRC-Kanäle des Projekts [5]. Den deutsche Kanal #siduction-de erreichen Sie sehr einfach über ein Icon auf dem Desktop.

Das Entwickler-Framework [6] basiert auf dem Chili-Projekt [7] und beherbergt neben dem Entwickler-Wiki auch den Bug-Tracker des Projekts. Die Siduction-Repositories [8] teilen sich in verschiedene Bereiche, wobei die Sektionen siduction und fixes standardmäßig in der sources.list stehen. Der Bereich experimental gilt als offizieller Bestandteil der Distribution und ist für die Mutigen gedacht. Hier gibt es keine Garantie, dass nicht auch einmal kaputte Pakete auftauchen. Die Bereiche user und community harren derzeit noch ihrer Bestimmung.

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Ferdinand  Thommes

Ferdinand Thommes

Ich schreibe für verschiedene Linuxmagazine Artikel über Debian, Linux allgemein und Linux im Bildungssektor ebenso wie über Hardware allgemein. In der verbleibenden Zeit bin ich Stadtführer in Berlin.

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