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© Angela Jones, 123rf.com

Veranstaltungen im Überblick behalten mit GriCal

Was, wann, wo?

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Zur Kultur der Freien Software gehören auch die zahlreichen Veranstaltungen – Austausch und Kommunikation untereinander sind enorm wichtig. Der GridCalendar macht die Open-Source-Vielfalt jetzt überschaubarer.

Seit es freie Software gibt, kommen deren Entwickler und Anwender zum Austausch zusammen. Innerhalb der letzten Jahre hat nicht nur die Menge der Treffen zugenommen, sondern auch die Spezialisierung auf bestimmte Themen. Im Blick zu behalten, welche Interessengruppen sich regelmäßig wo zusammenfinden, ist mittlerweile nur noch schwer möglich. Von 2003 bis 2008 gab es eine umfangreiche Liste von Veranstaltungen zu freier Software [1], die beispielsweise 2008 schon über einhundert große Veranstaltungen verzeichnete. Diese Übersicht stellte bisher eine einzige Person – Sven Guckes aus Berlin – manuell zusammen.

Gerade weil das Internet so zahlreiche Möglichkeiten für Ankündigungen bietet – Webseiten, Wikis, RSS-Feeds, Mailinglisten – erwies es sich als zunehmend mühselig, die Daten so vieler Veranstaltungen zusammenzutragen und abzugleichen. Mittlerweile gibt es derart viele sowohl große als auch lokale Open-Source-Veranstaltungen, dass nicht mal ein Team eine halbwegs vollständige Übersicht aktuell halten könnte. Die Lösung lag eigentlich auf der Hand: das Auslagern der Aufgabe auf eine große Gruppe von Menschen, neuhochdeutsch: Crowdsourcing.

Auf der Suche

Zwar gab es bereits andere Kalender, zu denen man Veranstaltungen hinzufügen konnte, aber keiner davon bot die Möglichkeit eines einfaches Editierens und den Export in eigene, weitere Kalender. Mittlerweile existieren mehr oder weniger lokalisierte Übersichtslisten mit solchen Funktionen – doch klappt das Eintragen oder Ändern von Veranstaltungsdaten in der Regel nicht ohne Benutzerkonto und Berechtigung. Zudem "gehören" die Daten anschließend oft dem Betreiber der Website, der oft ein gemeinschaftliches Nutzen und das Wiederverwenden auf anderen Plattformen ohne ausdrückliche Genehmigung ausschließt.

Der FLOSS-Calendar von Sven Guckes enthielt speziell jene Veranstaltungen, die mindestens einen ganzen Tag ausfüllten. Einzelne Vorträge und Workshops waren in einem separaten Kalender untergebracht. Viele Communities, insbesondere die Linux-Usergroups (LUGs) führen zwar eigene Kalender, aber diese basieren auf untereinander inkompatiblen Systemen, die einen gegenseitigen Austausch von Veranstaltungsdaten nicht zulassen.

Im Herbst 2010 fanden sich Verantwortliche aus verschiedenen Berliner LUGs zusammen, um über mögliche Lösungen des Problems zu beraten. Zu diesem Zeitpunkt hatten Sven Guckes und Iván Villanueva bereits mit dem Projekt GridCalendar (GriCal, [2]) begonnen und stellten es als Lösungsansatz vor. Die Idee fand begeisterte Aufnahme, virtuelle Server wurden gesponsert.

Daneben wurden als mögliche Lösungen auch WebCalendar, einige CMS und DisCal [3] diskutiert. Letzterer ist eine clevere Idee von Paul Hänsch, ein schlankes Programm zu schreiben, das jeder auf seinem Server installieren und für seine Website anpassen darf. Jede Installation kommuniziert als dezentrale Instanz mit anderen DisCal-Installationen und ermöglicht so einen Abgleich der Veranstaltungsdaten. Fällt eine Instanz aus, belieben alle Termine dennoch verfügbar.

Offene Informationen

Hinter GridCalendar stecken zahlreiche Ideen, die sich alle um den Schwerpunkt offene Informationen und freier Zugang dazu gruppieren. Die Software GridCalendar steht unter der Freien Lizenz AGPL 3, die Daten im Kalender unter einer Creative-Commons-Lizenz. Daher lassen sie sich mit Anderen teilen und insbesondere ohne Genehmigung anderweitig bearbeiten und wiederverwenden. Dank offener Formate gelingen die Umwandlung und der Im- und Export leichter. Um am Kalender teilzuhaben und Veranstaltungen einzutragen, braucht man nicht zwingend eine Registrierung, ähnlich wie bei Wikipedia.

Die Sortierung der Veranstaltungen bei der Ausgabe erfolgt nach dem Datum und insbesondere den Deadlines: Eine Konferenz, bei der die Frist für Beitragsanmeldungen oder den Ticket-Kauf unmittelbar bevorsteht, erscheint ganz vorne in der Liste – egal, an welchem Datum die Veranstaltung dann tatsächlich stattfindet. Somit gehen wichtige Vorab-Termine nicht mehr versehentlich unter (Abbildung 1). GridCalendar versucht, die ganze Breite des Browserfensters auszunutzen, um so viele Veranstaltungen wie möglich neben- und untereinander darzustellen. Künftig sollen sich über Themes aber auch andere Darstellungen realisieren lassen.

Abbildung 1: GriCal sortiert Veranstaltungstermine anhand der immanenten Deadlines, die er zwischen Klammern darstellt.

Um das Auffinden von Veranstaltungsdaten möglichst einfach zu machen, bietet GridCalendar nur ein einziges Suchfeld an, das am oberen rechten Rand der Webseite seinen Platz findet. Eine einfache Suchanfrage umfasst nur eines oder wenige Worte. Meist findet der Benutzer damit bereits die Veranstaltung, die ihn interessiert. Es gibt aber auch weiterführende Optionen: Eine Suche nach #floss gibt alle Veranstaltungen mit der Markierung "floss" aus, eine Suche nach @berlin filtert alle Veranstaltungen mit dem Ort Berlin aus der Datenbank. Solche erweiterten Suchbegriffe lassen sich bei Bedarf auch kombinieren.

Auf der rechten Seite des Suchergebnisses präsentiert GriCal Veranstaltungen, die eine hohe Ähnlichkeit mit den bereits gefundenden Events aufweisen. Eine Suche nach dem Tag #floss beispielsweise zeigt auf der rechten Seite auch Veranstaltungen an, die mit #foss ohne L markiert sind. Das funktioniert automatisch, sofern einige Termine mit beiden Tags eingetragen wurden. Dieses Verfahren hebt nicht nur das bekannte Problem der Synonyme beim Suchen auf (ähnliche Veranstaltungen, aber mit unterschiedlichen Tags versehen), sondern erleichtert auch das Auffinden von Veranstaltungen, die womöglich in einer anderen Sprache getaggt wurden. Sofern es einige Veranstaltungen gibt, die sowohl freie-software als auch free-software als Tags aufweisen, merkt sich GridCalendar beide Begriffe als Synonyme.

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