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Vier Office-Pakete im Vergleich

OpenOffice

Im Gegensatz zu den anderen Büropaketen mutet OpenOffice schon fast als Monster an: Der Klassiker unter den Office-Suiten kann vor Funktionen kaum noch gehen und beansprucht dementsprechend viel Rechenleistung. OpenOffice enthält neben der Textverarbeitung Writer, der Tabellenkalkulation Calc und dem Präsentationsprogramm Impress auch die Datenbank-Komponente Base, das Zeichenprogramm Draw sowie mehrere kleine Helfer, darunter einen komfortablen Formeleditor. In ihm klicken Sie mathematische Gleichungen einfach aus einer Palette zusammen. Sämtliche Anwendungen sind extrem gut aufeinander abgestimmt und integriert. So lassen sich etwa Zeichnungen aus Draw problemlos in ein Textdokument einbetten, bei einem Doppelklick öffnet sich dann automatisch die zuständige Anwendung.

Lange stellte der eingebaute PDF-Export ein Alleinstellungsmerkmal der Suite dar, mittlerweile beherrscht das auch die Konkurrenz. Diese kann dafür keine Dokumente signieren. Wie Abiword besitzen sämtliche OpenOffice-Anwendungen eine Versionsverwaltung, über die Sie schnell zu einem vorherigen Stand zurückkehren. Vorlagen gibt es nur ein paar wenige für das Präsentationsmodul, im Internet findet sich jedoch schnell hochwertiger Nachschub.

Die OpenOffice-Programme besitzen zudem einen Makrorekorder und führen Skripte in Python, Javascript und dem eigenen OpenOffice-Basic-Dialekt aus. Die deutsche Online-Hilfe fällt umfassend aus, ist allerdingsetwas chaotisch aufgebaut. Ergänzend meldet sich in bestimmten Situationen ein kleiner Assistent. Ältere MS-Office-Nutzer erinnert er an den berühmten "Karl Klammer", der OpenOffice-Kollege agiert allerdings nicht gar so penetrant.

Writer versucht bereits bei den ersten Tastenanschlägen das entstehende Wort zu erraten und unterbreitet entsprechende Vorschläge (Abbildung 11). Bei gedrückter [Strg]-Taste markiert die Textverarbeitung voneinander unabhängige Textstellen. Im Gegensatz zur Konkurrenz erstellt Writer beliebige Verzeichnisse, also auch solche der Tabellen und Objekte. Ansehnliche Serienbriefe generieren Sie Ruck-Zuck über einen Assistenten, drei weitere erstellen Briefumschläge, Etiketten und sogar Visitenkarten.

Abbildung 11: Hier wurden die Buchstaben Mon eingetippt, woraufhin OpenOffice Writer das Wort Montag vorschlägt. [Eingabe] spart jetzt drei Tastendrücke.

Ein Navigator getauftes Fenster listet alle wichtigen Elemente des Dokuments auf. So behalten Sie gerade bei langen Texten den Überblick über alle Kapitel, Abbildungen und Tabellen und springen ohne lästiges Scrollen direkt an die gewünschte Stelle. Einzelne Dokumente führt Writer mit Hilfe eines sogenannten Globaldokuments zusammen. Die Textverarbeitung kopiert dabei nicht etwa einfach den Text, sondern legt intelligente Verknüpfungen an. Änderungen in einer der eingebundenen Dateien erscheinen somit immer auch im Globaldokument.

Neben den üblichen Zeichen- und Absatzvorlagen kennt Writer noch Seiten-, Rahmen-, und Listenvorlagen, die allesamt ein kleines, aber komfortabel zu bedienendes Fenster auflistet. Für Pixelbilder stehen rudimentäre Nachbearbeitungsfunktionen zur Verfügung, die aber über das Angebot der Konkurrenz hinausgehen. So können Sie nicht nur an Helligkeit und Kontrast drehen, sondern auch einen Mosaikeffekt anwenden oder das Bild schärfen.

Die Tabellenkalkulation Calc besitzt nicht nur den obligatorischen Formelassistenten, sondern blendet auf Wunsch am rechten Rand eine Liste mit allen Funktionen ein, aus der Sie dann schnell das Passende herauspicken (Abbildung 12). Ähnlich wie in Planmaker zeigt eine Detektiv genannte Funktion, aus welchen Zellen sich einzelne Formeln zusammensetzen. Das hilft insbesondere bei der Fehlersuche.

Abbildung 12: OpenOffice Calc blendet auf der rechten Seite eine Liste mit den vorhandenen Funktionen ein.

Die Präsentationsanwendung Impress begrüßt Sie mit einem Assistenten, der nach wenigen Mausklicks eine grundlegende Präsentation zusammenbastelt. Die verschiedenen Folien- und Gliederungsansichten erreichen Sie schnell über Registerlaschen. Überhaupt wirkt Impress für ein Präsentationsprogramm erstaunlich aufgeräumt: Der linke Fensterrand listet die vorhandenen Folien auf, der Aufgabenbereich auf der rechten Seite präsentiert nur die Elemente und Funktionen, die Sie gerade benötigen (Abbildung 13).

Abbildung 13: Im Gegensatz zu anderen Präsentationsprogrammen wirkt OpenOffice Impress noch extrem aufgeräumt.

Die Vorlagen reißen zwar Vortragsprofis nicht vom Hocker, fallen aber seriöser aus als die aus Softmaker Presentations. Auf Wunsch erstellt Impress sogar maßgeschneiderte Handzettel für das Publikum. Um ein Gefühl für die Vortragsdauer zu erhalten, kann das Präsentationsprogramm die benötigte Zeit stoppen. Zudem kommt es mit mehreren Bildschirmen zurecht und verwandelt auf Wunsch wie Softmaker Presentations den Mauszeiger während der Präsentation in einen Stift verwandeln.

Hereinspaziert

Jedes einzelne Office-Programm nutzt eigene Dateiformat, lediglich KOffice ist mittlerweile auf das maßgeblich von OpenOffice eingeführte und mittlerweile von der ISO standardisierte Open-Document-Format umgestiegen. Aus der Windows-Welt kommen noch die weit verbreiteten Formate von MS-Office, die derzeit sogar in zwei Geschmacksrichtungen vorliegen: Einmal die alten Format DOC, XLS und PPT, zum anderen Office OpenXML mit den Endungen .docx, .xlsx und .pptx. Moderne Office-Anwendungen sollten zumindest diese Formate öffnen können – doch schon das geht fast immer schief (Abbildung 14 bis 16).

Abbildung 14: Von der importierten Broschüre bleibt in KWord nicht viel übrig.

Abbildung 15: Die importierte Broschüre in Textmaker …

Abbildung 16: … und in OpenOffice Writer.

So fehlten in Abiword sämtliche Bilder, Textfarben verrutschten und Initialen standen außerhalb des Textes. Der Import der Microsoft-Word-Vorlage Broschüre endete mit zwei leeren Seiten und einem kleinen Bildrahmen. KOffice 2.2 bekam durch den Sponsor Nokia runderneuerte Importfilter spendiert. Davon merkt man allerdings nicht besonders viel: Zeilenumbrüche werden ignoriert, das automatisch generierte Inhaltsverzeichnis zerhackt, Tabulatoren gehen komplett verloren und der Spaltensatz wird unterschlagen. Da tröstet es wenig, dass KWord Initialen übernimmt und die Absätze korrekt einrückt: Die Broschüre besteht nach dem Import aus einem wüsten Potpourri mehrerer leerer Grafikrahmen.

Wesentlich besser schlagen sich Textmaker und Write. Sie importierten sämtliche Dokumente weitgehend korrekt, einschließlich der grafisch opulenten Broschüre. Dennoch stolpert man auch hier immer mal wieder über kleine Fehler. Bei Textmaker ragen beispielsweise gerne Tabellen über den Seitenrand hinaus, OpenOffice verwirft den Spaltensatz und stürzte bei einem Angebotsschreiben sogar reproduzierbar ab. Dafür blieb das dynamisch generierte Inhaltsverzeichnis als solches erhalten. Beim Import von OpenOffice-Dokumenten hatte Textmaker im Test klar die Nase vorn: Abiword verweigerte unser Testdokument mit einer Fehlermeldung, KWord verlor Kästen und Tabellen.

Bei Excel-Dokumenten sieht es durchweg etwas besser aus. Alle Kandidaten übernahmen die Formeln, sofern die verwendete Funktion in ihrem eigenen Bestand zu finden war. Auch die Formatierungen bleiben weitgehend erhalten, nur Planmaker erwies sich hier als vergesslich. Diagramme verwandelten sich hin und wieder in unansehnlichen Kurvenbrei, KSpread tauschte sogar den Diagrammtyp aus. In Planmaker führen Dokumente im XLSX-Format reproduzierbar zu einer leeren, weißen Tabelle. OpenOffice Calc behält deshalb hier die Nase vorn.

Softmaker Presentations verdaut ausschließlich die alten PPT-Dateien, bei denen einige Elemente kommentarlos unter den Tisch fallen, darunter beispielsweise ein dynamisches Datumsfeld. Genau dieses ersetzt KPresenter durch die aktuelle Uhrzeit, Folienübergänge verwirft das Programm komplett. Die Texte wurden immerhin übernommen, wenngleich bereits etwas komplexere Layouts zerrupft aussahen. Die beste Figur macht erneut OpenOffice – allerdings nur beim alten PPT-Format. PPTX-Präsentationen waren nach dem Import nicht mehr zu gebrauchen.

Unter dem Strich kann man sich derzeit niemals sicher sein, dass ein importiertes Dokumenten wirklich noch alle Elemente und Texte enthält. Visual-Basic-Makros aus MS-Office ignorieren übrigens alle Pakete, OpenOffice kommentiert sie immerhin aus. Ein generelles Problem stellen fehlende Schriftarten dar: Findet ein Office-Programm eine im importierten Dokument verwendete Schriftart nicht, muss es sie zwangsweise gegen eine ähnliche ersetzen. Deren Maße stimmen jedoch nur selten mit dem Original überein, wodurch sich wiederum der komplette Textsatz verändert.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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