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© Dmitry Kutlayev, 123rf.com

Bahn frei

Accessibility für PDF-Dokumente

19.07.2010 Barrierefreie PDF-Dokumente lassen sich nicht auf Knopfdruck erzeugen. Um die Zugänglichkeit für die Benutzer sicherzustellen, gilt es die erstellten PDFs genau zu prüfen und noch verbleibende Hindernisse manuell zu beseitigen.

Serie Postscript/PDF-Tools

Teil 1 Anzeigen und Konvertieren LU 08/2009, S. 78 http://www.linux-community.de/artikel/19014
Teil 2 Zerlegen und Zusammensetzen LU 09/2009, S. 82 http://www.linux-community.de/artikel/17410
Teil 3 Mehrfachdruck und Poster LU 10/2009, S. 88 http://www.linux-community.de/artikel/19376
Teil 4 Flyer, Booklets und Bücher LU 11/2009, S. 88 http://www.linux-community.de/artikel/19481
Teil 5 Analysieren und Extrahieren LU 12/2009, S. 88 http://www.linux-community.de/artikel/19635
Teil 6 Drehen und Skalieren LU 01/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/20046
Teil 7 Metadaten bearbeiten LU 02/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/20357
Teil 8 Wasserzeichen und Barcodes LU 03/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/20558
Teil 9 Werkzeuge für die GUI LU 05/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/20051
Teil 10 Barrierefreie PDFs erzeugen LU 07/2010, S. 86 http://www.linux-community.de/artikel/20506
Teil 11 Barrierefreie PDFs optimieren LU 08/2010, S. 90 http://www.linux-community.de/artikel/21349

Menschen mit Behinderungen können viele PDF-Dokumente nicht oder nur teilweise lesen. Dabei lassen sich mit nur wenig Aufwand für jedermann zugängliche PDFs erstellen. Der erste Teil dieses Beitrags in der letzten Ausgabe zeigte, mit welchen Hürden unbedacht erstellte PDFs Menschen mit Behinderungen das Leben schwer machen und mit welchen Werkzeugen sich barrierefreie PDFs erstellen lassen.

Das korrekte Erzeugen eines weitgehend barrierefreien PDFs stellt aber erst die halbe Miete dar: Nun gilt es die Qualität des Dokuments zu prüfen und gegebenenfalls nachzubessern. In diesem Teil des Workshops stellen wir die dazu nötigen Werkzeuge und Verfahrensweisen vor. Außerdem untersuchen wir, wie gut die verschiedenen Lesewerkzeuge mit unserem Erzeugnis zurecht kommen und wo sie Schwachstellen aufweisen.

Barrierefreiheit prüfen

Um sicherzustellen, dass ein PDF-Dokument wirklich barrierefrei ist, gilt es zwei Merkmal sicherzustellen: zum einen die Standardkonformität nach PDF/A-1a und zum zweiten die allgemeine Zugänglichkeit. Letzteres mag paradox erscheinen, sollte doch eigentlich ein Dokument nach PDF/A-1a schon barrierefrei sein – doch wie Sie noch sehen werden, ist das leider nicht zwingend der Fall.

Die formale Prüfung allein reicht jedoch noch nicht aus, um die Barrierefreiheit eines Dokuments zu gewährleisten. Der Prüfschritt 11.1.1 des BITV-Tests [1] verlangt eine genaue Untersuchung, wobei die Fragen über technisch prüfbare Methoden hinausgehen. Der Test hinterfragt bereits die Intention, ein PDF-Dokument überhaupt online zu stellen: PDF sollen nur zum Einsatz kommen, wenn "das Format für die Erfüllung der angestrebten Aufgabe gebraucht wird, die gewünschte Eigenschaft also nicht per HTML zur Verfügung gestellt werden kann. PDFs müssen barrierefrei sein oder es muss eine HTML-Alternative zur Verfügung gestellt werden".

Da der aktuelle BITV-Test noch auf WCAG 1.0 basiert und erst die Neufassung WCAG 2.0 [2] gehörlose Menschen berücksichtigt, müsste man den Satz eigentlich um die Formulierung "… oder es muss ein Gebärdensprachvideo zur Verfügung gestellt werden" ergänzen. Schritt 11.1.1 des BITV-Test schreibt für PDF-Dokumente die folgenden Prüfungen vor:

  • Information über die Barrierefreiheit von angebotenen PDFs,
  • PDF-Dokumente für die Prüfung auswählen,
  • PDF-Dokument oder HTML-Alternative prüfen,
  • Prüfung der (generierten) HTML-Alternative,
  • Prüfung der direkten Zugänglichkeit des PDFs.

Der letzte Punkt, das Prüfen der direkten Zugänglichkeit des PDFs, umfasst wiederum eine ganze Reihe von Unterschritten. Hier gilt es unter anderem zu prüfen:

  • formale Mängel,
  • Tagging,
  • Reihenfolge der Tag-Struktur,
  • Schriftvergrösserung (Umfließen-Modus),
  • Alternativtexte,
  • Tabellen,
  • Lesezeichen,
  • Strukturierung, sowie
  • die Hauptsprache.

Die Barrierefreiheit beginnt bereits bei der Planung und setzt sich über die logische sowie sprachliche Struktur bis hin zur technischen Umsetzung fort. Zur Prüfen und Korrigieren von PDF/A-1a-Dokumenten existiert bislang noch kaum freie Software. Daher kommt man hier nicht umhin, neben freier auch proprietäre Software einzusetzen: Bis auf eines handelt es sich bei allen im Folgenden genannten Programmen umd kostenpflichtige Software.

Zum Vergleich exportierten wir unser Testdokument zum einen in ein einfach getaggtes PDF-Dokument und zum anderen in eine Datei im Format PDF/A-1a. Beide untersuchten wir dann mithilfe der verfügbaren Prüfwerkzeuge.

Werkzeugkasten

Neben dem oben bereits erwähnten Angebot seitens des BITV [1] bietet der Hersteller Intarsys eine kostenfreie Prüfung für PDF/A-Dokumente an [3]. Diese meldete uns in der einfach getaggten Version fünf Fehler und zehn Warnungen (Abbildung 1). In der PDF/A-1a-Datei entdeckte das Werkzeug zwei Fehler und neun mögliche Schwachstellen (Abbildung 2).

Abbildung 1: Das Prüfergebniss des Intarsys-Werkzeugs für unser lediglich getaggtes PDF …

Abbildung 2: … und die entsprechende Ausgabe für das PDF/A-1a-Dokument.

In der Voreinstellung erkennt Adobe Acrobat PDF/A-Dokumente und stellt sie automatisch im PDF/A-Modus dar. Die Konformität prüfen Sie unter dem Karteireiter Standards. Ein Klick auf Konformität prüfen führt zu einem positiven Ergebnis (Status Überprüfung erfolgreich), der Acrobat erkennt unsere Datei als PDF/A-1a-Dokument.

PDFTron Systems bietet als Produkt den PDFA-Manager an, den Sie auch als Testversion für Linux kostenlos von deren Webseite beziehen können [4]. Die entsprechende Binärdatei läuft problemlos unter einem aktuellen Debian oder Ubuntu. Sie prüfen ein damit ein PDF mit dem Kommando:

$ pdfa -l A Datei
.pdf

Die Option -l A legt fest, dass der PDFA-Manager die Datei auf ihre Konformität zum PDF/A-1a-Standard prüft. Geben Sie stattdessen -l B an, untersucht er das PDF auf die Übereinstimmung zu PDF/A-1b. Die beiliegende Dokumentation beschreibt alle Optionen ausführlich.

Bei unseren Testdokumenten beandstandet der PDFA-Manager die PDF/A-1a-Version nicht, findet bei der einfach getaggten Datei jedoch drei Fehler. Das Ergebnis der Analyse stellt das Tool in Form einer XML-Datei mit passendem XSL-Stylesheet bereit, sodass sich der Report in einem Webbrowser begutachten lässt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ergebnis der Prüfung eines getaggten PDF-Dokuments mithilfe des PDFA-Managers.

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LinuxUser 06/2012

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