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Plasmische Chirurgie

Plasma und die Plasmoiden

01.09.2008 KDE 4 definiert den Desktop um. Was aber steckt hinter Plasma und was sind Plasmoiden? KDE-Entwickler Sebastian Kügler erklärt das neue Desktop-Design.

Mini-Serie: KDE 4 in der Praxis

Einführung

Was ist Plasma?

S. 82

Teil 1 KDE 4 Trunk aufsetzen S. 86
Teil 2 Plasmoiden entwickeln LU 10/2008
Ausblick KDE 4: Woher, wohin? LU 10/2008

Um Plasmoiden zu erleben, schauen Sie sich am besten den Desktop des neuen KDE 4.1 an: Plasma ersetzt die vom KDE-3-Desktop bekannten Komponenten Kdesktop, Superkaramba und die über [Alt]+[F2] erreichbare Mini-Kommandozeile (Abbildung 1). Plasma erschien in KDE 4.0 als neue Technologie, in KDE 4.1 haben die Entwickler zahlreiche Kinderkrankheiten beseitigt und den Funktionsumfang von KDE 3 fast wiederhergestellt.

Abbildung 1: In KDE 4 besteht der gesamte Desktop aus Plasmoiden. Hier sehen Sie die neue Mini-Kommandozeile, über die Sie via [Alt]+ [F2] Programme aufrufen.

Insgesamt übernimmt Plasma in KDE 4 die Kontrolle über sämtliche Komponenten des Desktops. Dazu gehören etwa die funktionsreiche Fußleiste, über die Sie zwischen Programmen wechseln, aber auch der Desktop selbst. Auf dem legen viele Anwender traditionell Dateien ab. Das genügte den KDE-Entwicklern nicht mehr, und sie fingen an, den Desktop um zusätzliche Funktionen zu erweitern.

Widgets, Applets und Containments

Kleine Widgets sind in Plasma allgegenwärtig. Der Desktop setzt sich fast ausschließlich aus Widgets und Containments zusammen. Letztere beherbergen mehrere Plasma-Widgets zugleich, sorgen für deren Positionierung und bringen die zugehörigen Konfigurationsdaten mit. Auch bei der Fußleiste selbst handelt es sich lediglich um einen Container, in dem sich unter anderem das Kickoff-Menü, der Fensterwechsler, der Systembereich und die Uhr tummeln. Daneben gibt es noch Coronas, die wiederum mehrere Containments versammeln. Das können dann Desktop-Containments sein, aber auch Panels (wie die Startleiste) und Kombinationen aus beidem.

Die Plasma-Widgets von KDE nennen die Entwickler Plasmoiden. Sie bestehen aus der Grafik (oftmals im skalierbaren Vektorformat SVG), der Logik (Applet), den Metadaten sowie einer Konfigurationsdatei. Zusätzlich beziehen Plasmoiden die verwertbaren Daten häufig aus den so genannten Data-Engines.

Über [Strg]+[A] starten Sie den Appletbrowser (Abbildung 2) und setzen dann per Drag & Drop neue Plasmoiden auf den Desktop oder fügen sie dem Panel hinzu. Mit der Tastenkombination [Strg]+[F12] bringen Sie – wie bei der bekannten Dashboard-Funktion von Mac OS – alle Plasmoiden vom Desktop-Containment in den Vordergrund.

Abbildung 2: Über den Appletbrowser verteilen Sie die Plasmoiden gleichmäßig über den KDE-Desktop oder verschieben sie in die Fußleiste.

Notizzettel, Uhren und Webdienste

Als Widgets übernehmen die Plasmoiden verschiedene Funktionen innerhalb der Arbeitsumgebung (Abbildung 3). Sie dienen als Kickoff-Menü in KDE 4.0, stellen verschiedene Uhren dar – wie die Digitaluhr im Panel – und kommen als Batteriemonitor oder Pager zum Einsatz. Exotischere Plasmoiden widmen sich eher dem Desktop: Das Notizzettel-Plasmoid klebt gelbe Zettelchen auf den Desktop, das News-Plasmoid präsentiert diverse RSS-Feeds. Mit dem Folderview-Plasmoid lassen sich frei wählbare Verzeichnisse auf dem Desktop platzieren – über das KIO-System sogar Ressourcen aus dem Netzwerk.

Abbildung 3: Auf dem Desktop dienen Plasmoiden als kleiner Helferlein und bewältigen zahlreiche nützliche Aufgaben.

Das KDE-4-Modul kdebase, das den Standarddesktop mitbringt, kennt nur die wichtigsten Plasmoiden für den Desktopbetrieb. Um die Widget-Bevölkerung zu vermehren, installieren Sie am besten das Modul kdeplasma-addons.

Plasmoiden lassen sich wahlweise auf dem Desktop oder dem Panel platzieren. Sie besitzen zudem von Hause aus die Fähigkeit, die Größe zu ändern und lassen sich nach Belieben drehen und positionieren – letzteres hängt vom Containment ab.

Um diese Fähigkeiten zu nutzen, entriegeln Sie den Desktop zunächst. Dann erscheint ein Rahmen um sämtliche Plasmoiden. Er enthält die Knöpfe, über die Sie die Desktop-Bewohner bewegen, drehen und in der Größe verändern. Einige komplexere Exemplare bringen zudem einen Konfigurationsdialog mit, den Sie über einen Klick auf das Werkzeug-Icon öffnen. Plasma, die Umgebung in der die Plasmoiden "leben", speichert automatisch die jeweilige Größe und Position – darum muss sich die Logik der Plasmoiden also nicht auch noch kümmern.

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LinuxUser 06/2012

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