Zwischen Motiv und Foto steht das Objektiv: Nicht selten kommen zehn oder mehr Linsen zum Einsatz, um eine möglichst naturgetreue Abbildung einzufangen. Jede dieser Linsen stellt aber eine potentielle Fehlerquelle dar, die sich in vielfacher Hinsicht auf die Qualität des Bildes auswirkt. Zu den resultierenden Fehler zählen Ausbuchtungen, eine unregelmäßige Helligkeitsverteilung und Farbränder an Kanten.
In Digitalkameras kommen als weitere fehlerträchtige Komponenten der CCD-Sensor (siehe Kasten "CCD: Eine kleine Exkursion") und der Bildprozessor hinzu. Die CCDs zeichnen beispielsweise für das Auftreten von Hotpixeln verantwortlich, der Prozessor optimiert die Aufnahmen und wandelt sie in das gewählte Ausgabeformat um. Dabei geht nicht immer alles glatt, was zu Fehlern wie flauen Kontrasten, unscharfen Kanten oder unnatürliche Farben führt.
Einer der größten Vorzüge der Digitalfotografie besteht darin, dass sich das Fotomaterial ohne großen Aufwand am PC nachbearbeiten lässt. Als wahrer Allrounder erweist sich in dieser Disziplin Gimp 2.4 [1], dessen Möglichkeiten dieser Workshop vorstellt.
CCD: Eine kleine Exkursion
Das Kürzel CCD steht für "Charge Coupled Device", die fotosensorische Schicht in Digitalkameras, die analog zum herkömmlichen Kleinbildfilm die Bildinformationen erfasst. Sie besteht aus in einer Matrix angeordneten Fotodioden. Je mehr solcher Dioden sich auf dem Sensor befinden, desto höher die Auflösung. Allerdings nimmt wegen der Verkleinerung der Dioden auch deren Lichtempfindlichkeit ab. Gerade bei Kompaktkameras, deren CCDs meist nicht größer als der kleine Fingernagel sind, verschlechtert sich dadurch das Rauschverhalten dramatisch. Selbst in so genannten Bridge-Kameras (Bindeglied zwischen Kompakt- und Spiegelreflex-Kamera) verbauen die Hersteller aus Kostengründen Minisensoren mit einer Kantenlänge von 4,29 mal 5,76 Millimetern (1/2,5 Zoll), weswegen dieser Kameratyp deutlich stärker vom Bildrauschen betroffen ist als Spiegelreflex-Modelle mit einer durchschnittlichen Sensorgröße von 15,7 mal 23,7 Millimetern (1,8 Zoll).
Weißabgleich
Die meisten Digitalkameras beherrschen zumindest einen automatischen Weißabgleich. Die besseren Modelle ermöglichen es, diesen auf die aktuelle Lichtsituation (zum Beispiel Dämmerung, Sonnenschein, Wolken etc.) anzupassen. Hochpreisige Modelle erlauben auch den manuellen Abgleich der Farbtemperatur, um die unterschiedliche Färbungen verschiedener Lichtsituationen (Tageslicht, Kunstlicht, Glühbirnen: Abbildung 1) auszugleichen.
Weiße Flächen erscheinen auf dem Foto je nach Lichtsituation anders, als sie das menschliche Auge wahrnimmt. Ein fehlerhafter oder falsch eingestellter Weißabgleich führt zu Farbstichen im Bild: Es erscheint dann – abhängig von der Lichtsituation – mit einer Rot- oder Blautönung. Einer der ersten Korrekturschritte an digitalen Fotos besteht üblicherweise darin, diese Farbfehler zu beseitigen; erst danach erfolgen eventuell notwendige Zusatzkorrekturen, wie das Anpassungen von Belichtung, Helligkeit, Kontrast oder Schärfe.
Gimp bietet zwei Möglichkeiten, einen Farbstich nachträglich zu korrigieren. Die erste eignet sich für Fotos, deren weiße oder schwarze Flächen eher grau erscheinen. Öffnen Sie das zu bearbeitende Bild und wählen Sie im Bildmenü Ebene | Farben | Automatisch | Weißabgleich aus. Dieser relativ kurze Bearbeitungsschritt bewirkt eine farbliche Verbesserung und hellt das Foto zusätzlich auf.
Die zweite Möglichkeit eignet sich für Aufnahmen mit Rot- oder Blaustich. Hierfür rufen Sie das Dialogfenster Ebene | Farben | Farbabgleich auf. Wenn Sie nicht nur die dunklen (Schatten) oder hellen (Glanzlichter) Bildstellen bearbeiten möchten, wählen Sie bei den zu bearbeitenden Bereichen zusätzlich die Option Mitten aus. Entspricht die aktuelle Helligkeit Ihren Vorstellungen, lassen Sie die standardmäßig angeschaltete Option Helligkeit erhalten aktiviert. Andernfalls dunkelt Gimp die Farben beim Verschieben der Regler nach links ab und hellt sie nach rechts auf.
Bei Fotos mit Rotstich (Farbverschiebung nach Rot) verringern Sie den Rotanteil. Alternativ erhöhen Sie den Blauanteil oder schwächen die benachbarten Farben Magenta und Gelb ab. Fotos mit Blaustich korrigieren Sie, indem Sie entweder den Anteil der Farbe Gelb erhöhen, oder Magenta und Cyan reduzieren. Die aktivierte Vorschau hilft Ihnen beim Überwachen des Ergebnisses. Die Schaltfläche Zurücksetzen setzt die Farbanteile wieder auf die Ausgangswerte zurück.
Verzerrungen und Vignettierung
Durch objektivbedingte Abbildungsfehler entstehen auf dem Foto tonnen- oder kissenförmige Verzerrungen (Abbildung 2). Bei der tonnenförmigen Wölbung biegen sich gerade Linien nach außen. So etwas tritt vorwiegend bei qualitativ minderwertigen Weitwinkelobjektiven oder extrem kurzen Brennweiten (Fish-Eye-Objektive) auf. Kissenverzerrung entstehen in erster Linie beim Einsatz von Teleobjektiven. Bei diesem Effekt verformen sich gerade Linien nach innen.
Bei der Vignettierung bleibt der Mittelbereich des Fotos hell und scharf, zum Rand dunkelt das Bild ab und wird zunehmend unschärfer. Dieser Abbildungsfehler tritt vor allem beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven auf. Sie korrigieren diesen Effekt in Gimp mit dem Filter Filter | Verzerren | Objektivfehler... (Abbildung 3). Verzerrungen entfernen Sie, indem Sie mit den Reglern für Bild und Kanten arbeiten. Damit Sie das Bild nach der Korrektur von Verzerrungen nicht neu zuschneiden müssen, passen Sie die Bildansicht mittels des Reglers Vergrößerung an den ursprünglichen Maßstab an. Die aktivierte Vorschau erleichtert Ihnen die Arbeit am Foto.
Im selben Dialog überarbeiten Sie auch die Vignettierungen im Foto. Zusätzlich zu den eben genannten Einstellungsmöglichkeiten arbeiten Sie hier noch mit dem Regler Vignettierung. Um die Helligkeit der Linsenkrümmung zu verringern, bewegen Sie den Regler nach links, zum Abdunkeln nach rechts. Eine sichtbare Verbesserung tritt jedoch nur ein, wenn Sie zuvor bei Bild oder Kanten eine Anpassung vorgenommen haben.



