Mit dem Musikfernsehen kamen die Video-Jockeys (VJs). Sie jonglierten statt mit alten Schallplatten mit bunten Bildern auf der Mattscheibe. Heute verwandelt ein handelsüblicher PC nebst passendem Effektprogramm auch Sie in einen VJ. Sie brauchen lediglich ein paar Videoschnipsel als Ausgangsmaterial und das kostenlose Effektprogramm Veejay [1] (Abbildung 1). Mit dem spielen Sie – so werben wenigstens die Entwickler – Videos auf der Tastatur wie Töne auf einem Klavier.
Das Chamäleon
Bevor Sie in die Fußstapfen des berühmten Videokünstler Nam June Paik treten, steht die etwas widerborstige Installation auf dem Plan. Zwar finden Sie den Veejay-Quellcode auf der Heft-CD, dessen Abhängigkeiten treiben Sie jedoch schnell zur Verzweiflung. Suse-Nutzer sollten die fertigen RPM-Pakete von Packman nutzen. Um die einzubinden, rufen Sie YaST auf, wählen Software | Installationsquelle wechseln und geben über Hinzufügen | FTP Packman als Paketquelle an. Neben Servername schreiben Sie packman.iu-bremen.de, neben Verzeichnis auf dem Server gehört suse/10.2, wobei Sie 10.2 durch Ihre jeweilige Suse-Version ersetzen. Anschließend installieren Sie veejay und auch die Veejay-GUI veejay-reloaded wie gewohnt. Unter OpenSuse 10.2 und 10.1 mäkelt YaST eventuell über eine fehlende Abhängigkeiten. Installieren Sie daher zuvor das Paket unicap und legen Sie – mit Root-Rechten – einen neuen Link:
ln -s /usr/lib/libunicap.so.2.0.0 /usr/lib/libunicap.so.0
Auf diese Weise können Sie die Unicap-Abhängigkeit ignorieren.
Quellen lassen
Ubuntu- und Debian-Anwendern – aber auch Nutzern anderer Distributionen – bleibt oft nur der Weg über die Quellcodepakete. Um aus diesen eine Anwendung zu formen, benötigen Sie mindestens 200 MByte freien Plattenplatz und installieren die folgenden Hilfsprogramme und Bibliotheken aus dem Kasten "Abhängigkeiten" über YaST, Synaptic oder Adept.
Abhängigkeiten
- Libxml2
- Libsdl
- Libdv
- Libraw1394
- DirectFB
- Jack (taucht etwa unter Ubuntu auch als
libjackauf) - Freetype2
- Gtk (mindestens in der Version 2.4)
- Cairo
- Automake, Autoconf, Autogen und Libtool (bei Ubuntu auch das Paket
build-essentials) - Libglade
- Libquicktime
- Transcode
- Linux-Kernel-Header (unter OpenSuse im Paket
linux-kernel-header, bei Ubuntu inlinux-header) - Libxv
- CVS
Optional ergänzen Sie noch:
- LibjpegMMX
- GdkPixbuf (als Teil von Gnome)
- OpenGL-Library
- Mjpegtools
Diese Programme und Bibliotheken sollte Ihre Distribution als Pakete anbieten, es genügt also ein Griff zum Paketmanager. Vergessen Sie nicht, auch jeweils die Entwicklerpakete zu installieren, die in der Regel ein -devel oder -dev im Namen tragen.
Um Version 1.0 von Veejay zu nutzen, brauchen Anwender, die Ubuntu Feisty Fawn einsetzen, die neueste Ffmpeg-Version aus einem externen Repository. Zuvor deinstallieren Sie unbedingt folgende Pakete: libavcodec0d, libavformat0d, libpostprod0d und ffmpeg sowie alle dazugehörigen Entwicklerpakete. Dann tragen Sie die Paketquelle als deb http://ubuntu.tonio.homelinux.org/ feisty main in die Datei /etc/apt/sources.list ein, aktualisieren die Paketliste und installieren ffmpeg sowie libswscale-dev, libavcodec-dev, libpostproc-dev und libavformat-dev. Andernfalls lässt sich der Quellcode von Veejay nicht übersetzen. Haben Sie die neueren Versionen von Ffmpeg und Co. eingespielt, lassen sich auch ältere Versionen ohne Probleme installieren. Nicht zuletzt brauchen Sie für die Installation von Veejay die Pakete unicap und gtkcairo. Die Quellcode-Archive für beide Tools finden Sie auf der Heft-CD.
Für Ubuntu und Debian gibt es auf der Unicap-Webseite [2] passende Binärpakete. Übersetzen Sie selbst, kopieren Sie zunächst den Tarball in einen Ordner Ihrer Wahl, entpacken ihn und wechseln in das dabei entstehende Unterverzeichnis. Dort kompilieren Sie den Code via ./configure && make sowie make install – den letzten Befehl geben Sie mit Root-Rechten ein.
Um Gtkcairo zu übersetzen, legen Sie zunächst ein Verzeichnis gtkcairo an und verschieben das Archiv von der Heft-CD dort hinein. Entpacken Sie es und folgen Sie diesen Schritten:
sh autogen.sh ./configure && make sudo make install
Last but not least tragen Sie in die Datei ~/.bashrc das Kommando export PKG_CONFIG_PATH=/usr/lib/pkgconfig ein, damit die Konfiguration der Veejay-Quellen klappt.
Nach so viel schweißtreibender Vorarbeit kommt nun Veejay an die Reihe. Entpacken Sie das Archiv von der Heft-CD und rufen Sie im Terminalfenster ./configure && make und – wieder als root – make install auf.



