Sprachrohr
Fünf VoIP-Clients für Linux im Vergleich
Linphone
Linphone liegt in der Version 1.7.1 mit einer nur teilweise lokalisierten Oberfläche vor. Abbildung 7 zeigt das Programm nach dem ersten Start. Die Software macht keine allzu verlässlichen Eindruck, da sie zahlreiche kleine und mindestens einen größeren Fehler aufweist. So erscheint zum Beispiel beim Aufruf des Einstellungsdialogs im Terminal die Nachricht WARNING: Invalid source! not yet implemented, die Schaltfläche Schließen im Infodialog bleibt ohne Wirkung.
Der Eintrag eines neuen Registrars setzt voraus, dass Sie das Eingabefeld für den Proxy ausfüllen. Einen Hinweis auf diesen Umstand bleibt die Software jedoch schuldig. Der Klick auf die Schaltfläche OK entfernt zwar das Formular vom Bildschirm, der neue Eintrag erscheint jedoch nicht in der Liste der erfassten Registrare.
Fallen diese Probleme lediglich lästig, so verhinderte ein anderer Fehler weitere Tests: Stellen Sie in Linphone einen STUN-Server ein, dann fragt das Programm diesen beim Verbindungsaufbau ab. Für den ausgehenden Anruf verwendet es aber trotzdem die Adresse des privaten Netzes, wie eine Analyse des Netzwerkverkehrs mittels Tcpdump [13] und Wireshark [14] zeigte.
Träten diese Fehler nicht auf, wäre das Programm durchaus in Sachen Funktionalität mit Ekiga (dem einzigen anderen Programm mit Video-Support im Test) auf gleicher Höhe. Pluspunkte sammelt die Software unter anderem, weil sie als einziges Softphone im Test eine Terminalversion mitbringt, die Sie über linphonec in einer Konsole aufrufen.
Twinkle
Twinkle startet, wie die meisten Kandidaten im Testfeld, beim ersten Start einen Assistenten, hier "Wizard" genannt (Abbildungen 8 und 9). Diese Hilfe ist bei Twinkle wesentlich wichtiger als bei Ekiga, da Twinkle zahlreiche Einstellungen kennt, die aber es immerhin deutlich übersichtlicher gruppiert als KPhoneSI.
Eine Besonderheit von Twinkle liegt in den kontenspezifischen Parametern. Während andere SIP-Clients nur die nötigsten Daten für einen Registrar abfragen, bietet Twinkle wesentlich mehr Einstellungen. Dieser Aufbau der Benutzerschnittstelle bedeutet aber auch Mehrarbeit für Sie, da Sie für jedes Benutzerprofil Daten eingeben müssen, die normalerweise ohnehin identisch sind.
Abbildung 10 zeigt ein typisches Beispiel, denn es ist nur ein STUN-Server nötig, um die öffentliche IP-Adresse zu ermitteln. Andererseits ermöglicht dieses Vorgehen Anwendern, die die technischen Hintergründe nicht kennen, einfach den vom jeweiligen Provider angegebenen STUN-Server einzusetzen.
Wegen der zahlreichen Einstellungen geht beim Konfigurieren unter Umständen durchaus mal etwas schief. Wer nicht für alle Einstellungen sinnvolle Werte kennt, der wäre sicher über eine hilfreiche Schaltfläche Auf Standardwerte zurücksetzen dankbar. Unglücklicherweise existiert auch keine Möglichkeit, den Wizard nachträglich noch einmal aufzurufen.
Twinkle besitzt bisher keine Videoübertragung und keine Chatfunktion, eignet sich aber umso besser für reine Telefongespräche. Von den besprochenen SIP-Clients erlaubt es als einziges zwei Sprachkanäle und damit Makeln und Dreierkonferenzen. Eine weitere Besonderheit von Twinkle liegt in der Integration mit der Kontaktverwaltung KAddressbook. Obwohl das Programm durch die vielen Optionen auf den ersten Blick überladen wirkt, macht es bei längerem Einsatz einen professionellen Eindruck.



