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Sprachrohr

Fünf VoIP-Clients für Linux im Vergleich

01.07.2007 Die Wahl des richtigen VoIP-Clients fällt oft nicht leicht. Dieser Artikel trennt die Spreu vom Weizen und erspart Ihnen Ärger mit Inkompatibilitäten.

Haben Sie den VoIP-Grundlagenartikel in diesem Schwerpunkt schon gelesen, dann kennen Sie bereits den VoIP-Client Ekiga. Neben dem mit Gnome gelieferten Telefonieprogramm buhlen diverse andere Softphones um die Gunst des Anwenders. Dieser Test stellt die wichtigsten Programme im direkten Vergleich vor: Ekiga [1], KPhoneSI [2], Linphone [3], Skype [4] und Twinkle [5].

Gemeinsam haben die Programme, dass Sie Telefonate übers Internet ermöglichen und kostenlos sind. Bis auf das proprietäre Skype unterliegen alle der GPL und unterstützen das Protokoll-Gespann SIP und RTP. Die Tabelle "VoIP-Clients im Vergleich" gibt einen Überblick über die getesteten Programme. KPhoneSI ist hier nicht aufgeführt; den Grund erfahren Sie weiter unten.

VoIP-Clients im Vergleich

Ekiga

Linphone

Skype

Twinkle

Version 2.0.9 1.7.1 1.3.0.53 1.0
Lizenz GPL GPL kommerziell GPL
Protokolle H.323, SIP SIP Skype (proprietär) SIP
Deutschsprachige GUI ja unvollständig ja ja

Zusatzfunktionen

MFV RFC 2833 RFC 2833, SIP INFO n.a.1 RFC 2833, In-Band, SIP INFO
Chat ja ja ja nein
Videoübertragung ja ja nein nein
Dateitransfer nein nein ja nein
SIP-Proxy ja ja entfällt ja
Adressbuch ja ja ja ja
Online-Status der Kontakte nein ja ja nein
Einstellbare Signaltöne ja ja ja ja
Echo-Unterdrückung ja ja k.A. k.A.
Sprechpausenerkennung ja nein k.A. k.A.
Signalstatistik ja nein ja nein
Personalisierte Anrufbehandlung2 nein nein ja nein

Anruffunktionen

Automatisch annehmen ja nein nein ja
Automatisch abweisen ja ja ja ja
Weiterleiten ja nein nein ja
Wahlwiederholung nein ja nein ja
Konferenzschaltung nein nein bis 5 Pers.3 bis 3 Pers.2
Stummschaltung ja über Mikro-Lautstärke ja ja
Videoabschaltung ja ja entfällt entfällt

NAT-Einstellungen

STUN global nein4 n.a.1 ja
manuell ja nein4 n.a.1 ja
direkte Verbindung ja ja n.a.1 ja
SIP/RTP-Ports einstellbar nein ja n.a.1 ja

Sonstige Einstellungen

Audio-Schnittstelle ALSA, OSS ALSA, OSS ALSA, OSS ALSA, OSS
Video-Schnittstelle Video4Linux Video4Linux entfällt entfällt
Audio-Geräte nach Name ja ja ja ja
Video-Geräte nach Name ja automatisch entfällt entfällt
Bandbreitenbegrenzung nur Video ja nein nein

Protokollfunktionen5

Empfangene Anrufe ja ja ja ja
Getätigte Anrufe ja ja ja ja
Verpasste Anrufe ja k.A. ja ja
Gesprächsbeginn ja ja nach Anruf ja
Gesprächsende ja ja ja ja
Verwendete Codecs ja nein entfällt nein
STUN-Request ja nein entfällt ja
Registrierung ja nein nein ja
Deregistrierung nein nein nein ja

n.a.: nicht anwendbar, k.A.: keine Angabe / nicht ermittelbar

1 proprietäres Verfahren; siehe Text

2 beispielsweise Abweisen bestimmter Teilnehmer

3 einschließlich eigener Client

4 laut Einstellungsdialog ja, funktionierte im Test aber nicht

5 Aufzeichnen über das Ereignis hinaus

SIP gegen Skype

Das Programm Skype nimmt unter den getesteten Programmen eine Sonderrolle ein. Während die anderen vier Clients auf den offenen Standard SIP setzen, um Gespräche anzubahnen, nutzt Skype ein proprietäres Verfahren, das der Hersteller nur indirekt durch eine Closed-Source-API [6] offenlegt. Es schließt aber im Prinzip eine Kommunikation mit freien Clients aus.

Dennoch hat Skype einen großen Marktanteil errungen, weil es zum Markteintritt das mit Abstand einfachste Programm für Gespräche übers Internet war. In der Folge bildet das Netzwerk der Skype-Clients eine Insellösung, sofern Sie nicht auf kommerzielle Schnittstellen wie ChanSkype [7] oder PSGw [8] zurückgreifen.

Angesichts dessen drängt sich der Gedanke auf, es wäre das Beste, einfach auf Skype zu verzichten und auf offene Standards zu setzen. Viele VoIP-Teilnehmer telefonieren jedoch nur über Skype und nicht über SIP-Clients. Skype steht so als Synonym für Internettelefonie wie Windows für Arbeitsplatzrechner. Glücklicherweise fällt es leichter, SIP-Client und Skype nebeneinander zu betreiben als mehrere Betriebssysteme.

Skype

Skype (Abbildung 1) steht nativ nur für die x86-Plattform zur Verfügung. Mit den entsprechenden Emulationsbibliotheken lässt es sich aber auch unter einer 64-Bit-Distribution betreiben [9]. Unter Linux trägt die aktuelle Skype-Version die Nummer 1.3.0.53. Gegenüber der aktuellen Windows-Version 3.2.0.158 fehlen diverse Funktionen, zum Beispiel der Video-Support.

Abbildung 1: In Skype wählen Sie einen Gesprächspartner an, indem Sie die entsprechende Zeile markieren und das Hörersymbol links unten anklicken.

Schon daran ist zu erkennen, dass das Programm seine Wurzeln im Windows-Lager hat. Dies zeigt sich unter Linux auch noch an anderen Eigentümlichkeiten: So existiert zwar eine deutsche Lokalisierung, die Sie aber nicht über die üblichen Umgebungsvariablen $LANG und $LC_MESSAGES steuern, sondern über das Menü unter Tools | Change Language festlegen.

Da die Software spezifisch auf den Skype-Dienst zugeschnitten ist, entfällt das Einstellen eines bestimmten Providers. Die Verbindung via NAT gelingt ebenfalls ohne Benutzereingriff. Die persönlichen Kontakte speichert der Client bei der Firma Skype auf dem Server, so dass sie auf jedem Rechner zur Verfügung stehen, von dem Sie sich in Ihren Skype-Account einloggen.

Diese Einfachheit hat zur weiten Verbreitung von Skype beigetragen, zumal STUN und SIP (die heute andere Clients fast so gut benutzbar machen wie Skype) zu jener Zeit praktisch unbekannt waren. Zum Verbessern der Sprachqualität empfiehlt es sich, den unter Aktionen | Optionen | Erweitert eingestellten UDP-Port in einer gegebenenfalls vorhandenen Firewall zu öffnen.

Das macht einen sicherheitsbewussten Anwender natürlich nervös. Auch das Speichern des Adressbuchs auf einem Server, der nicht unter der eigenen Kontrolle steht, behagt nicht jedem. Daneben hat Skype noch ein paar andere Tücken [10]. Im Gegensatz zu den anderen Anwendungen im Test beherrscht jedoch die Skype-Version für Linux das Übertragen von Dateien.

Ungeachtet des größtenteils simplen Bedienkonzepts findet sich die Funktion zum Anzeigen der Verbindungsstatistik eher zufällig. Fahren Sie mit dem Mauszeiger auf das Symbol des Gesprächspartners und verharren dort einen Moment, erscheinen die Werte (Abbildung 2). Skype teilt mit den anderen im Test vorgestellten Programmen eine anscheinend nicht immer zuverlässige MFV-Unterstützung [11].

Abbildung 2: In Skype erscheint eine Verbindungsstatistik, wenn Sie den Mauszeiger auf das Symbol des Gesprächspartners bewegen.

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LinuxUser 06/2012

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