Mobiles Meilenschwein
Grml 1.0: Live-CD für Geeks
Schwerpunkt Kommandozeile
Im Gegensatz zu den meisten anderen Distributionen kommt bei Grml als Standard-Shell die Zsh [6] zum Einsatz kommt. Die Z-Shell ist modular aufgebaut, bietet einen hochkonfigurierbaren Vervollständigungsmechanismus und eine mächtige Skriptingsprache. Die Standardkonfiguration der Zsh zieht durch ihren Minimalismus leider kaum neue Benutzer an, deshalb liefert Grml eine bereits vorkonfigurierte Z-Shell aus.
Das Zsh-Lovers-Projekt [7] sammelt in Form einer einer Manpage nette Tipps und Tricks zur Zsh. Auf der Zsh-Seite des Grml-Projekts [7] finden Sie auch die Grml-Zsh-Referenzkarte zum Download, die die wichtigsten Aliases, Funktionen und Einstellungen für die Zsh auf Grml dokumentiert. Um die gängigsten und besten Tricks und Kniffe stets zur Hand zu haben, drucken Sie diese am Besten aus und legen sie neben die Tastatur. Gefällt Ihnen die Zsh-Konfiguration von Grml, übernehmen Sie diese einfach auch auf andere Systeme – wie das funktioniert, erläutert die Referenzkarte ebenfalls.
Standardmäßig startet Grml nicht das (zwar vorhandene) X-Window-System, sondern bringt Sie erst einmal auf die Konsole, wo eine Vielzahl hilfreicher Skripten auf die Nutzung warten. Die erreichen Sie schnell und einfach über das Menü grml-quickconfig, das auch nach jedem Bootvorgang erscheint. Aus dem konsolenbasierten Interface lassen sich die besonders wichtigen Skripte mit einem Tastendruck erreichen (Abbildung 2). So stellen Sie etwa mit [D] das deutsche Tastaturlayout ein, falls Sie die Bootoption lang=de vergessen haben. Benötigen Sie keine der von Grml-quickconfig bereitgestellten Funktionen, verlassen Sie das Menü mittels [Q] oder [Eingabe] und landen dann in der Zsh.
Auf den anderen Konsolen ([Alt]+[F2]…[F12]) bietet Grml verschiedenste Tools zur Benutzung an. Unter [Alt]+[F2] und [Alt]+[F3] finden Sie GNU-Screen-Sessions für root mit der Zsh, die Konsolen von [Alt]+[F4] bis [Alt]+[F6] warten auf Eingaben des Benutzers grml. Die Bildschirme [Alt]+[F7] und [Alt]+[F8] dienen als Platzhalter für das X-Window-System, auf der neunten Konsole lauscht Getty. Wer einmal die Statustabellen von Iptables in Echtzeit verfolgen will, kann dies unter [Alt]+[F10] mit Iptstate tun. [Alt]+[F11] bietet mit Htop einen interaktiven, konsolenbasierten Prozessbetrachter. Eine erweiterte Tail-Version namens Multitail schließlich belegt die letzte Konsole [Alt]+[F12], auf der man das Syslog verfolgen kann.
Spezialtools
Grml hat auch eine grafische Oberfläche mit an Bord. Sie starten das X-Window-System via grml-x starten. Das Skript kümmert sich um die Hardware-Erkennung und erstellt eine für den Rechner angepasste Konfigurationsdatei (/etc/X11/xorg.conf).
Möchten Sie Grafikkartentreiber, Auflösung oder Frequenzen anpassen, erledigen Sie das über die jeweilige Option von grml-x erledigen, wobei Sie die Zsh-Vervollständigung unterstützt. Mit einem einfachen grml-x wm-ng startet der Window-Manager Fluxbox mit Idesk für klickbare Icons am Desktop und Gkrellm als Statusmonitor. Andere Windowmanager wie Fvwm-crystal, Wmii, Dwm und Evilwm stehen ebenso zur Auswahl.
Was wäre ein Rechner ohne Verbindung zur Außenwelt? Grml versucht sich beim Booten (sofern nicht via Bootoption nodhcp deaktiviert) eine Netzwerkkonfiguration via DHCP zu besorgen. Falls das nicht klappt, lässt sich das Netzwerk mittels grml-network konfigurieren. Auch die Einrichtung einer WLAN-Karte inklusive Verschlüsselung erledigen Sie mit diesem Skript.
Grml booten ohne CD
Rechner ohne CD-Laufwerk stellen heute keine Ausnahmeerscheinung mehr dar. Doch wie bootet man Grml ohne CD? Kein Problem – dafür gibt es sogar mehrere Möglichkeiten. Sehr elegant funktioniert die Variante via USB-Stick: Das Lesen von einem flashbasierten Medium geht im Vergleich zur CD wesentlich schneller vonstatten, was die Startzeit drastisch reduziert. Ein Skript namens grml2usb bringt Grml in bootfähiger Form auf den USB-Stick. Falls das Booten via USB doch nicht so recht klappen will, leistet die USB-Seite im Grml-Wiki [8] Hilfestellung.
Kann der betroffene Rechner weder von CD noch von USB booten, verfügt aber über eine Netzwerkkarte, lässt sich Grml dank grml-terminalserver mit minimalem Aufwand auch via Netzwerk booten. Dazu starten Sie Grml auf einem zweiten Rechner im LAN, starten dort grml-terminalserver und booten dann Grml auf der zu installierenden Maschine übers Netzwerk via PXE. Beherrscht die Netzwerkkarte kein PXE, erstellt grml-terminalserver auf Anforderung auch eine Grub-Floppydisk samt Treibern für die gängigsten Netzwerkkarten.



