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Eingestöpselt

Linux-Rechner für VoIP konfigurieren

01.07.2007 Telefonieren mit Headset und Webcam ist bequem, interaktiv und dank VoIP sogar gratis. Nutzen Sie die Vorteile also auf Ihrem Linux-Rechner.

Viele Gründe sprechen auch unter Linux für VoIP. Das nahe liegende Argument: Kostenersparnis. Für die Telefonate via PC fallen in aller Regel keine Gebühren an, sondern nur die Kosten für den Internetzugang.

Zweiter Grund: Viele VoIP-Clients (auch als Softphones bezeichnet), wie zum Beispiel Ekiga [1] oder Linphone [2], übertragen zusätzlich zum Ton ein bewegtes Bild, so dass Sie den Gesprächspartner auch sehen können. In manchen Fällen spart so eine handgezeichnete und vor die Kamera gehaltene Skizze das Erstellen und Übertragen einer Datei.

Last not least telefoniert man am Rechner typischerweise per USB- oder Bluetooth-Headset. Das erspart das unbequeme Einklemmen des Hörers zwischen Hals und Schulter, die Hände bleiben frei. Alternativ leisten auch externe Lautsprecher und eine Webcam mit eingebautem Mikrofon gute Dienste.

Auch unterwegs brauchen Sie nicht auf die Vorzüge von VoIP zu verzichten. Wenn Sie eine aktuelle öffentliche IP-Adresse bei einem Provider registrieren, so weiß dieser, wohin er eingehende Anrufe weiterleiten muss.

VoIP hat aber auch Nachteile: Ein gutes Gespräch übers Netz setzt nicht nur ein angenehmes Gegenüber und ein interessantes Thema, sondern in erster Linie einen schnellen Internetzugang voraus. Gehen Sie zum Beispiel mit einem Modem ins Netz, leidet die Sprachqualität manchmal erheblich. Wollen Sie zudem ständig per VoIP auf dem eigenen Rechner zu erreichen sein, bleibt nichts anderes übrig, als diesen immer einzuschalten.

Von A nach B

Um die im Folgenden beschriebene Konfiguration zu verstehen und bei der Fehlersuche bessere Karten zu haben, helfen zunächst ein paar Grundlagen zu VoIP [3]. Beim Telefongespräch über das Internet brauchen die Datenpakete, genau wie beim Surfen im Web, ein genau definiertes Ziel. Alternativ zum lokalen Verwalten aller IP-Adressen von eventuellen Gesprächspartnern bieten Dienstleister heutzutage den Eintrag in eine Art virtuelles Telefonbuch.

Dazu registrieren Sie sich bei einem sogenannten Registrar, auch als VoIP-Provider bezeichnet. Sie hinterlegen dort, unter welcher IP-Adresse ein Gesprächspartner Sie erreichen kann. Wechselt die Adresse, weil sich der Aufenthaltsort ändert oder weil der DSL-Provider alle 24 Stunden die Verbindung trennt und eine neue IP-Adresse zuweist, brauchen Sie nicht allen Gesprächspartnern die neue Adresse extra mitzuteilen.

Sitzen Sie hinter einem Gateway, das mit NAT operiert, kennen Sie die öffentliche IP-Adresse vielleicht gar nicht, sondern nur die im lokalen Netz. Hier kommt STUN ins Spiel: Durch eine Anfrage bei einem STUN-Server erfahren Sie die öffentliche Internet-Adresse und teilen sie dem Registrar mit.

Um ein Gespräch zu führen, benötigen die Teilnehmer ein eindeutige Identifikation, wie zum Beispiel eine SIP-Adresse. Sie fungiert quasi als VoIP-Telefonnummer und ähnelt vom Aufbau her einer E-Mail-Adresse: sip:Teilnehmer @Domain .

Teilnehmer A erreicht beispielsweise unter der Adresse sip:TeilnehmerB @ProviderB seinen Gesprächspartner Teilnehmer B. Durch den Teil nach dem Klammeraffen ("@") weiß der Client von A, welcher Registrar die IP-Adresse von B vorhält. Der Server des Registrars vermittelt so beim Verbindungsaufbau zwischen A und B.

Haben sich die beiden Gesprächsteilnehmer A und B gefunden, tauschen Sie Sprach- und gegebenenfalls Bilddaten direkt untereinander aus, normalerweise über RTP (Realtime Transport Protocol). Um das Gespräch später zu beenden, greifen sie wieder per SIP auf die Hilfe des Registrars zurück.

Konfiguration – Schritt für Schritt

Liegen die eingangs genannten Voraussetzungen vor, steht dem VoIP-Vergnügen nur noch eine mehr oder weniger aufwändige Konfiguration im Weg. Dabei lohnt es sich, Schritt für Schritt vorzugehen, sonst geraten kleine Problemchen schnell zu scheinbar aussichtslosen Hindernissen. Die Tabelle "VoIP-Konfiguration" listet die empfohlene Vorgehensfolge auf.

Dieser Artikel beschreibt die Konfiguration von Ekiga (früher: GnomeMeeting), dem mit aktuellen Gnome-Versionen gelieferten Client, für die Internettelefonie über den Provider Ekiga.net. Legen Sie sich einfach einen kostenlosen Account (Konto) an [5]. Um das Übertragen der Konfiguration auf andere Clients zu erleichtern, kommt in diesem Artikel nicht der Ekiga-Assistent zum Einsatz, die Schritte folgen den Vorgaben aus der Tabelle. Brechen Sie beim ersten Start von Ekiga den erscheinenden Dialog also ab. (Nutzen Sie ausschließlich Ekiga, spricht natürlich nichts dagegen, den "Druiden" zu verwenden.)

Auf dem Beispielrechner läuft ein aktuelles Gentoo Linux; die Gerätedateien heißen eventuell bei anderen Distributionen anders. Das System signalisiert nach erfolgreicher Konfiguration eingehende Anrufe über externe Lautsprecher, die an den Soundchip auf dem Mainboard angeschlossen sind. Für die Ein- und Ausgabe von Sprache kommt ein USB-Headset zum Einsatz. Die Internet-Anbindung erfolgt über einen DSL-Anschluss mit 6000 kbit/s Downstream und 580 kbit/s Upstream. Der Netzwerktyp spielt jedoch keine Rolle, sofern er genug Bandbreite liefert (etwa 150 kbit/s in beide Richtungen für ein Gespräch ohne Video).

VoIP-Konfiguration

Schritt

Bemerkung

Internetzugang Grundvoraussetzung für VoIP (nicht im Artikel behandelt)
Tonausgabe externe Lautsprecher und Headset
Toneingabe Headset oder Webcam einrichten
Audiokonfiguration Einstellen im VoIP-Client
STUN-Server Konfigurieren im VoIP-Client (nur bei Zugang über NAT nötig)
Providerangabe Zugangsdaten im VoIP-Client eingeben
Bildeingabe Konfigurieren der Kamera
Bildeingabe Konfigurieren des VoIP-Clients
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LinuxUser 03/2012

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