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Bitte lächeln!

Linux-kompatible Webcams im Vergleich

01.07.2007 Wer bei der Internet-Telefonie sein Gegenüber auch sehen will, braucht eine Webcam. Wir nehmen sechs Modelle unter die Lupe.

Eine Webcam unter Linux zum Laufen zu bringen, glich in der Vergangenheit oft einem Glücksspiel. Als etwa unsere Schwesterzeitschrift EasyLinux vor einem Jahr gut ein Dutzend Webcams testete [1], ließ sich aufgrund mangelnder Treiberunterstützung durch die Hersteller keine einzige davon unter Linux in Betrieb nehmen.

Inzwischen hat sich dank des GSPCA-Projekts die Lage grundlegend entspannt, wenn die Entwickler auch immer noch auf Reverse Engineering setzen müssen, statt mit Dokumentationsmaterial der Hersteller arbeiten zu können. Grund genug, diese Geräteklasse einmal wieder unter die Lupe zu nehmen.

Wir haben uns sechs Webcams der Preisklasse zwischen 20 und 45 Euro genau angesehen und sie auf ihre Kompatibilität mit Linux und ihren Funktionsumfang hin abgeklopft. Das Testfeld umfasst zwei Komplettsets von Trust mit Webcam und Headset sowie je zwei Kameras aus der Logitech-Quickcam-Serie und zwei SPC-Modelle von Philips.

Das Testfeld

Die "Chat&VoIP"-Packs von Trust bestehen aus einer Webcam mit 640x480 Pixeln Auflösung und einem Stereo-Headset mit Mikrofon. Die Ohrhörer des günstigeren Sets CP-2200 (siehe Tabelle "Die Testgeräte") schließen Sie per Klinkenstecker an die Soundkarte Ihres Rechners an. Beim CP-2300 finden Sie in der Verpackung ein USB-Headset, welches Linux als neue Soundkarte erkennt. Zudem regeln Sie hier per Knopfdruck die Lautstärke oder schalten die Ausgabe stumm. Die Webcam beider Sets ist identisch: Es handelt sich um eine Sonix/Microdia-Kamera, die mit den GSPCA-Treibern funktioniert [2]. Die Webcam besitzt einen praktischen Fuß, der sich sowohl als Standbein auf einer glatten Oberfläche als auch für die Befestigung an einem Laptop oder einem Flachbildschirm eignet.

Auch die beiden Logitech-Quickcams bietet 640x480 Bildpunkte und arbeiten mit den GSPCA-Treibern. Mittels des eingebauten Mikrofons lassen sich beide Notebook-Modelle ohne Headset nutzen. Die "Deluxe"-Variante hebt sich durch eine zusätzliche Software mit automatischer Gesichtsverfolgung von der normalen Quickcam for Notebooks ab. Unter Linux müssen Sie auf dieses Feature jedoch verzichten. Hinsichtlich der Bild- oder Tonqualität gibt es leichte Unterschiede zwischen den zwei Logitech-Modellen: Die günstigere Webcam bietet unter Linux das bessere Bild (Abbildung 1). Beide Kameras sind für die Befestigung an einem Notebook gebaut, an einem Flachbildschirm lassen sie sich nicht befestigen.

Abbildung 1: Die günstigere Quickcam von Logitech (links) stellt das Testbild kontrastreicher dar. Das Deluxe-Modell (rechts) bringt unter Linux keine Vorteile.

Die SPC-Modelle von Philips arbeiten ebenfalls mit der VGA-Auflösung von 640x480 Bildpunkten. In den Tests funktionierte das Desktop-Modell 300NC allerdings nur mit einer Auflösung von 320x240 Pixeln, das Bild stand zudem auf dem Kopf. Bei der Notebook-Variante 610NC funktioniert zwar die höhere Auflösung von 640x480 Bildpunkten, die Bildqualität lässt aber zu wünschen übrig (Abbildung 2). Der Standfuß des Desktop-Modells lässt sich gut benutzen, zur Not auch an einem Laptop. Das USB-Kabel des 610NC-Modells schaut zwar praktisch aus; in den Test hatten wir jedoch Mühe, es passend zu biegen. Beim Tippen fing die Philips-Webcam zudem zu schwanken an.

Abbildung 2: Unter Linux stellt die Philips-Webcam 300NC maximal 320x240 Pixel dar (links). Der Treiber für das Notebook-Modell 610NC (rechts) befindet sich noch in Entwicklung.

Die Testgeräte

Hersteller

Trust

Trust

Philips

Philips

Logitech

Logitech

Modell

CP-2200

CP-2300

SPC 300NC

SPC 610NC

961404

961400

 
Name Chat & VoIP Pack HiRes Chat & VoIP Pack Advanced - Portable webcam for laptops Quickcam for Notebooks Quickcam for Notebooks Deluxe
Treiber gspca gspca gspca gspca gspca gspca
Webcam Sonix BTC PC380 Sonix BTC PC380 PAS106 Pixar PAC7311 ZC3XX ZC3XX
Headset Trust HS-4080 USB Trust HS-2200 zusätzliches Mikrofon - Integriertes Mikrofon Integriertes Mikrofon
Anschluss Headset Klinke 2,5 mm USB - - - -
Preis Headset (ca.) 10 Euro 25 Euro - - - -
Preis Webcam (ca.) 20 Euro 20 Euro 30 Euro 40 Euro 35 Euro 45 Euro
Setpreis (ca.) 25 Euro 35 Euro - - - -

Webcam einrichten

Da sämtliche getesteten Webcams mit den GSPCA-Treibern funktionieren, erklärt dieser Artikel stellvertretend anhand des Trust-Geräts, wie Sie Treiber und Kamera in Betrieb nehmen. Die meisten Webcams besitzen einen Schalter, über den sich unter Windows Standbilder erstellen lassen. Unter Linux unterstützt zurzeit keine Webcam diese Funktion.

Im Inneren der Trust-Kamera werkelt ein BTC-PC380-Chip von Sonix, die Ausgabe von lsusb zeigt:

…: ID 0c45:6028 Microdia

Sie sprechen die Kamera mit dem Kernelmodul gspca an, das nicht zum Umfang des Kernels zählt. Sie müssen es deshalb nachinstallieren. Unter Ubuntu Feisty rufen Sie dazu einfach sudo apt-get install gspca-source auf. Für Suse-Benutzer stehen auf der Homepage von Raoul [3] fertige Pakete bereit. Achten Sie bei den Suse-Paketen darauf, nicht das Kernel-Modul für Quickcam-Modelle zu installieren. Den GSPCA-Quellcode finden Sie auf der Heft-DVD und auf der Webseite von Michel Xhaard [2]. Für unsere Tests benutzten wir die Sourcen vom 8. Mai 2007.

Öffnen Sie vor dem Anstecken der Webcam eine Konsole und verfolgen Sie über tail -f /var/log/messages die Systemmeldungen. Lädt Ihre Distribution anstelle von oder zusätzlich zu gspca das Modul sn9c102 (Abbildung 3), tragen Sie dieses in die Datei /etc/modprobe.d/blacklist ein. Um das Modul auf die Schwarze Liste zu setzen, genügt dort folgende Zeile:

blacklist sn9c102

und starten anschließend den Rechner neu. Der Grund für den rabiaten Ausschluss: Das Modul sn9c102 steuert die Kamera zwar an und legt die Gerätedatei /dev/video0 an, liefert (wenigstens in den Tests mit Suse Linux 10.2 und Ubuntu Feisty) aber ein fehlerhaftes Bild. Optimalen Linux-Support für die meisten Webcams liefert zurzeit nur das GSPCA-Modul.

Abbildung 3: Der Systemlog gibt Aufschluss darüber, welches Kernelmodul die Distribution benutzt. Suse 10.1 lädt zwar gspca aber auch sn9c201 (rot markiert), weshalb es zu Problemen kommt.

Schließen Sie nach dem Neustart die Kamera wieder an, sollte die Ausgabe von /sbin/lsmod | grep sn9c nichts mehr anzeigen. Sie können die Webcam jetzt über das Device /dev/video0 (bei mehreren Videogeräten eventuell /dev/video1 oder /dev/video2) ansprechen. Am besten benutzen Sie dazu das Tool spcagui von der GSPCA-Homepage [2]. Ein Testbild der Trust-Kamera zeigt Abbildung 4.

Abbildung 4: Das Bild der Trust-Kamera weist einen deutlichen Blaustich auf. Auch lässt die Tiefenschärfe zu wünschen übrig.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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