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B-Moll in Ardour

Musikproduktion mit Linux

Ein- und Ausgang

Bei Ardour handelt es sich im Grunde um einen Mehrspur-Harddiskrecorder mit angeschlossenem Mixer. Da diese Konstruktion ausschließlich virtuell existiert, begrenzt nur die Leistungsfähigkeit Ihres Rechners die Zahl der möglichen Tonspuren, die Sie gleichzeitig oder im Overdub-Verfahren aufnehmen können, um sie anschließend nach Belieben zu verschieben, zu schneiden, mit Effekten zu versehen und zu mischen.

Aufgenommenes Tonmaterial speichert Ardour im WAV-Format. Die Sample-Frequenz hängt dabei von der Audiohardware ab. Intern verwaltet Ardour seine Samples immer mit einer Größe von 32 Bit, was im Vergleich zur Qualität einer Audio-CD mit ihren 16-Bit-Samples einen größeren Dynamikumfang bedeutet.

Ardour kommuniziert nicht direkt mit den Ein- und Ausgängen der Soundkarte Ihres Rechners. Stattdessen benutzt es den Soundserver Jack. Eine komfortable Oberfläche zur Konfiguration von Jack bietet QJackCtl (Abbildung 3), das sich in den meisten Distributionen über den Paketmanager installieren lässt. In diesem Programm verbinden Sie physikalische Eingänge der Soundkarte mit den Eingängen Ihrer Audioanwendung; Sie können aber auch die Audioausgabe eines Programms in den Eingang eines anderen routen – etwa um Audiomixes in der Postproduktion nachzubearbeiten.

Abbildung 3: QJackCtl vereinfacht die Konfiguration des Jack Audio Servers.

Nach dem Start von Ardour sehen Sie den Track-Editor des Programms, in dem die einzelnen Spuren untereinander angeordnet sind. Eine Spur darf dabei mehrere, Regionen genannte Audiosegmente enthalten. Im Mixer verändern Sie bei einzelnen Tracks, getrennt von den anderen Spuren, zum Beispiel die Lautstärke oder die Position im Stereoklangbild.

Ardour bietet auch virtuelle Spuren, so genannte Playlists – ein Konzept, das man auch aus kommerziellen Programmen kennt: Zu jeder Spur gehört mindestens eine Playlist, die in einer Art Ablaufplan festlegt, welche Audiodaten zu welchem Zeitpunkt zu hören sind. Der Track-Editor stellt diese Playlists – wie bei Audiosequenzern üblich – als Abfolge von Regionen graphisch dar.

Achtung, Aufnahme!

Das alles klingt komplizierter, als es ist. In der Praxis lässt sich die Arbeit mit Ardour recht einfach an. Um eine Aufnahme zu starten, erzeugen Sie zunächst eine neue Spur: Klicken Sie auf Projekt | Spur/Bus hinzufügen.... Im folgenden Dialog übernehmen Sie der Einfachheit halber die Voreinstellungen: Mono, einzelne Spur, Normalmodus.

Nun sehen Sie im linken Teil des Track-Editors einen Kasten mit der Aufschrift Audio 1 sowie im Mixer, den Sie über Fenster | Mixer anzeigen aufrufen, einen neuen Kanalzug. Im Mixer weisen Sie der neuen Spur durch Klick auf Input einen Eingang zu. Dieser Eingang entspricht nicht etwa den physikalischen Line-In-Buchsen auf der Soundkarte; vielmehr handelt es sich um einen der virtuellen, in QJackCtl sichtbaren Eingänge.

Falls QJackCtl läuft, klicken Sie dort auf Connect und verbinden einen der Eingänge von alsa_pcm, zum Beispiel capture_1 in der Liste Readable Clients mit einem der Eingänge von Ardour auf der mit Writable Clients beschrifteten Seite (Abbildung 4). Haben Sie eine für professionelle Audioanwendungen konzipierte Soundkarte mit mehreren Ein- und Ausgängen, ermöglicht dieses Vorgehen ein recht flexibles Routing.

Abbildung 4: Im Connect-Fenster von QJackCtl routen Sie fast beliebig Signale zwischen Soundkarte und Audioanwendung.

Um nun tatsächlich von einem elektrisch verstärkten Instrument oder Mikrofon aufzunehmen, verbinden Sie den Ausgang des Verstärkers zunächst mit der Line-In-Buchse Ihrer Soundkarte. Schließen Sie dagegen eine Gitarre oder ein Mikrofon ohne Vorverstärker an, empfiehlt sich stattdessen die Mic-In-Buchse. In Ihrem bevorzugten Lautstärkemixer – unter KDE zum Beispiel KMix, unter Gnome etwa Gamix – markieren Sie den entsprechenden Kanal dann als Capture-Device und drehen die Lautstärke auf.

Markieren Sie die zuvor erzeugte Spur jetzt für die Aufnahme: Entweder klicken Sie direkt im Mixer von Ardour auf Aufnahme, oder Sie nutzen im Track-Editor neben der Spuransicht den roten Kreis mit der gleichen Funktion. Verfügen Sie über entsprechende Hardware, können Sie auch mehrere Spuren synchron zur Aufnahme auswählen, beispielsweise für Live-Aufnahmen auf mehreren Kanälen. Zum Starten der Aufnahme klicken Sie zuerst auf den großen Aufnahmeknopf in der Transportleiste direkt unterhalb der Menüs und dann auf den Wiedergabe-Schalter direkt daneben. Zum Beenden der Session klicken Sie auf Stop.

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LinuxUser 03/2012

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