Lückenfüller
Access-Ersatz für Linux
Kexi
Längerfristig vielversprechender erscheint Kexi ([5], [6]), das Datenbankprogramm des KOffice-Projekts. Es läuft sowohl unter Linux wie auch Windows und bietet alle grundlegenden Features: Tabellen anlegen, Daten bearbeiten, Anfragen erstellen (Abbildung 6). Wie Knoda beschränkt sich auch Kexi beim Anlegen von Tabellen auf eine eingeschränkte Auswahl an Datentypen. Das Programm bringt einen eigenen Formulareditor (Abbildung 7) mit; das Erzeugen von Berichten überlässt es dagegen dem ebenfalls zur KOffice-Familie gehörenden Programm Kugar [7] vorbehalten.
Auch Kexi verwendet Python als Skriptsprache, wobei die Entwickler hier als Status noch Technology Preview (BETA) angeben. Hinzu dürfte früher oder später im Rahmen einer entsprechenden KDE-weiten Bewegung auch JavaScript kommen. Aktuell greift Kexi lediglich auf die DBMS MySQL, PostgreSQL und SQLite zu, wobei es eigene Treiber verwendet. SQLite dient dabei als DBMS mit lokalem Dateispeicher. Schließlich importiert Kexi auch Access-Datenbanken – jedoch nur die Tabellen und Daten, nicht aber die darum gebauten Anwendungen.
Kexi ist aktuell noch keine besonders ausgereifte Software. Die erste vorgeblich stabile und vollständige Version 1.0 wurde im April diesen Jahres als Teil von KOffice 1.5 veröffentlicht. Bei ersten Tests fiel gegenüber den früheren Versionen positiv auf, dass zuvor vermisste Features wie Fremdschlüssel Einzug gefunden haben und ein sehr funktioneller Verbindungseditor (Abbildung 8) hinzugekommen ist und eine wenn auch minimale Dokumentation beiliegt. Allerdings "gelang" es im Test, auch diese Versionnur wenige Klicks nach dem Start ohne Absicht zum Absturz zu bringen. Anderseits verspricht Kexi durch seine enge Integration mit KDE enormes technisches Potenzial. So tauscht es Daten mit anderen KOffice-Anwendungen wie Kugar, KSpread, KChart und KWord aus. Zudem entwickelt sich die KDE-Komponenten-Technologie rasch weiter.
OpenOffice.org
Am ausgereiftesten (und wohl auch mit der größten Marketing-Maschinerie) präsentiert sich OpenOffice.org [8]. Die Bürosuite ist auf Linux, Solaris, Windows und Mac OS X verfügbar. Auf Linux bietet OpenOffice.org optional KDE- oder GNOME-Integration, was sich aber hauptsächlich auf die Optik und Benutzerführung beschränkt. Seit Version 2.0 bringt OpenOffice.org als Datenbank-Frontend die Komponente Base mit.
OOBase bietet für viele Aufgaben Assistenten, etwa zum Anlegen von Tabellen, Abfragen, Formularen und Berichten. So zumindest die Theorie: In der Praxis bleibt auch in der getesteten Version 2.0.1 ein Klick auf Abfrage unter Verwendung des Assistenten erstellen ohne Effekt, ebenso bei Formularen. Der Menüpunkt Bericht unter Verwendung des Assistenten erstellen öffnet die Textverarbeitung ("Writer"), was bei aller Fantasie nicht als Assistent durchgehen kann. Zumindest der Tabellen-Assistent funktioniert (Abbildung 9) aber und bietet als Einstiegshilfe eine Auswahl an Beispieltabellen an.
Die Fenster zum Eingeben von Daten und Erzeugen von Anfragen entsprechen den üblichen Mustern (Abbildung 10). Als Skriptsprachen bietet OpenOffice.org Python sowie eine Basic-Variante (OpenOffice.org Basic, auch als StarBasic bekannt). Beide Varianten sind nur mangelhaft und teilweise widersprüglich dokumentiert. Zumindest zu StarBasic gibt es aber umfangreiche Literatur, sodass dem professionellen Einsatz insofern nichts im Weg steht.
Zum Datenbankzugriff verwendet OOBase wahlweise die Schnittstellen JDBC oder ODBC, womit sich so gut wie jedes DBMS verwenden lässt. Alternativ steht ein eigenes Interface namens SDBC parat, für das es aktuell Treiber für Adabas D, ADO, dBase, Microsoft Access, MySQL und PostgreSQL gibt. Als natives DBMS nutzt OpenOffice seit Version 2.0 HSQLDB, ein vollständig in Java geschriebenes SQL-Datenbankmanagementsystem mit umfangreichen Features. Daneben kann OOBase auch auf LDAP-Adressbücher zugreifen.
OpenOffice Base wirkt im Vergleich zu den besprochenen Alternativen am ausgereiftesten, was es zur ersten Wahl für den Einsatz in Datenbankanwendungen macht. Zudem sprechen sowohl die Größe der Entwicklerorganisation als auch das hohe öffentliche Interesse am Openoffice-Projekt dafür, dass es auch die sicherste Wahl für die Zukunft darstellt.



