Verpackungskünstler
gzip, bzip2 und tar
Ab ins Archiv
Um mehrere Dateien in einem Archiv zusammenzufassen, verwenden Sie den Befehl Tar. Der Name des Programms (englisch "tape archiver") weist auf seine ursprüngliche Verwendung hin: Das Programm war ursprünglich für die Verwaltung von Bandarchiven zuständig. Es leistet aber mehr als einfach nur Dateien zusammenzufassen: Tar können Sie über Optionen anweisen, die Archive direkt mit Gzip oder Bzip2 zu komprimieren – so entstehen die typischen tar.gz- und tar.bz2-Archive.
Mehrere Dateien fassen Sie zu einem Archiv zusammen, indem Sie beispielsweise
tar -cvf archiv.tar datei1 datei2
eingeben. Die drei Optionen -c, -v und -f, die hier zusammengefasst wurden, sorgen dafür, dass Tar ein Archiv anlegt ("c" für englisch "create"), dabei verrät, was im Hintergrund passiert ("v" für englisch "verbose"), und das erste Argument (archiv.tar) als Archivnamen interpretiert ("f" für englisch "file").
Stellen Sie zu einem späteren Zeitpunkt fest, dass Sie eine Datei vergessen haben, müssen Sie das Archiv nicht neu packen, sondern hängen diese einfach über -r an:
tar -rf archiv.tar datei3
Genauso leicht ist das Entpacken mit der Option -x ("x" für englisch "extract", auspacken):
tar -xvf archiv.tar
Um sicherzustellen, dass Tar keine vorhandenen Dateien mit Archivinhalten überschreibt, entpacken Sie das Archiv sicherheitshalber in einem temporären Unterordner oder ersetzen im Aufruf -x durch -t, um zunächst einen Trockenlauf durchzuführen und zu sehen, welche Dateien und Verzeichnisse sich im Archiv befinden.
Ganze Verzeichnisse inklusive ihrer Unterordner erfassen Sie übrigens auf dieselbe Weise – geben Sie statt einzelner Dateinamen einfach den Ordner an:
$ tar -cvf archiv.tar ordner/ test/ test/screenie.bmp test/link.bmp test/neu/ test/neu/screenie.jpg test/neu/neu/ …
Gerade, wenn Sie Tar für Backups einsetzen, kann es sinnvoll sein, einzelne Verzeichnisse auszuklammern. Dabei hilft der Parameter --exclude. Weiterhin praktisch für solche Sicherungskopien ist der Parameter --rsh-command, über den Sie Tar beispielsweise mitteilen, dass es das Backup per SSH [1] auf einen anderen Rechner übertragen soll. Ein vollständiger Beispielaufruf sieht dann so aus:
tar -cvf user@host:/scratch/tmp/backup_$(date '+%Y_%m_%d').tar --rsh-command=/usr/bin/ssh --exclude=/proc /
Aufgeschlüsselt bedeutet der recht lange Kommandozeilenaufruf: Erstelle per SSH auf dem Rechner host im Verzeichnis /scratch/tmp/ eine Sicherungskopie, deren Name sich aus backup_, dem aktuellen Datum [2] und der Dateiendung .tar zusammensetzt (zum Beispiel backup_2005_09_05.tar). Dieses Backup umfasst alles ausgehend vom Wurzelverzeichnis /, klammert aber das Verzeichnis /proc aus, das keine echten Dateien enthält.
Und jetzt alle!
Wie schon erwähnt, bringt Tar einige Parameter mit, die das Archiv in einem Rutsch mit Gzip oder Bzip2 komprimieren. Für die Gzip-Variante hat der Aufruf die Form
tar -cvzf archiv.tar.gz Datei(en)
Soll stattdessen Bzip2 zum Einsatz kommen, ersetzen Sie die Option -z durch -j:
tar -cvjf archiv.tar.bz2 Datei(en)
Entsprechend setzen Sie die Parameter -z und -j auch beim Entpacken wieder ein und sparen einen Arbeitsschritt, indem Sie beispielsweise statt
bunzip2 archiv.tar.bz2 tar -xvf archiv.tar
einfach
tar -xvjf archiv.tar.bz2
tippen.
Glossar
Symlink
Ein symbolischer Link (oder Softlink) ist ein Verweis auf eine andere Datei, den Anwendungsprogramme genau wie die Datei selbst behandeln. Wenn die Datei, auf die ein Symlink verweist, gelöscht wird, zeigt der Link ins Leere. Symlinks erzeugt das Kommando
ln -s Quelle Ziel.stdout
Es gibt drei "Standardkanäle":
stdin(Standardeingabe),stdout(Standardausgabe) undstderr(Standardfehlerausgabe). Laufende Programme erwarten ihren Input von der Standardeingabe, zum Beispiel über die Tastatur. Die Ausgabe der Programme sehen Sie in der Standardausgabe, also meist in einem Terminal-Fenster. Die Standardfehlerausgabe landet in der Regel am gleichen Ort: Dort schreiben Programme Warnungen und Fehlermeldungen hin.
Infos
[1] SSH-Artikel: Heike Jurzik, "Sicher gesendet – ssh und scp", LinuxUser 07/2003, S. 81 ff.
[2] Mehr zu date und cal: Heike Jurzik, "Kalender auf der Kommandozeile", LinuxUser 07/2005, S. 88 ff.



