MoonEdit

MoonEdit [6] (Abbildung 3) gibt es für Linux, Windows und FreeBSD. Es unterliegt zwar keiner freien Lizenz, so dass der Quelltext nicht vorliegt, doch für nicht-kommerzielle Zwecke können Sie es gratis von der der Homepage herunterladen.

Abbildung 3: MoonEdit zeigt in einem Fenster entweder Editor oder Chat-Funktion.

MoonEdit hebt sich sich von den anderen vorgestellten Editoren durch seine Unterscheidung zwischen Server und Client ab. Der Server kommt ohne grafische Oberfläche aus, die Benutzer melden sich darauf dann über einen Client vom selben Rechner oder via Netzwerk an.

Da MoonEdit ausschließlich in Form vorkompilierter Dateien vorliegt, beschränkt sich die Installation auf das Entpacken des Archivs me.tar.gz. Darin befinden sich zwei ausführbare Dateien, der Client me und der Server meserver. Zwar kann auch das grafische Frontend ohne den Server Sitzungen eröffnen. Der große Vorteil des selbständigen Servers liegt jedoch darin, dass alle Teilnehmer die Sitzungen jederzeit unabhängig voneinander betreten und verlassen können.

Da der MoonEdit-Server nur im jeweils aktuellen Verzeichnis nach Dateien sucht, sollten Sie die gemeinschaftlich zu bearbeitenden Dokumente an einem zentralen Ort speichern. Wechseln Sie dann in diesen Ordner und laden den Server mit meserver. Nun erwartet er eingehende Verbindungen.

Starten Sie den Client mit me. Die bislang nur auf englisch verfügbare Oberfläche zeigt im Hauptfenster das Editor-Fenster und in der rechten Spalte die Teilnehmerliste. Benutzername und -farbe stellen Sie über Options | Nick name and color ein, bevor Sie sich über File | Join an einem MoonEdit-Server anmelden. Im Dialogfenster tragen Sie dessen Rechneradresse ein.

Wenn die Verbindung steht, öffnen Sie entweder eine Datei zum Bearbeiten oder aktivieren das Chat-Fenster. Möchten Sie beide Funktionen gleichzeitig nutzen, starten Sie eine zweite Instanz des Clients.

Zum Anlegen einer neuen Datei klicken Sie auf djoinnew (newfile). Eine Liste aller geöffneter Dateien erhalten angemeldete Benutzer über File | Disconnect / file list, per Doppelklick auf einen Dateinamen treten sie der Sitzung bei.

Die Urheber der Änderungen im Text unterscheidet wie bei den anderen Editoren auch MoonEdit über die jedem Benutzer zugeordneten Farben. Verzögerungen treten auch bei MoonEdit nur in Maßen auf, die die Arbeit nicht behindern.

Textdokumente sichert MoonEdit in einem eigenen Format mit der Endung .me auf dem Server. Darin speichert es nicht nur den Text selbst, sondern auch darüber hinausgehende Informationen. Mittels dieser lässt sich beispielsweise nachvollziehen, wer in einer vorherigen Sitzung bestimmte Textänderungen vorgenommen hat. MoonEdit exportiert die Dokumente außerdem ins Text- und ins HTML-Format, wobei die HTML-Datei ebenfalls die Benutzerliste enthält und die Benutzerfarben im editierten Text übernimmt.

Bei der Integration in den Desktop erweist sich MoonEdit jedoch als schwerfällig. So gibt es keine Möglichkeit, Text aus anderen Anwendungen in den Editor einzufügen. Als Schriftarten stehen ausschließlich die fest in MoonEdit integrierten zur Wahl; dabei handelt es sich allerdings um osteuropäische Zeichensätze, die beispielsweise deutsche Umlaute nicht kennen. Zukünftige MoonEdit-Versionen sollen zusätzliche Tastatur-Layouts sowie Unicode implementieren.

Die Dialogfenster zum Öffnen oder Speichern von Dateien lassen die Möglichkeit zur grafischen Navigation durch die Festplatte vermissen. Stattdessen geben Sie den gesamten Dateinamen inklusive des Verzeichnispfads in einer Eingabezeile manuell ein. Auch diesbezüglich sollen zukünftige Versionen nachbessern.

Die Audio-Ausgabe beim Tippen von Text und der integrierte Musik-Sequencer funktionieren mit dem Linux-Client überhaupt nicht, diese Funktionen genießen nur Windows-Nutzer.

Fazit

Alle drei vorgestellten Editoren erlauben es trotz der genannten Mängel, Textdokumente komfortabel gemeinsam zu bearbeiten. Durch sein Client-/Server-Konzept hat MoonEdit die Nase vorn, wenn es darum geht, die gemeinsamen Dokumente jederzeit verschiedenen Benutzern zentral zugänglich zu machen. Das eigene Dateiformat sorgt außerdem dafür, dass die Informationen über Urheber von Textabschnitten erhalten bleiben.

Benötigen Sie diese Vorteile nicht, bieten sich Gobby und MateEdit auf Grund des höheren Bedien- und Installationskomforts eher an. Die Entwickler aller drei Editoren arbeiten aktiv an ihren Projekten weiter, so dass zu hoffen ist, dass sie die jeweiligen Schwächen in künftigen Versionen ausräumen.

Glossar

Zeichensatz

Zeichensätze wie ISO-8859-1 enthalten einen auf einen Sprachraum beschränkten Vorrat an Schriftzeichen. Die Zeichenkodierung Unicode wurde ins Leben gerufen, um langfristig die Schriftzeichen aller gesprochenen Sprachen darstellen zu können.

Zeroconf

Zero Configuration Networking. Eine Technologie, die die konfigurationslose Vernetzung mehrerer Computer innerhalb eines lokalen Netzwerkes (LAN) zum Ziel hat.

Human Interface Guidelines

Die Richtlinien zur Oberflächengestaltung definieren das Erscheinungsbild der Schnittstelle zwischen Benutzer und Software und beschreiben Entwicklern, wie sie ihre Anwendungen ans Verhalten des Betriebssystems oder der Desktop-Umgebung anzupassen. Neben Gnome verwenden auch KDE und Mac OS X eigene Human Interface Guidelines.

Infos

[1] Gobby: http://gobby.0x539.de

[2] Zeroconf: http://www.zeroconf.org

[3] Gnome Human Interface Guidelines: http://developer.gnome.org/projects/gup/hig

[4] MateEdit: http://www.kde-apps.org/content/show.php?content=19830

[5] Fedora mit KDE 3.4 und Zeroconf: http://kde-redhat.sourceforge.net

[6] MoonEdit: http://moonedit.com

Der Autor

Rüdiger Arp ist freiberuflicher Übersetzer. Seine Freizeit verbringt er zum Teil als Editor des Spiele-Portals Linux Game Tome oder mit der Übersetzung von Open-Source-Anwendungen ins Deutsche.

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