Gentoo leicht gemacht
Teil 2: Systemwartung
Die Zukunft von Gentoo
Mit dem Jahr 2004 wurde eine neue Form für die Release-Bezeichnung eingeführt, die sich aus Jahr und Version zusammensetzt (z.B. 2004.3, 2005.0, usw.); neue Veröffentlichungen immt das Projekt vierteljährlich vor. Dazu sei noch einmal angemerkt, dass diese "Releases" nur für die CD-Images eine Bedeutung haben. Ihr einmal installiertes Gentoo-System halten Sie stets mit Hilfe von Portage auf dem neuesten Stand.
Besonders angenehm fällt auf, mit welcher Geschwindigkeit neu veröffentlichte Programme Einzug in den Portage-Zweig halten: In der Regel vergeht beispielsweise zwischen der Veröffentlichung einer neuen KDE-Version und der Stabilisierung in Gentoo nicht mehr als ein Monat.
Die Integration neuer Software bzw. Programmversionen erfolgt in drei Stufen: masked, testing und stable. Ein Programm gilt unmittelbar nach der Eingliederung in den Portage-Zweig als masked, durchläuft dann die testing-Phase, bis die Maintainer es schließlich als stable deklarieren. Dem Benutzer belibt es natürlich frei gestellt, nach Belieben Programme aus allen drei "Entwicklungsphasen" zu installieren.
Bei Gentoo arbeiten die Entwickler derzeit an einem Programmassistenten, der die Installation des Systems vereinfachen und damit auch für den Linux-Einsteiger besser handhabbar machen soll. Dieser Schritt ist zwar grundsätzlich zu begrüßen; trotzdem sehen ihn viele engagierte Anwender mit einem Stirnrunzeln: Die derzeitige Form der Installation führt den Benutzer zwangsläufig sofort an das System heran, nach Abschluss des Installationsprozesses kennt er meist bereits die grundlegenden Befehle seines Gentoo-Systems. Eine Installation in der Form, wie Suse oder Fedora sie praktizieren, könnte dazu führen, dass diese sehr wichtige "Lernphase" verloren geht. Der Benutzer würde sein Gentoo-System nicht mehr in der selben Tiefe verstehen, wie es jetzt der Fall ist.
Schlussbemerkung
Damit sind wir am Ende unserer Gentoo-Serie angelangt. Wir hoffen, Ihnen mit dem Überblick über diese faszinierende Distribution einen Anreiz zur weiteren Beschäftigung gegeben zu haben. Es sei noch einmal betont, dass unsere Serie nur einen kurzen Einblick in Gentoo geben konnte, aber nicht als umfassende Abhandlung der Materie verstanden werden sollte.
Trotz der etwas aufwendigen Installation erfreut sich Gentoo in letzter Zeit einer immer größeren Beliebtheit. Dies spiegelt sich vor allem in den Teilnehmerzahlen der einschlägigen Foren wieder. Wir hoffen, dass es uns gelungen ist, Sie mit dem "Gentoo-Virus" zu infizieren, und dass Sie demnächst Ihr System auf Gentoo. Glauben Sie uns – es lohnt sich.
Der Autor
Dipl.-Ing. Dr.techn. Alexander Reiterer arbeitet an der Technischen Universität Wien als Universitätsassistent. Sie erreichen Ihn unter der Mailadresse alexander.reiterer@tuwien.ac.at.
Infos
[1] Gentoo-Homepage: http://www.gentoo.org, [April 2005]
[2] Gentoo-Dokumentation: http://www.gentoo.org/doc/de, [April 2005]
[3] Gentoo-Forum: http://forums.gentoo.org, [April 2005]
[4] Kofler, Michael: Linux – Installation, Konfiguration und Anwendung. Addison-Wesley Verlag, 7. Auflage, 2004
[5] Planet Gentoo-Homepage: http://planet.gentoo.org, [April 2005]
[6] Alexander Reiterer: Gentoo leicht gemacht (Teil 1), LinuxUser 05/2005, S. 68
[7] Welsh, Matt / Dalheimer, Matthias Kalle / Dawson, Terry / Kaufman, Lars: Linux – Wegweiser zur Installation und Konfiguration. O' Reilly Verlag, 4. Auflage, 2003



