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Rund um E-Mail – eine der ältesten und beliebtesten Internet-Anwendungen – existiert eine Unzahl von Tools. Programme, die den Eingang neuer Nachrichten signalisieren sollen, zählen wohl zu den verbreitetsten Vertretern dieser Gattung. Als Senior dieser Riege wurde vor allem biff immer wieder kopiert, angepasst und verfeinert.

Die 3D-Umsetzung der Idee hört auf den Namen glbiff (Abbildung 3) . Zwar wird das Programm offenbar nicht mehr weiterentwickelt, dennoch können Sie, etwa unter [2], den Quellcode noch via Web erhalten. Der Aufwand lohnt jedoch nur dann, wenn Sie Ihre E-Mails mit fetchmail abrufen: glbiff unterstützt weder POP noch IMAP.

Abbildung 3: Noch keine neue Email.

Das Übersetzen von glbiff mit einem aktuellen Compiler aus den gängigen Distributionen erfordert allerdings ein paar kleine Eingriffe in den Quelltext. Das behginnt bei der Datei cfg.h im glbiff-Quellcode-Verzeichnis an: Die Zeile

#include <stl.h>

kommentieren Sie aus und ersetzen Sie durch die zwei andere Header-Dateien, sodass stattdessen

//#include <stl.h>
#include <stream.h>
#include <list.h>

in der Datei steht. Analog ändern Sie in der Datei cfg.cc die Include-Zeile für stl.h zu:

//#include <stl.h>
#include <list.h>

Nach diesen Änderungen kompilieren Sie glbiff ganz regulär mit ./configure && make und installieren es anschließend per su -c "make install" nach /usr/local/bin/.

Den ersten Start mit glbiff im Terminal quittiert das Tool mit dem Hinweis couldn't open config file /home/benutzername//.glbiffrc. Im Quellcode-Verzeichnis finden Sie jedoch unter dem Namen glbiffrc.sample eine Vorlage für die vermisste Konfigurationsdatei. Kopieren sie diese als .glbiffrc in Ihr Home-Verzeichnis und passen Sie die Angaben für Mailbox-Verzeichnisse, Abfrageraten, Mail-Client und Benachrichtigungs-Sound an Ihre Bedürfnisse an.

Dateisystem durchforsten

Zwar lässt sich das lokale Filesystem auch sehr gut auf der Kommandozeile verwalten, doch sorgt ein Dateimanager wie Konqueror oder Nautilus für mehr Komfort beim Durchstöbern der Datenbestände. Wollen Sie die Bestandsaufnahme der Festplatte in der dritten Dimension vornehmen, sollten Sie sich TDFSB [5] näher ansehen.

Dieses in Abbildung 4 illustrierte Programm erinnert in seiner Bedienung stark an typische 3D-Spiele: Zur Navigation dienen Maus und Pfeiltasten. Dabei steuert die Maus den Blickwinkel – Sie können sich drehen bzw. nach oben und unten sehen. Über die Cursortasten bewegen Sie sich nach vorn und hinten. Verzeichnisse stellt TDFSB als Kugeln dar. Durch betreten einer Kugel wechseln Sie in das entsprechende Directory.

Die Dateidarstellung erfolgt abhängig von Filetyp. Textdateien (auch HTML) erscheinen als gelbe Säulen, deren Inhalt als Lauftext durchscrollt. Bilder zeigt TDFSB auch als solche mit ihrem Inhalt an. MP3-Dateien werden durch eine CD visualisiert. Klickt man ein solches File mit der linken Maustaste an und betätigt bei gedrückter Maustaste [Enter], so beginnt die Wiedergabe der MP3-Datei. Ähnliches gilt auch für MPEG-Videos. Die weiteren Tastenkürzel der Appikation listet Tabelle 1 auf.

Abbildung 4: Auf Datei- und Verzeichnisjagd.

Tabelle 1: Wichtige Tastenkürzel in TDFSB

Tastenkürzel Bedeutung
Esc Programm beenden
t Anzeige von Dateinamen umschalten (aus, rotierend, feststehend)
c Fadenkreuz an- bzw. ausschalten
u Entspricht cd ..
m Darstellung von Objekten (glatte Oberfläche / Polygone)
h Hilfe anzeigen
f Vollbildmodus
0 Entspricht cd ~
. Anzeigen von "."-Dateien zulassen oder verbieten

Nicht ganz so nah am 3D-Ego-Shoter – aber mit dem gleichen Ziel, nämlich dem Darstellen von Verzeichnisinhalten als 3D-Strukturen – kommt fsv [6] daher. Es setzt zum Kompilieren neben einigen der oben genannten Komponenten auch das Entwicklungspaket von gtk sowie gtkglarea voraus. Wie Sie in Abbildung 5 sehen können, handelt es sich bei fsv um keine reine 3D-Anwendung: Das Tool stellt zusätzlich ein Listenfenster (links unten) sowie eine Ansicht des Verzeichnisbaums (links oben) dar. Die Hauptnavigation erfolgt jedoch in der großen 3D-Ansicht.

Das Programm startet die Darstellung im Home-Verzeichnis. Klicken Sie mit der linken Maustaste auf ein Verzeichnis, so verschiebt sich der Fokus dorthin. Ein Rechtsklick auf das Verzeichnis bietet die Möglichkeit zum Öffnen des Verzeichnisses mit expand oder zum Anzeigen der Verzeichniseigenschaften über Properties. Entscheiden Sie sich fürs Öffnen, stapelt fsv den Verzeichnisinhalt wie bei einer Pyramide auf den Knopf des Directory. Wollen Sie den Verzeichnisinhalt nicht weiter anzeigen, genügt ein erneuter Rechtsklick auf den "Fuß" der Pyramide, gefolgt von collapse.

Abbildung 5: Verzeichnisse als Pyramiden.

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