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Mehr als FTP

Komfortabler Dateitransfer mit GFTP

01.12.2004
Ob automatisch per Skript oder manuell mit Hilfe einer komfortablen grafischen Oberfläche: GFTP bietet für jede Anwendung das passende Werkzeug und unterstützt dabei neben FTP alle weiteren gängigen Protokolle zum Übertragen von Dateien.

Mit GFTP übertragen Sie Dateien via FTP, HTTP und SSH oder laden simultan von mehreren Servern Dateien herunter. Zahlreiche weitere durchdachte Features wie Drag&Drop, intelligente Nachfrage bei bereits vorhandenen Dateien, Direkteingabe von FTP-Befehlen sowie die direkte Übertragung zwischen zwei FTP-Servern erleichtern den täglichen Transfer von Dateien.

Der FTP-Client GFTP von Brian Masney unterstützt eine große Anzahl von Übertragungsprokollen: FTP, HTTP, SSH/SFTP sowie HTTPS und FTPS. Bei FTPS verschlüsselt GFTP nur die Steuerungsverbindung via SSL, dass heißt: Das Programm überträgt FTP-Befehle mit Parametern wie dem Passwort für einen FTP-Zugang verschlüsselt, Dateien jedoch nicht.

Das Programm liegt in zwei unterschiedlichen Varianten vor: Die Variante gftp-gtk erlaubt das komfortable Übertragen von Dateien via grafischer Oberfläche, während gftp-text das Herz von Shell-Enthusiasten höher schlagen lässt. Starten Sie stattdessen gftp wird je nach Verfügbarkeit von X11 die grafische oder die Textvariante gestartet.

Verwenden Sie Suse Linux, dann spielen Sie das Paket gftp via YaSTSoftware installieren oder löschen in das System ein. Die in SuSE Linux 9.1 enthaltene Version 2.0.16-44 startete im Test trotz Vorhandensein der Datei mit der deutschsprachigen Übersetzung mit einer englischsprachigen Oberfläche. Das Programm suchte die Übersetzungsdatei nicht in dem Verzeichnis, in dem sie YaST installierte.

Suchen Sie eine einfache und schnelle, im Sinne der automatischen Paketverwaltung vielleicht nicht ganz einwandfreie Lösung für das Problem, führen Sie den Befehl ln -s /opt/gnome/share/locale/de/LC_MESSAGES/gftp.mo /usr/share/locale/de/LC_MESSAGES/gftp.mo aus.

Andernfalls kompilieren Sie die Software einfach selbst: Damit das Kompilieren klappt, müssen die entsprechenden Werkzeuge und Entwickler-Dateien installiert sein. Dazu installieren Sie mit Hilfe von YaST die Selektionen C/C++ Compiler und Werkzeuge sowie Gnome Entwicklung.

Abbildung 1: Kompilieren Sie GFTP unter SuSE-Linux selbst, erhalten Sie ohne Tricks eine deutschsprachige Oberfläche.

Entpacken Sie mit tar -xjf gftp-2.0.17.tar.bz2 oder mit Hilfe der Desktop-Umgebung Ihrer Wahl das Quelltextarchiv von der Web-Seite des Projektes [1]. Wechseln Sie in das Verzeichnis gftp-2.0.17 und wenden Sie den bekannten Dreisatz ./configure ; make ; su -c "make install an.

Standardmäßig installiert make install die ausführbaren Dateien von GFTP nach /usr/local/bin. Dort findet Linux Sie beim Standardsuchpfad vor der regulär installierten Version. Auf diese Weise rufen Paketmanagmentsystem eingerichteten Menüeinträge automatisch die neue, selbstkompilierte Version des Programms auf. Stellt Suse ein fehlerfreies Paket zur Verfügung, deinstallieren Sie mit su -c "make uninstall" ihren eigene Version.

Unter Debian Linux installieren Sie GFTP, im Test mit Debian Sarge die Version 2.0.17-5 mit dem Befehl su -c "apt-get install gftp" oder mit einem Paketmanager Ihrer Wahl wie Synaptic oder KPackage. Das Metapaket gftp sorgt automatisch für die Installation beider Varianten von GFTP, die Sie als Paket gftp-gtk oder gftp-text natürlich auch einzeln installieren können.

Die paketierte Version für Debian enthält zur Zeit keine SSL-Unterstützung (siehe 2). Wollen Sie FTPS oder HTTPS verwenden, dann kompilieren Sie die Software wie oben beschrieben ganz einfach selbst. Installieren jedoch vorher mit dem Paket libssl-dev die Entwicklerdateien zu OpenSSL.

Unter Debian Woody installieren Sie analog die Version 2.0.11-1.

Durchdacht

Einmal installiert präsentiert sich das Programm in der klassischen Aufteilung eines FTP-Clients mit Verzeichnislisten für das lokale und entfernte Verzeichnis, einem Status-Bereich, der Informationen zu laufenden Übertragungen anzeigt, und einen Bereich, in dem das Programm ein Protokoll seiner Aktivitäten anzeigt. Eine etwas gewöhnungsbedürftige Site-Verwaltung ist ebenso vorhanden wie praktische Kontextmenüs mit dem Zugriff auf häufig benötigte Funktionen.

GFTP belästigt Sie, nicht für jede Datei mit einer Nachfrage, was mit der Datei geschehen soll, falls auf beiden Computern Dateien mit gleichen Namen existieren. Stattdessen prüft es vorab auf Namenskonflikte und fragt einmal nach, was mit den betreffenden Dateien geschehen soll. In diesem Dialog legen Sie für jede Datei einzeln oder für alle auf einmal eine Aktion fest. Dabei unterstützt das Programm das Überschreiben einer Datei ebenso wie das Fortsetzen einer unterbrochenen Dateiübertragung.

Abbildung 2: Bei gleichen Dateien bietet die Software dem Anwender passende Aktionen an.

Standardmäßig schlägt GFTP vor, Dateiübertragungen fortzusetzen. Mit der Option Standardmässig überschreiben unter FTPOptionenAllgemein ändern Sie dieses Verhalten.

Abbildung 3: Diese Optionen steuern das allgemeine Verhalten des Programms – allerdings sind nicht alle Überstzung immer gelungen.

Die Option Erlaubte Kommandoeingabe im GUI ermöglicht die Eingabe von FTP-Befehlen. Auf diese Weise kombinieren Sie die Vorteile einer grafischen Oberfläche mit den Vorteilen der direkten Eingabe wie bei einem Kommandozeilen-Client. Der Wikipedia-Artikel zum FTP-Protokoll liefert einen guten Überblick, welche Befehle es gibt [3].

Abbildung 4: Das beste aus zwei Welten: Navigieren Sie mit der Maus in das Zielverzeichnis und schicken Sie dann den gewünschten FTP-Befehl an den Server.

In der Konfigurationsdatei des Programms legen Sie fest, welches Programm GFTP zum Anzeigen eines bestimmten Dateityps verwendt. Einen grafischen Konfigurationsdialog gibt es nicht. Öffnen Sie die Datei .gftp/gftprc aus Ihrem Home-Verzeichnis in einem Editor. Suchen Sie dann nach den Zeilen, die mit ext= beginnen.

Abbildung 5: Welches Programm einer Datei bestimmten Typs zugeordnet ist, bestimmen Sie in der Konfigurationsdatei.

Jede Zeile ist nach dem gleichen Muster aufgebaut: Nach ext= kommt die Dateiendung beginnend mit einem Punkt, dann die zu verwendende XPM-Bilddatei, dann der Übertragungsmodus, B für binär und A für ASCII, und zuletzt der Name und gegebenenfalls der Pfad des Programms, das die entsprechende Datei anzeigen oder abspielen soll. Bekannte Dateitypen für Bilder, Musikdateien und HTML-Dokumente sind bereits vordefiniert. Tragen Sie für diese jeweils ihr favorisiertes Anzeigeprogramm ein. Neue Dateitypen erstellen Sie leicht durch das Kopieren und Abändern einer bestehenden Zeile.

Datei-Übertragung

Etwas umständlich ist es, nacheinander aus verschiedenen Verzeichnissen mehrere Dateien zum Download auszuwählen. Das klappt nur, wenn Sie Starte Dateiübertragungen deaktivieren, damit GFTP nicht gleich anfängt, die Dateien zu übertragen. Dann wählen Sie alle Dateien und aktivieren diese Option wieder, damit das Programm der Transfer beginnt. Hier wäre die Möglichkeit schön, an einem bereits angefangenen Vorgang weitere Dateien anzuhängen.

Wollen Sie von mehreren Servern Dateien laden, unterstützt GFTP Sie hingegen vorbildlich. Trennen Sie einfach nach dem Start der Übertragung die Verbindung zum aktuellen Server, und bauen Sie die Verbindung zu einem anderen Server auf. Das Programm setzt die bereits gestartete Dateiübertragung währendessen fort.

Ist die Einstellung Jeden Transfer einzeln aktiviert, arbeitet der FTP-Cleint die Downloads nacheinander ab. Ansonsten lädt er von jedem Server, von dem Sie eine Übertragung gestartet haben, gleichzeitig eine Datei. Dies lohnt sich nur, wenn Sie über eine schnelle Internet-Verbindung verfügen.

GFTP unterstützt auch die direkte Übertragung einer Datei zwischen zwei FTP-Servern. Die beteiligten Server müssen allerdings das FXP-Protokoll unterstützen. Nehmen Sie für den direkten Transfer wie gewohnt eine Verbindung mit dem FTP-Server auf, der Dateien empfangen soll. Dann wählen Sie LokalÖffne URL..., um die lokale Seite mit dem FTP-Server zu verbinden, mit dem Sie Dateien senden möchten.

Versuchen Sie eine Verbindung zu trennen, solange das Programm noch mit dem Aufbau oder dem Einlesen des Verzeichnisinhalts beschäftigt ist, wies das Programm im Anzeigebereich für das Protokoll leicht zu übersehen darauf hin, vorher den Stopp-Schalter zu klicken. Wer diesen Hinweis nicht gleich fand, wunderte sich, warum das Programm nicht reagiert. Leichter zu durchschauen wäre es, wenn GFTP in einem solchen Fall annimmt, dass der Anwender weiß, was er tut, und ohne weiteren Hinweis die Verbindung trennt.

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